Dienstag, 18. Oktober 2011

Zeit für Feste und Männer (Jungs?) in Strumpfhosen

Es ist Herbst geworden in Japan. Ab 17:30 Uhr ist es stockdunkel draußen, die Temperaturen und das Wetter schwanken in letzter Zeit ziemlich und die japanische Herbstmode hat ihren Einzug ins Land gehalten und sorgt trotz bisweilen trüben Wetters für genügend Erheiterung.
Neuestes Beispiel sind die im Titel erwähnten männlichen japanischen Studenten in ihren nach wie vor halblangen Hosen, unter denen einige inzwischen allerdings hautenge Strumpfhosen tragen. Meist in schwarz, aber heute habe ich auch eine gesehen mit Piraten-Totenkopf-Aufdrucken. Sehr schnuckelig.

Davon abgesehen ist der Herbst auch die Zeit der Universitäts-Feste. Dazu betreiben die Clubs und Zirkel der einzelnen Unis oder Campus wochenlang umfangreiche Vorbereitungen, um an den Tagen des Campus-Festes ihren eigenen kleinen Stand, Flohmarkt oder Aufführungen präsentieren zu können. Und weil wirklich die gesamte Uni mitmacht, sowohl bei der Vorbereitung als auch bei der Durchführung, sind diese Herbstfeste jedes Jahr aufs Neue ein spektakuläres Ereignis, hinter denen sich deutsche Unis nur verstecken können. Wenn man so etwas nie erlebt hat, kann man sich kaum vorstellen, dass so viele Studenten, die miteinander eigentlich kaum in Verbindung stehen, ein so gut durchorganisiertes Fest auf die Beine stellen können. Vor allem, da japanische Studenten ja landläufig den Ruf weg haben, eher passiv zu sein und nicht diskutieren zu können.
Am Sonntag, den 16.10., war ich zusammen mit Franzi und Katha (ebenfalls eine Kommilitonin aus Halle) auf einem dieser Herbstfeste, nämlich am Shonan-Fujisawa-Campus (kurz: SFC-Campus) der Keio-Universität. Jumpei, ehemals Austauschstudent in Halle, studiert dort am Campus und hat uns eingeladen. Zeitlich passte das auch ganz prima, denn am Tag zuvor hatten wir Doppel-Master-Studenten gerade ein Kolloquium für die Master-Arbeiten hinter uns gebracht, d.h. die Woche zuvor wurden fleißig Recherche-Ergebnisse gesammelt und in ein Handout gepackt und der dazugehörige Vortrag geübt, damit wir am Samstag (!) dann in fünfstündiger (!) Diskussion alle Themen fein auseinanderklamüsern konnten. Hungrig und müde sind Franzi und ich danach noch weiter nach Yokohama gefahren, wo unsere Freunde vom Deutsch-Gasshuku gerade zum Nomikai in ein Restaurant gegangen sind. Die meisten der Leute sieht man bestenfalls einmal pro Monat, deshalb wollten wir uns diese Chance natürlich nicht entgehen lassen. Aber gegen 22:00 Uhr haben wir dann schon gemerkt, dass unsere Energie für diesen Tag allmählich aufgebraucht war.

Zurück zum Sonntag. Pünktlich 10:30 Uhr wollten Franzi, Katha und ich uns in der Lobby im Wohnheim treffen und dann gemeinsam zum SFC-Campus fahren. Allerdings habe ich mit dem Frühstücken irgendwie länger gebraucht als sonst, also mussten die beiden noch 15 Minuten warten...
Auf dem Weg zum Campus hatten wir von der Bahn aus einen Anblick, den ich seit längerem nicht mehr erleben durfte:


Ganz schüchtern lugte hinter dem alltäglichen Dunstschleier doch tatsächlich der Fuji-san bläulich hervor! Und momentan noch ganz ohne weiße Haube. Bedingt dadurch, dass die Smog-Belastung und Luftfeuchte in Tokyo im Sommer stärker sind als im Winter, bekommt man ihn in der warmen Jahreszeit kaum zu Gesicht.

Nach gut einstündiger Fahrzeit sind wir in Shonandai, der Endhaltestelle, noch in den Bus umgestiegen und weitere 20 Minuten später am Arsch der Welt, also dem Campus, angekommen...


...und sind gleich darauf auch schon auf Akiko, die bis August ein Auslandsjahr in Halle gemacht hat, gestoßen.


Akiko hat sich am Stand der Deutsch-Studenten engagiert und fleißig Werbung für Bier und Bratwurst gemacht.

Nach kurzem Plausch haben wir uns aber erst einmal den Rest des Festes angeschaut, wobei wir immer wieder lästige Studenten abwimmeln mussten, die uns mit beharrlicher Sturheit das Essen oder die Getränke ihres Standes aufschzuschwatzen versuchten. Nicht, dass wir nichts kaufen wollten, aber wir wollten uns zumindest erst einmal umsehen. Und das Kappa-Gebäude finden. Dort hatte Kaho, eine Freundin von Katha, die vorletzten Sommer für einen Monat in Halle war, mit ihrem Musikzirkel ein Musik-Café eingerichtet, wo man sich ab 13 Uhr eine kleine Aufführung anhören konnte.







Im Anschluss daran haben wir uns mit Jumpei getroffen. Als SFC-Student ist er einer der ganz wenigen, die für ihren Uniweg nicht mindestens 1 1/2 Stunden mit Bahn und Bus brauchen, weil er direkt in Fujisawa, der Stadt, in der sich der Campus befindet, wohnt. Einige Studenten wohnen sogar so weit weg, dass sie bisweilen sogar direkt auf dem Campus übernachten, weil sich die Heimfahrt abends einfach nicht mehr lohnt. Zeugnisse davon haben wir in einem der Gebäude in Form eines verlassenen Schlafsacks gesehen.
Jumpei hat uns dann noch einigen Freunden von sich vorgestellt, Deutschen wie Deutschlernenden, und mit einigen von ihnen haben wir uns dann die Breakdance-Aufführung des Tanzclubs angesehen, eines der Highlights des SFC-Herbstfestes. Diese Gruppe hat hunderte Mitglieder, die mit Sicherheit alle mehr trainieren als studieren, so gut, wie die sind. Dafür sind sie selbst an anderen Unis entsprechend berühmt und haben natürlich auch ihre eigene kleine Fangemeinde, die bei der ca. 1 1/2-stündigen Vorführung ordentlich angefeuert hat.










Zu schade, dass meine Kamera keine Videos aufnehmen kann. Bei den Tanzeinlagen hätte sich das wirklich gelohnt. Aber wenn Franzi irgendwann demnächst ihren Blogeintrag zum Herbstfest schreibt, könnt ihr dort bestimmt einige Videos bewundern. =)

Nach einem weiteren Besuch beim Stand der Deutsch-Studenten (inclusive leckerer Bratwurst) haben wir uns auf den Weg zur Nebenbühne gemacht. Kahos Zirkel hatte dort noch einen weiteren Auftritt, den wir uns gern noch ansehen wollten, zumal sie diesmal größtenteils andere Stücke aufführen wollten als am Nachmittag. Bis es losging, konnten wir uns noch ein wenig die Jazzmusik der Vorgängerband anhören.
Im Nachhinein hätte ich mich gern auf der anderen Seite der Bühne niedergelassen und nicht auf der, wo der Verstärker stand. Vor allem Geigen können verdammt schmerzhaft sein im Ohr, wenn sie durch so ein Monster zigfach verstärkt werden und man sich in unmittelbarer Nähe befindet. Das war echt schade, weil der Student, der die erste Geige gespielt hat, wirklich sehr gut war, wenn ich das mit meinem nicht vorhandenen musikalischen Gehör jetzt einfach mal so einschätzen kann.

Inzwischen war es längst nach 18 Uhr, demnach auch längst dunkel, und der letzte Zirkel hatte sein Projekt ebenfalls vollendet: Das Kerzen-Aussetzen. Direkt neben dem Campus-Eingang wurden die Heimkehrenden von einem leuchtenden Kerzenmeer verabschiedet und luden natürlich noch einmal zum abschließenden Foto-Schießen ein. Ich hätte mich auch gern daran beteiligt, wenn sich gegen Ende der Breakdance-Aufführung nicht mein Kamera-Akku dazu entschieden hätte, den Geist aufzugeben. Aber so ein Kerzenmeer bei Nacht ist wirklich etwas Tolles.

