Sonntag, 18. April 2010

Praktikumsende

Mein Praktikum ist seit dem 25.3. offiziell vorbei und nebst allem Stress, den das Kinderhüten so mit sich gebracht hat, war es doch schwer, Lebwohl zu sagen. Nicht nur die Kleinen, auch die Lehrer sind mir sehr ans Herz gewachsen in der kurzen Zeit.
Der kleine Deutsch-Kurs, der ursprünglich für mich geplant war, ist letztendlich leider doch nicht zustande gekommen, aber stattdessen habe ich mir zumindest hin und wieder den Unterricht an der Fach- und Oberschule ansehen und zum Teil auch mitmachen können. Am interessantesten war dabei der Back-Unterricht an der Oberschule. Und wie das mit den Japanern immer ist, galt auch hier: Wenn, dann richtig. Als ich eingeladen wurde, beim Backen der Mousse-au-Chocolat-Torte mitzumachen, dachte ich noch ganz unbekümmert: Fleißig aufpassen und zu Hause nachmachen. Vor allem, weil der letzte Versuch, Mousse auch Chocolat selber herzustellen, ziemlich in die Hose gegangen ist.
Allerdings hat sich schnell gezeigt, dass der Kuchen echt eine Wissenschaft für sich ist. Nicht nur, dass es an die vier Stunden (!) gedauert hat, den zu backen. Auch die Zubereitung, Temperatur einhalten, in welchem Tempo man wann welche Zutaten dazu gibt (damit das Mousse fluffig bleibt, die Schokolade nicht klumpt etc.) war unheimlich schwierig. Ich hätte mir einen Notizblock mitnehmen sollen... :(
Die Arbeit dieses Kurses zahlt sich im Übrigen auch aus. Letztes Jahr hat ein Team der Schule am nationalen Sweets-Koshien (nationaler Kuchen-Wettbewerb für Oberschulen, an dem knapp 1000 Teams teilgenommen haben) für ihr selbstkreiertes Rezept den ersten Platz geschafft und dafür eine Reise nach Paris gewonnen.
Aber noch mal zur Mousse-au-Chocolat-Torte: Leider ist uns am Ende trotz der 4 Stunden die Zeit weggerannt und die Torten sind nicht ganz fertig geworden. Waren zwar schon ein Weilchen im Tiefkühlfach, aber noch nicht kalt genug, dass die frisch vorbereitete Schokoglasur schon drauf konnte. Für die Schüler war das kein Problem, die waren ja noch eine Weile in der Schule. Ich selbst musste gegen Mittag weiter, deshalb hab ich von der Torte meiner Gruppe nix abbekommen können, aber stattdessen das Vorführ-Modell vom Lehrer bekommen, mit hübscher Deko sogar. ^^


Am 14.3. (Sonntag) war schließlich die Abschiedsfeier im Kindergarten, auf die sich sowohl die Erzieher als auch die Kinder der ältesten Klassen (Löwen-, Giraffen- und Bärengruppe) lange und intensiv vorbereitet haben. Ist eine wirklich schöne Zeremonie geworden. Und da habe ich auch das erste Mal so richtig gemerkt, dass mir der Abschied schwer fallen wird. Die meisten der Erzieher standen in der Reihe hinter mir, deshalb habe ich ihre Reaktionen natürlich auch reichlich mitbekommen und ich glaube, da war nicht einer, dem nicht die Tränen geflossen sind zwischendurch. Vor allem, als die Kinder zusammen mit ihren Gruppen-Betreuern das Abschiedslied gesungen haben.


Das Lied war im Übrigen wirklich süß. Während meines Praktikums habe ich es so oft gehört, dass ich nach den ersten paar Wochen einen ziemlich hartnäckigen Ohrwurm davon hatte. Jetzt habe ich es auch auf CD bekommen. =)
Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, während der Zeremonie ganz viele Fotos zu schießen und ein paar Videos mit dem Handy aufzunehmen, aber die Atmosphäre war so formell und feierlich, dass ich das nicht so oft stören wollte.
Insgesamt dauerte alles gut 2 Stunden. Die Kleinen wurden also ziemlich gefordert für ihr Alter. Aber im Großen und Ganzen haben sie sich verdammt gut gehalten.

Die Übergabe der Urkunden, z.B. für Kinder, die ein, zwei oder ganze drei Jahre nicht krank geworden sind, fand relativ zu beginn der Zeremonie statt.

Am selben Tag bin ich wenige Stunden später schon wieder am Kindergarten gewesen (zwischendurch nur unterbrochen vom Kaffee-Trinken bei der Familie vom Trainer der Baseball-Mannschaft der Oberschule, wobei besagter Trainer mit dem Training seiner Mannschaft beschäftigt und somit nur seine Frau und Tochter da waren). Zehn der Erzieher sind bis Montag (also knapp 2 Tage) zur Abschlussfahrt in die benachbarte Präfektur Kumamoto gefahren und ich bin mit eingeladen worden.
Die zwei Tage waren auch richtig toll. Erst Übernachtung in einem hübschen Hotel mit Onsen und Yukata, ganz in der Nähe vom Vulkan Aso (den man wegen schlechten Wetters aber nicht gesehen hat), am nächsten Tag Besichtigung der Burg Kumamoto und abschließend 1-stündige Erdbeer-Flatrate im Gewächshaus. Unglaublich lecker! Laut Sichtvergleich der Blattreste in unseren Mülltüten, die jeder in die Hand gedrückt bekommen hat, hab ich wohl die meisten verputzt. Jetzt bin ich scheinbar bekannt dafür, dass ich gern Erdbeeren esse - bis nach Hiroshima! o_o"
Nebst Erdbeeren und Burg stand eigentlich noch eine Blütenschau als erster Zwischenhalt nach Abfahrt vom Hotel auf dem Programm, der aber wegen Unwetter spontan ausgefallen ist. Die ersten fünf Erzieher sind noch wagemutig mit dem Schirm aus dem Auto gesprungen (ich habe etwas länger gebraucht, weil der Bus nach altem Qualm gerochen hat und der Fahrer einen ziemlich abenteuerlichen Stil hatte, was sich nicht so gut mit meiner Reiseübelkeit vertragen wollte). Als ich dann soweit mein Zeug beisammen hatte und hinterher wollte, waren besagte fünf Frontkämpfer schon wieder drinnen. Scheinbar hatten sogar die Schirme kapituliert. Na ja, und die Kirschblüten waren noch nicht offen, also hätte sich die Anstrengung nicht gelohnt und wir sind einfach so weiter gefahren. Bis zur Burg Kumamoto hatten wir zumindest so viel Glück, dass sowohl Wind als auch Regen nachgelassen haben.

Frau Ishii, Leiterin des Kindergartens, und ich im Yukata.

Unsere Gruppe vor der Burg Kumamoto.

Und die Burg selbst.

Die ältesten Gruppen sind nach der Abschlussfeier nicht mehr in den Kindergarten gekommen, bis auf ein paar wenige Ausnahmen, deren Eltern beide tagsüber arbeiten mussten. Ansonsten ging der Betrieb aber noch eine Woche ganz normal weiter und ich bin den Rest der Zeit bei den Jüngsten bzw. der mittleren Gruppe gewesen. Es war interessant, wie deutlich man bei jeder Altersgruppe den unterschiedlichen Entwicklungsstand gemerkt hat. Aber je jünger die Kleinen waren, desto schwieriger wurde es auch, sie zu betreuen, fand ich. Die Großen sind ziemlich weitsichtig, streiten praktisch nie untereinander, räumen freiwillig auf und spielen mit einer moderaten Lautstärke. Bei den ganz Kleinen fallen einem die Ohren ab, Essen sieht recht lustig aus und das mit dem Aufräumen und dergleichen machen auch eher die Erzieher als die Kinder. Na ja, alle gemeinsam. Ich fand es echt schwierig, da ein Mittelmaß zwischen Strenge und Nachgiebigkeit zu finden. Wie weit darf man ihnen etwas durchgehen lassen, ohne sie zu sehr zu verwöhnen? Na ja, die Erzieher selbst haben alle eine entsprechende Ausbildung, daher ist sicher gestellt, dass sie ihre Arbeit richtig machen, aber als Praktikantin ist es natürlich schwieriger.

