Sonntag, 7. März 2010

von Baseball bis Schulabschluss

Diese Woche gab es so viel Interessantes, dass es eigentlich am günstigsten gewesen wäre, wenn ich täglich hätte berichten können. Ging allerdings nicht, weil ich durch die vielen Planwechsel und Aktivitäten jeden Tag nach 22:00 Uhr erst zu Hause war und mich dann natürlich sputen musste, wenigstens schnell genug ins Bett zu kommen. So blieb der Rechner jetzt eine ganze Weile aus und irgendwie tat das mal richtig gut. Wenn ich mein Postfach und die ganzen E-Mails so sehe, würde ich am liebsten gleich wieder alles ausschalten und den Laptop in irgendeiner dunklen Ecke verstauen, wirklich.
Bitte, seid mir nicht böse, wer jetzt vielleicht grad noch auf 'ne Mail antwortet, aber rechnet während meines Praktikums bitte nicht mehr mit 'ner Antwort, solange es nichts wirklich absolut Wichtiges war. Ich hab einfach keinen Nerv mehr dafür. Zu viel. Zu stressig. Der Blog reicht mir schon.

Aber mal zum Mittwoch. Sonst werd ich nie fertig mit schreiben. Da ging es nicht in den Kindergarten, sondern in eine ziemlich festliche Veranstaltungshalle. Die Abschlussfeier der 3. Klassen der Izuka-Oberschule (wo auch Hiroko hin geht) stand auf dem Programm.
Wo man hinsah, Oberschüler in schicken Anzügen, mit teils besorgten, teils aufgeregten Gesichtern. Ungefähr so wie bei mir selbst, als die Zeugnisausgabe in der Ulrichskirche bevorstand, nur nicht so bunt gekleidet. Auch die Zeremonie war einer deutschen Zeugnisvergabe gar nicht mal so unähnlich. Erst betraten die Schulklassen, mit dem jeweiligen Klassenlehrer an der Spitze, in geordneten Reihen den Saal, es wurde die jap. Nationalhymne gesungen, dann die Schulhymne, dann ein Abschlusslied. Anschließend kam die Übergabe der Abschlusszertifikate, wobei jeder Schüler einzeln aufgerufen wurde (Bild 1) und dann der jeweilige Präsentant der Klasse nach vorn zur Schuldirektorin gegangen ist, sich in vorgeschriebener Reihenfolge erst bei den besonderen Gästen, dann beim Schulpersonal, dann vor der Schulleiterin verbeugte, das Blatt entgegennahm und zurück auf seinen Platz ging (Bild 2).



Im Anschluss folgten eine Reihe von Reden. Von der Schulleiterin, dem Schulvorsitzenden (also Herrn Shimada), Vertretern der Stadt und der Präfektur, zwei Schülervertreter und einer Elternvertreterin. Anschließend noch einmal die Abschiedshymne und die Schulhymne, dann war der formelle Teil nach knapp 2 Stunden vorbei. Was folgte, war noch eine kleine Bildershow, unterlegt mit Musik, mit denen die Schüler ihre drei Jahre in der Oberstufe noch einmal Revue passieren ließen. Von den Gästen konnte inzwischen gehen, wer wollte. Wir sind noch geblieben und haben uns die Bilder mit angeguckt. Dem vielen Gelächter und Jubelrufen der Studenten nach zu urteilen, war es für sie, genau wie für mich damals, eine unheimlich wertvolle Zeit, die sie sich dort noch einmal in Erinnerung gerufen haben.
In Japan ist es nicht üblich, dass die Schüler nach der Zeugnisvergabe selbst noch eine Abschiedsfeier organisieren. Die meisten Eltern sind daher dann einfach schon wieder nach Hause gefahren, während die Schüler in der Nähe der Veranstaltungshalle noch Fotos geschossen und ein bisschen Zeit mit ihren Freunden verbracht haben. Für viele war es sicher die letzte Gelegenheit, viele Schulkameraden noch einmal zu sehen.