Sonntag, 9. Oktober 2011

Und es geht wieder los

Am 20.9. war der offizielle Beginn des Winter-Semesters an der Keio Universität und spätestens eine Woche später war ich bereits gut beschäftigt. Wobei - eigentlich ging die Beschäftigung vorher schon los, denn einerseits will man in der letzten Ferienwoche noch mal möglichst viel erleben, andererseits steht die nächste Absprache zum Forschungsprojekt vor der Tür. Ganz konkret wäre das: Was haben Sie denn während der vorlesungsfreien Zeit alles geschafft? Und natürlich treibt das unweigerlich zur Eile an.

Samstag, den 17.9., habe ich zum ersten Mal seit Jahren wieder Monja gegessen. Atsushi, ein Teilnehmer vom letzten Deutsch-Gasshuku, hat Franzi, mich und noch einige andere Freunde und Bekannte zum Monja-Abend in Tsukishima eingeladen. Monja ist übrigens so ähnlich wie Okonomiyaki: Man bekommt ebenfalls eine salatartige Mischung aus Beiliagen in einer Schüssel, aber die Soße dazu ist viel flüssiger als bei Okonomiyaki. Und diese darf man erst einmal nicht mit aufs Blech kippen, wenn man den Schüsselinhalt zum Anbraten auf dem Blech verteilt. Wenn das Gemüse einigermaßen gar ist, formt man einen Ring daraus, in den man dann vorsichtig die Flüssigkeit hineinkippt, ein wenig kochen lässt, und dann alles vermengt.
Auf dem Weg zum Treffpunkt kam bei Franzi und mir zufällig dann noch das Gesprächsthema "All-Night-Karaoke" auf und dass wir das dieses Jahr sicher gar nicht erst in Betracht ziehen brauchen. Zu viel zu tun und den Rest der Zeit zu müde. Dreimal dürft ihr raten, was nach dem Essen dann die spontane Idee unserer Gruppe war. Nach einigem Zögern sind wir dann doch mitgegangen, aber bei dem einen Mal wird es wohl (leider) bleiben.

Am 18.9., Sonntag, waren wir nach dem Aufstehen kurz nach Mittag schon wieder mit Vorbereitungen zm Weggehen beschäftigt. Diesmal sollte es abends zum Halle-Treffen nach Shibuya gehen - zusammen mit Judith aus unserem Studiengang. Natsumi, die bis Sommer 2010 ein Auslandsjahr in Halle gemacht hat, hat uns und einige andere ehemalige Austausch-Studenten zum Essen eingeladen. Sie und auch Kasumi habe ich, seit die beiden zurück nach Japan gegangen sind, das erste Mal wiedergesehen. Kaum zu glauben, dass seit damals schon wieder ein Jahr vergangen ist.

vlnr: Natsumi, Jumpei, Judith, Kasumi, Franzi, ich, Akiko (Yushiro hat das Foto gemacht)

Abgesehen davon habe ich die meiste Zeit zu Hause am Schreibtisch verbracht. Das Forschungs-Thema musste noch ein Stück vorwärts kommen. Montag, den 19.9., am letzten offiziellen Ferientag also, war ich daher auch noch einmal ziemlich fleißig. Allerdings war das laut Wetterbericht auch der vorerst letzte schöne Sommertag und die letzte Möglichkeit, noch mal den Strand zu sehen und ins Meer zu gehen. Franzi hatte daher einen guten Kompromiss parat: Fachbuch lesen bei Enoshima mit gelegentlicher Abkühlung im Meer!
Gegen 10 Uhr vormittags ging es los, 11:30 Uhr hatten wir unser Zeug ausgebreitet und die Bücher zur Hand genommen. Und festgestellt, dass so ein Tapetenwechsel erstaunliche Lernerfolge zeigen kann. So konzentriert wie an dem Tag habe ich schätzungsweise noch nie in einem Fachbuch gelesen. Einerseits sicher, weil Franzi neben mir genauso vertieft war, andererseits aber auch, weil die Aussicht, nach dem ersten vorläufigen Leseziel erst mal ins Wasser zu gehen, einen unglaublichen Motivationsschub mit sich gebracht hat. So haben wir mehr oder minder den ganzen Tag verbracht: Eine Stunde gelesen, ins Wasser, Sachen trocknen lassen, wieder lesen. Und abschließend Ramen essen in einem kleinen Restaurant in der Nähe.
Im Nachhinein hat sich allerdings herausgestellt, dass wir uns trotz regelmäßigen Eincremens an einigen Stellen trotzdem einen mächtigen Sonnenbrand zugezogen haben. Ich konnte fast eine Woche nicht auf der rechten Seite schlafen, weil es meine Hüfte so übel mitgenommen hatte. Und inzwischen verschwindet die mühsam erarbeitete Bräune auch mehr und mehr.

Die nächsten zwei Wochen waren dann erst mal ziemlich anstrengend. Egal, wie sehr man es sich vornimmt, man geht in den Ferien ja doch nie beizeiten ins Bett und steht dann halbwegs früh wieder auf. Insofern hat sich die erste Zeit in der Uni so was wie ein kleiner Jetlag eingestellt und ich war einfach hundemüde. Hinzu kam, dass ich am 26.9. (Montag) eine Sitzung zu meinem Forschungsthema hatte, bei der diesmal auch mein Professor aus Halle anwesend war. Bis dahin hatte ich mir Gedanken um die konkrete Forschungsfrage und eine mögliche Gliederung für meine Master-Arbeit machen sollen und gerade der Teil mit der Forschungsfrage fiel mir wirklich schwer. Na ja, am Ende ging es irgendwie und ich kann so weitermachen wie bisher, was schon mal eine große Erleichterung war.
Am 27.9. (Dienstag) stand dann auch gleich mein erster Vortrag für dieses Semester auf dem Programm, den ich mir bis nachts halb zwei noch mal genau angeschaut habe, um am nächsten Tag nicht total planlos zu sein. Aber danach war der erste Stress erst mal überstanden.

Mittwoch, der 28.9., war ein sehr ereignisreicher Tag für mich. Unterricht habe ich mittwochs generell nicht, dafür kann ich allerdings einige Stunden des Deutsch-Intensivkurses der juristischen Fakultät der Keio Universität besuchen, eine Art Praktikum machen sozusagen. In der zweiten Stunde habe ich mir den Oberstufen-Kurs am Mita-Campus angesehen. Das ist die Fortsetzung des Seminars, das ich im vergangenen Semester bereits die letzten zwei Wochen besucht habe. In der vierten und fünften Stunde gibt es dann Unterricht in der Mittelstufe am Hiyoshi-Campus, in der Nähe meines Wohnheims sozusagen. Die Mittelstufe ist übrigens weiterhin in drei Level unterteilt, je nach Fähigkeiten der Studenten, und der Kurs, den ich in den letzten beiden Stunden besucht habe, ist die obere Mittelstufe.
Die Oberstufe ist wirklich sehr selbstständig und benutzt sehr aktiv die deutsche Sprache, auch wenn sie in kurzen Gruppenarbeiten während des Unterrichts nur untereinander sprechen. Diskussionen, Fragen etc. während der Vorstellung von Hausaufgaben und ähnlichem finden auch komplett auf Deutsch statt. Die Studenten sind wirklich alle sehr motiviert. Herr Schart, der diesen Kurs (sowie den Mittelstufen-Kurs in der 4. Stunde) betreut, meinte zu mir, dass er selten einen so guten und aktiven Oberstufen-Kurs leiten konnte.
Der Mittelstufen-Kurs ist ein wenig gemischter. Auch da gibt es einige Studenten, die sehr aktiv sind, auch untereinander viel deutsch sprechen, Fragen stellen und selbstständig antworten, wenn eine Frage in den Raum geworfen wird. Aber einige sind auch ziemlich zurückhaltend und trauen sich nicht so viel zu bzw. sprechen untereinander fast nur auf Japanisch. Dabei ist das eigentlich echt schade, denn selbst wenn einigen noch etwas Sicherheit beim Sprechen fehlt, ist das Vokabel- und Grammatik-Wissen der gesamten Gruppe sehr umfangreich und mit ein wenig Geduld und vielleicht mal einer Nachfrage verstehe ich eigentlich problemlos, was die Studenten auf Deutsch sagen. Aber vielleicht werden sie mit der Zeit noch ein wenig lockerer.

Am Ende der Woche hatte ich dann im Großen und Ganzen meinen Stundenplan für das Semester fertig:
Montag, 11:15-12:15: Besprechung zur Master-Arbeit bei Frau Murata.
Montag, Rest des Tages: Forschen in der Bibliothek.

