Freitag, 26. Februar 2010

Nebenwirkungen. Oder: Kinder hüten ist nicht nur Spiel & Spaß

An meinem ersten Tag hat mir Frau Shimada erzählt, dass auch Kichiro mal einen Tag lang im Kindergarten ausgeholfen hat. Und am Ende war er so erschöpft, dass er im Zimmer der Erzieher eingenickt ist. Die letzten beiden Tage habe ich im wahrsten Sinne des Wortes gespürt, wie es ihm ergangen sein muss. Jeden Tag mit ihnen raus gehen, spielen, aufpassen, dass nix passiert etc. Dann schleppen sie dich dauernd irgendwo mit hin, wollen dir was zeigen, Sandburgen bauen etc. Im Moment versuch ich meist, sie für irgendwas zu begeistern, wobei ich sitzen kann *lach*.
Vorgestern war ich übrigens das letzte Mal in der Löwen-Gruppe. Die drei älteren Gruppen generell hatten da das dritte und letzte Mal Besuch von 5.-Klässlern aus einer nahen Grundschule, wo aus dem jetzigen Jahrgang dann auch die meisten hingehen werden. Kleine Anmerkung: Die Grundschule dauert in Japan 6 Jahre.
Ja, meine Zeit mit der Löwen-Gruppe war mit dem Tag erst einmal vorbei. Zwischendurch hat Ishikawa-sensei, die Erzieherin der Gruppe, einige Fotos geschossen und mir heute freundlicherweise auf meinen Stick überspielt. Deshalb kann ich jetzt auch mal ein paar Bilder zeigen.




Aber bitte nicht nach den Namen fragen. Ich hab mir in den drei Tagen höchstens eine Handvoll gemerkt. Bei der Menge ist es echt schwierig, zumal man auf dem Hof draußen ja nicht nur mit der eigenen Gruppe, sondern mit allen Kindern zu tun hat.
An diesem Tag (und auch am nächsten) bin ich übrigens mit dem Rad in den Kindergarten gefahren. Vor allem beim ersten Mal war ich echt unsicher. An jeder Straßenabzweigung habe ich mich wieder gefragt, ob ich nicht auf der falschen Seite fahre (okay, es waren Radwege, insofern also kein Beinbruch). Bin aber zum Glück unfallfrei im Kindergarten und später dann wieder zu Hause angekommen. Hab mich für meine Verhältnisse sogar wenig verfahren dabei.

Gestern war ich in der Giraffen-Gruppe, welche auch zu den (insgesamt drei) ältesten gehört, die bald ihre Abschlussfeier haben. Wako, eines der Mädchen aus der Gruppe, hat mich schon seit dem Vortag gebeten, das nächste mal zu den Giraffen zu kommen und schließlich hat sie mir ein Versprechen abgerungen, dass ich am nächsten Tag auf alle Fälle in ihre Gruppe komme und dann extra noch bei Ishihara-sensei nachgefragt, dass das auch okay ist.
Am Nachmittag hatte ich mich dann etwas eher auf den Heimweg gemacht, weil wir 18 Uhr in Fukuoka-Shi (sozusagen die Hauptstadt der Präfektur Fukuoka, die denselben Namen hat. Das ist bei den Präfekturen generell so) zum EU-Kulturfest eingeladen waren und ich dort Herrn Nemoto kennenlernen konnte, der die Deutsch-Japanischen Kulturabende organisiert, an denen ich Samstags nun wöchtentlich teilnehmen werde. Dabei geht es darum, zu verschiedenen Themen Ähnliches und Unterschiede in der deutschen und japanischen Kultur zu diskutieren und meine Aufgabe ist es dementsprechend, Einblicke in die deutsche Seite zu geben. Das ist mir auch über Herrn Shimada vermittelt wurden. Der Abend war auch ziemlich interessant. Nur dummerweise hat die Busfahrt bis Fukuoka wegen überfüllter Straßen doppelt so lange gedauert wie üblich und wir waren erst 18 Uhr dort. Das Event selbst war schon recht interessant. Zu lachen gabs auch ein bisschen was, wenn man die Namen der Gerichte auf den Schildchen davor gelesen hat. Zu Bulgarien und Spanien kann ich nichts sagen, da kenne ich die Sprachen nicht, aber zumindest die deutschen Karten waren alles andere als Deutsch. Und die Schreiber kannten keine Umlaute ^^u. Aber lecker wars trotzdem =). Und man hat wieder ein paar Leute kennen gelernt, Visitenkarten bekommen und konnte ein nettes Programm mit Musik, Ikebana und Tombola genießen. Die Visitenkarten muss ich nachher übrigens erst mal durchsehen. Sind u.a. von einer deu-jap Interessensgesellschaft, die mich eingeladen hat, unbedingt mal bei ihnen vorbeizuschauen. Waren sehr nette Leute. Wenn es irgendwie möglich ist, würde ich da schon gern mal hingehen.
Im Endeffekt war ich 23 Uhr ungefähr zu Hause, dann noch duschen und so und auf direktem Weg ins Bett. Ich war wirklich komatös müde.

