Sonntag, 18. April 2010

Praktikumsende

Mein Praktikum ist seit dem 25.3. offiziell vorbei und nebst allem Stress, den das Kinderhüten so mit sich gebracht hat, war es doch schwer, Lebwohl zu sagen. Nicht nur die Kleinen, auch die Lehrer sind mir sehr ans Herz gewachsen in der kurzen Zeit.
Der kleine Deutsch-Kurs, der ursprünglich für mich geplant war, ist letztendlich leider doch nicht zustande gekommen, aber stattdessen habe ich mir zumindest hin und wieder den Unterricht an der Fach- und Oberschule ansehen und zum Teil auch mitmachen können. Am interessantesten war dabei der Back-Unterricht an der Oberschule. Und wie das mit den Japanern immer ist, galt auch hier: Wenn, dann richtig. Als ich eingeladen wurde, beim Backen der Mousse-au-Chocolat-Torte mitzumachen, dachte ich noch ganz unbekümmert: Fleißig aufpassen und zu Hause nachmachen. Vor allem, weil der letzte Versuch, Mousse auch Chocolat selber herzustellen, ziemlich in die Hose gegangen ist.
Allerdings hat sich schnell gezeigt, dass der Kuchen echt eine Wissenschaft für sich ist. Nicht nur, dass es an die vier Stunden (!) gedauert hat, den zu backen. Auch die Zubereitung, Temperatur einhalten, in welchem Tempo man wann welche Zutaten dazu gibt (damit das Mousse fluffig bleibt, die Schokolade nicht klumpt etc.) war unheimlich schwierig. Ich hätte mir einen Notizblock mitnehmen sollen... :(
Die Arbeit dieses Kurses zahlt sich im Übrigen auch aus. Letztes Jahr hat ein Team der Schule am nationalen Sweets-Koshien (nationaler Kuchen-Wettbewerb für Oberschulen, an dem knapp 1000 Teams teilgenommen haben) für ihr selbstkreiertes Rezept den ersten Platz geschafft und dafür eine Reise nach Paris gewonnen.
Aber noch mal zur Mousse-au-Chocolat-Torte: Leider ist uns am Ende trotz der 4 Stunden die Zeit weggerannt und die Torten sind nicht ganz fertig geworden. Waren zwar schon ein Weilchen im Tiefkühlfach, aber noch nicht kalt genug, dass die frisch vorbereitete Schokoglasur schon drauf konnte. Für die Schüler war das kein Problem, die waren ja noch eine Weile in der Schule. Ich selbst musste gegen Mittag weiter, deshalb hab ich von der Torte meiner Gruppe nix abbekommen können, aber stattdessen das Vorführ-Modell vom Lehrer bekommen, mit hübscher Deko sogar. ^^


Am 14.3. (Sonntag) war schließlich die Abschiedsfeier im Kindergarten, auf die sich sowohl die Erzieher als auch die Kinder der ältesten Klassen (Löwen-, Giraffen- und Bärengruppe) lange und intensiv vorbereitet haben. Ist eine wirklich schöne Zeremonie geworden. Und da habe ich auch das erste Mal so richtig gemerkt, dass mir der Abschied schwer fallen wird. Die meisten der Erzieher standen in der Reihe hinter mir, deshalb habe ich ihre Reaktionen natürlich auch reichlich mitbekommen und ich glaube, da war nicht einer, dem nicht die Tränen geflossen sind zwischendurch. Vor allem, als die Kinder zusammen mit ihren Gruppen-Betreuern das Abschiedslied gesungen haben.


Das Lied war im Übrigen wirklich süß. Während meines Praktikums habe ich es so oft gehört, dass ich nach den ersten paar Wochen einen ziemlich hartnäckigen Ohrwurm davon hatte. Jetzt habe ich es auch auf CD bekommen. =)
Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, während der Zeremonie ganz viele Fotos zu schießen und ein paar Videos mit dem Handy aufzunehmen, aber die Atmosphäre war so formell und feierlich, dass ich das nicht so oft stören wollte.
Insgesamt dauerte alles gut 2 Stunden. Die Kleinen wurden also ziemlich gefordert für ihr Alter. Aber im Großen und Ganzen haben sie sich verdammt gut gehalten.

Die Übergabe der Urkunden, z.B. für Kinder, die ein, zwei oder ganze drei Jahre nicht krank geworden sind, fand relativ zu beginn der Zeremonie statt.

