Donnerstag, 12. März 2009

Deutsch Gasshuku in Toi

Lang, lang ist's her, aber jetzt gibt es endlich einen neuen Eintrag bei mir. Gibt ja auch genug zu erzählen.
Das, was ich im Februar noch so gemacht habe, will ich jetzt nur noch kurz anschneiden, denn sonst werd ich nie fertig mit schreiben. Das im Titel erwähnte Event war ereignisreich genug.
Samstag, 7. Februar bis Sonntag, 8. Februar waren Katrin und ich zu einem internationalen Seminar in Saitama. Der "SIS - Students International Seminar"-Zirkel bei uns an der Uni hat das organisiert und uns beide eingeladen, doch auch mitzukommen (eigentlich sind wir keine Zirkelmitglieder). Dass es dort echt lustig war, brauch ich sicher nicht extra zu erwähnen. Wenn Japaner irgendwas auf die Beine stellen, dann wird es IMMER genial. Bei sowas sind sie verdammt fleißig. Falls der ein oder andere jetzt doch noch Genaueres über das Seminar wissen möchte und zufällig Facebook benutzt, dann sucht dort einfach mal nach meinen Profil und guckt euch die zugehörige Bildergalerie an. Generell habe ich bei Facebook viel mehr Fotos über Japan hochgeladen als hier oder sonstwo, das lohnt sich also.

Kurz nach dem Seminar bin ich ja erst einmal für gut zwei Wochen nach Deutschland zurück geflogen, hab Familie und Freunde besucht, meinen Geburtstag zur Abwechslung mal wieder in Deutschland gefeiert (die zweite Feier hier in Japan steht noch aus) und bin wiederum öfters mit einigen Japanern unterwegs gewesen, Keio-Studenten, die über unseren Uni-Austausch wohl gerade wieder für ca. einen Monat nach Halle fahren durften.
Am 4.3., so gegen 10:20 Uhr, habe ich dann wieder japanischen Boden betreten. Der Jetlag hat sich von den letzten beiden Malen, an denen ich hierher gekommen bin, wieder ziemlich unterschieden. Nach meinem allerersten Flug habe ich bis auf die normale Erschöpfung am ersten Tag gar nichts gemerkt. Beim zweiten Mal bin ich so ziemlich eine Woche lang nachts immer putzmunter, tagsüber dafür dann hundemüde gewesen. Diesmal haben sich diese Phasen so ca. alle zwei, drei Stunden abgewechselt. Im Zug vom Bahnhof nach Ueno bin ich richtig fest eingeschlafen und erst wieder wach geworden, als mich ein Japaner netterweise an der Endhaltestelle geweckt hat. Gut, dass ich nicht eher raus musste o_o.
Drei Meter gelaufen und schon war ich wieder putzmunter. Bis meine Gastmutter und ich uns am Bahnhof gefunden haben, verging zwar noch mal eine Stunde, aber letztlich kam ich von dort dann auch ganz bequem nach Hause. Anschließend angefangen mit auspacken, gleich weiter zur Uni und meine Unterschrift fürs monatliche Stipendium abgegeben. Wieder zu Hause hat mich die Müdigkeit dann erneut gepackt und trotz krampfhafter wachbleib-Versuche bin ich irgendwann dann doch mit dem Kopf auf der Tischplatte aufgewacht. Schnell ein Stück weiter nach links, direkt ins Bett gefallen, bis zum Abendbrot wieder geschlafen. Dann plötzlich wieder putzmunter und ab ca. halb zehn dann doch wieder müde. Und früh um sieben konnte ich dann gar nicht mehr schlafen.
Der nächste Tag war dann schon konstanter, zum Glück. Ich hatte mir auch da wieder einiges vorgenommen. Zuallererst ging es wieder nach Ueno, wo ich Katrin, Franzi und deren Freundin Yael (aus ihrem Wohnheim) getroffen hab und gemeinsam mit ihnen in die Fukuzawa Yukichi-Ausstellung gegangen bin. Er war der Begründer der Keio-Universität, an der Franzi studiert, ist auf dem 10.000 Yen-Schein abgebildet und auch sonst ein sehr wichtiger Mensch der Meiji-Zeit (ab 1868).
Nach der Ausstellung ging es noch kurz essen und es ist mir zum ersten Mal, seit ich Franzi und Katrin kenne, passiert, dass nicht ich ihre Reste, sondern sie meine Reste aufessen durften. Obwohl ich vorher eigentlich auch Hunger hatte. Das war wirklich mal was Neues...
Anschließend ging jeder wieder seines Weges, meiner führte mich noch nach Yokohama, wo ich meinen Kimono abholen konnte, den ich dort im Februar gekauft hatte :D. Der Obi ist ja schon zu Hause, aber den Kimono selbst konnte ich noch nicht mitnehmen, weil der Unterkimono, den ich gleich dazu gekauft habe, etwas zu lange Ärmel hatte und die Verkäuferin des Ladens ihn erst noch umnähen lassen hat. Ja, und jetzt ist er halt fertig ^^.