Heute fiel Radfahren leider aus, weil es am Vormittag schon genieselt hat. Spätestens am Nachmittag war ich dann richtig froh, dass ich den Niesel zuvor nicht ignoriert und trotzdem das Rad genommen hab, denn da hat es echt gegossen wie aus Eimern. Die Straßen schwommen, der Hof vor dem Kindergarten war ein einziges Schwimmbecken. Das hatte allerdings auch seine Vorteil: Kinder blieben drin und sind nicht so viel rumgerannt. Ergo: Ich musste auch nicht rennen ^^. Dafür haben wir zur Abwechslung relativ viel Zeit mit malen verbracht, also sitzend. (Ja, das ist ein sehr wichtiger Unterschied im Moment!)
Der Vormittag war auch schön. Ich hab zwar die meiste Zeit damit kämpfen müssen, nicht jeden Moment einzuschlafen, aber soweit ich mich konzentrieren konnte, habe ich die erste Generalprobe für die Abschlussfeier der drei älteren Kindergartengruppen gesehen. Bisher hat jede Gruppe einzeln für sich geübt, diesmal haben sich alle im Zimmer der Giraffen-Gruppe versammelt, Stühle entsprechend aufgestellt und alles Mögliche geübt, vom geordneten Reinkommen übers stille Hinsetzen, Verbeugen und Bedanken, Übernahme von Urkunden und Geschenken und natürlich ihre Lieder und Rede. Die Lehrer halten zwischendurch ebenfalls kurze Reden und wahrscheinlich wird die eigentliche Feier an die zwei Stunden lang. Von dein Kleinen wird schon ziemlich viel erwartet. Aber sie scheinen es nicht als Belastung anzusehen. Es war auf jedenfall schön mit anzusehen, auch wenns nur die erste holperige, unvollständige Probe war. Die richtige Feier wird sicher klasse. Ist übrigens an einem Sonntag, also werde ich wahrscheinlich hingehen können. =)

Dienstag, 23. Februar 2010

Teezeremonie

Neben der üblichen Prozedur am Vormittag gab es heute am Nachmittag wieder 15 min "Unterricht", diesmal in traditioneller japanischer Teezeremonie. Ich wurde eingeladen zum Mitmachen und auch Hiroko, Kichiros Schwester, ist nach der Schule vorbei gekommen, hat an der Teezeremonie teilgenommen und sich danach auch noch mit um die Kinder gekümmert. Sie findet die Kleinen genauso süß wie ich. Einige kannten sie sogar noch, da sie vor einer Weile auch mal für einen Tag ausgeholfen hatte.
Die traditionelle Teezeremonie übt sie übrigens schon seit 12 Jahren und dementsprechend gut ist sie auch. Sah toll aus. Für mich war es der erste Versuch und sie hat mir netterweise dauernd Tipps gegeben und mir gezeigt, was ich machen soll. Nur ein bisschen unpraktisch, dass sie mir gegenüber saß und ich demnach ständig spiegelverkehrt gedacht hab... Bei so einer Teezeremonie gibt es verdammt viel zu beachten. Wirklich jeder Schritt und jede Position haben ihre eigene Regel. Wie weit sitzt man vom Rand der Tatami-Matte weg, an welcher Stelle hebt man mit welcher Hand die Schale an, in welche Richtung dreht man den Schaumbesen zuerst, wie oft, etc... Das beginnt beim Reinigen der Utensilien vor dem Benutzen, über das eigentliche Zubereiten des Tees bis zum Reinigen nach dem Benutzen.
Aber Tee und dazugehörige Süßigkeit (haben wir vorher gegessen) waren sehr lecker.
Kichiro hat übrigens auch sechs Jahre lang Teezeremonie gelernt. Zwar konnte er nicht weiter machen, seit er zum Studium nach Tokyo gezogen ist, aber vielleicht frag ich nächstes Semester trotzdem einfach mal, ob er sowas nicht mal irgendwie für uns machen kann ^^. Müssen nur die ganzen Utensilien irgendwie auftreiben...

Ansonsten haben wir den Tag heute fast vollständig draußen verbracht. Das Wetter war so genial (ich konnte sogar nur im T-Shirt nach Hause fahren - um euch mal ein bisschen neidisch zu machen ;P ). Am Vormittag haben wir Brennball gespielt, ist das lange her, seit ich das das letzte Mal gemacht habe! Aber ich frage mich, aus welchem Land das wohl ursprünglich kommt...

Was ich nach wie vor relativ schwierig finde, ist es, so ein kleines Kind zu trösten, wenn es mal hinfällt oder aus sonstigem Grund anfängt zu weinen. Einer der ganz Kleinen (3-jährigen) hat z.B. beim Springen über die Reifen draußen (so wie Autoreifen, die halb im Boden stecken - gibts bei uns ja auch häufig) plötzlich angefangen zu weinen, als ich ihm nach oben geholfen hab. Vielleicht hat ihm die Höhe plötzlich Angst gemacht... Ich war schon froh, dass er sich ziemlich schnell wieder beruhigt hat, denn das ist echt beunruhigend, vor allem wenn man selbst grad auf so ein Kind aufpasst und es plötzlich losweint.

