Sonntag, 5. Juni 2011

Deutsches Essen, blaue Flecke, Japanischer Sake, Unterricht am Sonntag - und immer wieder Regen

Wie der Titel schon sagt, war einiges los in der letzten Woche. Wenn es weniger gewesen wäre, wäre ich vielleicht auch eher zum Schreiben gekommen. Dafür gibts aber zur Abwechslung mal selbst geschossene Fotos!

Das letzte Wochenende kann man wohl als das "Wochenende des deutschen Essens" bezeichnen. Der ursprüngliche Plan war, mit Jumpei, einem ehemaligen Austauschstudenten in Halle, und noch ein paar Freunden am 29.5. zum Oktoberfest (Ende Mai!) in den Hibiya-Park zu gehen. Unabhängig davon wurden Franzi und ich einige Tage zuvor von Shuhei, einem Freund vom Deutschcamp, ebenfalls gefragt, ob wir nicht mit ihm und seinen Kumpels zum Oktoberfest gehen wollen. Am 28.5. Nun gut, solange es lustig wird, kann man ja auch zweimal hingehen, haben wir uns gedacht, und beides zugesagt.
Am Ende kam sowieso (fast) alles anders.
Pünktlich zum Wochenendstart hat der Monsun, also die erste Regenzeit in Japan, auch in Tokyo Einzug gehalten und das Oktoberfest vom Samstag, den 28.5., fiel für uns im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser. Shuhei hat das Treffen spontan nach Shimbashi umverlegt, wo wir mit seinen Arbeitskollegen und Freunden der Kollegen in ein deutsches Restaurant gegangen sind.

Spargel mit - äh - Grütze?

Bratkartoffeln mit Schinkenspeck - super lecker, aber viel zu wenig

Abgesehen davon, dass die Portionen klein und überteuert waren, kamen sie den deutschen Gerichten vom Geschmack her doch recht nah. Und da wir uns das Mistwetter zum Glück vom Warmen aus mit ansehen konnten, war es insgesamt sehr gemütlich. Und die Gesellschaft war auch sehr lustig. Viele Japaner scheinen sehr viel lebhafter und beredeter zu werden, wenn sie erst mal aus der Uni raus sind und in den normalen Arbeitsalltag in der Firma hinein kommen.

Yoshi und Franzi

... Namen vergessen.

Im Anschluss an das Restaurant ist ein Großteil von uns noch in ein Izakaya (Bar/Kneipe) in der Nähe gegangen, wo wir den Abend auf japanische Art mit Sake, Sashimi (rohem Fisch), Salaten und ähnlichem ausklingen ließen.

Am Sonntag, den 29.5., war das Wetter nicht besser als tags zuvor, im Gegenteil, sogar noch schlimmer, und Franzi und ich haben insgeheim ein bisschen darauf gehofft, dass das geplante Event wieder ins Wasser fällt. Allerdings war es auch der allerletzte Tag des Oktoberfests und danach wäre die Chance dahin gewesen. Deshalb blieb es letztendlich beim ursprünglichen Plan und wir sind, halb schwimmend, halb ertrinkend, bis zum Hibiya-Park und dort in eines der Esszelte vorgedrungen. Ich habe dazwischen noch ein Hot Dog (mit Sauerkraut im Brötchen!) für ca. 4,50€ erstanden, Yvo (ebenfalls Japanologie-Studentin aus Halle) und Franzi jeweils eine Tüte Kreppelchen, sodass wir zumindest alle mit leckeren Sachen versorgt waren. Ja, auch das Sauerkraut-Hot Dog war lecker. Auch wenn ich das in der Kombination zum ersten Mal gegessen habe. Der Tag war dann allerdings doch recht schnell vorbei für uns, denn ewig konnte man die ungemütliche Kälte dann doch nicht ignorieren.

