Montag, 20. Juni 2011

Vorträge-Sintflut als Vorboten des Semesterendes

Mit dem Juni kam nicht nur die Regenzeit, sondern auch eine reichliche Stress-Phase an der Uni. Wenn man an zwei Tagen plötzlich drei Vorträge zu halten hat, muss man sich mit seinen Freizeitaktivitäten schon ganz schön einschränken. Aber ein bisschen was Interessantes gibt es von den letzten beiden Wochen trotzdem zu berichten.

Am Montag, den 6. Juni, hat einer meiner Lehrer den gesamten Kurs nach dem Unterricht zum Abendessen im Izakaya eingeladen. Für deutsche Verhältnisse ist das wahrscheinlich undenkbar, aber in Japan kann es durchaus vorkommen, dass ein Lehrer seinen Kurs zu Semesterbeginn einlädt, was es zum einen den Studenten untereinander erleichtert, sich gegenseitig kennenzulernen, und andererseits natürlich auch zum Lehrer ein gutes Verhältnis schafft.
unser Kurs zur "Entstehung und Bedeutung der japanischen Schrift" mit Prof. Kimura in der Mitte

An der Universität kommt das an sich noch recht selten vor, aber in japanischen Firmen ist es Gang und Gebe, so etwas regelmäßig zu veranstalten. Je nach Abteilung bisweilen sogar wöchentlich! Dann hat das Ganze aber meist den gegenteiligen Effekt und selbst die meisten Japaner fangen an zu stöhnen, wenn sie schon wieder drei Stunden später als geplant nach Hause können.

Genau eine Woche später, am Montag, den 13. Juni, standen gleich zwei wichtige Ereignisse an: Zum Einen hatten meine Kommilitonin Franzi und ich seit langem mal wieder die Möglichkeit, Tatsuya zu treffen, einen ehemaligen Lehrer von der Keio-Universität, der jahrelang das jährliche Deutsch-Camp im März organisiert hat (für alle, die noch nicht so lange mitlesen: Der Link führt zu meinem Blogeintrag von 2009, als ich das zweite Mal am Deutsch-Camp teilgenommen hatte). Tatsuya hat als langjähriger Deutschlehrer hier in Japan einige Kontakte und Erfahrungen, mit denen er mir bei meiner Suche nach einem Praktikumsplatz sehr hilfreich ist. Ich hoffe, dass ich den Sommer über für einige Wochen im Bereich Deutsch als Fremdsprache einige praktische Erfahrungen sammeln kann, um diesen Weg dann möglichst in Zukunft auch weiterzuverfolgen.
Das zweite wichtige Ereignis vom Montag waren die Auswahl-Gespräche der neuen Doppel-Master-Studenten hier in Japan. Da ein Studienjahr in Japan im April beginnt - nicht im Oktober, wie bei uns in Deutschland - sind auch die Bewerbungsfristen hier anders als bei uns zu Hause. Vier Studenten, die Franzi und ich über unsere Betreuerin Frau Murata und über die Germanistik hier am Mita-Campus inzwischen kennengelernt haben, hatten sich für das Doppel-Master-Studium beworben UND: Sie sind auch alle angenommen worden! Das heißt, sie werden im April nächsten Jahres ihr Studium in Deutschland beginnen und können mehr oder weniger zeitgleich mit uns nach Deutschland fliegen. Es war wirklich spannend, auf die Ergebnisse zu warten. Neben den vier Studenten, die ich bereits kenne, gibt es noch einen weiteren, der ebenfalls in das Programm aufgenommen wurde. Zudem kommen natürlich auch jährlich Bachelor-Studenten für ein Auslandsjahr nach Halle, sodass es ab April sicher sehr interkulturell werden wird.

Am Mittwoch, den 15. Juni, waren Franzi und ich von Herrn Tsunoda, dem Organisator der wöchentlichen Treffen im Mita-Haus, zu einem Kochabend in einem kleinen Lokal in der Nähe von Roppongi eingeladen worden. Neben uns gab es noch ca. 4, 5 Austauschstudenten und eine ganze Reihe von Geschäftsmännern und -frauen, alle Freunde von Herrn Tsunoda, die sich an dem Abend in lockerer Runde getroffen haben.

Vorbereitungen für ein ägyptisches Essen für ca. 20 Personen.

Männer am Herd! Koichi-san (vorn) und Tsunoda-san (hinten)

Alle Gäste, kurz bevor das Essen fertig war. Fehlen nur ich (hinter der Kamera) sowie Tsunoda-san und Koichi-san, die sich immer noch um die Töpfe gekümmert haben.