Die ersten Kleinen meinten heute, dass sie gern mal Deutschland sehen möchten. Ich bin gespannt, ob sie es mit ihren Eltern vielleicht irgendwann in die Tat umsetzen können. Es ist wirklich wahnsinnig süß und freut einen richtig, wenn sie doch so viel Interesse am eigenen Land zeigen. Viele fragen auch immer mal, was es in Deutschland z.B. für leckeres Essen gibt, ob es verschiedene (japanische) Dinge, Bräuche etc. auch in Deutschland gibt und sowas.
Generell sind sie sehr wissbegierig. Vielleicht bleibt sogar das ein oder andere deutsche Wort im Verlauf der Woche hängen ^^. Nach "Auf Wiedersehen" haben sie jetzt schon öfters gefragt, aber das ist so lang, dass es für den Anfang schwierig zu merken ist. Aber mal sehen, vielleicht klappt es mit "Dankeschön. =)

Montag, 22. Februar 2010

"Sensei! Sensei!"

Heute war also mein erster Praktikumstag im Kindergarten. Meine bisherigen Erfahrungen mit so kleinen Kindern waren - wenn auch von der Menge her verdammt wenig - bisher eher so, dass die Kleinen eine ganze Weile brauchen, bis sie Fremden gegenüber auftauen. Dementsprechend bin ich heute eigentlich auch mit der Erwartung hingekommen, den ganzen Tag mehr oder minder nur aus dem Abseits zugucken zu können und mit einer Mischung aus Angst und Neugier beobachtet zu werden.

Herr Shimada hat mir zuerst den Kindergarten gezeigt und mir die Erzieher, soweit sie schon da waren, kurz vorgestellt. Dann hat mir eine der Erzieherinnen die einzelnen Räume gezeigt, wo überall zumindest schon ein paar Knirpse waren. Die meisten kamen erst etwas später mit dem Kindergarten-Bus oder wurden dann von ihren Müttern gebracht.
Die Klassen sind dem Alter nach eingeteilt und dementsprechend unterscheidet sich die grundlegende Atmosphäre auch ziemlich. Ich war heute bei der "Löwen-Gruppe", das ist eine mit den 6-Jährigen (von dreien, glaube ich). Anfang März haben sie ihre Abschiedszeremonie vom Kindergarten und dafür wird im Moment schon fleißig geübt.
Zuerst waren von der ganzen Gruppe nur drei, vier Mädchen da. Die haben sich erst mal individuell beschäftigt und Stifte und Malblock rausgeholt. Ich hab mich ein wenig dazugesetzt und ihnen das Zeichen-Spiel mit dem Falten erklärt, wo vier Leute jeweils Kopf, Oberkörper, Oberschenkel und Unterschenkel/Füße von irgendwas zeichnen, wobei die anderen jeweils nicht sehen dürfen, was einer gerade malt. War ganz lustig, was am Ende dabei rausgekommen ist. Und wenig später war die Gruppe auch schon so gut wie vollzählig.
Bis dahin sind sie auch schon erstaunlich aufgetaut. Als wir zum Spielen rausgegangen sind, hatten bereits zwei der Kleinen meine Hände in Beschlag genommen *lach*. Und draußen wollten sie dann Hasche spielen. So süß, wie sie sind, konnte ich es ihnen einfach nicht abschlagen, allerdings war ich dadurch auch dauernd mit dem Fangen dran. Und die sind schnell. Das glaubt man gar nicht... *ächtz* Na ja, irgendwann bin ich dazu übergegangen, einfach schnell zurückzutippen, wenn wieder jemand ankam. Das hat dann der ganze Rest allerdings übernommen, sich im Kreis um mich positioniert und von allen Seiten angetippt, wenn ich mich grad nicht in ihre Richtung gedreht habe. Na ja, zumindest nicht mehr rennen... Also Sport hab ich die Woche über sicher genug.

Drinnen wurden dann die gesammelten Werke des letzten Jahres wieder ausgeteilt, weil die Gruppe ja bald in die Schule kommt und nun so langsam alles mit nach Hause nehmen muss. Wirklich süß, was sie so alles gemalt und gebastelt haben. Hat mich sehr an meine Zeit im Kindergarten erinnert. Auch gesungen haben sie viel, die Erzieherin meiner Gruppe hat dabei immer Piano gespielt (es steht in so ziemlich jedem Raum eins, glaube ich). Dann haben wir alle gemeinsam Mittag gegessen, wobei sogar das Aufräumen im Anschluss absolut reibungslos verlief. Ich war richtig erstaunt, dass man den Kindern einfach nur einmal was sagen musste und schon haben sie es gemacht. Nicht nur beim Essen. Auch später, als sie ihre Spielsachen wieder wegräumen sollten.
Auch mit dem Lesen und Schreiben sind die meisten aus dieser Klasse schon ziemlich weit. Die Erzieherin meinte, im Kindergarten lernen sie das nicht direkt, aber viele Eltern bringen ihren Kindern zu Hause schon die Silbenalphabete bei. Schreiben können sie die Zeichen zum Teil auch schon.