Am Donnerstag hatte ich nun endlich die Möglichkeit, mir die Oberschule genauer anzusehen und wurde dort der Lehrerschaft vorgestellt. Durch die Abschlussfeier war bisher einfach so viel zu tun, dass ich an der Schule bloß gestört hätte, deshalb war ich insgesamt doch etwas länger im Kindergarten als ursprünglich gedacht.
Die erste Stunde habe ich in einer Klasse spontan einen Vortrag über Deutschland halten sollen. Geografie, Kultur, ein bisschen Sprachliches und so. So aus dem Stegreif sah es mit dem Anschauungsmaterial leider schlecht aus. Bis auf eine ziemlich ungenaue geografische Skizze an der Tafel und ein kleines Foto von einem Teller Spaghetti-Eis, was eine Schülerin zufällig gefunden hatte, mussten wir mit unserer Fantasie auskommen. Und ich bin mir insgesamt nicht sooooo sicher, wie gut der Überblick nun angekommen ist. Einige haben zwischendurch ein paar Fragen gestellt, andere haben durchgehend geschlafen. Genau wie bei uns in der Schule also. Und einigen hätte ich in dem Alter (16 Jahre) weniger Selbstvertrauen zugetraut. Aber an sich waren sie ganz nett.
Der Rest der Schule wurde mir danach gleich auch noch gezeigt, weil die Lehrerin, in deren Klasse ich zuvor war, da frei hatte. Was ziemlich interessant ist: An einer japanischen Schule gibt es auf jeden Fall ein Krankenzimmer, in dem eine richtige Krankenschwester Aufsicht hat und sich um die Schüler kümmert, wenn es jemandem mal nicht so gut geht oder es eine Verletzung gab. Für solche Fälle gibt es auch einige Krankenbetten. An sich eine ziemlich gute Sache, finde ich.
Was an der Izuka-Oberschule auch besonders ist: Herr Shimada versucht, seinen Schülern neben der allgemeinen Pflichterziehung auch Möglichkeiten zu geben, andere Interessen und Talente zu entwickeln und somit gibt es einige zusätzliche Kurse, die man an anderen Oberschulen nicht finden würde. Einer davon ist der Back-Zirkel, wo die einzelnen Klassen mehrmals die Woche richtig aufwändige Leckereien backen können. Beim nationalen Kuchen-Wettbewerb der Oberschulen (es gab insg. knapp 1000 Teilnehmer!) hat es ein Team aus der Izuka-Oberschule auf den ersten Platz geschafft und damit eine Reise nach Paris gewonnen. Der Lehrer dieses Kurses ist auch ausgebildeter Konditor und hat in der so ziemlich beliebtesten Konditorei der Präfektur gelernt und anschließend in einem Hotel gearbeitet, insofern kann er den Schülern natürlich auch eine Menge beibringen.
Daneben gibt es noch eine Autowerkstatt, an der die Schüler an alten Autos arbeiten und damit auch die ganzen technischen Feinheiten verstehen können.
Ebenfalls sehr populär ist hier Baseball. Letztes Jahr hat es bei den Oberstufen-Meisterschaften im Baseball-Stadion Koshien einer der Schüler hier geschafft, die Aufmerksamkeit eines Profi-Scouts zu erlangen und konnte so bei den Rakuten Eagles unter Vertrag kommen. Die waren letztes Jahr auf dem 3. Platz der Profi-Liga. Und weil die Eagels an eben jenem Abend ein Spiel gegen die Softbank Hawks (letztes Jahr 2.-platzierte in der Profi-Tabelle) hatten und sowohl Herr Shimada als auch Hiroko ziemliche Baseball-Fans sind, wurde ich zum Spiel im Fukuoka Dome eingeladen.
Die Reihen waren zum Teil noch nicht voll belegt, weil das erst eines der Startspiele der Saison und damit für die Punktwertung noch nicht wichtig ist, aber für mich war es trotzdem ziemlich interessant. Nur dass man drei Stunden durch die Gitter schauen musste, war mit der Zeit etwas ermüdent. Und: Ja, drei Stunden hat das Spiel gedauert! Ich hätte nicht gedacht, dass das so lange gehen kann. Und die Zeit verging schnell. Hat sich bei weitem nicht so lange angefühlt. Hier nur mal ein paar Eindrücke:






In der 7. Runde wurde, als die Hawks wieder an der Reihe waren, die Team-Hymne gesungen mit abschließenden Luftballons-Freilassen. Während der vorherigen Runde der Eagles hörte man es daher überall pusten und zischen, weil alle nach und nach ihre Ballons aufgeblasen haben.
Die Eagles haben natürlich auch eine Hymne. Nur da das Stadion von Hawks-Fans übervölkert war (Fukuoka ist sozuagen Heimspiel gewesen), hat das nicht so viel Eindruck gemacht wie die Hawks-Hymne.


Auch wenn man nicht viel erkennt: Der Pitcher (=der den Ball wirft) da hinten ist oben erwähnter Oberschüler von der Izuka-Oberschule, der letztes Jahr vom Profi-Scout entdeckt wurde.
Alles in allem war es auch ein sehr interessantes Spiel, bei dem es viel zu sehen gab: Ein zerbrochener Schläger, ein verletzter Spieler (okay, das würde ich nicht unbedingt sehenswert nennen, aber es hat das Publikum natürlich ganz schön in Atem gehalten) und ein Homerun von den Hawks in der allerletzten Runde, nachdem die Eagles kurz vorher einen Punkt Vorsprung erkämpft haben.
Hier dann noch der endgültige Punktestand:


Freitag war besonders früh aufstehen angesagt. Herr Shimada ist selbst Schulleiter der Fachschule in Fukuoka und fährt daher dreimal pro Woche dorthin, da hat er mich diesmal mitgenommen. Ähnlich wie beim letzten Mal wurde ich erst den Lehrern vorgestellt, dann konnte ich mir den Unterricht mit ansehen, in dem Fall den Japanisch-Unterricht für Austauschstudenten, hauptsächlich aus China. Inhaltlich war es meinem eigenen Unterricht, vor allem an der Sophia, ziemlich ähnlich, aber mal daneben zu sitzen, die Schüler zu beobachten und ganz konkret darauf zu achten, wie die Lehrer ihren Unterricht führen, ist schon eine andere Erfahrung. Man bemerkt da Sachen, die einem vorher nie aufgefallen sind.

Samstag stand, wie üblich, das Treffen zu den Deutsch-Japanischen Beziehungen auf dem Programm, sodass ich zum dritten Mal in Folge nach Fukuoka gefahren bin. Da das ja erst am Nachmittag stattfindet, hat mich Familie Shimada vorher mit nach Dazaifu genommen, einem kleineren Ort ca. eine halbe Stunde von Fukuoka entfernt, wo es einen berühmten Schrein zu Ehren von Sugawara Michizane gibt. Vielleicht hat Franzi oder ein anderer von den Japanologen schon mal von ihm gehört. Hat eine ziemlich interessante Geschichte, aber ich hab keine Lust, das jetzt hier zu erzählen. Wen es interessiert, bitte bei google suchen. ;)
Der Schrein dort, Tenmangu, ist nebenher auch berühmt für seine vielen Pflaumenblüten und auch die Kirsche soll dort sehr schön sein. Nur ist die Pflaumenblüte leider gerade vorbei, die Kirschblüte fängt erst Ende März an. Insofern hab ich genau das Zeitintervall abgepasst, wo es rein von der Natur her nichts zu sehen gab. Aber der Tempel selbst war trotzdem sehr schön und von seiner Geschichte her einfach sehr interessant.
Ich habe dort auch zum ersten Mal eine Gebetstafel ausgefüllt und aufgehängt. Jetzt steht der Uniabschluss ja langsam vor der Tür, da kann ein bisschen Beistand nicht schaden ^^.

Mit diesen Begebenheiten endete so mehr oder minder meine Woche. Ich hab immer noch die Nase voll vom PC und werde ihn daher gleich wieder ausschalten. Muss eh ins Bett...

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