Und dann war es auch schon soweit, Freitag, 6. März, das Deutsch-Gasshuku in Toi, eine Stadt auf der Halbinsel Izu, fing an :D! Letztes Jahr waren Anne, Mechthild, Franzi und ich ja schon einmal dort und wir fanden damals schon, dass es das beste Eregnis des damaligen Kurzaufenthaltes war. Deshalb hab ich diesmal auch alle Hebel in Bewegung gesetzt, wieder mitfahren zu können. Und Franzi dazu breitgeschlagen, dass sie auch wieder mitkommt (zum Glück hat sie kurzfristig noch 'nen Nebenjob gefunden, sonst wäre es nicht gegangen...).
Hiromi und ich haben uns in Shinagawa getroffen, zusammen mit einer weiteren Japanerin und eigentlich - rein theoretisch - auch mit Waku. Aber der hat Hiromi zehn Minuten vor Abfahrt unseres Zuges geschrieben, dass er verschlafen hat und grad erst aufgestanden ist... Na ja, immerhin war er letztes Jahr schon dabei und fand sich zur Not auch allein wieder nach Toi und wir sind zu dritt los. In Yokohama stiegen dann die diesjährigen Kurzstipendiaten, Shu (Kristin, aber so nennt sie praktisch keiner), Nami (eigentlich Sandra), Annika und Erik sowie Franzi und ein Teil der Japaner zu uns, allerdings in einem ganz anderen Abteil, sodass die Gruppe erst durch den halben Zug gelaufen ist und gut eine Haltestelle später bei uns war. Bis Mishima, unserem letzten Halt mit dem Zug, ging es problemlos weiter. Anschließend wurde in den Bus umgestiegen. Und irgendwann fiel dann auf, dass es der falsche Bus war. Und wir nach ca. der Hälfte der Busfahrt eigentlich woanders hätten umsteigen müssen. Oh. Und es goss in Strömen. Und war kalt. Und mein Schirm kaputt. Und der nächste Bus fuhr erst in einer halben Stunde. Unser aller Rettung war ein kleiner Souvenirshop direkt an der Bushaltestelle, dessen Besitzer uns für die Dauer unserer Wartezeit Unterkunft gewährte. Hiromi, die ja hauptsächlich für die Planung verantwortlich war, hatte ein total schlechtes Gewissen und allen eine Runde Manjuu (kleine kuchenartige Bällchen mit Füllung, diesmal Pudding) ausgegeben. Superlecker! Und was soll's, sowas passiert halt =).

(Shu, die sich in die zwei Kätzchen aus dem Souvenirshop verliebt hat)

(Ein Teil der Souvenire aus dem Shop. War alles superniedlich!)

Nachdem wir mit dem richtigen Bus und einiger Verspätung dann am Zielort, dem Ryokan (ein traditionell japanisches Gasthaus) in Toi, angekommen sind, hatte es zumindest erst mal aufgehört mit regnen. Und wir waren so ziemlich die letzten, die angekommen sind. Sogar Waku war vor uns da! Und noch ein ganzer Haufen Japaner. Die meisten kannten wir mal wieder nicht, aber über ein paar bekannte Gesichter haben wir uns wieder freuen können. Nebst Waku und Hiromi waren das noch Linda, Aki, Yasu und Kaisei. Und Ryuichi, den wir aber nicht vom letzten Gasshuku, sondern von dem Treffen der Gasshuku-Leute im Januar kannten.