Dienstag, 2. Stunde (10:45-12:15): Besonderheiten japanischer Wörter/Vokabeln bei Herrn Kimura.
Dienstag, 3. Stunde (13:00-14:30): Analyse des Erlernens der japanischen Sprache in der Grundstufe bei Frau Murata. Fortsetzung des Moduls vom letzten Semester.

Mittwoch, 2. Stunde (10:45-12:15): Deutsch Oberstufe bei Herrn Schart. in Mita
Mittwoch, 4. Stunde (14:45-16:15): Deutsch (obere) Mittelstufe bei Herrn Schart. in Hiyoshi
Mittwoch, 5. Stunde (16:30-18:00): Deutsch (obere) Mittelstufe bei Herrn Orlando. in Hiyoshi

Donnerstag, 1. Stunde (9:00-10:30): Volleyball-Training
Donnerstag, 2. Stunde (10:45-12:15): Studium altjapanischer Quellen bei Herrn Ishikawa. Fortsetzung des Moduls vom letzten Semester.
Donnerstag, 4. Stunde (14:45-16:15): Konversation auf Japanisch, späte Oberstufe bei Frau Shiosaki.

Freitag, 13:00-14:00: Japanisch-Tutorium für Austausch-Studenten in Stufe 1. Mein momentaner Nebenjob an der Uni, der voraussichtlich bis Mitte/Ende November dauert.
Freitag, Rest des Tages: Forschen in der Bibliothek.

Einmal im Monat gibt es Samstags zudem ein Blockseminar von 12:30 bis 17:30 Uhr, bei dem alle Teilnehmer meines Programms ihre Fortschritte zur Master-Arbeit präsentieren und gemeinsam diskutieren. Die erste Sitzung findet nächste Woche, am 15.10., statt.

Die grün unterlegten Fächer sind Pflichtveranstaltungen, die für meinen Abschluss wichtig sind. Gelbe Fächer belege ich zusätzlich. Praktikum, Nebenjob und Forschung erklären sich ja von selbst. ;)

Die nächste (also gerade abgeschlossene) Woche verlief dann etwas ruhiger als die Zeit davor. Zum einen gab es jetzt erst mal keine zusätzlichen Vorträge oder dergleichen auszuarbeiten, zum anderen habe ich mich endlich wieder an einen anständigen Zeitrhythmus gewöhnt. Ich bin richtig erstaunt, wie gut man durch die ganze Woche kommt, wenn man täglich gezwungen ist, zur selben Zeit aufzustehen und dementsprechend auch zur selben Zeit ins Bett zu gehen. Ich glaube, so gut habe ich seit meiner Schulzeit nicht mehr geschlafen.
Mittwoch, der 5.10., hat mich meinem Ziel, nach dem Studium als Deutschlehrer zu arbeiten, einen ziemlichen Schritt näher gebracht. Für diesen Tag hatte ich die Auswertung der Hausaufgaben des Mittelstufen-Deutschkurses vorbereitet. Die Studenten hatten je einen von vier verschiedenen Texten als Leseaufgabe aufbekommen und sollten diese nun ihren Kommilitonen vorstellen. Dazu hatten sie zu Beginn der Stunde kurz Zeit, sich mit den anderen Studenten abzusprechen, die denselben Text lesen sollten, und die Fakten alle zusammenzutragen. Nach der Vorstellung der einzelnen Texte sind wir noch einmal auf die Definition von "politischem Handeln" (das ist das aktuelle Kursthema) zurückgekommen und es gab noch einmal Zeit, in Gruppenarbeit herauszuarbeiten, welche Aspekte politischen Handelns in den jeweiligen Beispielen wie stark zutrafen. Das sollte in einem Sterndiagramm festgehalten und dann für die anderen Studenten erklärt werden. Ich hatte dafür ca. die Hälfte der Unterrichtszeit eingeplant, aber am Ende sind wir punktgenau mit dem Klingelzeichen fertig geworden. Herr Schart meinte im Nachhinein, dass er bereits vermutet hatte, dass das länger dauern würde, als ich dachte, aber er hat das zum Glück nicht negativ angemerkt. Und die Studenten haben sich wirklich Mühe gegeben und haben vor allem innerhalb ihrer Gruppen intensiv und meist auf Deutsch diskutiert. Das hat mich echt gefreut. Insofern lief meine Feuerprobe eigentlich ganz gut, denke ich.

Donnerstag, 15. September 2011

Osten trifft Westen in der Yokohama-Arena

Das Ferienende kommt mit schnellen Schritten näher und dementsprechend bleibt immer weniger Zeit für lustige Ausflüge und spannende Geschichten. Aber solange es noch ein wenig zu berichten gibt, will ich schnell noch mal etwas schreiben.

In letzter Zeit sind einige Freunde aus Deutschland hier angekommen bzw. werden noch ankommen, die im kommenden Semester oder Jahr ebenfalls in Tokyo sein werden. Im Moment fühlt sich das eher so an, als hätte ich Besuch aus der Heimat bekommen, aber wenn der Alltagstrott sich erst wieder eingestellt hat, verfliegt das sicher ganz schnell wieder.
Seit Mittwoch, den 7.9., sind Katha und David hier im Shimoda, und Susi, die einen Tag vor den beiden angekommen ist, wohnt auch ganz in der Nähe, in Shin-Maruko (drei Bahnhöfe weiter). Mit den dreien war ich am Mittwochabend erst mal bei Ôtoya im Hiyoshi-Bahnhof essen.
Ungefähr zur selben Zeit ist noch eine weitere Deutsche von der Uni Düsseldorf ins Wohnheim eingezogen und wohnt zusammen mit Judith und mir in der 3. Etage. Als ich mich mit ihr über die Japanologie an ihrer Uni unterhalten habe, ist mir erst so richtig klar geworden, wie klein unser Institut in Halle eigentlich ist, mit je 60-70 Erstsemestern in den letzten zwei Jahren (mein Jahrgang hatte eine Zulassungsbeschränkung, sodass nur 36 Leute in meinem Jahr, 2006, angefangen hatten) und so schätzungsweise 20 Verbliebenen Studenten ab dem 4./5. Semester. In Düsseldorf fangen jährlich über 200 Leute an und Tabea meinte, in ihrem Jahrgang waren es am Ende des 4. Semesters wohl immer noch um die 60 Leute!

Am Mittwoch, den 8.9., hatte Yuri, eine der neuen japanischen Doppelmaster-Studentinnen, eine kleine Party bei sich zu Hause veranstaltet und Judith und mich sowie einige andere Freunde, hauptsächlich vom vergangenen Gasshuku, mit eingeladen. Yuri wohnt mit ihrem Bruder zusammen in Shinagawa. Shinagawa! Das ist eines der Business-Viertel von Tokyo, hauptsächlich aus Hochhäusern mit Glasfassaden und durchgehend neuen, schönen Wohnungen, die noch dazu alle ein Stück größer zu sein scheinen als die durchschnittliche in Tokyo verfügbare Wohnfläche. Ja, in diesem Shinagawa wohnt Yuri zusammen mit ihrem Bruder - der übrigens gerade nicht zu Hause war, weshalb die Party auch extra auf diesen Tag gelegt wurde. Die Wohnung war jedenfalls der Wahnsinn. Tolles Bad, große Küche und das Wohnzimmer und Yuris Zimmer standen dem in nichts nach. Die Wohnung war sicher größer als meine WG-Wohnung in Neustadt. Und wenn man bedenkt, dass Wohnmieten in Tokyo ja generell schon 2-3mal so teuer sind wie in Halle und man bei Shinagawa sicherlich davon ausgehen kann, dass es sicher 4-5mal so teuer sein dürfte, dann bleibt einem da echt die Spucke weg. Ich muss mir unbedingt ein paar Leiter von Wohnungsvermietungen oder so als Freunde suchen. ;)
Nachdem wir alle das leckere Essen verputzt haben, was Yuri gekocht hat, hat sich die ganze Gruppe ein wenig aufgelöst und, grob gesagt, in zwei Gruppen aufgeteilt, von denen eine im Wohnzimmer geblieben ist und die andere sich in Yuris Zimmer verdrückt hat. Da, so hatte einer entdeckt, stand nämlich eine Gitarre! Und die wurde natürlich zum Renner des gesamten restlichen Abends. Und ich habe bei der Gelegenheit mal wieder gemerkt, wie viele Lieder ich inzwischen wieder verlernt habe. Wenigstens eine Handvoll sollte ich mir wirklich noch mal richtig beibringen. Und die Ausrede, ich hab hier ja keine, zählt nicht, weil ich zu Beginn meines Auslandsjahres eine E-Gitarre inclusive Verstärker von einem meiner Wohnheim-Vormieter ergattern konnte. Aber ich sag ja jedes Mal, dass ich wieder häufiger üben will, und mach am Ende doch wieder nix...