Nächster Höhepunkt der vergangenen Woche: Donnerstag, der 2. 6. Seit diesem Tag bin ich wieder unter den Sportlern. Ein Freund von der Uni hatte mir die Woche zuvor von dem Volleyball-Zirkel erzählt, der Donnerstagvormittag immer in der ersten und zweiten Stunde (von 9 bis ca. 12 Uhr) trainiert. Und da vor allem in der ersten Stunde wenig Leute da sind und ich in der Zeit noch keinen Unterricht habe, hat er mich eingeladen. Nur ein einziges Mal pro Woche noch vor 7 Uhr aufzustehen klang zwar nicht sonderlich verlockend, aber sicherheitshalber wollte ich es mir doch einmal anschauen. Und es hat sich gelohnt. Ich bin nicht die Einzige, die dauernd die Bälle verhaut und sich deswegen schlecht fühlt, der Trainer ist extrem nett und lustig und er erklärt vor allem auch sehr verständlich, wenn er Fehler in meiner Spieltechnik sieht. Und nach der ersten Stunde war ich dann auch richtig munter und bin voller Energie zum Unterricht in der zweiten Stunde gegangen, wo ich normalerweise noch im Halbschlaf hintorkel. Für den Rest des Semesters habe ich mir fest vorgenommen, das mit dem Volleyball durchzuziehen. Auch wenn ich dann wohl für den Rest des Semesters meine blauen Flecke irgendwie verstecken muss. Mein linkes Handgelenk und das linke Knie sehen aus, als hätte ich mich geprügelt, bunt wie ein Regenbogen.

Am Freitag, den 3.6., ging es wieder ins Izakaya. Diesmal auch ohne Regen, was den ganzen Tag gleich viel angenehmer gemacht hat. Freitag sind Franzi und ich von den Germanistik-Studenten am Mita-Campus eingeladen worden, die ich zwei Wochen vorher bereits bei ihrer Semester-Anfangs-Feier kennenlernen konnte. Diesmal wurden wohl die neuen Master-Studenten des Instituts gefeiert. Es waren wieder gut 20 Personen, inclusive drei oder vier Lehrer anwesend.


Einige Studenten und Lehrer saßen noch bei mir in der Ecke und haben hier nicht aufs Foto gepasst.

ich, Yusuke, Akihiro (einer der Bewerber für den Doppel-Master)

Taito-kun, Yusuke, Akihiro

Wenige Tage vorher, am 1.6., endete für die japanische Seite die Bewerbung für das Doppel-Master-Programm zwischen der Uni Halle und der Keio-Uni, in dessen Rahmen Franzi und ich ja nun an der Keio-Universität studieren. Soweit die Germanisten informiert waren, haben sich wohl mindestens fünf Studenten aus dem Institut für einen Platz in dem Programm beworben. Drei von ihnen kenne inzwischen schon, sodass ich mich natürlich freuen würde, wenn es diese drei auch ins Programm schaffen würden. Dann könnten wir nächstes Jahr im März alle gemeinsam nach Deutschland fliegen und an der Uni Halle gleich weiter Zeit miteinander verbringen. Die Auswahlgespräche finden in zwei Wochen statt und ich drücke ihnen auf jeden Fall die Daumen.

Noch etwas für die Atmosphäre: Der Tokyo-Tower bei Nacht.

Am Samstag, den 4.6., war ich nach dem ausgiebigen Gefeier vom Vortag ganz dem Lerneifer verfallen und habe mich ab Mittag um zwölf bereits an meine aktuelle Übersetzung für meine Master-Arbeit gestürzt. Bis um vier hab ich das auch ganz vorbildlich durchgehalten, dann nach dem Mittag/Abendessen um sechs noch mal eine Stunde, aber dann kamen blöderweise die Kopfschmerzen dazwischen und der Tag war gelaufen. Um acht war ich im Bett und da bin ich bis zum nächsten Tag geblieben, obwohl ich mir eigentlich mehr vorgenommen hatte.

Am Sonntag, den 5.6., hatte ich meine Ersatz-Stunde für Phonetik (Aussprache). Je nach Fach kann es in diesem Semester passieren, dass man am Wochenende eine zusätzliche Stunde hat, weil der Semesterstart am Mita Campus zwei Wochen nach hinten verlegt wurde. Und Phonetik war dieses Wochenende dran. Ich hoffe, das bleibt ein einmaliges Erlebnis. Wenn man bloß wegen einer Stunde am Nachmittag in die Uni fährt, noch dazu am Wochenende, ist der ganze Tag hinüber, man ist müde und kaputt und fragt sich, wo das Wochenende war. Aber nun kann ich sagen, dass ich es mal erlebt habe.

Und zum Abschluss noch eine Kleinigkeit aus der Kuriositäten-Ecke: glitzernder Asphalt auf einem Straßenabschnitt in der Nähe vom Mita-Campus. Sah toll aus im weißen Laternenschein.


1 Kommentar:

Svenja hat gesagt…

"Namen vergessen" - made my day.^^