(Eingangsbereich des Ryokans)

(Sitzecke, auf der anderen Seite des Eingangsbereichs (man stelle sich das Bild da oben gleich links hier daneben vor))

(obere Etage: Flur mit den Tatami-Zimmern zum Schlafen)

(Aufenthaltsraum unten: Hier wurde gegessen, am zweiten Tag "Unterricht" abgehalten, an den Gruppenarbeiten getüftelt, die später auch hier aufgenommen wurden und natürlich die allabendlichen Partys abgehalten ;) )
(Mal gucken, ob jemand Bilder von den Onsen-Bädern dort im Ryokan gemacht hat. Ich wollte meine Kamera nicht in die feuchten Bäder nehmen...)

Nach unserer Ankunft kam wieder die obligatorische Begrüßung, diesmal von Tatsuya und Akira (letztere eine Lehrerin von der Reitaku-Uni), denn Susanne war diesmal nicht mit dabei. Anschließend ein paar Kennenlern-Spiele, u.a. wieder die Namenskette: Der Erste fing an mit: Ich bin [Name] und ich mag [Hobby]. Der nächste macht weiter, stellt sich genauso vor und wiederholt dann, was sein Vordermann gesagt hat, der übernächste wiederholt dann alle beide Vordermänner usw. Der letzte tat mir Leid, der dann Name und Hobby von knapp 30 Leuten aufzählen durfte... ^^
Nach dem Essen wurden dann Gruppen bekannt gegeben, d.h die Japaner wurden zuerst je nach Sprachniveau in "Anfänger", "Grundstufe", "Mittelstufe" und "Oberstufe" eingeteilt, damit sie wussten, wer wann wo morgen Unterricht mit uns Deutschen hat. Zum anderen wurden die Gruppen für die Rollenspiele bekannt gegeben. Wie letztes Jahr kam in jede Gruppe ein Muttersprachler und ansonsten war das Sprachniveau der Japaner sehr gemischt, sodass für jeden was dabei war. Bis ca. 21:00 Uhr haben sich dann alle jeweils zusammengesetzt und überlegt, wie sie ihr Rollenspiel gestalten wollten. Großes Thema war diesjahr "tsûjiru", was ungefähr sowas heißt wie "verstanden werden/verstehen lassen". Zwei Gruppen waren bis dahin noch unvollständig, unter anderem meine. Die fehlenden Mitglieder kamen gegen 22:00 Uhr erst, weil sie bereits arbeiten gehen und sich daher nicht einfach so fünf Tage frei nehmen können. Besagte Teilnehmer waren Tekkan und Shuhei, auch vom letzten Jahr. Für Franzi und mich war es die Nachricht des Tages, dass die zwei es ebenfalls geschafft haben, wieder mitzukommen. Tekkan dann also mit in meine Gruppe, Shuhei bei Franzi.
Ab halb zehn waren die meisten mit ihrer These für das Rollenspiel und den ersten groben Ideen soweit durch, man ging nach und nach ins Onsen, kam im Schlafzeug wieder und gesellte sich zur Party, die inzwischen angefangen hatte. Getränke und Knabberzeug hatten einige Leute kurz vor dem Abendessen noch eingekauft. Shu hatte an diesem Abend wohl eine Premiere: Sie meinte, ihr ist es vorher noch nie passiert, dass sie ein Glas/Flasche/Dose Alkohol verschüttet hat. Nun, bis zum Ende des Gasshukus sollte ihr das dann noch zweimal passieren. Die letzte Nacht war aber generell lang. Die Leute haben es bis zu zwölf umgekippten Getränken gebracht! Und zwischendurch gingen bei uns in der Ecke die Tücher zum Auftitschen aus, da sind sie aber geflogen, um irgendwo noch was zu finden, um das Zeug wieder aus den Tatami-Matten rauszukriegen.

(Sämtliche Arbeitsmaterialien wurden so langsam beseitigt und dafür Flaschen, Dosen und Tüten herausgeholt)

(... Dann konnte die eigentliche Feier beginnen)

(Drei bekannte Gesichter: Ryuichi, Yasu, Aki (v.l.n.r.))

(Mitbringsel von Tekkan und Shuhei: Geburtstagskuchen :D! Und da ich zu denjenigen gehörte, deren Geburtstag im Februar/März ist, durfte ich mit Kerzen auspusten und fleißig naschen. ... Na ja, gegessen hat letztlich jeder, der wollte. Sowas isst man schließlich nicht allein!)

