Mittwoch, 6. Juli 2011

Da kommt der Monat. Da geht er wieder.

Es ist Juli! Unglaublich, aber wir haben tatsächlich schon Juli. Ich frage mich, wo der ganze Juni geblieben ist. Normalerweise sollte die Zeit doch langsam vergehen, wenn man nicht viel unterwegs ist, weil man wegen der Uni zu tun hat. Warum funktioniert das hier in Japan nicht?
Nun, zumindest kann ich die letzten zwei Wochen somit ziemlich schnell zusammenfassen.

Mittwoch, der 22. Juli, war ein rundum gelungener Tag. Los ging es 12 Uhr zum Mittagessen. Eine Freundin vom Mita-no-Ie hatte ein gemeinsames Mittagessen mit ihren Freunden organisiert und mich spontan mit eingeladen. Dort hat sich wieder einmal bestätigt, dass die Welt tatsächlich ein Dorf ist: Einer der Studenten hat 2007/2008 ein Auslandsjahr in Deutschland gemacht, in Bonn, und ist auch mit einem meiner jetzigen Kommilitonen befreundet. Zudem haben er und noch ein weiterer Student (beide studieren im Hauptfach Jura, besuchen aber zusätzlich den Intensivkurs Deutsch der juristischen Fakultät) die Deutschkurse von Herrn Schart, der mir neulich erst von Tatsuya, der jahrelang das Deutsch-Camp im März organisiert hat, vorgestellt worden war. Der Hintergrund, dass Tatsuya mir Herrn Schart vorgestellt hat, war, dass ich in der nächsten Zeit ein Praktikum im Bereich Deutschunterricht gesucht habe und Herr Schart häufig Praktikanten betreut. Nach einigem E-Mail-Austausch bezüglich meiner Motivation und den Vorstellungen zu dem Praktikum hatte ich dann auch meine Zusage, dass ich das im nächsten Semester machen kann! Aber das hat sich erst Ende der letzten Woche richtig ergeben.
Kommen wir zum eigentlich spannenden Teil des besagten Mittwochs: Dem Abend. Der stand ganz unter dem Motto: CATS! Franzi und ich haben uns schon vor Ewigkeiten vorgenommen gehabt, irgendwann das Musical anzusehen, zumal es in Yokohama, also in unserer Nähe, aufgeführt wird. Und Yurie, meine Freundin von der Sophia, ist ebenfalls mitgekommen. Es war unheimlich schade, dass drinnen keine Fotos gemacht werden durften. Das Bühnenbild war unglaublich. Der gesamte Raum war wie eine riesige Müllhalde eingerichtet, mit Haufenweise Schrott, Papierfetzen, Kabeln, Spielzeug etc. In dieser Müllhalde leben sozusagen die Katzen, in denen es bei Cats geht, und da diese natürlich viel kleiner sind als Menschen, war der ganze Schrott im Großformat nachgebildet worden. Man fühlte sich selbst fast schon wie eine kleine Katze, wenn man durch den Raum lief und alles betrachtete. Auch die Vorstellung selbst war großartig. Die Schauspieler liefen zum Teil die gesamten Gänge bis in die letzten Reihen auf und ab und haben das Publikum richtig in ihre Geschichte mit einbezogen. Und am Ende kamen sogar alle noch einmal hoch und haben selbst uns oben in der letzten Reihe persönlich die Hand geschüttelt. Gut, vor uns waren wenigstens 7, 8 Reihen komplett leer, sonst wäre das sicher nicht möglich gewesen. Aber es war spektakulär. Auch die Kostüme und das Make-up dann einmal von ganz nah sehen zu können war unglaublich. Und "Memory" (hier das englischsprachige Original) hat natürlich den ganzen Raum in seinen Bann gezogen. Bei vielen Liedern der anderen Katzen haben die Zuschauer am Ende geklatscht, aber nach Memory lag eine scheinbar endlose Stille im gesamten Raum. Man hätte meinen können, es wurde nicht mal mehr geatmet.


Was vorher schon im Bahnhof groß mit Plakaten angekündigt wurde, ist von draußen erst recht nicht mehr zu verfehlen: Die Theaterhalle, in der bereits seit einigen Jahren Cats aufgeführt wird.

Vor dem Eingang des Theaters.

Nachts sah es, mit Beleuchtung, natürlich am besten aus. Leider kommt das hier gar nicht so gut rüber.