Sonntag, der 11.9., wurde für etwas kulturelle Bildung genutzt und gleichzeitig haben Franzi und ich endlich in die Tat umgesetzt, was wir uns seit vor dem Ferienbeginn ganz fest vorgenommen hatten: Uns mal mit Jacqueline (aus unserem Jahrgang) zu treffen und gemeinsam einen tollen Tag zu verbringen. Das Ergebnis war ein Ausflug nach Ueno, beginnent mit der Besichtigung einer Ausstellung über griechische Kunst (hauptsächlich Plastiken). Seit dem weiß ich, dass ich mir irgendwann die Ilias mal durchlesen sollte. Geht ja gar nicht, wie löchrig mein Griechenland-Wissen im Vergleich zu den beiden ist! Anschließendem war Entspannen in einem Café ganz in der Nähe angesagt und danach ein gemütlicher Spaziergang Richtung Akihabara. Auf dem Weg dahin hat uns eines der riesigen Kaufhäuser so verführerisch angelächelt, dass wir letztlich noch einen kleinen Abstecher nach drinnen gemacht haben, wo wir (mal wieder) einen Heidenspaß mit der japanischen Mode hatten. Und ebenfalls auf dem Weg nach Akihabara: Ein Spiele-Center mit Purikura-Automaten!

 

Jetzt hat das Handy auch wieder einen schönen neuen Bildschirm-Hintergrund bekommen.

Am Montag, den 12.9., gab es am Tatsunokuchi-Tempel in der Nähe von Enoshima ein Matsuri (Fest), was ich mir unbedingt ansehen wollte, da ich diesmal noch nicht einen richtigen Festumzug besucht habe, seit ich in Japan bin - bzw. seit der Sommer angefangen hat, denn die Feste finden hauptsächlich zwischen August und September statt.
Rund um den Tempel war die Straße bereits zu beiden Seiten mit verschiedenen Ständen gesäumt, an denen man Essen, Eis, Getränke, Masken, Spielsachen - alles mögliche halt - kaufen konnte. Gegen Nachmittag, als ich angekommen war, war es noch ziemlich angenehm, dort langzulaufen und sich alles in Ruhe anzusehen. Gegen Abend hin sah das dann schon ganz anders aus. Das Fest am Tatsunokuchi-Tempel muss eines der bekanntesten Feste dieser Region sein, was nicht nur Anhand der vielen Stände und der immer größer werdenden Besuchermassen deutlich wurde, sondern auch am Festumzug an sich. Im Gegensatz zum Sanja-Matsuri in Asakusa werden hier zwar keine Omikoshi tanzend durch die Gegend getragen, aber bei einem Tempel, der oben auf einem Hügel liegt und nur über eine Treppe erreichbar ist, wäre das auch ein reichlich gefährliches Unterfangen geworden. Nein, die einzelnen Veranstalter kamen mit Standarten und Musikinstrumenten, teilweise durch parolenartige Chorgesänge untermauert, sich gegenseitig anfeuernd. Und dabei hatten alle Aufführenden so einen riesen Spaß, dass es einfach nur wunderbar war, all dem zuzusehen. So zog sicherlich zwei Stunden lang eine Festgruppe nach der anderen an mir vorbei.

 Beim Goldfische-Angeln. Die weniger Begabten konnten den Standbetreiber auch einfach bitten, die gewünschten Fische mit dem richtigen Kescher rauszuholen. Das Mädchen weiter vorn war allerdings ziemlich gut. Hat mit einem einzigen Papierkescher mindestens vier Fische rausgeholt.

 Der Tatsunokuchi-tera, an dem das Matsuri veranstaltet wurde.

 Mein Stützpunkt, auf einem Podest von ca. vier Stufen, bat wirklich eine super Aussicht.

 Apropos "Aussicht": Hinter dem Tempel geht es noch ein Stück weiter den Berg hoch, bis man im Hintergrund sogar das Meer sehen kann.

 Abends, als es dunkel war, ging der Umzug dann los. Eine Runde durchs Stadtviertel und weiter bis zum Tempel, der die Endstation bildete. Hier: Teil einer der "Musikkapellen", hauptsächlich mit trommelartigen Instrumenten ausgerüstet.

 
 Wer selbst nichts zu tragen hatte, half fleißig beim Anfeuern (Person links neben dem Standartenträger).

 Einige Gruppen hatten diese und ähnlich hübsch geschmückten, beleuchteten Wägen dabei.

 
 Hier eine Gruppe mit vielen kleinen Standarten und -trägern.

 Man beachte die Gesichter des Standartenträgers und der anderen Leute dieser Festgruppe: Mit genau diesem euphorischen Eifer haben alle Züge ihre Vorstellung gegeben.

 Und einige hatten sogar richtig was drauf und schwangen diese schweren Teile wie ein Putzteufel den Staubwedel. Wirklich unglaublich, wie die Dinger manchmal geflogen sind - ohne kaputt zu gehen, wohl gemerkt! Ich hätte sie mit Sicherheit zerhauen...

 Auch oft gesehene Instrumente: Mit einem Resonanzfell bespannte Ringe. Gab es in ganz verschiedenen Größen. Und obwohl sie keinen Korpus besaßen, haben sie doch ordentlich Krach gemacht.

 Auch Flötenspieler gab es immer mal.

 Man beachte den Mönch hinten auf der Treppe: Damit die einzelnen Gruppen nicht allzu ewig gefeiert haben, wurde immer mal eine Durchsage gemacht, dass man bitte weitergehen möge. Oder auch mal zwei, drei Durchsagen, die dann auch deutlich genervter klangen.

 
 
 Den Typen, der dort so herausragt, habe ich echt gefressen. Stellt sich dort vorn, in der ersten Reihe, eine kleine Leiter auf und steht da die ganze Zeit dumm rum und versperrt allen anderen die Sicht! Dabei hat er von seiner Position aus eh die besten Fotos machen können. Leider waren keine Steine zum Werfen in der Nähe.

 Hier ein schönes Beispiel dafür, wie fleißig sich auch die Jüngsten engagiert haben.

 Das kleine Mädchen auf Papis Schultern: So süß!!!

 Ich dachte schon, ich hätte gar kein Foto mehr von den Star-Wars-Mönchen abbekommen. Es war so wunderbar anzusehen, wenn sie mit ihren "Lichtschwertern" den Verkehr vor dem Tempel geordnet haben.

Wie man sieht: Um diese Standarten zu schwingen, braucht man richtig Muskeln!