(Ryu hat, genau wie Aki, seine Gitarre mitgebracht, was sich als ziemlicher Erfolg erwiesen hat. Die Gitarren sind jeden Abend stundenlang durch alle möglichen Hände gewandert)

Geschlafen wurde wie immer wenig, erst am Samstag, 7. März, ging es gegen 3 Uhr früh ins Bett. Und gegen halb sieben klingelten die ersten Wecker (obwohl niemand vor halb acht aufgestanden ist. Ich frag mich, wofür das gut war o_o). 8 Uhr dann Frühstück, das im Großen und Ganzen so aussah wie das Abendbrot vom Vortag, also Reis, Fisch, Sashimi (rohe Tunfisch-Streifen), Miso-Suppe,... Ach, halt das alles, was man auf dem Bild so sieht. Und Reis. Der steht hier noch nicht mit dabei.


Nach dem Frühstück war dann der "Deutsch-Unterricht" dran. Franzi und ich waren eine Lehrer-Gruppe, dann Shu und Nami sowie Annika und Erik. Wir waren zuerst mit der Grundstufe dran und haben mit denen ein paar Fragespiele nach Name, Alter, Uni, Familie, Hobbies und sowas gemacht. Alle Fragen schön auf Kärtchen aufgeschrieben, das ging ganz gut. Dann ein paar Runden "Ich packe meinen Koffer" mit z.B. Lieblingsfarben oder Hobbies und zum Schluss eine Hörübung, wo Franzi und ich abwechselnd Wörter vorgelesen haben und die Japaner Unterschiede wie "r" oder "l" oder "u/ü/i" hören mussten. So genaue Lautunterschiede gibt es im Japanischen nicht, daher fällt das Deutschlernenden sehr schwer.
In der Mittelstufe haben wir allerdings festgestellt, dass wir die mit solchen Aufgaben unterfordert haben. Na ja, eigentlich hat die Hälfte der Mittelstufe auch in die Oberstufe gehört. Tekkan spricht sehr gut Deutsch, Linda ebenfalls (war auch schon ein Jahr in Deutschland) und auch Yasu ist nicht übel. Da mussten Franzi und ich spontan etwas improvisieren, sonst hätte das gar keinen Lerneffekt gehabt. So sind wir zufällig auf einige alte Plakate vom letzten Jahr gestoßen, wo Bilder gezeichnet, dann weitergegeben und von der nächsten Gruppe mit Worten beschrieben wurden. Dann klappte man das Bild um und anhand der Beschreibung hat die nächste Gruppe ein neues Bild gemalt usw. War sehr lustig, wie sehr sich die Bilder dann am Ende unterschieden haben. Jedenfalls... Das haben wir letztes Jahr ebenfalls gemacht und zwei der Bilder waren dort auch von Anne. In Momenten wie solchen ist es dann wieder unheimlich schade, dass sie diesmal nicht dabei sein konnte...
Arbeiten mit der Oberstufe war dann wieder sehr lustig. Zuerst einmal haben wir Linda und Tekkan mit nach oben geschleift, weil es da sonst einfach zu langweilig geworden wäre. Da waren ja sonst nur Hiromi, Ryu und Waku.
Geplant war z.B. für den Anfang ein bisschen "Wer bin ich?" sowie danach noch eine ganze Reihe weiterer Sachen, da Franzi befürchtet hat, dass das alles zu schnell rum geht. Letztlich hat eine einzige "Wer bin ich?"-Runde aber schon drei viertel der gesamten Unterrichtszeit gebraucht. Hier die Auflösung, wer wen erraten durfte:

(Ryuichi: der Tenno)

(Linda: Brat Pitt)

(Franzi: Kobukuro)

(Tekkan: Pikachu)

(Hiromi: Angela Merkel)

(ich: Der Anpan-man. Dumm nur, dass ich das Ding überhaupt nicht kenne o_O)

(zum Schluss hat Tekkan alle Kärtchen bekommen ;) )