Direkt nach Praktikumsende am Kindergarten bin ich von Herrn Shimada zu einem Baseballspiel der Izuka-Oberschule eingeladen wurden (Montag, 22.3.), weil gerade in dem Zeitraum die Auswahl-Spiele der Kyushu-Region liefen. War also in einem kleineren Rahmen als das letzte Spiel von den Hawks gegen die Eagles, aber trotzdem interessant. Und unsere Mannschaft hat das Spiel gewonnen :D.
Zwischendurch haben wir dort am Stadion auch Frau Manabe getroffen, eine Bekannte von Herrn Shimada, die an der Kyushu-Universität in Kitakyushu (wo auch das Spiel stattfand) als Japanischlehrerin arbeitet. Sie hatte mich eingeladen, mal vorbeizukommen und bei ihr und ihrer Tochter Tomoe (die zu Studienzeiten ein Auslandssemester in Tübingen gemacht hat) zu Hause zu übernachten. Abends waren wir lecker Yakitori essen, am nächsten Tag haben wir ein bisschen Sightseeing gemacht, auch wenn das Wetter nicht richtig mitspielen wollte. Egal, wir sind rüber nach Honshu gefahren, also auf die größte Insel Japans, die mit Kyushu über eine Brücke (Kanmonkyo) verbunden ist.


Direkt in dieser Gegend, wo Honshu und Kyushu so nah beieinander liegen, befindet sich übrigens auch der Ort Dannoura, wo die berühmte entscheidende Schlacht im Gempei-Krieg stattfand (1185). Da sind wir auch dran vorbei gefahren ^^. Anschließend haben wir uns ganz in der Nähe noch einen Tempel angeguckt, den Kozan-ji, der in der Gegend ziemlich berühmt ist, weil er noch aus dem 13. Jahrhundert stammt.
Anschließend haben wir noch gemeinsam Mittag gegessen und dann ging es zurück nach Hause. Also nach Izuka.

Am Mittwoch darauf (24.3.) war schließlich auch das letzte offizielle Treffen zum deutsch-japanischen Kulturaustausch. Für diese letzte Runde habe ich noch mal ein paar meiner Umfragen mitgenommen und ein paar mündliche Interviews machen können (ich hatte zu Beginn schon gefragt, ob wir mein Forschungsthema da mit einfließen lassen können). Für meine Abschlussarbeit war dieses letzte Treffen also unheimlich praktisch. =)
Als richtigen Abschied von der Gruppe hat einer der Teilnehmer, Herr Yoshidome, für den Sonntag darauf (28.3.) ein Interview mit einem Bekannten organisiert, der beim lokalen Fernsehsender KBC arbeitet und uns sogar seinen Arbeitsplatz gezeigt hat, was dort gemacht wird und wie es gemacht wird, sowie allgemein die Entwicklung von KBC und dessen Inhalte vorgestellt hat. Über den Inhalt des Gesprächs kann ich nicht viel sagen, weil derzeit an einem ziemlich neuen Projekt gearbeitet wird, was das Senden von Werbung angeht, wo sie den anderen Fernsehsendern (auch NHK) im Moment einen Schritt voraus sind. Es war echt klasse, dass wir da so viel erfahren konnten.
Im Anschluss sind wir rüber zum NHK-Studio gegangen (das lag ebenfalls in der Umgebung vom Bahnhof), wo wir zwar leider keine Führung bekommen konnten, aber wenigstens einen Teil des Studios besichtigt haben. Galerien mit den verschiedenen Produktionen in der Geschichte des Fernsehsenders, ein Filmstudio, verschiedenes Equipment. Die großen Kameras waren toll. Dagegen sehen die bei uns im Medienzentrum in Halle richtig klein aus.
Den Rest der Zeit sind wir durch den nahe gelegenen Park spaziert und konnten die Kirschblüte bestaunen, die gerade in der Zeit am schönsten war. Wirklich, wir sollten in Deutschland mehr Kirschbäume in Parkanlagen pflanzen. Es ist so eine herrliche Atmosphäre, unter diesem Meer aus weiß-rosa Wolken ein Picknick zu machen.

Ein Teil der Teilnehmer am Deutsch-Japanischen Kulturaustausch. Ganz vorne in der Mitte Herr Nemoto, der alles organisiert und mir bei unserer ersten Sitzung auch die Neuauflage des Apollon-Wörterbuchs geschenkt hat, an dem er mitgearbeitet hat.

Die Zeit nach meinem Praktikum war auch sehr interessant, aber da ich dazu ja sämtliche Fotos bei Facebook hochgeladen habe und viele die auch schon gesehen haben, spare ich mir jetzt einfach mal den Blogeintrag und verweise auf mein Facebook-Profil ;).

In voraussichtlich fünf Tagen geht es nun wieder nach Hause - wenn Vulkan und Wetter entsprechend mitspielen - und ich habe es tatsächlich erstmals geschafft, einen Weblog wirklich bis zum Ende fortzusetzen. Na ja, mehr oder weniger zumindest. Mehr als die letzten beiden Male.

Freitag, 26. März 2010

kleiner Nachtrag

Zwei Sachen bezüglich der vorherigen Einträge möchte ich kurz loswerden, bevor ich meinen Japan-Aufenthalt weiter beschreibe:

Zum einen war ich recht ungenau, als ich geschrieben hab, ALLE Präfekturhauptstädte hätten dieselben Namen wie ihre Präfekturen. Gibt auch Ausnahmen (z.B. ist Yokohama die Präfekturhauptstadt von Kanagawa-ken). Also aus dem "alle" bitte ein "meistens" machen ;).

Zum anderen erinnern sich einige vielleicht von meinem Bericht über den Seilspring-Champion, der den einen Tag am Kindergarten eine kleine Vorführung gegeben hat. Ja, ich habe ENDLICH das Video dazu und kann euch demnach eine kleine Kostprobe zeigen. =)

video

Und nun werte ich weiter die aktuellen Bilder und Videos aus und schreibe endlich den richtigen Blogeintrag, wenn das alles fertig ist.

Sonntag, 7. März 2010

von Baseball bis Schulabschluss

Diese Woche gab es so viel Interessantes, dass es eigentlich am günstigsten gewesen wäre, wenn ich täglich hätte berichten können. Ging allerdings nicht, weil ich durch die vielen Planwechsel und Aktivitäten jeden Tag nach 22:00 Uhr erst zu Hause war und mich dann natürlich sputen musste, wenigstens schnell genug ins Bett zu kommen. So blieb der Rechner jetzt eine ganze Weile aus und irgendwie tat das mal richtig gut. Wenn ich mein Postfach und die ganzen E-Mails so sehe, würde ich am liebsten gleich wieder alles ausschalten und den Laptop in irgendeiner dunklen Ecke verstauen, wirklich.
Bitte, seid mir nicht böse, wer jetzt vielleicht grad noch auf 'ne Mail antwortet, aber rechnet während meines Praktikums bitte nicht mehr mit 'ner Antwort, solange es nichts wirklich absolut Wichtiges war. Ich hab einfach keinen Nerv mehr dafür. Zu viel. Zu stressig. Der Blog reicht mir schon.