Ja, das war das Matsuri. Nun habe ich schon wieder einen Kilometer Weblog geschrieben und man fragt sich inzwischen wahrscheinlich, was der komische Titel eigentlich soll. Nun, der bezieht sich auf Dienstag, den 13.9. Ein Tag von unglaublichem interkulturellen Wert. Linkin Park, mittendrin auf ihrer Welttournee, haben einen Zwischenstopp in Yokohama eingelegt und dort in der Arena ein Konzert gegeben. Und ich hatte 'ne Karte dafür! Yay! Zusammen mit 'nem Kumpel.
Und mit dem fing das interkulturelle Erlebis eigentlich schon an. "Dank" ihm weiß ich jetzt, was genau man unter "kolumbianischer Unpünktlichkeit" zu verstehen hat. Ich selbst war ja auch schon spät dran, 20 Minuten, weil ich vorher noch in der Uni war (Japanisch-Einstufungs-Test fürs neue Semester. Und unsere Lehrerin hat uns lieberweise heute schon das Ergebnis verraten: Ich bin diesmal in Level 12 gekommen, das höchste Sprachlevel, soweit ich weiß. Cool! :D ). Aber zurück zum Treffen: Ich, 20 min unpünktlich, und hab nicht mal Bescheid gegeben. Jeder meiner deutschen Freunde hätte mir ordentlich die Leviten gelesen. Bei meinem Kolumbianer hieß das allerdings nur, dass ich selbst noch mal gut eine Stunde warten konnte, bis er endlich in Shin-Yokohama angekommen war und sich von 'nem total anderen Ende des Bahnhofs aus bis zur Arena durchgeschlagen hatte. Ich war, gelinde gesagt, angepisst. Ich glaube, Kolumbien wäre wohl kein Land für mich.
Dann ging es weiter mit einer Runde japanischer Ordnung: Zur besseren Sortierung der Warteschlange wurde der Bereich vor dem Stadion mit anwachsender Menschenmenge abgesperrt und in geordnete Bahnen geleitet, durch die man nach Einlass-Beginn relativ schnell in den Innenraum gelangte. Aber ein bisschen übertrieben haben sie es schon: Direkt an der Tür, nach der Taschen-Kontrolle, meinte die Frau, die dort mein Ticket kontrolliert hat, ich müsse den anderen Eingang weiter links nehmen, weil mein Platz ja in Block "DL" (D, links) ist. Okay, wieder raus, draußen nachgefragt - zur Sicherheit - wo man sich denn anstellen müsse. Der Sicherheitsmensch antwortete darauf erst mal ganz normal: "Da können Sie auch gleich hier durch gehen" und zeigte in die Richtung, aus der wir gekommen waren. Ich ihm die Situation von gerade eben erklärt, und da hat er uns halt schnell durch eine der Absperrungen in die Schlange daneben gelassen. Diesmal auch ohne Probleme reingekommen - und von drinnen aus umgedreht. Man müsse sich vorstellen, ihr steht in einer einzigen, großen Eingangshalle, wo noch nicht mal was abgesperrt ist. Hinter euch Türen, haufenweise, links wie rechts. Und bloß 1, 2 Türen weiter von der, durch die ihr dann selbst gekommen ist, ist die Tür, durch die man euch nicht durchgelassen hat. Auf barrierefreier Sichtlinie. Jetzt war mir auch klar, warum der Sicherheitsmensch so selbstverständlich gemeint hätte, wir könnten ruhig "hier" rein gehen. Tja, entweder die Frau wollte ein paar Ausländer ärgern und hat uns deshalb 'ne Extra-Runde drehen lassen, oder ihr Ordnungssinn grenzt an himmelschreiende Dummheit. Weil ich ihr zumindest nix Böses unterstellen wollte, hab ich mich entschieden, an letzteres zu glauben, und war erst mal sprachlos. - Okay, ich gebs zu, ich hab mit meinem Kumpel über sie gelästert.
Ordnung, Teil II, der Innenraum: Ich muss dazu sagen, dass ich, seit ich die Karten von der Post entgegengenommen und ausgepackt habe, ehrlich irritiert war, weil mir dort eine Platznummer zugewiesen worden war und ich somit dachte, fälschlicherweise Sitzplatz-Karten gekauft zu haben. Dabei sind Stehplätze bei einem Konzert wie von Linkin Park doch ein absolutes MUSS! Aber angekommen im Innenraum habe ich dann beruhigt festgestellt, dass wir doch Stehplätze hatten. Nur war das hier ein wenig anders strukturiert, als ich das aus Deutschland gewohnt bin: Die vordersten Reihen in Nähe der Bühne waren extra eingezäunt. Schön und gut soweit, das kennt man ja. Was mir neu war: Man kann auch den gesamten restlichen Freiraum in Gehege einteilen, das waren dann Block B, C und D, die wiederum je noch mal in ein linkes und ein rechtes Gehege unterteilt waren. Und genau so habe ich mich dann auch gefühlt, als ich in meinen Stall reingelassen wurde (nach erneutem Vorzeigen der Karte, damit sichergestellt werden konnte, das ich auch richtig bin), mein Kumpel und ich die ersten Leute dort, noch dazu aus Deutschland und Kolumbien, in einer Halle, die sich binnen der nächsten dreiviertel Stunde fast durchgehend mit Japanern füllen würde. Ich hab mich gefühlt wie eine Attraktion im Zoo.
Zum Glück hielt dieses Gefühl nur an, bis der Raum endlich voll war mit seinen gut 30.000 Besuchern und sich damit endlich eine richtige Konzert-Atmosphäre eingestellt hat. Und auch Japaner können Stimmung machen, wenn sie auf ein Rock-Konzert gehen und nach den ersten paar Liedern dann auch endlich langsam auftauen. Geklatscht wurde natürlich von Anfang an. Auch hin und wieder gepfiffen. Und natürlich gejubelt, als die Band auf die Bühne kam. Aber bis die Arme (fast) alle richtig oben waren und die Leute auch mal rumgehüpft sind, hat es ein wenig gedauert. Auch schön war die Ansage der Band nach dem 3. oder 4. Lied: "Hey YH (=Yokohama), wie geht's euch heute?!" - "..." *Stille*
Aber wie gesagt, es wurde besser. Sicherlich auch deshalb, weil die Lieder wirklich gut waren. Ich hatte mir ein wenig Sorgen wegen der Playlist gemacht, da das ja Linkin Park's "Thousand Suns"-Tour war, und ich ausgerechnet das dazu gehörige Album so gut wie überhaupt nicht kenne. Ich glaube, vier oder fünf Lieder hab ich mal gehört, aber da hört es auch schon auf. Ca. 60% der Playlist waren aber von den drei älteren Alben, bei denen ich auch anständig mitsingen konnte. Vor allem einige der Jungs in den Reihen hinter mir waren auch vollauf dabei, was natürlich ordentlich für Stimmung gesorgt hat. Und auch die Lieder, die ich nicht kannte, waren wirklich gut (live wirkt ja sowieso meist alles noch viel besser als auf einem Album).
Gegen 21 Uhr war das Konzert dann vorbei, zwischenzeitlich hat beim Anfeuern schon stellenweise meine Stimme versagt (wenn man im hintersten Gehege eingepfercht ist, muss man natürlich umso lauter sein) und für den Rest des Abends blieb ich heiser. Aber es hat sich vollauf gelohnt. Ich bin glücklich, dass ich etwas geschafft habe, was schon lange auf meiner "Muss ich einmal im Leben gemacht haben"-Liste stand, und es war umso verrückter, dass ich diese Band ausgerechnet hier in Japan live sehen konnte. Wenn jetzt bitte noch die Red Hot Chili Peppers herkommen würden, wäre das Auslandsjahr perfekt. ;)

Montag, 5. September 2011

August, Retrospektive

Wie immer, wenn man so viel macht, dass man praktisch nur noch zum Schlafen und gelegentlich zum Essen zu Hause ist, bleibt keine Zeit, all die schönen Ereignisse im Blog niederzuschreiben.
Na gut, auch für mein Forschungsthema habe ich jede Woche brav ein bisschen Zeit freigeschaufelt und mich auf den Hosenboden gesetzt und gearbeitet. Aber im Großen und Ganzen tönt es trotzdem frohlockend: "Ferien, Ferien!"
Ich versuche mal, den August ein wenig zusammenzufassen:

Am Montag, den 8.8. haben Franzi und ich Kichiro wiedergesehen, einen ehemaligen Austauschstudenten in Halle. Er ist gerade an dem Tag von einem Kurzurlaub aus Deutschland zurückgekommen und sah dementsprechend fertig aus vom Jetlag. Aber es war toll, ihn mal wiedersehen zu können. Unser letztes Treffen war auch schon wieder fast zwei Monate her gewesen seitdem.
Am Donnerstag, den 11.8., ging es ins Aquarium in Shinagawa! Einige Freunde vom Gasshuku hatten Abends eine Party organisiert und bei der Gelegenheit entschieden, den Tag bis dahin auch noch ein bisschen zu nutzen. Zur Party selbst konnten Franzi und ich nicht gehen, weil wir jeweils noch einen Plan am Abend hatten, aber das Aquarium selbst war wirklich schön. Es gab auch je eine Robben- und Delfinshow, beide auf ihre Art ganz einmalig. Es ist immer wieder atemberaubend, wie hoch Delfine springen können. Und wenn sie beim Zurückplatschen ins Wasser die untersten Reihen des Publikums jedes Mal wieder voll geduscht haben, war es für uns, ganz oben in der letzten Reihe, umso lustiger. Die verzweifelten Versuche, noch schnell unter Schirme und Regenjacken zu kommen, waren unbezahlbar. Bei den Robben war eine dabei, die noch ganz jung war und erst seit kurzer Zeit mit dem Training begonnen hatte. Daher saßen viele Kommandos und Handzeichen noch nicht so gut wie bei den älteren Tieren und es war unglaublich süß, wie die Robbe immer alles mögliche versucht und gemacht hat, aber bloß bei der Hälfte dieser Versuche auch das erwischt hat, was die Trainerin eigentlich wollte. Süß! Abends bin ich weiter nach Zôshigaya gefahren, zur Besprechung für das anstehende Deutschcamp der Germanistik-Studenten vom Mita-Campus. Die Master-Studenten von der Germanistik, die das organisiert haben, haben mich netterweise an der Organisation teilhaben lassen. Ehito, der für den inhaltlichen Ablauf verantwortlich ist, hat uns erklärt, was er sich so vorstellt, und ist mit uns schon mal einige der Lockerungsübungen durchgegangen. Massage! War das eine Wohltat!
Am folgenden Tag, Freitag, den 12.8., haben Franzi und ich unsere MLU-Freundin Yvo das letzte Mal treffen können. Sie ist wenige Tage später nach Deutschland zurückgeflogen und hat daher an dem Abend mit uns und anderen Freunden eine Abschiedsparty in einem brasilianischen Restaurant gefeiert. Das Restaurant war eine Empfehlung ihrer brasilianischen Freunde. Es gibt dort Grillfleisch nach brasilianischer Zubereitung, in Form von einer All-you-can-eat-Flatrate für 4000 Yen. Der Preis war erst mal ziemlich schmerzhaft, aber für DAS Angebot hat es sich echt gelohnt. Bevor ich wieder nach Hause fliege, muss ich da auf alle Fälle noch einmal hin.
Am Montag, den 15.8., war ich bei meiner ehemaligen Gastfamilie zum Abendessen eingeladen. Diesmal waren auch Tamaki, ihre jüngste Tochter, sowie Yutaka und Takuma, deren zwei Jungs, mit zu Besuch. Tamaki und ihre Kinder waren vor zwei Jahren auch mit meinen Gasteltern zusammen im Ferienhaus in der Präfektur Nagano, wo wir gut eine Woche alle gemeinsam Urlaub gemacht hatten. Seither war es das erste Mal, dass ich sie gesehen habe. Yutaka ist inzwischen in der dritten Klasse, Takuma in der ersten. Und Takuma ist nach wie vor so still wie damals, als ich ihn kennengelernt habe.
Dienstag, den 16.8., bin ich relativ spontan wieder unterwegs gewesen. Ein Bekannter von Herrn Tsunoda, der die Montags-Treffen im Mita-no-Ie organisiert, hat ein Restaurant neu eröffnet, und Herr Tsunoda hat zu diesem Anlass eine Reihe von Freunden und Bekannten dorthin eingeladen. Ich habe nicht schlecht gestaunt, als unter den anderen Gästen auch Yusuke war, Student am Mita-Campus und neuer Doppel-Master-Kommilitone von mir. Er geht schon seit drei Jahren hin und wieder zu den Aktivitäten vom Mita-no-Ie, hat er mir dort erzählt. Zusammen mit zwei anderen Kommilitonen aus dem Doppel-Master-Programm (Ren, Akihiro) besucht er die Ferien über zwei Sprachkurse am Goethe-Institut in Tokyo. Immer Vormittags, fünf Tage die Woche, seit Ende Juli. Und die dauern auch noch bis 14.9. Da gehen sie hin, die Ferien der armen Studenten. Aber zumindest scheinen alle Spaß an den Seminaren zu haben.
Mittwoch, 17.8.: Mein erster Besuch von Minatomirai und Chûkagai. Ersteres ist eine berühmte Hafengegend in Yokohama und zweiteres das benachbarte chinesische Viertel. Irgendwie habe ich es geschafft, während meines letzten Auslandsjahres 2008/09 überhaupt nichts davon mitzubekommen, dass in unmittelbarer Umgebung von Tokyo so eine schöne Tourismus-Gegend ist. Die Besichtigungs-Tour wurde nun nachgeholt, in Verbindung mit einem Treffen mit einer japanischen Freundin, die ich bei einem Kurzausflug nach Prag im Sommer 2010 kennengelernt und um Silvester herum wiedergesehen hatte, als sie mich in Halle besuchen gekommen ist. Sie hat damals ein Auslandsjahr in Frankreich gemacht und ist Ende Juli zurück nach Japan gekommen.
 Eines der Eingangstore zum chinesischen Viertel

 chinesischer Tempel

 Einkaufsstraße

 Hafengegend in Minatomirai:


 "Akarenga", alte Warenhäuser in Minatomirai, die jetzt hauptsächlich als Restaurants genutzt werden.

 
 Spuren von Japanern, die sich am Abend ein Feuerwerk anschauen wollen.

 Brunnen in Drachengestalt. Leider auf dem Foto nicht ganz so gut zu erkennen wie im Original.

 Menschenmassen bei/nach dem Feuerwerk

Minatomirai bei Nacht:
 


Am 18.8., Donnerstag, habe ich so getan, als würde ich etwas für meine Bildung tun, und bin in ein Museum gegangen. Im Tokyo Teien Arts Museum gab es eine Ausstellung mit Glaskunstwerken aus Europa, die frühesten Werke sogar schon aus dem 14./15. Jahrhundert! Ich wusste gar nicht, dass die Herstellung von aufwändigen Glasgefäßen wie Vasen, Krügen, Gläsern etc. schon seit so langer Zeit bekannt ist. Oder dass es so unglaublich verschiedene Möglichkeiten gibt, Farben und Muster bei der Glasherstellung zu erzeugen. Es war wirklich eine sehr gelungene Ausstellung. Und direkt neben dem Ausstellungsgebäude lag noch ein kleiner Park, den man sich gleich mit ansehen konnte.

Park am Teien Arts Museum:
 
 

Das Museum selbst - leider nur von außen, weil man drinnen keine Fotos machen durfte.

Freitag, der 19.8. Für mich ein Freitag, der 13. Ich wollte Plätzchen backen, seit ich am Abend zuvor aus einer der Küchen unheimlich leckeren Kuchenduft gerochen und einen unglaublichen Heißhunger auf Backwaren bekommen habe. Also war ich am Freitag mit Franzi einkaufen, vorher hatte jede von uns noch ein Rezept aus dem Internet herausgesucht. Und dann ging der Kampf mit dem Toaster los. Die Hälfte ist bestimmt verbrannt, weil die Heizstäbe da einfach mal zu heiß und zu nah sind und die Plätzchen deswegen ab einem bestimmten Punkt schlagartig schwarz geworden sind. Mit einer zusätzlichen Alufolie-Schutzschicht ging es zwar einigermaßen, aber das Gelbe vom Ei war es trotzdem nicht. Außerdem hat es gut drei Stunden gedauert, das alles auszupacken, denn natürlich ist so ein Wohnheim-Toaster auch vom Umfang her deutlich kleiner als ein handelsüblicher Ofen. Aber irgendwann waren sie dann fertig, die Plätzchen. Zumindest die, die nicht zu Kohle mutiert und auf direktem Weg in den Müll gewandert sind. Und sie waren sogar halbwegs lecker und sehr fluffig. Einige Freunde waren noch mit unten in der Küche, mit denen ich mich zumindest während der Backzeiten gut unterhalten konnte und mit denen ich schon immer mal ein bisschen was genascht habe. Als alles fertig war, hab ich die Schüssel - 41 Plätzchen waren drin, ich hab gezählt! - zu ihnen rüber zur Sitzecke getragen, um noch was anzubieten, und auf dem Rückweg zum Küchentisch dann: Wumms! Und sie lag unten. Hab 'ne fettige Stelle angefasst gehabt. Und genau wie bei Marmeladentoast gilt scheinbar auch hier: Immer auf die falsche Seite.
Meine Plätzchen!!!!! Ich hätte heulen können, aber selbst dafür war ich in dem Moment einfach zu frustriert. Ihre Fluffigkeit ist ihnen zum Verhängnis geworden. Nicht nur, dass alles auf dem Boden lag, nein, es ist auch noch in Hunderttausend Krümel zerfallen. Ein paar Brocken konnten noch gerettet werden, aber der Großteil ist dann doch bei seinen verkohlten Kollegen gelandet.
Ich trauer ihnen immer noch nach...