Was sie übrigens auch unheimlich mögen ist Einrad-Fahren. Damit fangen zum Teil die Dreijährigen schon an und die Sechsjährigen aus meiner Gruppe haben sich einfach nur an einem Pfosten hochgezogen und sind dann losgeradelt. Quer über den Hof. Ich hab es auch mal kurz versucht, weil sie mich drum gebeten haben, mitzufahren, aber das ist ja dermaßen wackelig, dass ich von dem Ding ganz schnell wieder runter bin.
Zu dem Zeitpunkt hingen beim Herumlaufen dann auch schon fünf Knirpse an meinen Armen. Total niedlich! Beim Spielen war das ein wenig schwierig, weil niemand von seinem Einrad runter wollte, aber loslassen kam auch nicht infrage. Insofern HINGEN sie im wahrsten Sinne des Wortes *lach*. Also falls ich die nächsten Tage Muskelkater hab, weiß ich, wovon. Einzeln sind die Kleinen echte Fliegengewichte, aber bei der Menge...
Und sie kommen immer wieder angerannt, rufen "Sensei! Sensei!" und wollen spielen oder mir irgendwas Tolles berichten oder zeigen ^^. Das eine Mädchen hat winzige Muscheln am Strand gefunden, ein anderes hat aus Lehm beim Spielplatz einen Hasen-Kopf geformt. Man könnte sie die ganze Zeit knuddeln. Und eigentlich tut man eh nix anderes, denn sie hängen sowieso dauernd an einem dran. (Ob ich eins mitnehmen kann, bevor ich gehe...?)
Ach ja, für die, die das Wort "Sensei" noch nicht kennen: Das ist die übliche Anrede für Lehrer (an der Schule) oder Dozenten (Uni) und hat im Kindergarten demnach eine ähnliche Nuance. Ich bin praktisch direkt in den Rang einer Erzieherin erhoben worden ^^u. Gleich früh am Morgen habt mich die Erzieherin meiner Gruppe auch als "Nancy-sensei" vorgestellt. Das erste Mal so genannt zu werden, klingt schon erstaunlich. Ich denke, ich brauch noch eine Weile, bis ich mich daran gewöhnt habe, denn es klingt einfach so viel Respekt in dieser Anredeform mit, die ich als noch nicht mal fertig studierter Student so gar nicht verdient habe.

Gegen 14 Uhr sind die meisten mit dem Bus wieder nach Hause gebracht wurden. Ein Teil blieb noch da und hatte Englisch-Unterricht. Der Lehrer (Taro) ist auch Japaner, ist aber in Amerika aufgewachsen und spricht daher als Muttersprache Englisch. Meine Erzieherin hat mir erzählt, dass er vor ca. acht Jahren nach Izuka-shi gekommen ist und damals auch noch nicht viel Japanisch gesprochen hat.
Ich hab ihn bei Gelegenheit mal gefragt, ob ich mir seinen Unterricht ein bisschen mit ansehen kann, weil es mich wirklich interessiert hat, wie er es anstellt, so kleinen Kindern was zu vermitteln (die beherrschen ja wirklich schon so einige Wörter und Wendungen!) und sie dabei auch so riesigen Spaß an der Sprache haben lässt. Wirklich, alle meinten, sie finden Englisch toll, als ich sie gefragt hab.
Jedenfalls meinte er aber erst mal, das mit dem Zusehen wäre schwierig. Die anderen Erzieher haben mir dann erzählt, dass bisher noch niemand bei seinem Unterricht zugesehen hat, nicht mal die Eltern der Kinder. Er ist wohl unglaublich schüchtern und es bringt ihn total aus dem Konzept, wenn ein Fremder mit dabei ist. (also doch typisch japanisch irgendwie ^^)
Daher war ich umso erstaunter, als eine der Erzieherinnen plötzlich mit ins Zimmer kam und meinte, dass ich mich die letzten 15 Minuten mit reinsetzen und zusehen darf. Wow. PREMIERE! Ich hab mich total geehrt gefühlt. Und wirklich, sein Unterrichtsstil ist klasse. Alle Wörter, Wendungen, Grammatik usw. ist völlig in Spiele integriert. Er führt sehr viel vor, mit Mimik und Gestik, spielt gemeinsam mit den Kindern verschiedene Tätigkeiten nach und bringt sie damit natürlich alle zum Lachen. War ein wunderbarer Anblick. Wie ein Vater, der mit seinem kleinen Kind rumalbert. Wirklich kein Wunder, dass die Kinder Englisch so toll finden und auch Taro-sensei unheimlich lieb haben.

Ein paar deutsche Wörter habe ich auch zwischendurch mit ihnen geübt. Guten Morgen, guten Tag, guten Appetit, zählen bis 10... Sie haben immer mal wieder gefragt, was das ein oder andere auf Deutsch heißt, ich hab es ein, zweimal vorgesprochen und sie haben versucht, es nachzusprechen. Als ich mich am Nachmittag mal vor der ganzen Gruppe vorstellen sollte, wollten sie wissen, was "Dankeschön" heißt. Einige haben es mir sogar noch mal nachgerufen, als das ganze Mittags-Programm vorbei war und ich wieder ins Lehrerzimmer gegangen bin. Wirklich süß ^^.
Und bei den Kleinen merkt man deutlich, wie genau ihr Gehör noch ist, was die ganzen kleinen sprachlichen Nuancen angeht. Erwachsene brauchen bisweilen Jahre, um Wörter in einer Fremdsprache so gut auszusprechen, wie die Kleinen das auf Anhieb geschafft haben. Ihr Englisch wird später sicher mal verdammt gut. Und ich bin gespannt, ob bis morgen noch ein bisschen was von dem Deutsch hängen geblieben ist. ^^

Sonntag, 21. Februar 2010

Ankunft in Fukuoka

Seit heute Mittag bin ich nun in Fukuoka und wirklich, ich bin hier angekommen und war total geplättet. Das Haus ist einfach nur - man möge mir meine Wortwahl aufgrund mangelnden Wortschatzes verzeihen - ja, es ist einfach nur krass. Unglaublich krass. Richtig Ehrfurcht erregend im ersten Moment. Und das enormste daran ist die Vorstellung, dass Kichiro hier ja aufgewachsen ist! O_O

Aber mal von vorn...

