Freitag, 4. März 2011

Einleben und einarbeiten

Seit 3 Wochen bin ich nun schon in Japan und so langsam kann man wohl sagen, dass der erste Stress vorüber ist und sich sowas wie ein Alltagsleben einstellt. Ich habe alte Freunde wiedergesehen, mein Zimmer wieder in Unordnung gebracht und meine Ausländer-Registrierkarte abholen können. Aber alles der Reihe nach.

Am Montag, dem 21.2., war mein Geburtstag! Das richtige Geburtstags-Feeling blieb zwar auf einige Stunden am Abend beschränkt, als ich mit Freunden vom Doppel-Master-Kurs im Karaoke war, aber ich bin schon froh, dass das Feiern nicht ganz ausgefallen ist. Seit der Grundschule lag mein Geburtstag immer mitten in den Ferien, sodass ich bisher nie das Problem hatte, nicht an meinem Geburtstag feiern zu können. Durch den Zusatz-Unterricht war das jetzt erstmals anders. Hinzu kommt, dass ich mit Franzi am Nachmittag noch zum Ausländeramt nach Shinagawa fahren musste, weil wir ja eine Wiedereinreisegenehmigung nach Japan brauchten. Auf dem Amt war es so gerammelt voll, dass wir während der Wartezeit sämtliche Hausaufgaben für den nächsten Tag auch noch fertig bekommen haben. Aber wenigstens hatten wir am Ende diesen Aufkleber für unseren Pass.
Am Donnerstag, 24.2., hatte ich zum Glück ebenfalls nur bis 13 Uhr Unterricht, sodass ich danach noch nach Yotsuya fahren und mich zum Mittagessen mit einem Freund vom Karate-Zirkel treffen konnte. Wir wollten eigentlich auf der Terrasse von der Mensa der Sophia-Uni essen gehen, aber das fiel dann gleich aus zweierlei Gründen aus: Erstens hatte es geregnet und zweitens hat die Mensa in den Ferien verkürzte Öffnungszeiten und war schon geschlossen. Na ja, dafür kenne ich jetzt noch ein leckeres kleines Restaurant in der Nähe der Uni. Und ich war echt froh, meine alte Uni endlich mal wiedersehen zu können. Da hat mich so die Nostalgie gepackt...
Freitagabend, am 25.2., bin ich halb privat, halb aus Pflichtgefühl abends wieder weg gewesen. Die in Tokyo ansässigen Studienstiftler und Alumni organisieren gelegentlich einen Stammtisch, von dem ich einige Tage vorher gerade erfahren hatten. Bei dem Stammtisch sollte auch gleich die Planung für das Ostasientreffen in Tokyo, welches die Studienstiftung jährlich organisiert, besprochen werden. Lena, eine Freundin aus meinem Studiengang, ist auch gleich mitgekommen. Die Location war allerdings so extrem laut, dass man selbst beim Schreien seinen Platznachbarn kaum verstanden hat, sodass großangelegte Unterhaltungen gleich ganz ausgefallen sind. Dafür konnte man sich gut mit den Leuten in der Nähe unterhalten. Lena und ich schienen zwar mit etwas Abstand die Jüngsten in der Runde zu sein, aber die Leute waren alle echt sympathisch. Da wird das Ostasientreffen im Juni sicher wieder lustig.
Samstagabend, 26.2., war mein persönlicher Höhepunkt der Woche: Gasshuku-Treffen! Franzi und ich hatten vor 3 bzw. 2 Jahren jeweils an einem 5-tägigen Sprachlager für deutschlernende Japaner teilgenommen und mit den Leuten, mit denen wir uns damals angefreundet haben, haben wir über die Jahre mit den meisten Kontakt gehalten. Fünf Tage gemeinsam arbeiten, essen, feiern, baden, reisen und schlafen schweißt unglaublich zusammen. Aki, eine Freundin von damals, hatte am 23.2., also kurz nach mir, Geburtstag und ihre Geburtstagsfeier stand schon länger auf dem Plan. Mio, die bis dahin als Einzige wusste, dass Franzi und ich wieder in Japan sind, hat uns kurzerhand mit eingeladen und so waren wir die Überraschungsgäste des Abends. Leider habe ich keine Fotos gemacht, aber in Franzis Blog findet ihr welche, falls jemand Interesse hat. Yasu ist für das Treffen sogar extra aus Osaka hergefahren! Und Tekkan ist inzwischen verheiratet, aber leider viel zu japanisch, als dass er uns viel über seine Frau und sein Leben jetzt erzählt hätte. Schade!