Aber mal zum Mittwoch. Sonst werd ich nie fertig mit schreiben. Da ging es nicht in den Kindergarten, sondern in eine ziemlich festliche Veranstaltungshalle. Die Abschlussfeier der 3. Klassen der Izuka-Oberschule (wo auch Hiroko hin geht) stand auf dem Programm.
Wo man hinsah, Oberschüler in schicken Anzügen, mit teils besorgten, teils aufgeregten Gesichtern. Ungefähr so wie bei mir selbst, als die Zeugnisausgabe in der Ulrichskirche bevorstand, nur nicht so bunt gekleidet. Auch die Zeremonie war einer deutschen Zeugnisvergabe gar nicht mal so unähnlich. Erst betraten die Schulklassen, mit dem jeweiligen Klassenlehrer an der Spitze, in geordneten Reihen den Saal, es wurde die jap. Nationalhymne gesungen, dann die Schulhymne, dann ein Abschlusslied. Anschließend kam die Übergabe der Abschlusszertifikate, wobei jeder Schüler einzeln aufgerufen wurde (Bild 1) und dann der jeweilige Präsentant der Klasse nach vorn zur Schuldirektorin gegangen ist, sich in vorgeschriebener Reihenfolge erst bei den besonderen Gästen, dann beim Schulpersonal, dann vor der Schulleiterin verbeugte, das Blatt entgegennahm und zurück auf seinen Platz ging (Bild 2).



Im Anschluss folgten eine Reihe von Reden. Von der Schulleiterin, dem Schulvorsitzenden (also Herrn Shimada), Vertretern der Stadt und der Präfektur, zwei Schülervertreter und einer Elternvertreterin. Anschließend noch einmal die Abschiedshymne und die Schulhymne, dann war der formelle Teil nach knapp 2 Stunden vorbei. Was folgte, war noch eine kleine Bildershow, unterlegt mit Musik, mit denen die Schüler ihre drei Jahre in der Oberstufe noch einmal Revue passieren ließen. Von den Gästen konnte inzwischen gehen, wer wollte. Wir sind noch geblieben und haben uns die Bilder mit angeguckt. Dem vielen Gelächter und Jubelrufen der Studenten nach zu urteilen, war es für sie, genau wie für mich damals, eine unheimlich wertvolle Zeit, die sie sich dort noch einmal in Erinnerung gerufen haben.
In Japan ist es nicht üblich, dass die Schüler nach der Zeugnisvergabe selbst noch eine Abschiedsfeier organisieren. Die meisten Eltern sind daher dann einfach schon wieder nach Hause gefahren, während die Schüler in der Nähe der Veranstaltungshalle noch Fotos geschossen und ein bisschen Zeit mit ihren Freunden verbracht haben. Für viele war es sicher die letzte Gelegenheit, viele Schulkameraden noch einmal zu sehen.

Am Donnerstag hatte ich nun endlich die Möglichkeit, mir die Oberschule genauer anzusehen und wurde dort der Lehrerschaft vorgestellt. Durch die Abschlussfeier war bisher einfach so viel zu tun, dass ich an der Schule bloß gestört hätte, deshalb war ich insgesamt doch etwas länger im Kindergarten als ursprünglich gedacht.
Die erste Stunde habe ich in einer Klasse spontan einen Vortrag über Deutschland halten sollen. Geografie, Kultur, ein bisschen Sprachliches und so. So aus dem Stegreif sah es mit dem Anschauungsmaterial leider schlecht aus. Bis auf eine ziemlich ungenaue geografische Skizze an der Tafel und ein kleines Foto von einem Teller Spaghetti-Eis, was eine Schülerin zufällig gefunden hatte, mussten wir mit unserer Fantasie auskommen. Und ich bin mir insgesamt nicht sooooo sicher, wie gut der Überblick nun angekommen ist. Einige haben zwischendurch ein paar Fragen gestellt, andere haben durchgehend geschlafen. Genau wie bei uns in der Schule also. Und einigen hätte ich in dem Alter (16 Jahre) weniger Selbstvertrauen zugetraut. Aber an sich waren sie ganz nett.
Der Rest der Schule wurde mir danach gleich auch noch gezeigt, weil die Lehrerin, in deren Klasse ich zuvor war, da frei hatte. Was ziemlich interessant ist: An einer japanischen Schule gibt es auf jeden Fall ein Krankenzimmer, in dem eine richtige Krankenschwester Aufsicht hat und sich um die Schüler kümmert, wenn es jemandem mal nicht so gut geht oder es eine Verletzung gab. Für solche Fälle gibt es auch einige Krankenbetten. An sich eine ziemlich gute Sache, finde ich.
Was an der Izuka-Oberschule auch besonders ist: Herr Shimada versucht, seinen Schülern neben der allgemeinen Pflichterziehung auch Möglichkeiten zu geben, andere Interessen und Talente zu entwickeln und somit gibt es einige zusätzliche Kurse, die man an anderen Oberschulen nicht finden würde. Einer davon ist der Back-Zirkel, wo die einzelnen Klassen mehrmals die Woche richtig aufwändige Leckereien backen können. Beim nationalen Kuchen-Wettbewerb der Oberschulen (es gab insg. knapp 1000 Teilnehmer!) hat es ein Team aus der Izuka-Oberschule auf den ersten Platz geschafft und damit eine Reise nach Paris gewonnen. Der Lehrer dieses Kurses ist auch ausgebildeter Konditor und hat in der so ziemlich beliebtesten Konditorei der Präfektur gelernt und anschließend in einem Hotel gearbeitet, insofern kann er den Schülern natürlich auch eine Menge beibringen.
Daneben gibt es noch eine Autowerkstatt, an der die Schüler an alten Autos arbeiten und damit auch die ganzen technischen Feinheiten verstehen können.
Ebenfalls sehr populär ist hier Baseball. Letztes Jahr hat es bei den Oberstufen-Meisterschaften im Baseball-Stadion Koshien einer der Schüler hier geschafft, die Aufmerksamkeit eines Profi-Scouts zu erlangen und konnte so bei den Rakuten Eagles unter Vertrag kommen. Die waren letztes Jahr auf dem 3. Platz der Profi-Liga. Und weil die Eagels an eben jenem Abend ein Spiel gegen die Softbank Hawks (letztes Jahr 2.-platzierte in der Profi-Tabelle) hatten und sowohl Herr Shimada als auch Hiroko ziemliche Baseball-Fans sind, wurde ich zum Spiel im Fukuoka Dome eingeladen.
Die Reihen waren zum Teil noch nicht voll belegt, weil das erst eines der Startspiele der Saison und damit für die Punktwertung noch nicht wichtig ist, aber für mich war es trotzdem ziemlich interessant. Nur dass man drei Stunden durch die Gitter schauen musste, war mit der Zeit etwas ermüdent. Und: Ja, drei Stunden hat das Spiel gedauert! Ich hätte nicht gedacht, dass das so lange gehen kann. Und die Zeit verging schnell. Hat sich bei weitem nicht so lange angefühlt. Hier nur mal ein paar Eindrücke:






In der 7. Runde wurde, als die Hawks wieder an der Reihe waren, die Team-Hymne gesungen mit abschließenden Luftballons-Freilassen. Während der vorherigen Runde der Eagles hörte man es daher überall pusten und zischen, weil alle nach und nach ihre Ballons aufgeblasen haben.
Die Eagles haben natürlich auch eine Hymne. Nur da das Stadion von Hawks-Fans übervölkert war (Fukuoka ist sozuagen Heimspiel gewesen), hat das nicht so viel Eindruck gemacht wie die Hawks-Hymne.