Am Anfang war der Flug. Und der allein hat auch schon seine kleinen Höhepunkte bereit gehalten. Zum einen war ich das erste mal am Haneda-Flughafen, wo die ganzen Inlands-Flüge starten. Yurie und ihre Familie haben mich sogar extra mit dem Auto hingebracht - nachdem wir nach den ersten zehn Minuten noch mal umkehren mussten, weil ich doch tatsächlich mein Handy liegen gelassen hab...
Aber am Ende waren wir trotzdem pünktlich. Und der Flug war klasse. DENN: Ich hatte zwischendurch folgenden Ausblick aus dem Fenster:

Der seltsame Hügel da mitten in der Wolkendecke ist nichts anderes als der Fuji-san von oben. Yurie meinte schon, dass ich ihn wohl sehen werde, und ich hatte erst Angst, ihn zwischen all den anderen Bergen vielleicht zu verpassen, aber so war es natürlich einfach *lach*. Und es sah echt klasse aus. Kommt auf dem Bild eigentlich gar nicht richtig rüber. So nah dran wie hier war ich auch noch nie, höchstens der Rückweg vom letzten Gasshuku, als Ohta-sensei Franzi und mich im Auto mitgenommen hat, kommt da ungefähr ran. Aber so von oben sieht es natürlich viel schöner aus.
Wir sind fast direkt drüber geflogen, deshalb hat man ihn leider nicht so oft zu Gesicht bekommen, aber zwischenzeitlich hab ich die Rückansicht noch kurz abpassen können.


Am Flughafen in Fukuoka wurde ich von Herrn Shimada und seiner Frau abgeholt. Zum Glück haben wir uns (bzw. sie mich) leicht gefunden, denn soweit ich das gesehen habe, hatte ich das einzige ausländische Gesicht im ganzen Flugzeug.
Herr Shimada ist unheimlich nett und sehr offen. Das hat mir gleich ein wenig Sicherheit gegeben und das Reden ein wenig erleichtert, weil man sich nicht mehr so extrem steif gefühlt hat wie beim E-Mail-Schreiben, wo man wirklich sehr auf die höfliche Sprache achten muss. Frau Shimada schien mir anfangs etwas zurückhaltend. Ich vermute, sie hat sonst nicht so viel Kontakt zu Ausländern und es war erst einmal schwierig überhaupt einzuschätzen, wie sie mit mir umgehen soll, aber im Lauf des Tages sind wir auch noch warm geworden.
Zuerst einmal waren wir essen. Ramen. Tonkotsu Ramen. Das ist eine besondere Spezialität von Fukuoka, wo statt Soyasoße Knochenmark (?) von Schweineknochen für die Suppe verwendet wird. Dadurch sieht die natürlich auch nicht braun, sondern weiß aus. Sehr lecker. Und keiner beschwert sich mehr, wenn ich schlürfe!

Dann das Haus. DAS HAUS!!! Gott...
Womit wir wieder beim Anfang wären. Ich glaube, ich kann den Eindruck, den ich zu Begin vom Haus hatte, hier kaum wiedergeben. Es fing bereits am Eingang an. Alle, die schon mal in Japan waren, werden sich sicherlich an diese relativ großen dunkelbraunen Holztore erinnern, die so ein bisschen wie Tempeltüren anmuten. Vor so einem Ding hat das Auto geparkt. Und während wir ausgestiegen sind, erklärte mir Frau Shimada, dass das Tor der Haupteingang ist, welcher normalerweise verschlossen ist und nur heute für meine Ankunft geöffnet wurde. Insgesamt gibt es drei Eingänge. Den zweiten, welcher mir auf dem Weg durch den Vorgarten (im japanischen Stil. Mit geharktem Sand links und rechts vom Weg) gleich noch gezeigt wurde, benutzt die Familie normalerweise. Durch den dritten Eingang kommen und gehen die Angestellten, die zum Reinigen und dergleichen öfters kommen.
Eigentlich hätte ich auch von draußen gern schon ein Foto geschossen, aber ich habs nicht mehr geschafft. Daher hier nur ein kleiner Eindruck vom Fenster aus.


Das Haus selbst ist schon relativ alt und ganz im japanischen Stil. Richtig hübsch und antik angehaucht. Mit Holzdielen, Papierschiebetüren, Tatami-Zimmern... Mein Zimmer ist übrigens - na ja, eigentlich Kichiros Zimmer ^^u. Ich mach auch nix kaputt, Kichiro! Versprochen!
Und hier noch ein paar Eindrücke (das erste Foto zeigt eine Holz-Verzierung, die über den Türen an so ziemlich jedem Raum zu sehen ist):