Am 21.8. habe ich mit Franzi dann zumindest noch einen schönen Sonntagabend verbringen können. Wir haben uns mit Yurie in Shibuya getroffen, um bei einem netten Abendessen über unsere nächsten Musical-Pläne zu sprechen. Bis Yurie ankam, hatten wir beim Menschen-Beschauen viel zu lachen und waren außerdem ganz erstaunt, dass die Bedeutung des Wortes "Stromsparen" inzwischen sogar hier angekommen zu sein scheint. Franzi hat gleich ein Beweisfoto gemacht und es mir dann überlassen, damit ich es ebenfalls allen Freunden und Verwandten in der Heimat zeigen kann:


Und während des Abendessens haben wir uns dann auf einen Termin geeinigt: 17.11., 18:30 Uhr, Phantom der Oper - wir drei plus Jacqueline, ebenfalls aus meinem Jahrgang. Gut, dass es ins Phantom der Oper geht, stand vorher schon fest. Zum Abschluss sind wir noch ein Stündchen ins Karaoke gegangen, dann ging es für alle wieder nach Hause.
In der nächsten Woche machte das Wetter eine glatte 180°-Wendung von wolkenlosem Sonnenschein auf (spontan auftretende) sintflutartige Regenfälle. Bange hatten Franzi und ich seit Tagen den Wetterbericht im Auge behalten, weil wir am Mittwoch nach Atami fahren und im Meer baden gehen wollten. Mittwoch, der 24.8.,  schien wettertechnisch der einzig halbwegs vielversprechende Tag der Woche zu sein, also haben wir den Ausflug gewagt. Und bis zu unserer Ankunft ging auch soweit alles gut. Wir sind ein Stück gelaufen - ein Stück weiter, als wir gedacht hätten, denn auf unserer Karte vom Reisecenter sah die Stadt eigentlich recht klein und übersichtlich aus, haben wir uns zuerst den Kinomiya-Schrein angeschaut.

 
 
 
 
 Franzi vor dem Hauptgebäude des Schreins.

Nächster Halt auf unserem Weg Richtung Strand: Ein Tempel am Wegesrand, dessen Namen ich leider nicht herausbekommen habe.


Während wir uns dort ein wenig umgesehen haben, konnte man aus der Ferne plötzlich ein verdächtiges Tösen hören. Noch einen Moment skeptisch gelauscht, dann mit zwei großen Sprüngen unter das Dach vom obrigen Foto gehechtet - und zum Glück keine Sekunde zu früh. Als ich mich umgedreht habe, hatte bereits der Weltuntergang begonnen. Der Himmel hatte alle seine Pforten geöffnet und so viel Wasser ausgespuckt, wie ich wirklich schon lange nicht mehr gesehen habe. Und ich hatte meinen Schirm zu Hause vergessen...


Ca. 15 Minuten haben wir dort gewartet, dann hatte es zumindest ein wenig nachgelassen und wir sind schnellen Schrittes weiter, um möglichst irgendwo in der Umgebung einen Kombini zu finden, wo wir Mittagessen und ich mir zudem noch einen neuen Schirm kaufen konnte (jetzt habe ich drei Vinyl-Schirme hinter der Tür in meinem Zimmer stehen). Die Regengüsse schwellten immer mal wieder ab, dann wieder an, und wir mussten uns eingestehen: Der Badeausflug ist ins Wasser gefallen.

 Einer der kleinen Kanäle, die ins Meer mündeten. Die vielen Brücken waren sehr kunstvoll gebaut.

Wenn schon kein Strand, dann wollten wir wenigstens Atamis zweite Attraktion auskosten: Die heißen Quellen. Und nach so einer kalten Dusche tut ein Bad im Onsen besonders gut. Eine Stunde haben wir es uns hier reichlich gut gehen lassen.

 

Dann ging es wieder nach draußen, wetterlage checken. Ergebnis: Unverändert, Tendenz schlimmer werdend. Zumindest das Schloss in Atami hatten wir uns eigentlich noch ansehen wollen, aber der Trommelwirbel auf unseren Schirmen wurde bald so heftig, dass man sein eigenes Wort nicht mehr verstehen konnte. Und da der Regen in Begleitung von Wind auch selten direkt von oben kam, haben wir unter der nächstbesten Brücke erst mal wieder Pause gemacht, gewartet, und uns spontan umentschieden, das weiter entfernt liegende Schloss ausfallen zu lassen und uns stattdessen die Villa Kiunkaku ganz in der Nähe anzusehen. Ab 20:30 Uhr hätte sogar noch ein Feuerwerk stattgefunden, trotz des starken Regens, und bis zu einem gewissen Zeitpunkt waren wir sogar entschlossen, so lange durchzuhalten und uns das Feuerwerk von Kiunkaku aus später anzuschauen. Die Villa hat extra dafür abends noch mal geöffnet. Aber als wir erst mal wieder am Bahnhof waren, wiederum 30min Regenspaziergang später, waren die Züge doch zu verlockend.
Am Freitag, den 26.8., habe ich mir das Aquarium in Fujisawa angesehen, direkt gegenüber der Insel Enoshima. Die Aquarien hier waren sogar noch etwas größer und artenreicher als bei den anderen Aquarien, die ich bisher besichtigt habe, und an vielen Becken gab es kurze Erklärungen zu den Besonderheiten einiger Fisch- und Quallenarten. Quallen gab es sowieso sehr viele, und alle wirklich schön. Als ich klein war, habe ich die gern aus der Ostsee gefischt und damit meine Mitmenschen geärgert, weil alle außer mir diese possierlichen Tierchen eklig gefunden haben. Aber bei den Beschreibungen zu den ganzen Giften habe ich von den Exemplaren dort im Aquarium lieber die Finger gelassen. Mein persönliches Highlight hier: Das Streichel-Gehege! Ja, es gab tatsächlich ein Fischbecken, ca. 50cm hoch, mit gut 20cm Wasserstandsfüllung, in dem 20-30cm lange welsartige Fischlis rumwuselten und gestreichelt werden durften. Man musste sich nur vorsichtig heranwagen, sonst haben sie sich erschreckt und rumgespritzt. Die Schuppen waren viel rauer, als ich erwartet hatte.
Abends wieder Sintflut.
Samstag, der 27.8. Dieser Termin war seit langem Rot im Kalender markiert, denn es stand ein großes Treffen mit den alten Gasshuku-Freunden an. Geplant war eine Grillparty auf einer unbewohnten Insel vor Yokosuka und zu unserem großen Glück hat auch das Wetter an diesem Tag durchgehalten, sodass das nicht ins Wasser fiel. Die Wolken sahen zwar durchgehend bedrohlich aus, aber es kam kein Wasser runter. Organisiert hatten das hauptsächlich Mio und Ryota, außerdem waren noch Shuhei, Tekkan, Kosuke, Ryuichi, Waku, Atsushi und Makiko (als Info für unsere anderen ehemaligen Gasshuku-Teilnehmer daheim). Ansonsten noch Ryosuke (den außer mir wahrscheinlich nur Shu kennt, vom letzten Gasshuku) und Roby, der Mitbewohner vom Freund von Shu, bei dem Franzi und ich nicht erwartet hätten, ihn plötzlich in unserer Gasshuku-Truppe zu treffen. *lach*
Am Sonntag, den 28.8., ging es wieder nach Enoshima. Das Wetter hatte sich nun endlich richtig erholt und man konnte wieder draußen wandern, ohne zu ertrinken oder zumindest Gefahr zu laufen, sich eine Erkältung einzufangen. Zuerst wurde die Insel besichtigt - ich habe seit 3 1/2 Jahren das erste Mal wieder einen Fuß darauf gesetzt. Aber an viele Schreine und Orte konnte ich mich dann doch wieder erinnern, als ich sie vor Augen hatte.
Anschließend ging es zurück auf die Festland-Seite und dann ab ins Meer, baden. Endlich! Wenn mich meine Erinnerung nicht trügt, war das das erste Mal seit 15 Jahren, dass ich in einem richtig echten Meer schwimmen konnte. Und Wetter und Wellengang waren klasse. Man könnte glatt sagen "spannend". Ich habe es geschafft, eine recht stattliche Welle mit der Kamera zu dokumentieren, wie sie gerade in Strandnähe bricht:

 
 
 
 

Felsenküste auf der Rückseite von Enoshima.

Blick in den Hafen von Enoshima aus.
Strand auf der Festland-Seite kurz nach Sonnenuntergang.

