Sonntag, 22. Mai 2011

Erdbeben!

Gestern habe ich das erste kleine Erdbeben seit meiner Rückkehr nach Japan gespürt. Allerdings war es wirklich nur ein winzig kleines. Und zwei weitere, die es an demselben Tag wohl gegeben haben soll, hatte ich gar nicht erst mitbekommen.
Seit dem schweren Erdbeben vom 11.3. hat es bis vor kurzem auch im Raum Tokyo fast täglich größere und kleinere Nachbeben gegeben. Einige Experten meinten wohl sogar, dass es bis zu einem Jahr dauern kann, bis sich die Erde wieder vollständig beruhigt hat. Umso seltsamer war es daher, dass es im Raum Tokyo seit dem Tag meiner Ankunft so still war. Auch in der Region um Fukushima, wo sich das Epizentrum des starken Erdbebens befunden hat, gibt es in letzter Zeit kaum nennenswerte Nachbeben. Scheinbar beruhigt sich die Lage doch schneller, als erst angenommen wurde.

Beruhigt hat sich übrigens auch das Leben in Tokyo erstaunlich schnell. Das einzige, was noch ein wenig an das Erdbeben vom 11.3. erinnert, ist die ein wenig schiefe Spitze des Tokyo-Towers, und die einzigen Überbleibsel der fleißigen Stromsparmaßnahmen scheinen die ausgeschalteten Rolltreppen an den Bahnhöfen, die still liegenden Aufzüge auf dem Campus und die vielen Schilder an den Getränke-Automaten zu sein, welche von Stromsparmaßnahmen berichten.


Die großen Bildschirme an der belebten Kreuzung in Shibuya sind zu unser aller Enttäuschung jedenfalls schon wieder am Laufen und die Musik in den meisten Kaufhäusern plärrt inzwischen auch wieder wie eh und je. Mir persönlich ist es unverständlich, aber Jacqueline aus meinem Jahrgang meinte, viele Läden hatten seit der Abschaltung dieser Rummelplatz-Atmosphäre tatsächlich deutliche Kundenverluste. Den Menschen will ich unbedingt einmal kennenlernen, der sich bei dem ganzen Lärm beim Einkaufen wohlfühlt.
Die Bahnen, die in Hiyoshi ihre Fahrt beginnen, kommen inzwischen auch wieder größtenteils gleich mit Licht im Abteil an. Genau genommen habe ich es seit diesem einen Mal kurz nach meiner Ankunft kein zweites Mal erlebt, dass die Lichter noch aus waren, wenn der Zug einfuhr. Dafür sind sie gestern interessanterweise aus gegangen, als ich auf dem Heimweg vom Campus an einer Zwischenhaltestelle umsteigen musste. Wahrscheinlich gibt es in diesem Fall so etwas wie ein Spar-"System" noch nicht und die Lichter gehen einfach auf gut Glück an oder aus.

Samstags in die Uni zu müssen ist im Übrigen ganz schön anstrengend. Auch wenn es nur für eine Unterrichtsstunde war, so war man durch die Fahrzeit insgesamt doch gleich wieder vier Stunden deswegen unterwegs, hat im Anschluss daran nicht mehr wirklich lernen können und das wunderbare Gefühl von "Wochenende" verpufft selbst heute irgendwie. Die Hausaufgaben machen sich schließlich auch nicht von selbst.

Allerdings hatten Franzi und ich einen schönen Freitagabend. Die Germanistik-Studenten vom Mita-Campus, welche Franzi noch von ihrem letzten Auslandsjahr zu Bachelor-Zeiten kannte, hatten uns zu einer Party im Izakaya (eine Art Restaurant/Kneipe) eingeladen. Bei den meisten Studenten dort merkt man wieder, dass es einen dieses gegenseitige Interesse am anderen Land bereits ein Stück weit verbindet. Mit vielen kann man sehr ausgelassen reden und Spaß haben. Zwei der Studenten dort bewerben sich auch gerade um einen Platz im Doppel-Master-Program ab April 2012. Falls sie das schaffen, könnten wir im nächsten Jahr gemeinsam in Deutschland weiterstudieren. Hoffentlich klappt das!

1 Kommentar:

Angi hat gesagt…

Redet ihr dann deutsch oder japanisch mit den Germanistik Studenten? ^-^
Es ist erfreulich zu hören das es nicht so viele Erdbeben mehr gibt seit dem 11.03., hier in Deutschland hört man ja nicht mehr so viel über die Situation in Japan deswegen ist es schön mal was von Jemandem zu hören der vor Ort ist! ^-^