Nachdem Frau Shimada mir die Wohnung soweit gezeigt und alles erklärt hatte, habe ich mich kurz ausgeruht, ein wenig ausgepackt und den letzten Blogeintrag schnell veröffentlicht. Dann bin ich mit Frau Shimada und Kichiros Schwester (Hiroko, 3. Klasse Oberschule) ein bisschen in die Stadt gefahren. Viele Läden machen hier schon ziemlich früh zu, deshalb konnten wir uns nicht so viel ansehen, aber insgesamt war es doch sehr schön. Zuerst waren wir im alten Teil der Stadt und haben eine alte Einkaufsstraße besichtigt, die schon zur Edo-Zeit von den Daimyô, den Landesherren, als Durchfahrtsstraße auf dem Weg zum Shogun diente. Zu der Zeit gab es die Regelung, dass alle Daimyô des Landes mitsamt ihrem Gefolge alle drei Jahre zum Shogun nach Tokyo reisen müssen und das Ganze verlief jedes Mal natürlich sehr prunkvoll.
Im Moment ist die Straße sehr schön geschmückt, weil das Puppenfest, Hina-Matsuri, für Mädchen vor der Tür steht (3.3.).


Ebenfalls interessant war die Uhr, die über einem der Läden in die Wand eingearbeitet ist. Zu jeder vollen Stunde gibt es dort ein Glockenspiel, bei dem die Reise der Daimyô nachgestellt ist und man eine Reihe von Holzfiguren sieht, die durch die Straße, wie sie zur damaligen Zeit aussah, von rechts nach links ihre Reise durchführt.


Zwischen den Spielzeiten des Glockenspiels verschwinden sämtliche Figuren hinter der Wand.


Noch kurz zu Hiroko. Kichiros Schwester ist wirklich klasse. Wir haben uns auf Anhieb prima verstanden und konnten über alles Mögliche reden. Anscheinend haben wir viele Gemeinsamkeiten. Wie z.B. einen Vogel, der Coco heißt! Okay, ihrer ist ein Nymphensittich (daneben gibt es noch einen...Zebrafink? Na jedenfalls klein, grau, niedlich und mit sehr hübscher Singstimme) und im Garten einen Hund. Die Vögel sind übrigens beide unglaublich zahm und Coco kann ein ganzes Lied nachpfeifen! Auf Kommando sogar. Sowas hab ich noch nicht erlebt. Selbst unser Graupapagei (= mein Coco ^^) spricht zwar alles Mögliche nach, aber ganz sicher nicht auf Kommando, der Dickschädel.
Jedenfalls - von Yurie abgesehen ist es mir (zumindest hier in Japan) noch nie passiert, dass ich so schnell mit jemandem absolut auf einer Wellenlänge lag. Die kommenden Wochen werden sicher schön. Wenn ich nicht gerade arbeite, wollen wir auch einiges zusammen machen.
Und apropos arbeiten: Morgen muss ich um sieben raus, also werde ich an der Stelle Schluss machen und schlafen gehen. Ich bin gespannt, wie mein erster Tag wird. In der Anfangszeit betreue ich die Kinder im Kindergarten mit und schaue mir an, wie den Kleinen schon die ersten grundlegenden Dinge beigebracht werden und helfe dann auch mit, wo ich kann.
Danach werde ich einen kleinen Deutschkurs an der Oberschule leiten und zum Schluss in die Stadt Fukuoka fahren, wo die Ingeneurs-Fachschule ist, und dort dem Japanisch-Lehrer in der Klasse der Austauschstudenten assistieren.

Tokyo im Schnelldurchgang

Inzwischen bin ich in Fukuoka angekommen und weil es mit dem Internet die letzten Tage schlecht aussah, konnte ich zwischendurch nicht mehr berichten, wie genau meine zwei Tage in Tokyo nun ausgesehen haben. Den Blogeintrag dafür habe ich allerdings offline geschrieben und gespeichert ^^.

