Sonntag, 20. Februar 2011

Wie in alten Zeiten

Heute war ich zum Abendessen bei meiner ehemaligen Gastfamilie in Myogadani eingeladen. Auf dem Weg dorthin bin ich auch das erste Mal seit meiner Ankunft wieder mit der Namboku-Linie gefahren und am Yotsuya-Bahnhof vorbeigekommen. Das waren meine Bahn und der Bahnhof vom Auslandsjahr 2008/09 an der Sophia Universität. Da wird man echt nostalgisch. Wenn ich mehr Zeit gehabt hätte, wäre ich ausgestiegen und 'ne Runde über den Campus geschlendert. Aber das habe ich dann doch erst mal auf ein andernmal verschoben.
Meinen Gasteltern geht es zum Glück nach wie vor gut, auch wenn mein Gastvater durch die Kälte draußen gerade ziemlich mit dem Kreislauf zu kämpfen hat. Er ist ja nun auch schon über 70. Und ein bisschen was hat sich seit dem letzten Jahr, als ich das letzte Mal zu Besuch war, generell verändert. Die Hauskatze ist inzwischen leider gestorben. Aber sie war auch schon sehr alt. Allerdings heißt das nicht, dass es jetzt still geworden ist im Haus. Der Enkel meiner Gasteltern, Shotaro, ist inzwischen 3 Jahre alt und ein total aufgeweckter kleiner Kerl geworden, der viel spricht und viel rumläuft. Es ist echt erstaunlich, wie sehr er sich entwickelt hat in der kurzen Zeit. Als im August 2009 mein Auslandsjahr zu Ende ging, hat er gerade angefangen, erste Wörter vage nachzuahmen. Letztes Jahr im Februar hat er schon einfache Fragen beantwortet und Wörter, die man ihm vorgesagt hat, nachgesprochen. Jetzt ist sein Japanisch besser als meins. *lach*
Shotaro musste natürlich zwischenzeitlich ins Bett und bei der Gelegenheit haben sich auch der Sohn meiner Gastmutter und dessen Frau verabschiedet, aber mit meinen Gasteltern habe ich noch bis kurz nach 22 Uhr am Tisch gesessen, Tee getrunken und Plätzchen gegessen und viel erzählt. Gerade bei Gesprächen mit meinem Gastvater habe ich heute doch gemerkt, dass mein Hörverstehen besser geworden ist. Bei ihm ist das nämlich eine echte Herausforderung. Alles verstehe ich immer noch nicht, wenn ich mich mit ihm unterhalte, aber immerhin reicht es inzwischen für selbstständige Gespräche, bei denen meine Gastmutter nicht mehr dolmetschen muss! Das war echt ein Erfolgserlebnis.
Ich hoffe wirklich, dass ich bald mal wieder Zeit habe, sie zu besuchen. Die jüngste Tochter meiner Gasteltern, Tamaki, ist im letzten Jahr auch dort in die Nähe gezogen und ich würde sie und ihre Familie gern mal wiedersehen. Im Sommer 2009 waren sie ja auch alle mit zum Kurzurlaub in der Präfektur Nagano, sodass ich sie da besser kennenlernen konnte. Tamaki hat noch zwei Söhne und der jüngere kommt ab April schon in die Grundschule. Die zwei sind auch süß. Und genauso grundverschieden wie mein Bruder und ich früher waren.

Franzi hat inzwischen übrigens ein anderes Zimmer hier im Wohnheim bekommen und kann nun nachts auch ruhig schlafen, fernab vom Lärm der Klimaanlagen. Und am Montag fahren wir zwei noch zum Immigrationsbüro, um dort eine Wiedereinreisegenehmigung für Japan zu beantragen. Mit dem normalen Studentenvisum darf man nämlich das Land zwischendurch nicht verlassen, auch wenn es eigentlich noch gültig wäre. Keine Ahnung warum. Jedenfalls braucht man dafür diese spezielle Wiedereinreisegenehmigung. Und da Franzi und ich im März noch einmal für eine Woche zum Symposium nach Deutschland fliegen, brauchen wir diese Genehmigung so schnell wie möglich.
Morgen Mittag treffe ich aber erst mal Yurie, eine meiner besten Freundinnen vom Auslandsjahr an der Sophia Universität. Und vorher und nachher muss ich noch die Präsentation fürs Symposium im März weiter vorbereiten. Zum Glück habe ich meine Hausaufgaben für Montag heute alle geschafft, bevor ich mich auf den Weg zu meiner Gastfamilie gemacht hab.
Es gibt halt anständig zu tun diesmal. Aber zumindest habe ich im Moment noch nicht das Gefühl, dass ich praktisch ohnmächtig einem endlosen Berg an Arbeit gegenüber stehe. Und das ist im Vergleich zum letzten Semester schon mal eine Verbesserung.

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