Am selben Tag bin ich wenige Stunden später schon wieder am Kindergarten gewesen (zwischendurch nur unterbrochen vom Kaffee-Trinken bei der Familie vom Trainer der Baseball-Mannschaft der Oberschule, wobei besagter Trainer mit dem Training seiner Mannschaft beschäftigt und somit nur seine Frau und Tochter da waren). Zehn der Erzieher sind bis Montag (also knapp 2 Tage) zur Abschlussfahrt in die benachbarte Präfektur Kumamoto gefahren und ich bin mit eingeladen worden.
Die zwei Tage waren auch richtig toll. Erst Übernachtung in einem hübschen Hotel mit Onsen und Yukata, ganz in der Nähe vom Vulkan Aso (den man wegen schlechten Wetters aber nicht gesehen hat), am nächsten Tag Besichtigung der Burg Kumamoto und abschließend 1-stündige Erdbeer-Flatrate im Gewächshaus. Unglaublich lecker! Laut Sichtvergleich der Blattreste in unseren Mülltüten, die jeder in die Hand gedrückt bekommen hat, hab ich wohl die meisten verputzt. Jetzt bin ich scheinbar bekannt dafür, dass ich gern Erdbeeren esse - bis nach Hiroshima! o_o"
Nebst Erdbeeren und Burg stand eigentlich noch eine Blütenschau als erster Zwischenhalt nach Abfahrt vom Hotel auf dem Programm, der aber wegen Unwetter spontan ausgefallen ist. Die ersten fünf Erzieher sind noch wagemutig mit dem Schirm aus dem Auto gesprungen (ich habe etwas länger gebraucht, weil der Bus nach altem Qualm gerochen hat und der Fahrer einen ziemlich abenteuerlichen Stil hatte, was sich nicht so gut mit meiner Reiseübelkeit vertragen wollte). Als ich dann soweit mein Zeug beisammen hatte und hinterher wollte, waren besagte fünf Frontkämpfer schon wieder drinnen. Scheinbar hatten sogar die Schirme kapituliert. Na ja, und die Kirschblüten waren noch nicht offen, also hätte sich die Anstrengung nicht gelohnt und wir sind einfach so weiter gefahren. Bis zur Burg Kumamoto hatten wir zumindest so viel Glück, dass sowohl Wind als auch Regen nachgelassen haben.

Frau Ishii, Leiterin des Kindergartens, und ich im Yukata.

Unsere Gruppe vor der Burg Kumamoto.

Und die Burg selbst.

Die ältesten Gruppen sind nach der Abschlussfeier nicht mehr in den Kindergarten gekommen, bis auf ein paar wenige Ausnahmen, deren Eltern beide tagsüber arbeiten mussten. Ansonsten ging der Betrieb aber noch eine Woche ganz normal weiter und ich bin den Rest der Zeit bei den Jüngsten bzw. der mittleren Gruppe gewesen. Es war interessant, wie deutlich man bei jeder Altersgruppe den unterschiedlichen Entwicklungsstand gemerkt hat. Aber je jünger die Kleinen waren, desto schwieriger wurde es auch, sie zu betreuen, fand ich. Die Großen sind ziemlich weitsichtig, streiten praktisch nie untereinander, räumen freiwillig auf und spielen mit einer moderaten Lautstärke. Bei den ganz Kleinen fallen einem die Ohren ab, Essen sieht recht lustig aus und das mit dem Aufräumen und dergleichen machen auch eher die Erzieher als die Kinder. Na ja, alle gemeinsam. Ich fand es echt schwierig, da ein Mittelmaß zwischen Strenge und Nachgiebigkeit zu finden. Wie weit darf man ihnen etwas durchgehen lassen, ohne sie zu sehr zu verwöhnen? Na ja, die Erzieher selbst haben alle eine entsprechende Ausbildung, daher ist sicher gestellt, dass sie ihre Arbeit richtig machen, aber als Praktikantin ist es natürlich schwieriger.