--- Samstagabend, 20.2. ---


In den letzten zwei Tagen habe ich vieles nachholen können, was ich das letzte halbe Jahr über vermisst habe.
Freitag war im Grunde recht anstrengend. Nachdem ich wegen des Jetlags nun doch nicht mehr als vier Stunden geschlafen hatte, kam ich früh so gar nicht aus dem Bett – äh, Futon. Doch im Verlauf des Tages hat sich die Müdigkeit zum Glück langsam zurückgezogen. Für 12 Uhr hatte ich mich mit einer Freundin aus der Japanologie in Akihabara am Electronic Town-Exit verabredet. Bin grad so pünktlich angekommen – mitsamt sämtlichen Gepäck, weil ich ab diesem Tag bei Yurie, einer Freundin von meinem Auslandsjahr, übernachten konnte – und hab mich dann am Ausgang positioniert und auf meine Verabredung gewartet. Und gewartet. Und gewartet... 13 Uhr war ich immer noch allein und musste mich schließlich auf den Weg machen, mein Wörterbuch zur Reparatur bringen und noch ein neues Wörterbuch für einen anderen Freund von der Japanologie kaufen. Eigentlich wollte ich das gemeinsam mit besagter Freundin machen. Und ich hätte noch ein Lehrbuch bekommen sollen, was mir für mein Praktikum helfen würde. Tja, dumm gelaufen...
Aber zumindest das neue Wörterbuch hab ich bekommen. Nachdem ich den gesamten Elektronik-Distrikt MIT Koffer hoch und runter gelaufen bin und überall Preise verglichen hab. Die Leute an den Läden haben nämlich überall gesagt, sie würden für das neueste Modell einen Rabatt anbieten, der ein Stück unter dem Preis der anderen Läden liegen würde. Nur eine konkrete Zahl hat mir keiner verraten wollen. Hab mir letztendlich einen ungefähren günstigsten Preis ausgedacht und bin dann zu dem Laden zurückgegangen, wo der Verkäufer am freundlichsten war, und hab das Wörterbuch schließlich fast 4.000 Yen billiger bekommen. Immerhin ^^. Nur meine Arme waren inzwischen fast taub vom Koffer-Ziehen. Eins ist mir zwischendrin plötzlich aufgefallen: Dieses Gefühl des Neuen, Ungewohnten, was mich die Anfangszeit in Japan lange begleitet hatte, fehlte völlig. U-Bahn, Bahnhöfe, Kaufhäuser, die Atmosphäre auf den Straßen... Alles war noch genau wie immer, als ob ich nie weg gewesen wäre. Selbst die Orte, die ich aufsuchen wollte, habe ich alle gleich wiedergefunden, ganz ohne verlaufen, was eigentlich völlig untypisch ist für mich.
Weiter nach Shibuya. Tags darauf (=heute) wollte ich ein paar Freunde wieder sehen und meinen Geburtstag ein bisschen vorfeiern, also habe ich dort im Sweets Paradise Plätze reserviert. Das „Sweets Paradise“ ist ein All-you-can-eat-Restaurant, wo es, wie der Name schon sagt, hautpsächlich Süßes gibt. Eis, Schokolade, Kuchen, Kuchen, Kuchen ^^.
Und natürlich wieder mit Koffer im Schlepptau, denn viel Zeit war auch nicht mehr, bis ich mich mit Yurie in Shinjuku treffen wollte. Satsuki kam zur selben Zeit in Shinjuku an (16:00 Uhr) und abends, 19:00 Uhr, haben wir noch Shu und Chu getroffen und sind gemeinsam ins Izakaya gegangen. (Katrin: Shu ist jetzt wirklich wieder ganz der Alte. ^^) Wir haben eine halbe Ewigkeit dort gegessen und erzählt und zwischendurch wieder einen Haufen alberne Fotos geschossen, von denen ich hier ganz sicher keins zeigen werde ;). Halb zwölf waren wir zu Hause bei Yurie.
Ah, und zwischendurch wurden Purikura geschossen! Kurz bevor wir Shu und Chu getroffen haben.

(vlnr: Yurie, Satsuki, ich)

Heute morgen war das Aufstehen noch ein wenig schwieriger als am Tag davor, weil der Jetlag trotz ereignisreichem Freitag immer noch nicht richtig weg war. Keine Ahnung, ob ich die Nacht überhaupt geschlafen habe. Müde war ich jedenfalls erst am Morgen, als es eigentlich Zeit zum Aufstehen wurde. Aber insgesamt wurde es trotzdem ein richtig toller Tag.
Yuries Eltern müssen auch Samstags arbeiten und waren deshalb beide schon außer Haus, sodass wir nur zu zweit gefrühstückt haben. Den Vormittag über hat sie mir ihre Wohngegend ein wenig gezeigt, ich hab noch ein bisschen was in der Drogerie gekauft und eine Bluse fürs Praktikum im Uni Qlo bekommen. In der Nähe war auch noch ein Book Off, wo ich dank Yuries Beratung noch drei neue Bücher kaufen konnte, die recht interessant klingen ^^. Außerdem hat sie mir erklärt, was die 上 (oben), 中 (Mitte) und 下 (unten) bedeuten, die manchmal auf den Buchrücken stehen. Ich dachte bisher, das sind unterschiedliche Schwierigkeitsstufen, je nachdem, wie viele Kanji der Leser kennt. Völlig falsch. Die Zeichen stehen für mehrreihige Bücher, also Band 1, 2 und 3. Wenn es nur 2 Bände gibt, wird das mittlere Kanji weggelassen und man benutzt nur das erste und letzte.
14 Uhr habe ich mich mit ein paar Freunden in Shibuya getroffen. Ursprünglich habe ich 7 Leute gefragt, ob sie kommen wollen, nur dummerweise war ich am Abend zuvor ja so spät zu Hause, dass die Hälfte von denen meine Nachricht zu den genauen Treff-Informationen nicht mehr gelesen hat und wir am Ende zu viert ins Sweets Paradise gegangen sind: Martina (Japanologie Halle), Ayaka (Freundin von der Sophia Uni) und: Kiyohiko! (Vor zwei Jahren über den Tandem-Austausch kennen gelernt und auch während des Auslandsjahres öfters getroffen) Dass sogar die beiden kommen konnten, war echt große Klasse. (Franzi: Kiyo hat sogar noch Kontakt mit Ryuichi! *lach*)
Die folgenden 1 ½ Stunden haben wir uns erst mal den Bauch vollgeschlagen mit allem möglichen Süßkram. Kiyo, Ayaka und Martina kannten sich vorher nicht, haben sich aber auch alle super verstanden, sodass es echt lustig war.
Im Anschluss wurden wieder Purikura-Bilder gemacht.