Auch wenn man nicht viel erkennt: Der Pitcher (=der den Ball wirft) da hinten ist oben erwähnter Oberschüler von der Izuka-Oberschule, der letztes Jahr vom Profi-Scout entdeckt wurde.
Alles in allem war es auch ein sehr interessantes Spiel, bei dem es viel zu sehen gab: Ein zerbrochener Schläger, ein verletzter Spieler (okay, das würde ich nicht unbedingt sehenswert nennen, aber es hat das Publikum natürlich ganz schön in Atem gehalten) und ein Homerun von den Hawks in der allerletzten Runde, nachdem die Eagles kurz vorher einen Punkt Vorsprung erkämpft haben.
Hier dann noch der endgültige Punktestand:


Freitag war besonders früh aufstehen angesagt. Herr Shimada ist selbst Schulleiter der Fachschule in Fukuoka und fährt daher dreimal pro Woche dorthin, da hat er mich diesmal mitgenommen. Ähnlich wie beim letzten Mal wurde ich erst den Lehrern vorgestellt, dann konnte ich mir den Unterricht mit ansehen, in dem Fall den Japanisch-Unterricht für Austauschstudenten, hauptsächlich aus China. Inhaltlich war es meinem eigenen Unterricht, vor allem an der Sophia, ziemlich ähnlich, aber mal daneben zu sitzen, die Schüler zu beobachten und ganz konkret darauf zu achten, wie die Lehrer ihren Unterricht führen, ist schon eine andere Erfahrung. Man bemerkt da Sachen, die einem vorher nie aufgefallen sind.

Samstag stand, wie üblich, das Treffen zu den Deutsch-Japanischen Beziehungen auf dem Programm, sodass ich zum dritten Mal in Folge nach Fukuoka gefahren bin. Da das ja erst am Nachmittag stattfindet, hat mich Familie Shimada vorher mit nach Dazaifu genommen, einem kleineren Ort ca. eine halbe Stunde von Fukuoka entfernt, wo es einen berühmten Schrein zu Ehren von Sugawara Michizane gibt. Vielleicht hat Franzi oder ein anderer von den Japanologen schon mal von ihm gehört. Hat eine ziemlich interessante Geschichte, aber ich hab keine Lust, das jetzt hier zu erzählen. Wen es interessiert, bitte bei google suchen. ;)
Der Schrein dort, Tenmangu, ist nebenher auch berühmt für seine vielen Pflaumenblüten und auch die Kirsche soll dort sehr schön sein. Nur ist die Pflaumenblüte leider gerade vorbei, die Kirschblüte fängt erst Ende März an. Insofern hab ich genau das Zeitintervall abgepasst, wo es rein von der Natur her nichts zu sehen gab. Aber der Tempel selbst war trotzdem sehr schön und von seiner Geschichte her einfach sehr interessant.
Ich habe dort auch zum ersten Mal eine Gebetstafel ausgefüllt und aufgehängt. Jetzt steht der Uniabschluss ja langsam vor der Tür, da kann ein bisschen Beistand nicht schaden ^^.

Mit diesen Begebenheiten endete so mehr oder minder meine Woche. Ich hab immer noch die Nase voll vom PC und werde ihn daher gleich wieder ausschalten. Muss eh ins Bett...

Dienstag, 2. März 2010

Zusammenfassung

Diesmal hat es mit dem neuen Eintrag ein wenig länger gedauert. Warum, das kommt gleich.

Freitagabend hab ich so langsam wirklich die Müdigkeit in den Knochen gespürt und bin extra früher ins Bett gegangen, weil ich Samstag auch einigermaßen zeitig raus musste. Allerdings ging es mir trotz ausreichendem Schlafen am nächsten Morgen eher schlechter als besser. Hundemüde und irgendwie kein Appetit. Faul sein ging allerdings nicht, schließlich hatte ich nachmittags das Treffen zum Deutsch-Japanischen Kulturaustausch und vorher wollten Hiroko und ich das Aquarium in Fukuoka besichtigen. Nicht bloß ein paar kleine Fischlein, so wie bei uns in 'ner Ecke im Zoo, sondern ein RICHTIGES Aquarium direkt am Meer. Und kurz nach unserer Ankunft begann sogar schon die Robben- und Delfinshow, sodass wir zuerst dorthin gegangen sind. Waren wirklich süß. Ich mochte die Robben besonders. Was die alles für Kunststücke drauf hatten, war wirklich erstaunlich.
Am besten zeige ich einfach mal ein paar Fotos.


























Ich sollte mir für solche Fotomengen vielleicht irgendwann Picasa mal genauer ansehen... Wäre praktischer zum Angucken.

Die Show und die Fische waren zumindest wirklich sehenswert. Im Nachhinein scheint es mir auf den Fotos sogar eindrucksvoller als vorher im Original. Ich weiß nicht, inzwischen war ich so müde, dass ich kaum noch stehen konnte. Und ich war heilfroh (nebst schlechtem Gewissen), dass Frau Shimada mir vorher an der Haltestelle noch ihren Mantel überlassen hatte. Trotz vielschichtiger Kleidung war es nämlich besonders am zugigen Meeresrand verdammt kalt. Die letzten Tage sind die Temperaturen hier in Fukuoka leider auch wieder deutlich gesunken...
16:30 Uhr war ich jedenfalls zum Deutsch-Japanischen Austausch in einem Café verabredet. Vorher hatte ich noch ein wenig Gelegenheit, in einer ruhigen Ecke zu schlafen, aber jetzt konnte ich nicht mehr rumgammeln.
Insgesamt waren wir 7 Leute, u.a. der Organisator Herr Michiya Nemoto, Professor an der Universität Kyushu, ich sowie 5 weitere an der Deutschen Kultur interessierte Japaner. Wie sie zu Deutschland gekommen sind, dazu hatten alle ganz unterschiedliche Gründe, genauso unterschiedlich wie die Altersgruppen. Ein Doktorant war dabei, der vor kurzem erst ein Austauschsemester an der Uni Bonn gemacht hat und übers Tandem eine Kommilitonin von mir im höheren Semester kennt. Katarina, für die Japanologen unter den Lesern ^^.
Bei Herrn Nemoto war ich wirklich erstaunt, was er in seinen Forschungen über Deutschland alles geleistet hat. Vor der Wende war er einige Male in der DDR und hat u.a. auch ein Wörterbuch mit DDR-typischen Wörtern herausgegeben. Und erst jetzt hat er an der Neuauflage eines Deutsch-Japanischen Wörterbuches ("Apollon") mitgewirkt, das am 24.2. gerade frisch in der 3. Auflage herausgegeben wurde. Ein Exemplar hat er mir mitsamt Widmung geschenkt. O.O Wirklich, ich muss mich echt ins Zeug legen, damit ich dieser Ehre gerecht werden kann.
Fortan finden diese Treffen wöchentlich Mittwochs und Samstags in Fukuoka (Stadt) statt. Wahrscheinlich werde ich ab dem nächsten Mal meinen Laptop mitnehmen. Vielleicht ergibt sich hin und wieder eine günstige Gelegenheit, bei der man ein paar Bilder oder ähnliches zeigen kann.
Nach dem Treffen ging es dann endlich zurück nach Hause. Mir glühte inzwischen reichlich der Kopf und vorsorgliches Fiebermessen hat dann später ergeben, dass ich Fieber hatte. Klasse...

Daher gibt es zum Sonntag und Montag auch nicht viel zu erzählen. Ich hab endlich mal das gemacht, wozu ich schon seit Ewigkeiten nicht mehr die Gelegenheit hatte: Einen ganzen Tag durchschlafen. War eine Wohltat. Montag ging es mir daher soweit auch schon wieder gut, um einen möglichen Rückfall zu vermeiden, bin ich da allerdings noch mal zu Hause geblieben und hab meine Beschäftigung vom Vortag fortgesetzt. ^^