Danach war es aber erst einmal wieder vorbei mit der schönen Zeit. Die Deadline für den ersten Aufsatz stand an. Und dann war es auch noch der ewig lange, mit ca. 8000 Zeichen. Das sind 9 Seiten auf Word! Und weil Japanisch deutlich kürzer ist als Deutsch, wären es auf Deutsch sicher 12 Seiten gewesen. Also durchaus eine richtige Hausarbeit fürs Bachelor-Studium. Und auch wenn die wichtigsten Quellen von unserem einen Professor vorgegeben gewesen waren, kann man allein damit doch noch keine gehaltvolle Analyse aufschreiben, also musste auch zusätzlich noch ein wenig recherchiert werden. Und nicht vergessen, dass am Freitag, den 1.7., nebst der Abgabe dieses Aufsatzes auch noch ein Vortrag für mich auf dem Programm stand. Und am Sonntag, den 3.7., dann der offizielle Japanisch-Test, der Japanese Language Proficiency Test (kurz: JLPT). Positiv ausgedrückt kann man also von einem spannenden Wettlauf gegen die Zeit sprechen. Der dauerte dann, inclusive Kontrolle des fertigen Aufsatzes (der dann plötzlich sogar 10.000 Zeichen lang war), bis Freitagnacht 3:30 Uhr. Aber er ist fertig geworden und pünktlich, freitagnachmittag, in die Uni gegangen.

Zum JLPT vom Sonntag, den 3.7., lässt sich zusammenfassend eines sagen: Das ganze Lernen des letzten halben Jahres, inclusive des Besuchs meines Grammatik-Kurses (freiwillig! für den Test!), hätte ich mir komplett sparen können. Ich habe genau zwei Wörter im gesamten Test wiedererkannt, die ich ohne die ganze Übung sicher nicht gewusst hätte, das wars. Es war die reinste Schikane. In Franzis Blog findet ihr, in der zweiten Hälfte, noch genauere Beschreibungen der Testsituation. Traf auf mich ganz genauso zu wie auf sie.
Den Grammatik-Unterricht will ich hier natürlich nicht verteufeln. Ich habe da haufenweise Grammatik gelernt, die ich vorher nicht gekannt hatte, und von denen ich so einiges trotzdem im Alltag und für das Lesen/Schreiben von Fachtexten gebrauchen kann. Es ist also eine Bereicherung fürs Leben geworden, nur halt nicht für den Test.
Zur Ablenkung und weil Lena (Freundin aus meinem Studienprogramm) Freikarten bekommen hatte, sind wir danach noch nach Roppongi gefahren und haben uns eine expressionistische Ausstellung eines französischen Künstlers angeschaut. Viel verstehe ich bei sowas ja immer nicht, aber die Ablenkung war trotzdem ganz schön als Wochenanbschluss.

In der Zeit hatte ich dann auch meine Zusage für das Deutsch-Praktikum im nächsten Semester bekommen. Als Einstieg hat mich Herr Schart gleich noch in einen seiner Kurse eingeladen, der heute, am Mittwoch, den 6. Juli, auf dem Mita-Campus stattgefunden hat. So konnte ich mir schon mal ein Bild von seinem Unterricht und den Studenten machen, die daran teilnehmen. Im Anschluss habe ich gleich noch einen Unterrichtsplan für das nächste Semester bekommen, mit dem ich dann zeitlich recht flexibel einteilen kann, wann ich mir welche Kurse ansehen und wo ich mich selbst an der Vorbereitung beteiligen kann. Ich selbst habe im nächsten Semester ja auch Unterricht, deshalb darf ich es nicht übertreiben. Wahrscheinlich wird es so aussehen, dass ich mich auf einen Kurs konzentriere, bei dem ich mich einmal pro Woche auch an der Unterrichtsplanung und -durchführung beteilige, und ansonsten noch einige Kurse aus anderen Stufen (es gibt Grundstufe1 und 2, Mittellstufe 1 und 2, sowie eine Oberstufe) zum Zuschauen besuche, um mir einen Überblick über die Unterrichtsmethodik und Inhalte der verschiedenen Sprachlevel zu machen.

Kommentare:

Drea hat gesagt…

Oh schön, Du hast deinen Blog aufgehübscht ^^.

Tja, jetzt habt ihr uns vom letzten Jahr sicher auch verstanden, auch wenn ich nicht weiß, ob der Test dieses Jahr nun leichter oder schwerer war, lernen kann man dafür irgendwie nich mehr so richtig >_>... Vielleicht in ein paar Jahren, wenn es sich rumgesprochen, eingebürgert, und im netzt extra wieder neu angepasste Lernseiten aufgebaut sind... Aber ich drücke Euch trotzdem alle Däumchen o(>_<)o

KissMeGoodBye hat gesagt…

=)

Das war ein anstrengender Monat, so wie es aussieht. お疲れ様~
Ich habe Franzi schon geschrieben: ich fühle mit euch, was den JLPT angeht. Ich habe auch gedacht, ich hätte nicht lernen brauchen.

Ich wünsch euch beiden einen erholsameren Juli. Und nicht ganz so heißes Wetter ... *Daumen drück* o__o
liebe grüße
Tina