An diesem Abend habe ich festgestellt, dass erwachsene japanische Frauen uns deutschen deutlich ähnlicher sind als Japans weibliche Jugend. Mit ihnen konnte man genauso über die neuesten Mode-Marotten und Musik-Sternchen lästern wie mit fast allen europäischen bzw. amerikanischen Freunden im Wohnheim. Das war wirklich ein erheiterndes Erlebnis!

Am Freitag, den 17. Juni, wurde es für mich dann richtig ernst. Die ersten zwei Vorträge standen an. Und obwohl ich wirklich fast zwei ganze Wochen kontinuierlich an allem gearbeitet hatte, sind die letzten Details doch erst Mittwoch- bis Donnerstagabend fertig geworden. Aber am Ende war es dann auch wirklich fertig. Zumindest die Vorbereitung. Der zweite Vortrag leider nicht ganz. Da die Vorträge in diesem Seminar generell auf gut eine Stunde ausgelegt sind und ich den zweiten Vortrag an diesem Tag hatte, bin ich nur ungefähr bis zur Hälfte gekommen und werde den Rest dann am kommenden Freitag vortragen.

Am Samstag, den 18. Juni, ging es 13 Uhr dann gleich wieder in die Uni. Professor Oberländer war wegen der Auswahlgespräche für die neuen Doppel-Master-Studenten extra nach Japan gereist und so wurde die Gelegenheit gleich noch für ein Kolloquium genutzt, um den aktuellen Fortschritt unserer Forschungen für die Master-Arbeiten zu präsentieren. Fünf Stunden haben alle referiert, zugehört und diskutiert, bis 18 Uhr dann alles geschafft war und wir von unseren Professoren (Frau Murata und Frau Tanaka waren ebenfalls dabei gewesen) in der Nähe vom Campus in ein leckeres Lokal zum Abendessen eingeladen wurden. Danach saß uns allerdings die Müdigkeit von sechs vollen Unitagen wie Blei in den Knochen und wir sind alle nur noch nach Hause geschlürft - und haben in der Nähe vom Hiyoshi-Bahnhof dann noch mal beim Karaoke halt gemacht. Das hatten wir uns nach der Woche verdient!

Am Sonntag, den 19. Juni, war eigentlich ganztägiges Lernen geplant gewesen, aber nach einer spontanen E-Mail von Linda (eigentlich heißt sie "Makiko Hayashida", aber man kann ihren Nachnamen auch "Rinda" lesen und so ist der Spitzname entstanden) sind Franzi und ich am Mittag nach Shibuya gefahren. Linda ist eine gute Freundin seit Franzi und ich 2008 das erste Mal am Deutsch-Camp teilgenommen haben. Im April 2009 ist sie dann für ein Auslandsstudium nach Paris geflogen und seitdem habe ich mich nicht mehr mit ihr treffen können. Es ist unglaublich, dass seitdem auch schon wieder über zwei Jahre vergangen sind!


v.l.n.r.: ich, Franzi, Linda

Die Kreuzung vor dem Shibuya-Bahnhof am Sonntag.

Überfüllt wie eh und je.

In letzter Zeit ist übrigens die Luftfeuchte in Japan deutlich gestiegen und man hat schon bei 25, 26°C das Gefühl zu zergehen wie Käse in der Mikrowelle. Im Moment stört das beim Einschlafen noch ein wenig, aber ich hoffe, dass ich mich bald daran gewöhnt habe. Neben den ganzen Vorträgen hat das jedenfalls mit Sicherheit auch seinen Teil dazu beigetragen, dass man abends einfach nicht mehr richtig einschlafen kann. Aber etwas Schönes hat die Regenzeit hier dennoch: Die Hortensien stehen in voller Blüte. Hier in Hiyoshi wachsen sie praktisch in jedem zweiten Vorgarten in den verschiedensten Farben und Formen. Eine sehr hübsche Kugelhortensie haben wir auch gleich bei uns an der Kreuzung vor dem Wohnheim.

Kommentare:

Katrin hat gesagt…

Haaaach, ich verfolge deine Blog-Enträge regelmäßig, um mich von meiner BA-Arbeit abzulenken... ^///^ Ich finde es toll, dass du trotz Uni-Stress viel unternehmen kannst! ^.^
Ich bekomme nur leider jedesmal, wenn ich was von dir lese, tierisches Heimweh...
Ich will auch ganz schnell zurück nach Japan!! >.<
Hab dich lieb und vermisse dich! *knuddel*

Deine Ka-chan

Erik hat gesagt…

Hey! Du hast ja dein Blogdesign verändert! Schick schick ^^ Der dunkle Hintergrund entspannt die Augen.

Freu mich immer wieder über deine Berichte in der Ferne ^_^)b

LG Erik