Dienstag, also heute, war ich dann endlich wieder im Kindergarten. Diesmal bei den etwas Jüngeren (inzwischen größtenteils 5 Jahre alt), in der Panda-Gruppe. Da merkt man schon ein wenig, dass sie noch nicht ganz so weit sind wie die ältesten Gruppen. Der Alltag ist noch freier gestaltet, mehr Spiel. Und natürlich wird hier noch nicht Schule gespielt, was zwischendurch als Vorbereitung für die Ältesten hin und wieder auf dem Programm steht (alle paar Tage eine Stunde). Auch das mit dem Lesen und Schreiben der Silbenalphabete klappt natürlich noch nicht 100% und beim Essen merkt man auch, dass da noch ein wenig Übung beim Umgang mit den Stäbchen fehlt. Aber trotzdem sind die meisten ziemlich weit für ihr Alter, würde ich sagen. Und fit im Sport.
Großes Highlight heute war der Besuch eines Oberschülers einer nahe gelegenen Schule, der neulich japanischer Meister im Seilspringen gewonnen ist. Da hat er natürlich auch ein bisschen was vorgeführt. Und ganz ehrlich, wenn man DAS sieht, bekommt Seilspringen eine völlig neue Bedeutung. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, was es alles für Möglichkeiten gibt, so ein Springseil zu benutzen. Einige Lehrer haben auch gefilmt, zum Teil mit Digicam, sodass ich hoffe, am Donnerstag eventuell eins der Videos ergattern zu können. ;)
Die Kids waren jedenfalls auch Feuer und Flamme. Haben den ganzen Rest des Tages nichts anderes mehr gemacht als Seilspringen. Ich hab mich - nach vieeeeelen Jahren zum ersten Mal - auch mal kurz dran ausprobiert. Aber natürlich habe ich inzwischen stark abgebaut. Vor allem in Sachen Ausdauer waren mir die ganzen Knirpse so spontan haushoch überlegen (laut Bestenliste in der Turnhalle liegt der Rekord bei einem der Älteren bei 30 MINUTEN!!! Springen ohne einmal zwischendrin zu verhaspeln.) Und na ja, im Kreuzen und Rückwärts-Springen war ich auch mal besser ^^u.

Auf dem Heimweg habe ich schnell noch Schreibpapier hier in der Nähe geholt, Herr Shimada hat mich freundlicherweise kurz da abgesetzt. Am Donnerstag bin ich wahrscheinlich das letzte Mal hier im Kindergarten und für den Anlass wollte ich für einige der Erzieher, die mir hier am meisten geholfen haben, ein paar Zeilen zum Dank schreiben.
Deshalb werde ich jetzt noch ein wenig ausspannen, mit dem Schreiben anfangen und dann gibts sicher auch bald Abendbrot.

Morgen ist übrigens Hirokos Abschlusszeremonie an der Oberschule und ich darf auch mit gehen und mir das Programm ansehen. Bin so gespannt, wie das wird!

Freitag, 26. Februar 2010

Nebenwirkungen. Oder: Kinder hüten ist nicht nur Spiel & Spaß

An meinem ersten Tag hat mir Frau Shimada erzählt, dass auch Kichiro mal einen Tag lang im Kindergarten ausgeholfen hat. Und am Ende war er so erschöpft, dass er im Zimmer der Erzieher eingenickt ist. Die letzten beiden Tage habe ich im wahrsten Sinne des Wortes gespürt, wie es ihm ergangen sein muss. Jeden Tag mit ihnen raus gehen, spielen, aufpassen, dass nix passiert etc. Dann schleppen sie dich dauernd irgendwo mit hin, wollen dir was zeigen, Sandburgen bauen etc. Im Moment versuch ich meist, sie für irgendwas zu begeistern, wobei ich sitzen kann *lach*.
Vorgestern war ich übrigens das letzte Mal in der Löwen-Gruppe. Die drei älteren Gruppen generell hatten da das dritte und letzte Mal Besuch von 5.-Klässlern aus einer nahen Grundschule, wo aus dem jetzigen Jahrgang dann auch die meisten hingehen werden. Kleine Anmerkung: Die Grundschule dauert in Japan 6 Jahre.
Ja, meine Zeit mit der Löwen-Gruppe war mit dem Tag erst einmal vorbei. Zwischendurch hat Ishikawa-sensei, die Erzieherin der Gruppe, einige Fotos geschossen und mir heute freundlicherweise auf meinen Stick überspielt. Deshalb kann ich jetzt auch mal ein paar Bilder zeigen.




Aber bitte nicht nach den Namen fragen. Ich hab mir in den drei Tagen höchstens eine Handvoll gemerkt. Bei der Menge ist es echt schwierig, zumal man auf dem Hof draußen ja nicht nur mit der eigenen Gruppe, sondern mit allen Kindern zu tun hat.
An diesem Tag (und auch am nächsten) bin ich übrigens mit dem Rad in den Kindergarten gefahren. Vor allem beim ersten Mal war ich echt unsicher. An jeder Straßenabzweigung habe ich mich wieder gefragt, ob ich nicht auf der falschen Seite fahre (okay, es waren Radwege, insofern also kein Beinbruch). Bin aber zum Glück unfallfrei im Kindergarten und später dann wieder zu Hause angekommen. Hab mich für meine Verhältnisse sogar wenig verfahren dabei.

Gestern war ich in der Giraffen-Gruppe, welche auch zu den (insgesamt drei) ältesten gehört, die bald ihre Abschlussfeier haben. Wako, eines der Mädchen aus der Gruppe, hat mich schon seit dem Vortag gebeten, das nächste mal zu den Giraffen zu kommen und schließlich hat sie mir ein Versprechen abgerungen, dass ich am nächsten Tag auf alle Fälle in ihre Gruppe komme und dann extra noch bei Ishihara-sensei nachgefragt, dass das auch okay ist.
Am Nachmittag hatte ich mich dann etwas eher auf den Heimweg gemacht, weil wir 18 Uhr in Fukuoka-Shi (sozusagen die Hauptstadt der Präfektur Fukuoka, die denselben Namen hat. Das ist bei den Präfekturen generell so) zum EU-Kulturfest eingeladen waren und ich dort Herrn Nemoto kennenlernen konnte, der die Deutsch-Japanischen Kulturabende organisiert, an denen ich Samstags nun wöchtentlich teilnehmen werde. Dabei geht es darum, zu verschiedenen Themen Ähnliches und Unterschiede in der deutschen und japanischen Kultur zu diskutieren und meine Aufgabe ist es dementsprechend, Einblicke in die deutsche Seite zu geben. Das ist mir auch über Herrn Shimada vermittelt wurden. Der Abend war auch ziemlich interessant. Nur dummerweise hat die Busfahrt bis Fukuoka wegen überfüllter Straßen doppelt so lange gedauert wie üblich und wir waren erst 18 Uhr dort. Das Event selbst war schon recht interessant. Zu lachen gabs auch ein bisschen was, wenn man die Namen der Gerichte auf den Schildchen davor gelesen hat. Zu Bulgarien und Spanien kann ich nichts sagen, da kenne ich die Sprachen nicht, aber zumindest die deutschen Karten waren alles andere als Deutsch. Und die Schreiber kannten keine Umlaute ^^u. Aber lecker wars trotzdem =). Und man hat wieder ein paar Leute kennen gelernt, Visitenkarten bekommen und konnte ein nettes Programm mit Musik, Ikebana und Tombola genießen. Die Visitenkarten muss ich nachher übrigens erst mal durchsehen. Sind u.a. von einer deu-jap Interessensgesellschaft, die mich eingeladen hat, unbedingt mal bei ihnen vorbeizuschauen. Waren sehr nette Leute. Wenn es irgendwie möglich ist, würde ich da schon gern mal hingehen.
Im Endeffekt war ich 23 Uhr ungefähr zu Hause, dann noch duschen und so und auf direktem Weg ins Bett. Ich war wirklich komatös müde.

