Sonntag, 21. Februar 2010

Ankunft in Fukuoka

Seit heute Mittag bin ich nun in Fukuoka und wirklich, ich bin hier angekommen und war total geplättet. Das Haus ist einfach nur - man möge mir meine Wortwahl aufgrund mangelnden Wortschatzes verzeihen - ja, es ist einfach nur krass. Unglaublich krass. Richtig Ehrfurcht erregend im ersten Moment. Und das enormste daran ist die Vorstellung, dass Kichiro hier ja aufgewachsen ist! O_O

Aber mal von vorn...

Am Anfang war der Flug. Und der allein hat auch schon seine kleinen Höhepunkte bereit gehalten. Zum einen war ich das erste mal am Haneda-Flughafen, wo die ganzen Inlands-Flüge starten. Yurie und ihre Familie haben mich sogar extra mit dem Auto hingebracht - nachdem wir nach den ersten zehn Minuten noch mal umkehren mussten, weil ich doch tatsächlich mein Handy liegen gelassen hab...
Aber am Ende waren wir trotzdem pünktlich. Und der Flug war klasse. DENN: Ich hatte zwischendurch folgenden Ausblick aus dem Fenster:

Der seltsame Hügel da mitten in der Wolkendecke ist nichts anderes als der Fuji-san von oben. Yurie meinte schon, dass ich ihn wohl sehen werde, und ich hatte erst Angst, ihn zwischen all den anderen Bergen vielleicht zu verpassen, aber so war es natürlich einfach *lach*. Und es sah echt klasse aus. Kommt auf dem Bild eigentlich gar nicht richtig rüber. So nah dran wie hier war ich auch noch nie, höchstens der Rückweg vom letzten Gasshuku, als Ohta-sensei Franzi und mich im Auto mitgenommen hat, kommt da ungefähr ran. Aber so von oben sieht es natürlich viel schöner aus.
Wir sind fast direkt drüber geflogen, deshalb hat man ihn leider nicht so oft zu Gesicht bekommen, aber zwischenzeitlich hab ich die Rückansicht noch kurz abpassen können.


Am Flughafen in Fukuoka wurde ich von Herrn Shimada und seiner Frau abgeholt. Zum Glück haben wir uns (bzw. sie mich) leicht gefunden, denn soweit ich das gesehen habe, hatte ich das einzige ausländische Gesicht im ganzen Flugzeug.
Herr Shimada ist unheimlich nett und sehr offen. Das hat mir gleich ein wenig Sicherheit gegeben und das Reden ein wenig erleichtert, weil man sich nicht mehr so extrem steif gefühlt hat wie beim E-Mail-Schreiben, wo man wirklich sehr auf die höfliche Sprache achten muss. Frau Shimada schien mir anfangs etwas zurückhaltend. Ich vermute, sie hat sonst nicht so viel Kontakt zu Ausländern und es war erst einmal schwierig überhaupt einzuschätzen, wie sie mit mir umgehen soll, aber im Lauf des Tages sind wir auch noch warm geworden.
Zuerst einmal waren wir essen. Ramen. Tonkotsu Ramen. Das ist eine besondere Spezialität von Fukuoka, wo statt Soyasoße Knochenmark (?) von Schweineknochen für die Suppe verwendet wird. Dadurch sieht die natürlich auch nicht braun, sondern weiß aus. Sehr lecker. Und keiner beschwert sich mehr, wenn ich schlürfe!

Dann das Haus. DAS HAUS!!! Gott...
Womit wir wieder beim Anfang wären. Ich glaube, ich kann den Eindruck, den ich zu Begin vom Haus hatte, hier kaum wiedergeben. Es fing bereits am Eingang an. Alle, die schon mal in Japan waren, werden sich sicherlich an diese relativ großen dunkelbraunen Holztore erinnern, die so ein bisschen wie Tempeltüren anmuten. Vor so einem Ding hat das Auto geparkt. Und während wir ausgestiegen sind, erklärte mir Frau Shimada, dass das Tor der Haupteingang ist, welcher normalerweise verschlossen ist und nur heute für meine Ankunft geöffnet wurde. Insgesamt gibt es drei Eingänge. Den zweiten, welcher mir auf dem Weg durch den Vorgarten (im japanischen Stil. Mit geharktem Sand links und rechts vom Weg) gleich noch gezeigt wurde, benutzt die Familie normalerweise. Durch den dritten Eingang kommen und gehen die Angestellten, die zum Reinigen und dergleichen öfters kommen.
Eigentlich hätte ich auch von draußen gern schon ein Foto geschossen, aber ich habs nicht mehr geschafft. Daher hier nur ein kleiner Eindruck vom Fenster aus.