Am Mittwoch, den 31.8., war ich "mal kurz" auf einem Nomikai (= mit Freunden in einer Bar, trinken). Eigentlich musste ich mich noch aufs Gasshuku vorbereiten, was am nächsten Morgen losging. Ich hatte noch nicht mal Sachen gepackt. Daher hätte ich die meisten anderen Treffen wahrscheinlich ganz abgesagt. Aber es ging um das Kopra-Treffen. Da war ich vor einem Monat das erste Mal und es hatte wirklich großen Spaß gemacht, mit so vielen sympathischen Leuten. Weil ich das dann doch nicht verpassen wollte, bin ich zumindest für 1 1/2 Stunden mit hin gegangen. Die Beliebtheit des Treffens schien auch in der letzten Zeit schlagartig gestiegen zu sein, denn plötzlich waren gut 60 Leute mit dabei! Der Ort, eigentlich auf ca. 50 Personen ausgelegt, war berstend voll und die Kellner hatten alle Hände voll zu tun, genau wie die Organisatoren auf unserer Seite. Alle andern hatten ihren Spaß und auf zusätzliche Stäbchen, Sitzkissen und ihre Getränke gewartet. Ich glaube, für den kurzen Zeitraum habe ich wohl doch ein wenig zu viel getrunken. Jedenfalls musste ich mich lange nicht mehr so anstrengen, um halbwegs vernünftig geradeaus zu gehen, als ich auf dem Heimweg war. Aber zumindest konnte ich gut schlafen, nachdem ich dann auch endlich mit Packen und Mittagessen vorbereiten fertig war.
Und am nächsten Tag ging es dann los.

Das Deutsch-Gasshuku vom Mita-Campus, am Kawaguchi-See in Yamanashi.

Donnerstag, 1.9., Tag 1.
Bereits die Tage zuvor hatte es eine Taifun-Warnung gegeben und natürlich näherte sich das Teil pünktlich zum Gasshuku-Start dem Festland. Bei unserer Ankunft im Ryokan, unserer Herberge im traditionell japanischen Stil, regnete es zumindest noch normal. Alles, was später kam, hat Atami-Ausmaße angenommen.
Das Ryokan selbst war sehr schön. Judith, eine weitere Freundin aus dem Master-Studiengang, und ich waren erstaunt, als wir bei der Zimmerverteilung erfahren haben, dass wir beide uns zu zweit ein Zimmer teilen. Auf einem Deutsch-Gasshuku hätten wir angenommen, dass man uns mit den Japanern mischt, damit die noch ein wenig mehr Gelegenheit bekommen, Deutsch zu sprechen.

 Judiths und mein Zimmer, noch ordentlich, gleich nach der Ankunft.

 Wie jedes Mal im Ryokan: Traditionelles Essen - frühs und abends. Aber diesmal fand ich es ganz lecker und auch morgens gut essbar, immerhin ist mein letztes traditionell japanisches Essen schon eine Weile her.

Vor dem Abend war ich ein wenig aufgeregt. Nach dem Essen stand ein Vortrag von mir zur deutschen Esskultur auf dem Programm. Das Thema hatte ich so gewählt, um etwas möglichst "Praxisnahes" und Visuelles zu haben, was leicht verständlich ist und was man gut mit Bildern unterlegen kann. Außerdem haben Japaner generell ein großes Interesse an der Esskultur, sodass man damit nicht viel falsch machen konnte. Das einfachste dafür wäre natürlich eine Powerpoint-Präsentation mit Beamer gewesen, aber der war leider nicht auftreibbar gewesen. Daher habe ich frühzeitig umdisponiert und mit A4-Bildern gearbeitet, die Ren, einer der Organisatoren und neuer Doppel-Master-Komilitone, netterweise ausgedruckt und mitgebracht hat. Genauso wie eine Rolle mit großen, weißen Papierbögen, die wir fürs Brainstorming und zum Anheften der Bilder benutzen konnten. So ist es am Ende doch ganz lustig und interessant geworden. Am besten war das "echte" Mitbringsel: Eine Tüte Haribo Lakritzschnecken, gesponsort von Judith. Unsere Gasshuku-Teilnehmer waren sehr mutig, viele haben sich an der Lakritze probiert, und ich wünschte, ich hätte in dem Moment eine Kamera gehabt, um zumindest die besten Gesichtsausdrücke festhalten zu können. Sie waren wirklich Gold wert. Die Meinungen tendierten insgesamt von "absolut ungenießbar" bis "na ja, schmecken tuts nicht, aber man kann es essen". Ein Student war sogar dabei, der meinte, ihm würde es schmecken. Feldstudien Lakritze - Ende.
Dass alles so gut geklappt hat, habe ich auch Matthias, einem weiteren Komilitonen meines Jahrgangs, zu verdanken. Denn obwohl wir das weiße Papier mit zahlreichen Klebepunkten an der Wand befestigt haben, wollte es von allein einfach nicht halten, also musste er das Blatt an einer Seite die ganze Zeit festhalten. Bestimmt 40 Minuten, wenn nicht sogar länger.

Freitag, der 2.9., Tag 2.
Dieser Tag war vollständig der Arbeit an unseren Texten gewidmet. Die anderen Organisatoren und ich hatten von vorherein Texte zusammengetragen und ausgewählt, die die Studenten während des Gasshuku (auszugsweise) intensiv diskutieren, verstehen lernen sollten, um sie im Hauptteil dann mit Körper und Stimme ausdrucksstark vortragen zu können. Durch die verschiedenen Lockerungs- und Einstiegsübungen, die Ehito für die Studenten vorbereitet hatte, ging das wirklich gut. Man hat sich Stück für Stück ruhiger und gelassener gefühlt und man sah plötzlich immer mehr Ideen und Möglichkeiten, wie man einen einfachen Prosa-Text interessant umsetzen könnte, sodass am Ende wirklich jede der Gruppen eine einmalige Interpretation ihres Textes vorgelegt hat. Thematisch waren die Texte möglichst vielseitig gelegt: Gedichte von Heinrich Heine, ein Auszug aus "Die Brücke" von Franz Kafka, "Das fliegende Klassenzimmer" von Erich Kästner, "Rapunzel" sowie "Musik nur, wenn sie laut ist" von Herbert Grönemeyer.

Am Samstag, den 3.9., wurde kurz vor unserer Abreise noch ein Abschiedsfoto mit allen gemacht.

 vorderste Reihe v.l.n.r.: Ren, ich, Ehito, Matthias, Mai. Rechts daneben stehend: Akihiro. Matthias ausgenommen, war das unser Organisations-Team.

Der Tag war dann wieder auf seine ganz eigene Art spannend. Der Taifun hat ja am Freitag das Festland erreicht gehabt und wütete seitdem unermüdlich. Bisweilen gewitterte es auch oder klang mal so, als würde er versuchen, Scheiben herauszudrücken oder das Dach abzudecken. Wir selbst blieben letztlich zwar schadfrei, aber andernorts gab es Erdrütsche, sogar eine Straße ist irgendwo ein ganzes Stück weit weggebrochen. Das hatte dann zur Folge (die Erdrütsche. Das mit der Straße lag nicht auf unserer Wegstrecke), dass am Samstag erst mal fast der gesamte Verkehr still lag. Bahnen fuhren zeitweise nicht, die Überlandbusse waren bis ca. 13 Uhr komplett eingestellt gewesen. Und 14:14 Uhr wollten wir mit so einem eigentlich zurück nach Hause fahren. Spontan mussten also alle Pläne über den Haufen geworfen werden, Ehito und Mai haben rumtelefoniert wie die Wilden und das Internet gewälzt, um nach Ersatzmöglichkeiten zu suchen. Am Bahnhof angekommen, haben sie erst mal die zuvor gekauften Tickets alle wieder zurückgegeben und den Studenten ihr Busgeld ausgezahlt, dann wurde gewartet. Zum Glück fuhren die Busse dann doch wieder, als unsere Zeit ran war. Aber natürlich waren wir nicht die einzigen, die gewartet hatten und deren Pläne durcheinander gekommen waren, sodass es sich letztlich so ergeben hat, dass Judith, ich und noch drei, vier andere von unserer Gruppe spontan einen Bus eher nehmen konnten. Der ganze Rest scheint aber auch soweit pünktlich in Tokyo angekommen zu sein. Und hier hat es nicht mal mehr genieselt. Endlich raus aus dem Taifun!
Was auch schade war: Vom Kawaguchi-See aus hat man eigentlich einen wunderschönen Ausblick auf den Berg Fuji. Die Präfektur Yamanashi liegt direkt an der Rückseite des Fuji, sodass man ihn von dort aus richtig groß hätte sehen können. Und den vielen Fotos nach zu Urteilen, muss der Anblick vom See aus, so bei Sonnenuntergang, wirklich umwerfend sein.
Für alle, die eine Runde mitschmachten und sehen wollen, was ich verpasst habe: hier oder hier oder hier. *seufz*