Heute fiel Radfahren leider aus, weil es am Vormittag schon genieselt hat. Spätestens am Nachmittag war ich dann richtig froh, dass ich den Niesel zuvor nicht ignoriert und trotzdem das Rad genommen hab, denn da hat es echt gegossen wie aus Eimern. Die Straßen schwommen, der Hof vor dem Kindergarten war ein einziges Schwimmbecken. Das hatte allerdings auch seine Vorteil: Kinder blieben drin und sind nicht so viel rumgerannt. Ergo: Ich musste auch nicht rennen ^^. Dafür haben wir zur Abwechslung relativ viel Zeit mit malen verbracht, also sitzend. (Ja, das ist ein sehr wichtiger Unterschied im Moment!)
Der Vormittag war auch schön. Ich hab zwar die meiste Zeit damit kämpfen müssen, nicht jeden Moment einzuschlafen, aber soweit ich mich konzentrieren konnte, habe ich die erste Generalprobe für die Abschlussfeier der drei älteren Kindergartengruppen gesehen. Bisher hat jede Gruppe einzeln für sich geübt, diesmal haben sich alle im Zimmer der Giraffen-Gruppe versammelt, Stühle entsprechend aufgestellt und alles Mögliche geübt, vom geordneten Reinkommen übers stille Hinsetzen, Verbeugen und Bedanken, Übernahme von Urkunden und Geschenken und natürlich ihre Lieder und Rede. Die Lehrer halten zwischendurch ebenfalls kurze Reden und wahrscheinlich wird die eigentliche Feier an die zwei Stunden lang. Von dein Kleinen wird schon ziemlich viel erwartet. Aber sie scheinen es nicht als Belastung anzusehen. Es war auf jedenfall schön mit anzusehen, auch wenns nur die erste holperige, unvollständige Probe war. Die richtige Feier wird sicher klasse. Ist übrigens an einem Sonntag, also werde ich wahrscheinlich hingehen können. =)

Dienstag, 23. Februar 2010

Teezeremonie

Neben der üblichen Prozedur am Vormittag gab es heute am Nachmittag wieder 15 min "Unterricht", diesmal in traditioneller japanischer Teezeremonie. Ich wurde eingeladen zum Mitmachen und auch Hiroko, Kichiros Schwester, ist nach der Schule vorbei gekommen, hat an der Teezeremonie teilgenommen und sich danach auch noch mit um die Kinder gekümmert. Sie findet die Kleinen genauso süß wie ich. Einige kannten sie sogar noch, da sie vor einer Weile auch mal für einen Tag ausgeholfen hatte.
Die traditionelle Teezeremonie übt sie übrigens schon seit 12 Jahren und dementsprechend gut ist sie auch. Sah toll aus. Für mich war es der erste Versuch und sie hat mir netterweise dauernd Tipps gegeben und mir gezeigt, was ich machen soll. Nur ein bisschen unpraktisch, dass sie mir gegenüber saß und ich demnach ständig spiegelverkehrt gedacht hab... Bei so einer Teezeremonie gibt es verdammt viel zu beachten. Wirklich jeder Schritt und jede Position haben ihre eigene Regel. Wie weit sitzt man vom Rand der Tatami-Matte weg, an welcher Stelle hebt man mit welcher Hand die Schale an, in welche Richtung dreht man den Schaumbesen zuerst, wie oft, etc... Das beginnt beim Reinigen der Utensilien vor dem Benutzen, über das eigentliche Zubereiten des Tees bis zum Reinigen nach dem Benutzen.
Aber Tee und dazugehörige Süßigkeit (haben wir vorher gegessen) waren sehr lecker.
Kichiro hat übrigens auch sechs Jahre lang Teezeremonie gelernt. Zwar konnte er nicht weiter machen, seit er zum Studium nach Tokyo gezogen ist, aber vielleicht frag ich nächstes Semester trotzdem einfach mal, ob er sowas nicht mal irgendwie für uns machen kann ^^. Müssen nur die ganzen Utensilien irgendwie auftreiben...

Ansonsten haben wir den Tag heute fast vollständig draußen verbracht. Das Wetter war so genial (ich konnte sogar nur im T-Shirt nach Hause fahren - um euch mal ein bisschen neidisch zu machen ;P ). Am Vormittag haben wir Brennball gespielt, ist das lange her, seit ich das das letzte Mal gemacht habe! Aber ich frage mich, aus welchem Land das wohl ursprünglich kommt...

Was ich nach wie vor relativ schwierig finde, ist es, so ein kleines Kind zu trösten, wenn es mal hinfällt oder aus sonstigem Grund anfängt zu weinen. Einer der ganz Kleinen (3-jährigen) hat z.B. beim Springen über die Reifen draußen (so wie Autoreifen, die halb im Boden stecken - gibts bei uns ja auch häufig) plötzlich angefangen zu weinen, als ich ihm nach oben geholfen hab. Vielleicht hat ihm die Höhe plötzlich Angst gemacht... Ich war schon froh, dass er sich ziemlich schnell wieder beruhigt hat, denn das ist echt beunruhigend, vor allem wenn man selbst grad auf so ein Kind aufpasst und es plötzlich losweint.

Die ersten Kleinen meinten heute, dass sie gern mal Deutschland sehen möchten. Ich bin gespannt, ob sie es mit ihren Eltern vielleicht irgendwann in die Tat umsetzen können. Es ist wirklich wahnsinnig süß und freut einen richtig, wenn sie doch so viel Interesse am eigenen Land zeigen. Viele fragen auch immer mal, was es in Deutschland z.B. für leckeres Essen gibt, ob es verschiedene (japanische) Dinge, Bräuche etc. auch in Deutschland gibt und sowas.
Generell sind sie sehr wissbegierig. Vielleicht bleibt sogar das ein oder andere deutsche Wort im Verlauf der Woche hängen ^^. Nach "Auf Wiedersehen" haben sie jetzt schon öfters gefragt, aber das ist so lang, dass es für den Anfang schwierig zu merken ist. Aber mal sehen, vielleicht klappt es mit "Dankeschön. =)

Montag, 22. Februar 2010

"Sensei! Sensei!"

Heute war also mein erster Praktikumstag im Kindergarten. Meine bisherigen Erfahrungen mit so kleinen Kindern waren - wenn auch von der Menge her verdammt wenig - bisher eher so, dass die Kleinen eine ganze Weile brauchen, bis sie Fremden gegenüber auftauen. Dementsprechend bin ich heute eigentlich auch mit der Erwartung hingekommen, den ganzen Tag mehr oder minder nur aus dem Abseits zugucken zu können und mit einer Mischung aus Angst und Neugier beobachtet zu werden.

Herr Shimada hat mir zuerst den Kindergarten gezeigt und mir die Erzieher, soweit sie schon da waren, kurz vorgestellt. Dann hat mir eine der Erzieherinnen die einzelnen Räume gezeigt, wo überall zumindest schon ein paar Knirpse waren. Die meisten kamen erst etwas später mit dem Kindergarten-Bus oder wurden dann von ihren Müttern gebracht.
Die Klassen sind dem Alter nach eingeteilt und dementsprechend unterscheidet sich die grundlegende Atmosphäre auch ziemlich. Ich war heute bei der "Löwen-Gruppe", das ist eine mit den 6-Jährigen (von dreien, glaube ich). Anfang März haben sie ihre Abschiedszeremonie vom Kindergarten und dafür wird im Moment schon fleißig geübt.
Zuerst waren von der ganzen Gruppe nur drei, vier Mädchen da. Die haben sich erst mal individuell beschäftigt und Stifte und Malblock rausgeholt. Ich hab mich ein wenig dazugesetzt und ihnen das Zeichen-Spiel mit dem Falten erklärt, wo vier Leute jeweils Kopf, Oberkörper, Oberschenkel und Unterschenkel/Füße von irgendwas zeichnen, wobei die anderen jeweils nicht sehen dürfen, was einer gerade malt. War ganz lustig, was am Ende dabei rausgekommen ist. Und wenig später war die Gruppe auch schon so gut wie vollzählig.
Bis dahin sind sie auch schon erstaunlich aufgetaut. Als wir zum Spielen rausgegangen sind, hatten bereits zwei der Kleinen meine Hände in Beschlag genommen *lach*. Und draußen wollten sie dann Hasche spielen. So süß, wie sie sind, konnte ich es ihnen einfach nicht abschlagen, allerdings war ich dadurch auch dauernd mit dem Fangen dran. Und die sind schnell. Das glaubt man gar nicht... *ächtz* Na ja, irgendwann bin ich dazu übergegangen, einfach schnell zurückzutippen, wenn wieder jemand ankam. Das hat dann der ganze Rest allerdings übernommen, sich im Kreis um mich positioniert und von allen Seiten angetippt, wenn ich mich grad nicht in ihre Richtung gedreht habe. Na ja, zumindest nicht mehr rennen... Also Sport hab ich die Woche über sicher genug.