Direkt nach Praktikumsende am Kindergarten bin ich von Herrn Shimada zu einem Baseballspiel der Izuka-Oberschule eingeladen wurden (Montag, 22.3.), weil gerade in dem Zeitraum die Auswahl-Spiele der Kyushu-Region liefen. War also in einem kleineren Rahmen als das letzte Spiel von den Hawks gegen die Eagles, aber trotzdem interessant. Und unsere Mannschaft hat das Spiel gewonnen :D.
Zwischendurch haben wir dort am Stadion auch Frau Manabe getroffen, eine Bekannte von Herrn Shimada, die an der Kyushu-Universität in Kitakyushu (wo auch das Spiel stattfand) als Japanischlehrerin arbeitet. Sie hatte mich eingeladen, mal vorbeizukommen und bei ihr und ihrer Tochter Tomoe (die zu Studienzeiten ein Auslandssemester in Tübingen gemacht hat) zu Hause zu übernachten. Abends waren wir lecker Yakitori essen, am nächsten Tag haben wir ein bisschen Sightseeing gemacht, auch wenn das Wetter nicht richtig mitspielen wollte. Egal, wir sind rüber nach Honshu gefahren, also auf die größte Insel Japans, die mit Kyushu über eine Brücke (Kanmonkyo) verbunden ist.


Direkt in dieser Gegend, wo Honshu und Kyushu so nah beieinander liegen, befindet sich übrigens auch der Ort Dannoura, wo die berühmte entscheidende Schlacht im Gempei-Krieg stattfand (1185). Da sind wir auch dran vorbei gefahren ^^. Anschließend haben wir uns ganz in der Nähe noch einen Tempel angeguckt, den Kozan-ji, der in der Gegend ziemlich berühmt ist, weil er noch aus dem 13. Jahrhundert stammt.
Anschließend haben wir noch gemeinsam Mittag gegessen und dann ging es zurück nach Hause. Also nach Izuka.

Am Mittwoch darauf (24.3.) war schließlich auch das letzte offizielle Treffen zum deutsch-japanischen Kulturaustausch. Für diese letzte Runde habe ich noch mal ein paar meiner Umfragen mitgenommen und ein paar mündliche Interviews machen können (ich hatte zu Beginn schon gefragt, ob wir mein Forschungsthema da mit einfließen lassen können). Für meine Abschlussarbeit war dieses letzte Treffen also unheimlich praktisch. =)
Als richtigen Abschied von der Gruppe hat einer der Teilnehmer, Herr Yoshidome, für den Sonntag darauf (28.3.) ein Interview mit einem Bekannten organisiert, der beim lokalen Fernsehsender KBC arbeitet und uns sogar seinen Arbeitsplatz gezeigt hat, was dort gemacht wird und wie es gemacht wird, sowie allgemein die Entwicklung von KBC und dessen Inhalte vorgestellt hat. Über den Inhalt des Gesprächs kann ich nicht viel sagen, weil derzeit an einem ziemlich neuen Projekt gearbeitet wird, was das Senden von Werbung angeht, wo sie den anderen Fernsehsendern (auch NHK) im Moment einen Schritt voraus sind. Es war echt klasse, dass wir da so viel erfahren konnten.
Im Anschluss sind wir rüber zum NHK-Studio gegangen (das lag ebenfalls in der Umgebung vom Bahnhof), wo wir zwar leider keine Führung bekommen konnten, aber wenigstens einen Teil des Studios besichtigt haben. Galerien mit den verschiedenen Produktionen in der Geschichte des Fernsehsenders, ein Filmstudio, verschiedenes Equipment. Die großen Kameras waren toll. Dagegen sehen die bei uns im Medienzentrum in Halle richtig klein aus.
Den Rest der Zeit sind wir durch den nahe gelegenen Park spaziert und konnten die Kirschblüte bestaunen, die gerade in der Zeit am schönsten war. Wirklich, wir sollten in Deutschland mehr Kirschbäume in Parkanlagen pflanzen. Es ist so eine herrliche Atmosphäre, unter diesem Meer aus weiß-rosa Wolken ein Picknick zu machen.

Ein Teil der Teilnehmer am Deutsch-Japanischen Kulturaustausch. Ganz vorne in der Mitte Herr Nemoto, der alles organisiert und mir bei unserer ersten Sitzung auch die Neuauflage des Apollon-Wörterbuchs geschenkt hat, an dem er mitgearbeitet hat.

Die Zeit nach meinem Praktikum war auch sehr interessant, aber da ich dazu ja sämtliche Fotos bei Facebook hochgeladen habe und viele die auch schon gesehen haben, spare ich mir jetzt einfach mal den Blogeintrag und verweise auf mein Facebook-Profil ;).

In voraussichtlich fünf Tagen geht es nun wieder nach Hause - wenn Vulkan und Wetter entsprechend mitspielen - und ich habe es tatsächlich erstmals geschafft, einen Weblog wirklich bis zum Ende fortzusetzen. Na ja, mehr oder weniger zumindest. Mehr als die letzten beiden Male.