(links: Kiyo, Ayaka, rechts: Martina, ich)

Von meiner Freundin, die ich am Vortag verpasst hatte, hab ich auch noch mal eine Nachricht bekommen. Sie ist extra noch mal von Ginza nach Shibuya gekommen, um mir das Buch zu geben ><. Hat was gut bei mir.
Dann das nächste kleine Highlight des Tages: Karaoke! Richtiges Karoke, zum ersten Mal seit sechs Monaten! Es war einfach klasse ^^. Wir waren zwar nur 1 ½ Stunden, aber für den Anfang reicht das ja auch. 20:30 Uhr habe ich mich wieder mit Yurie an ihrem Bahnhof getroffen und dann gemeinsam mit ihren Eltern Abendbrot gegessen. Bei Yurie kocht der Vater das Essen, was für japanische Familien ziemlich untypisch ist. Aber auf alle Fälle war es unheimlich lecker und viel.



So viel erst einmal zu meiner Ankunft in Tokyo. Von meinen ersten Eindrücken in Fukuoka (Stadt: Izuka-shi) berichte ich heute Abend, denn Herr Shimada, Leiter der Schule, bei dem ich das Praktikum mache (und derzeit wohne), hat mir angeboten, mir die Stadt zu zeigen. ^^

Donnerstag, 18. Februar 2010

Japan, Klappe die Dritte

Als ein Zeichen meines guten Willens, dass ich den Blog diesmal bis zum Ende durchhalte (oder zumindest fasst), kommt hier gleich der erste Eintrag.

Ja, ich bin wieder in Japan! 13:25 Uhr meine Wohnung verlassen, bei strahlendem Sonnenschein, blauem Himmel und weiß glänzender Landschaft die heimatlichen Gefilde per Zug verlassen, PÜNKTLICH (trotz Umsteigen mit nur 5 Min. Wartezeit in Erfurt) um 17:50 Uhr in Frankfurt am Flughafen angekommen und dann erst mal ganz in Ruhe gefrühstückt und nebenbei zum Check-In spaziert.
Ja, gefrühstückt. Nicht, dass ich verschlafen hätte oder so. Aber ich war heute morgen so fürchterlich aufgeregt wie schon ewig nicht mehr. Ob ich das mit dem Praktikum wirklich hinbekomme, ob die Bahn ausnahmsweise mal pünktlich fährt... Jedenfalls habe ich keinen Bissen hinter bekommen. ><
Aber jetzt ist alles wieder im grünen Bereich. Der Abflug in Frankfurt war schön. Bei Nacht sieht die Stadt wesentlich besser aus als tagsüber.
Nur schlafen konnte ich im Flugzeug mal wieder so gut wie nicht. Dafür sorgen der Mangel an Bequemlichkeit und die mühsam niedergekämpfte Reiseübelkeit schon. Im Zug von Narita bis Tokyo war auch nicht viel mit schlafen, denn ich bin an Terminal 2 angekommen, also der 2. Haltestelle meines Zuges. Abfahrtsort ist das 1. Terminal, dementsprechend voll war es auch schon und ich durfte bis 15 Minuten vorm Aussteigen stehen (also rund 45 min rumstehen). Dabei habe ich auch erstmals deutlich gemerkt, dass ich mit meinen neuen Schuhen noch etwas Geduld haben muss, bis die richtig eingelaufen sind. x_x Egal. Schräg gegenüber gab es zumindest hübsche Gesichter zum Rüberschielen *lach*.
In Ueno hat mich meine Gastmutter sogar abgeholt. An demselben Bahnhof hatten wir uns im Sommer auch verabschiedet, sodass es sich irgendwie so anfühlte, als ob ich bloß gerade aus dem Urlaub wieder zurück gekommen bin. Auch in meiner Gastfamilie ist noch fast alles beim Alten. Gut, es gibt eine neue Austauschstudentin aus Amerika, Ari, Shotaro, der Enkel meiner Gastmutter, ist deutlich gewachsen und spricht jetzt alles Mögliche nach, was man ihm vorsagt und er antwortet sogar auf einfache Fragen, die man ihm stellt. Generell hat man schon nach wenigen Minuten gemerkt, dass er Gesprächsinhalte sehr gut versteht, auch wenn er noch nicht groß darauf reagiert. Wirklich erstaunlich... Ja...und da wäre noch Buchi, die Hauskatze. Ihr merkt man deutlich an, dass sie alt geworden ist. Und dünn...
Aber dem Rest der Gastfamilie geht es gut. Beim Abendessen mit Shirashi-Sushi, Miso-Suppe und etwas Sake zum Anstoßen, hatte ich plötzlich das Gefühl, als wäre ich nie weg gewesen.

So viel als erster kleiner Einstieg.
Die nächsten zwei Tage werde ich, wenn überhaupt, sicher wenig schreiben, weil es einfach noch nicht viel Neues gibt. Morgen versuch ich, mein elektronisches Wörterbuch zur Reparatur zu bringen und unsere Kurzstipendiaten kaufen sich auch gleich das neue Wörterbuch.
Abends treffe ich Yurie, Chu, Satsuki und einige andere Freunde vom SIS-Zirkel wieder, mit denen Katrin und ich im Auslandsjahr zweimal übers Wochenende weggefahren sind in die Umgebung von Tokyo. Ich bin gespannt, wer alles kommt :D.
Übermorgen wird mein Geburtstag ein wenig vorgefeiert, da treffe ich ein paar Freunde in Shibuya und am nächsten Tag (Sonntag) geht es am Vormittag auch schon weiter Richtung Fukuoka, Kyushu. Und ab dann wirds auch wieder spannend! =)