Drinnen wurden dann die gesammelten Werke des letzten Jahres wieder ausgeteilt, weil die Gruppe ja bald in die Schule kommt und nun so langsam alles mit nach Hause nehmen muss. Wirklich süß, was sie so alles gemalt und gebastelt haben. Hat mich sehr an meine Zeit im Kindergarten erinnert. Auch gesungen haben sie viel, die Erzieherin meiner Gruppe hat dabei immer Piano gespielt (es steht in so ziemlich jedem Raum eins, glaube ich). Dann haben wir alle gemeinsam Mittag gegessen, wobei sogar das Aufräumen im Anschluss absolut reibungslos verlief. Ich war richtig erstaunt, dass man den Kindern einfach nur einmal was sagen musste und schon haben sie es gemacht. Nicht nur beim Essen. Auch später, als sie ihre Spielsachen wieder wegräumen sollten.
Auch mit dem Lesen und Schreiben sind die meisten aus dieser Klasse schon ziemlich weit. Die Erzieherin meinte, im Kindergarten lernen sie das nicht direkt, aber viele Eltern bringen ihren Kindern zu Hause schon die Silbenalphabete bei. Schreiben können sie die Zeichen zum Teil auch schon.

Was sie übrigens auch unheimlich mögen ist Einrad-Fahren. Damit fangen zum Teil die Dreijährigen schon an und die Sechsjährigen aus meiner Gruppe haben sich einfach nur an einem Pfosten hochgezogen und sind dann losgeradelt. Quer über den Hof. Ich hab es auch mal kurz versucht, weil sie mich drum gebeten haben, mitzufahren, aber das ist ja dermaßen wackelig, dass ich von dem Ding ganz schnell wieder runter bin.
Zu dem Zeitpunkt hingen beim Herumlaufen dann auch schon fünf Knirpse an meinen Armen. Total niedlich! Beim Spielen war das ein wenig schwierig, weil niemand von seinem Einrad runter wollte, aber loslassen kam auch nicht infrage. Insofern HINGEN sie im wahrsten Sinne des Wortes *lach*. Also falls ich die nächsten Tage Muskelkater hab, weiß ich, wovon. Einzeln sind die Kleinen echte Fliegengewichte, aber bei der Menge...
Und sie kommen immer wieder angerannt, rufen "Sensei! Sensei!" und wollen spielen oder mir irgendwas Tolles berichten oder zeigen ^^. Das eine Mädchen hat winzige Muscheln am Strand gefunden, ein anderes hat aus Lehm beim Spielplatz einen Hasen-Kopf geformt. Man könnte sie die ganze Zeit knuddeln. Und eigentlich tut man eh nix anderes, denn sie hängen sowieso dauernd an einem dran. (Ob ich eins mitnehmen kann, bevor ich gehe...?)
Ach ja, für die, die das Wort "Sensei" noch nicht kennen: Das ist die übliche Anrede für Lehrer (an der Schule) oder Dozenten (Uni) und hat im Kindergarten demnach eine ähnliche Nuance. Ich bin praktisch direkt in den Rang einer Erzieherin erhoben worden ^^u. Gleich früh am Morgen habt mich die Erzieherin meiner Gruppe auch als "Nancy-sensei" vorgestellt. Das erste Mal so genannt zu werden, klingt schon erstaunlich. Ich denke, ich brauch noch eine Weile, bis ich mich daran gewöhnt habe, denn es klingt einfach so viel Respekt in dieser Anredeform mit, die ich als noch nicht mal fertig studierter Student so gar nicht verdient habe.

Gegen 14 Uhr sind die meisten mit dem Bus wieder nach Hause gebracht wurden. Ein Teil blieb noch da und hatte Englisch-Unterricht. Der Lehrer (Taro) ist auch Japaner, ist aber in Amerika aufgewachsen und spricht daher als Muttersprache Englisch. Meine Erzieherin hat mir erzählt, dass er vor ca. acht Jahren nach Izuka-shi gekommen ist und damals auch noch nicht viel Japanisch gesprochen hat.
Ich hab ihn bei Gelegenheit mal gefragt, ob ich mir seinen Unterricht ein bisschen mit ansehen kann, weil es mich wirklich interessiert hat, wie er es anstellt, so kleinen Kindern was zu vermitteln (die beherrschen ja wirklich schon so einige Wörter und Wendungen!) und sie dabei auch so riesigen Spaß an der Sprache haben lässt. Wirklich, alle meinten, sie finden Englisch toll, als ich sie gefragt hab.
Jedenfalls meinte er aber erst mal, das mit dem Zusehen wäre schwierig. Die anderen Erzieher haben mir dann erzählt, dass bisher noch niemand bei seinem Unterricht zugesehen hat, nicht mal die Eltern der Kinder. Er ist wohl unglaublich schüchtern und es bringt ihn total aus dem Konzept, wenn ein Fremder mit dabei ist. (also doch typisch japanisch irgendwie ^^)
Daher war ich umso erstaunter, als eine der Erzieherinnen plötzlich mit ins Zimmer kam und meinte, dass ich mich die letzten 15 Minuten mit reinsetzen und zusehen darf. Wow. PREMIERE! Ich hab mich total geehrt gefühlt. Und wirklich, sein Unterrichtsstil ist klasse. Alle Wörter, Wendungen, Grammatik usw. ist völlig in Spiele integriert. Er führt sehr viel vor, mit Mimik und Gestik, spielt gemeinsam mit den Kindern verschiedene Tätigkeiten nach und bringt sie damit natürlich alle zum Lachen. War ein wunderbarer Anblick. Wie ein Vater, der mit seinem kleinen Kind rumalbert. Wirklich kein Wunder, dass die Kinder Englisch so toll finden und auch Taro-sensei unheimlich lieb haben.

Ein paar deutsche Wörter habe ich auch zwischendurch mit ihnen geübt. Guten Morgen, guten Tag, guten Appetit, zählen bis 10... Sie haben immer mal wieder gefragt, was das ein oder andere auf Deutsch heißt, ich hab es ein, zweimal vorgesprochen und sie haben versucht, es nachzusprechen. Als ich mich am Nachmittag mal vor der ganzen Gruppe vorstellen sollte, wollten sie wissen, was "Dankeschön" heißt. Einige haben es mir sogar noch mal nachgerufen, als das ganze Mittags-Programm vorbei war und ich wieder ins Lehrerzimmer gegangen bin. Wirklich süß ^^.
Und bei den Kleinen merkt man deutlich, wie genau ihr Gehör noch ist, was die ganzen kleinen sprachlichen Nuancen angeht. Erwachsene brauchen bisweilen Jahre, um Wörter in einer Fremdsprache so gut auszusprechen, wie die Kleinen das auf Anhieb geschafft haben. Ihr Englisch wird später sicher mal verdammt gut. Und ich bin gespannt, ob bis morgen noch ein bisschen was von dem Deutsch hängen geblieben ist. ^^

Sonntag, 21. Februar 2010

Ankunft in Fukuoka

Seit heute Mittag bin ich nun in Fukuoka und wirklich, ich bin hier angekommen und war total geplättet. Das Haus ist einfach nur - man möge mir meine Wortwahl aufgrund mangelnden Wortschatzes verzeihen - ja, es ist einfach nur krass. Unglaublich krass. Richtig Ehrfurcht erregend im ersten Moment. Und das enormste daran ist die Vorstellung, dass Kichiro hier ja aufgewachsen ist! O_O

Aber mal von vorn...