Am Dienstag, den 1.3., stand der nächste Geburtstag auf dem Programm. Jacqueline, die Jüngste aus unserem Master-Programm, ist 23 Jahre alt geworden. Sie wohnt leider als Einzige in einer ganz anderen Richtung als der Rest von uns und konnte sich bis jetzt auch noch keine Monatskarte kaufen, weil sie nächste Woche sowieso noch mal umziehen muss (die japanischen "Monatskarten" sind eigentlich eher Rabattkarten für die Strecke zwischen Schule/Uni/Arbeit und dem eigenen Zuhause. Dafür zahlt man monatlich einen Festpreis und kann dann beliebig oft kostenlos fahren). Jedenfalls konnten wir ihren Geburtstag dadurch leider gar nicht feiern. Aber über das Geschenk und die Karte hat sie sich trotzdem gefreut. Abends haben Franzi und ich uns noch mit Alex getroffen, einer Freundin aus Halle, die gerade mit dem Kurzstipendium für ca. einen Monat lang in Japan ist. Waren lecker beim Inder in der Nähe der Uni essen und dann im Karaoke. Die Abendpreise sind leider deutlich höher als die Nachmittagspreise, aber wir waren in einem ziemlich kleinem Karaoke, das keiner der größeren Ketten angehört, und da bezahlt man als Student nur die Hälfte.
Heute, am Freitag, den 4.3., hatten wir nachmittags eine Bibliotheksführung am Mita-Campus. Genau genommen sind da gleich drei Bibliotheken, alle mehrstöckig und mit je unterschiedlichen Themenschwerpunkten. Daneben gibt es noch 5 weitere Campus (klingt bescheuert, ist aber laut Duden die offizielle Mehrzahl von dem Wort) von der Keio-Universität, sodass es sicher kein Problem sein sollte, Werke für das Forschungsthema aufzutreiben. Und zur Not gibt es noch zig weitere Unis in Tokyo und Datenbanken im Internet und und und. Auf dem Heimweg habe ich, dank des schönen Wetters, heute erstmals einen Blick auf den Fuji-san ergattern können. Bisher hat er sich immer hinter Regenwolken oder Dunst versteckt. Oder ich hatte das grandiose Glück, dass gerade in der halben Minute, in der man ihn vom Zug aus hätte sehen können, ein anderer Zug parallel zu meinem fuhr und einem jegliche Sichtmöglichkeit genommen hat. Die Heimfahrt insgesamt wurde dann auch noch um zwei weitere Haltestellen verlängert und ich bin erst in Ôkurayama ausgestiegen. Heute morgen war mir siedend heiß eingefallen, dass ich seit Diesem Mittwoch meine Ausländer-Registrierkarte vom Bezirksbüro abholen konnte. Bis nächste Woche hätte ich theoretisch noch Zeit gehabt damit, aber da ich übermorgen ja schon nach Hause fliege, fällt das leider aus.

Alle anderen Teile der letzten zwei Wochen, von denen ich jetzt nicht berichtet habe, verliefen unspektakulär. Aber den Hauptteil des Japan-Aufenthalts nimmt jetzt halt doch das Studium ein. Der Stundenplan steht jetzt auch soweit und ich hatte diese Woche Montag, Mittwoch und Freitag von 10 bis 13:15 Uhr und Dienstag und Donnerstag bis 17 Uhr Unterricht. Die zwei Nachmittags-Veranstaltungen dienen Hauptsächlich dem Vorankommen mit dem Forschungsprojekt für die Master-Arbeit. Hinzu kommen dann noch täglich ein paar Grammatik- und Textverständnis-Aufgaben für den Japanisch-Unterricht sowie die Korrektur der fehlerhaften Sätze vom Vortag. Und ein wenig Vokabeln wiederholen natürlich. Wenn dann noch Zeit ist, müssen die Texte fürs Forschungsthema Stück für Stück weiter gelesen und exzerpiert werden. Viel Freizeit bleibt dann halt nicht übrig und gegen Ende der Woche kriecht man eher in die Uni als dass man läuft. Aber es ist trotzdem weniger anstrengend als das letzte Semester in Halle und das ist auch was wert.

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