Das Haus selbst ist schon relativ alt und ganz im japanischen Stil. Richtig hübsch und antik angehaucht. Mit Holzdielen, Papierschiebetüren, Tatami-Zimmern... Mein Zimmer ist übrigens - na ja, eigentlich Kichiros Zimmer ^^u. Ich mach auch nix kaputt, Kichiro! Versprochen!
Und hier noch ein paar Eindrücke (das erste Foto zeigt eine Holz-Verzierung, die über den Türen an so ziemlich jedem Raum zu sehen ist):




Nachdem Frau Shimada mir die Wohnung soweit gezeigt und alles erklärt hatte, habe ich mich kurz ausgeruht, ein wenig ausgepackt und den letzten Blogeintrag schnell veröffentlicht. Dann bin ich mit Frau Shimada und Kichiros Schwester (Hiroko, 3. Klasse Oberschule) ein bisschen in die Stadt gefahren. Viele Läden machen hier schon ziemlich früh zu, deshalb konnten wir uns nicht so viel ansehen, aber insgesamt war es doch sehr schön. Zuerst waren wir im alten Teil der Stadt und haben eine alte Einkaufsstraße besichtigt, die schon zur Edo-Zeit von den Daimyô, den Landesherren, als Durchfahrtsstraße auf dem Weg zum Shogun diente. Zu der Zeit gab es die Regelung, dass alle Daimyô des Landes mitsamt ihrem Gefolge alle drei Jahre zum Shogun nach Tokyo reisen müssen und das Ganze verlief jedes Mal natürlich sehr prunkvoll.
Im Moment ist die Straße sehr schön geschmückt, weil das Puppenfest, Hina-Matsuri, für Mädchen vor der Tür steht (3.3.).


Ebenfalls interessant war die Uhr, die über einem der Läden in die Wand eingearbeitet ist. Zu jeder vollen Stunde gibt es dort ein Glockenspiel, bei dem die Reise der Daimyô nachgestellt ist und man eine Reihe von Holzfiguren sieht, die durch die Straße, wie sie zur damaligen Zeit aussah, von rechts nach links ihre Reise durchführt.


Zwischen den Spielzeiten des Glockenspiels verschwinden sämtliche Figuren hinter der Wand.


Noch kurz zu Hiroko. Kichiros Schwester ist wirklich klasse. Wir haben uns auf Anhieb prima verstanden und konnten über alles Mögliche reden. Anscheinend haben wir viele Gemeinsamkeiten. Wie z.B. einen Vogel, der Coco heißt! Okay, ihrer ist ein Nymphensittich (daneben gibt es noch einen...Zebrafink? Na jedenfalls klein, grau, niedlich und mit sehr hübscher Singstimme) und im Garten einen Hund. Die Vögel sind übrigens beide unglaublich zahm und Coco kann ein ganzes Lied nachpfeifen! Auf Kommando sogar. Sowas hab ich noch nicht erlebt. Selbst unser Graupapagei (= mein Coco ^^) spricht zwar alles Mögliche nach, aber ganz sicher nicht auf Kommando, der Dickschädel.
Jedenfalls - von Yurie abgesehen ist es mir (zumindest hier in Japan) noch nie passiert, dass ich so schnell mit jemandem absolut auf einer Wellenlänge lag. Die kommenden Wochen werden sicher schön. Wenn ich nicht gerade arbeite, wollen wir auch einiges zusammen machen.
Und apropos arbeiten: Morgen muss ich um sieben raus, also werde ich an der Stelle Schluss machen und schlafen gehen. Ich bin gespannt, wie mein erster Tag wird. In der Anfangszeit betreue ich die Kinder im Kindergarten mit und schaue mir an, wie den Kleinen schon die ersten grundlegenden Dinge beigebracht werden und helfe dann auch mit, wo ich kann.
Danach werde ich einen kleinen Deutschkurs an der Oberschule leiten und zum Schluss in die Stadt Fukuoka fahren, wo die Ingeneurs-Fachschule ist, und dort dem Japanisch-Lehrer in der Klasse der Austauschstudenten assistieren.

1 Kommentar:

xfranczeskax hat gesagt…

Waaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaahhhhhhhhhh!!!!
Wie.cool.