Am Anfang war der Flug. Und der allein hat auch schon seine kleinen Höhepunkte bereit gehalten. Zum einen war ich das erste mal am Haneda-Flughafen, wo die ganzen Inlands-Flüge starten. Yurie und ihre Familie haben mich sogar extra mit dem Auto hingebracht - nachdem wir nach den ersten zehn Minuten noch mal umkehren mussten, weil ich doch tatsächlich mein Handy liegen gelassen hab...
Aber am Ende waren wir trotzdem pünktlich. Und der Flug war klasse. DENN: Ich hatte zwischendurch folgenden Ausblick aus dem Fenster:

Der seltsame Hügel da mitten in der Wolkendecke ist nichts anderes als der Fuji-san von oben. Yurie meinte schon, dass ich ihn wohl sehen werde, und ich hatte erst Angst, ihn zwischen all den anderen Bergen vielleicht zu verpassen, aber so war es natürlich einfach *lach*. Und es sah echt klasse aus. Kommt auf dem Bild eigentlich gar nicht richtig rüber. So nah dran wie hier war ich auch noch nie, höchstens der Rückweg vom letzten Gasshuku, als Ohta-sensei Franzi und mich im Auto mitgenommen hat, kommt da ungefähr ran. Aber so von oben sieht es natürlich viel schöner aus.
Wir sind fast direkt drüber geflogen, deshalb hat man ihn leider nicht so oft zu Gesicht bekommen, aber zwischenzeitlich hab ich die Rückansicht noch kurz abpassen können.


Am Flughafen in Fukuoka wurde ich von Herrn Shimada und seiner Frau abgeholt. Zum Glück haben wir uns (bzw. sie mich) leicht gefunden, denn soweit ich das gesehen habe, hatte ich das einzige ausländische Gesicht im ganzen Flugzeug.
Herr Shimada ist unheimlich nett und sehr offen. Das hat mir gleich ein wenig Sicherheit gegeben und das Reden ein wenig erleichtert, weil man sich nicht mehr so extrem steif gefühlt hat wie beim E-Mail-Schreiben, wo man wirklich sehr auf die höfliche Sprache achten muss. Frau Shimada schien mir anfangs etwas zurückhaltend. Ich vermute, sie hat sonst nicht so viel Kontakt zu Ausländern und es war erst einmal schwierig überhaupt einzuschätzen, wie sie mit mir umgehen soll, aber im Lauf des Tages sind wir auch noch warm geworden.
Zuerst einmal waren wir essen. Ramen. Tonkotsu Ramen. Das ist eine besondere Spezialität von Fukuoka, wo statt Soyasoße Knochenmark (?) von Schweineknochen für die Suppe verwendet wird. Dadurch sieht die natürlich auch nicht braun, sondern weiß aus. Sehr lecker. Und keiner beschwert sich mehr, wenn ich schlürfe!

Dann das Haus. DAS HAUS!!! Gott...
Womit wir wieder beim Anfang wären. Ich glaube, ich kann den Eindruck, den ich zu Begin vom Haus hatte, hier kaum wiedergeben. Es fing bereits am Eingang an. Alle, die schon mal in Japan waren, werden sich sicherlich an diese relativ großen dunkelbraunen Holztore erinnern, die so ein bisschen wie Tempeltüren anmuten. Vor so einem Ding hat das Auto geparkt. Und während wir ausgestiegen sind, erklärte mir Frau Shimada, dass das Tor der Haupteingang ist, welcher normalerweise verschlossen ist und nur heute für meine Ankunft geöffnet wurde. Insgesamt gibt es drei Eingänge. Den zweiten, welcher mir auf dem Weg durch den Vorgarten (im japanischen Stil. Mit geharktem Sand links und rechts vom Weg) gleich noch gezeigt wurde, benutzt die Familie normalerweise. Durch den dritten Eingang kommen und gehen die Angestellten, die zum Reinigen und dergleichen öfters kommen.
Eigentlich hätte ich auch von draußen gern schon ein Foto geschossen, aber ich habs nicht mehr geschafft. Daher hier nur ein kleiner Eindruck vom Fenster aus.


Das Haus selbst ist schon relativ alt und ganz im japanischen Stil. Richtig hübsch und antik angehaucht. Mit Holzdielen, Papierschiebetüren, Tatami-Zimmern... Mein Zimmer ist übrigens - na ja, eigentlich Kichiros Zimmer ^^u. Ich mach auch nix kaputt, Kichiro! Versprochen!
Und hier noch ein paar Eindrücke (das erste Foto zeigt eine Holz-Verzierung, die über den Türen an so ziemlich jedem Raum zu sehen ist):




Nachdem Frau Shimada mir die Wohnung soweit gezeigt und alles erklärt hatte, habe ich mich kurz ausgeruht, ein wenig ausgepackt und den letzten Blogeintrag schnell veröffentlicht. Dann bin ich mit Frau Shimada und Kichiros Schwester (Hiroko, 3. Klasse Oberschule) ein bisschen in die Stadt gefahren. Viele Läden machen hier schon ziemlich früh zu, deshalb konnten wir uns nicht so viel ansehen, aber insgesamt war es doch sehr schön. Zuerst waren wir im alten Teil der Stadt und haben eine alte Einkaufsstraße besichtigt, die schon zur Edo-Zeit von den Daimyô, den Landesherren, als Durchfahrtsstraße auf dem Weg zum Shogun diente. Zu der Zeit gab es die Regelung, dass alle Daimyô des Landes mitsamt ihrem Gefolge alle drei Jahre zum Shogun nach Tokyo reisen müssen und das Ganze verlief jedes Mal natürlich sehr prunkvoll.
Im Moment ist die Straße sehr schön geschmückt, weil das Puppenfest, Hina-Matsuri, für Mädchen vor der Tür steht (3.3.).


Ebenfalls interessant war die Uhr, die über einem der Läden in die Wand eingearbeitet ist. Zu jeder vollen Stunde gibt es dort ein Glockenspiel, bei dem die Reise der Daimyô nachgestellt ist und man eine Reihe von Holzfiguren sieht, die durch die Straße, wie sie zur damaligen Zeit aussah, von rechts nach links ihre Reise durchführt.


Zwischen den Spielzeiten des Glockenspiels verschwinden sämtliche Figuren hinter der Wand.


Noch kurz zu Hiroko. Kichiros Schwester ist wirklich klasse. Wir haben uns auf Anhieb prima verstanden und konnten über alles Mögliche reden. Anscheinend haben wir viele Gemeinsamkeiten. Wie z.B. einen Vogel, der Coco heißt! Okay, ihrer ist ein Nymphensittich (daneben gibt es noch einen...Zebrafink? Na jedenfalls klein, grau, niedlich und mit sehr hübscher Singstimme) und im Garten einen Hund. Die Vögel sind übrigens beide unglaublich zahm und Coco kann ein ganzes Lied nachpfeifen! Auf Kommando sogar. Sowas hab ich noch nicht erlebt. Selbst unser Graupapagei (= mein Coco ^^) spricht zwar alles Mögliche nach, aber ganz sicher nicht auf Kommando, der Dickschädel.
Jedenfalls - von Yurie abgesehen ist es mir (zumindest hier in Japan) noch nie passiert, dass ich so schnell mit jemandem absolut auf einer Wellenlänge lag. Die kommenden Wochen werden sicher schön. Wenn ich nicht gerade arbeite, wollen wir auch einiges zusammen machen.
Und apropos arbeiten: Morgen muss ich um sieben raus, also werde ich an der Stelle Schluss machen und schlafen gehen. Ich bin gespannt, wie mein erster Tag wird. In der Anfangszeit betreue ich die Kinder im Kindergarten mit und schaue mir an, wie den Kleinen schon die ersten grundlegenden Dinge beigebracht werden und helfe dann auch mit, wo ich kann.
Danach werde ich einen kleinen Deutschkurs an der Oberschule leiten und zum Schluss in die Stadt Fukuoka fahren, wo die Ingeneurs-Fachschule ist, und dort dem Japanisch-Lehrer in der Klasse der Austauschstudenten assistieren.