Nach dem Unterricht gabs Mittagessen, dann weiterarbeiten am Rollenspiel, Abendbrot und ein wenig Pause. Anschließend hatten die Lehrer (Tatsuya und Akira) einige Spiele für uns vorbereitet. Bis das anfing, waren die meisten bereits vom Onsen zurück und saßen wieder im Schlafzeug da bzw. standen alle im Kreis und sangen deutsche Volkslieder. "Heut kommt der Hans zu mir, freut sich die Lies'", "Wenn du glücklich bist, dann klatsche in die Hand", "Die Instrumente des Orchesters" (oder so ähnlich). Danach haben wir uns in Dreiergruppen aufgeteilt und uns in Reihen aufgesetzt, jeweils mit einem Deutschen am Anfang und am Ende, und stille Post gespielt. Aber was Tatsuya sich da auch ausgedacht hat! Ein Satz war "Rudi und Robert hören Rock im Radio". Ja, und jetzt lass das mal sieben Japaner nachsagen, die zwischen den beiden Deutschen sitzen *lach*. Es war echt zum Brüllen, was da jedes Mal am Ende rausgekommen ist.
Für den Rest des Abends war dann wieder "freie Beschäftigung" mit Getränken, Knabberei und Spielen angesagt. Und Gitarre natürlich.
Ich glaube, das war auch der Abend, ab dem Franzi sich so langsam der allgemeinen Hustenwelle angeschlossen hat und ihre Stimme sich für den Rest des Gasshukus frei genommen hat. Sie ist auch jetzt, zwei Tage nach Ende des Gasshuku, immer noch auf Urlaub und Franzi wartet verzweifelt darauf, dass sie sich mal zurück bemüht. Allerdings hat sie Krächzen und Flüstern auch nie vom fleißigen Reden abgehalten. Gut, was will man auch machen, wenn man in geselliger Runde unterwegs ist bzw. vormittags miteinander arbeiten muss...?

Sonntag, 8. März. Man war mal wieder erst nach um drei im Bett und ungefähr halb acht wieder draußen. Aber zwei Tage hält man sowas ja noch problemlos durch. Bis auf Ryuichi, ich glaub, der ist an diesem Tag bereits zu spät zum Frühstück erschienen und durfte dann allein essen, nachdem alle anderen schon wieder weg waren. Das hat er übrigens auch für den Rest des Gasshuku so beibehalten.
Diesmal wurde gleich am Vormittag an dem Rollenspiel gearbeitet. Diesmal ging es schon ans Dialoge-Schreiben. Nachmittags gab es einen Ausflug nach... Dogashima. Das ist ein Inselchen ein Stück weit abseits von Toi, wo man mit der Fähre ein Stück herumschippern kann, lustige Felsen in Tiergestalt aus dem Wasser ragen und in eine Felsenhöhle hineinfahren kann, bei der sich das Licht unglaublich schön im Wasser spiegelt, wenn das Wetter mitmacht und die Uhrzeit stimmt. Mit dem Wetter hatten wir an dem Tag Glück. Nicht nur der Regen blieb fern, wir haben sogar die Sonne mal zu Gesicht bekommen! Das kam diesjahr ja leider nicht allzu oft vor. Und die Kirschblüte war auch schon vorbei, die wir im Vorjahr so schön bestaunen können, nur so nebenbei.
Auf jeden Fall tolles Wetter und die Fahrt mit der Fähre hat wirklich Spaß gemacht. Im Anschluss haben wir an dem Eisstand dort auf der Insel noch Avokado-Eis gegessen, das ist wohl Tradition beim Gasshuku und wird jedes Jahr nach der Fähre-Fahrt gemacht, dann eine Runde Felsen-Klettern an dem Sandsteinfelsen, der einen Teil der Insel eingenommen hat und zum Schluss ein Stück weiter gefahren, zum Lovers Point. Dort gehen die ganzen Verliebten hin, um sich vor dem Meer ihre Liebe und Treue zu schwören oder das passende Gegenstück zu finden. Mit dem Meer und allem ist es sehr schön dort. Vor allem auch, wenn gerade die Kamelien blühen. Der gesamte Weg bis zu diesem Aussichtspunkt ist mit Kameliensträucher gesäumt! Leider waren auch diese in diesem Jahr zu schnell für uns und wir haben nur noch hier und da verblühte Reste bestaunen können.

(das türkisblaue Meer und die dazugehörigen Tierfelsen. Oben in Nashorn gestalt, hier unten - zusammen mit Aki - ein Elefant. Der Elefant ist so ziemlich der bekannteste dieser Felsen)

(Dann die tolle Höhle. Ohne Worte.)

(Das obligatorische Eisessen danach. Die Avokadostange, die in dem Eis noch mit drin steckte, war bei der Allgemeinheit recht unbeliebt, weil sie so bitter war, aber mit ein bissl Eis dazu fand ich sie eigentlich ganz lecker.)
(anschließendes Bergsteigen)

(... Und die Ankunft am Gipfel.)

(Und zu guter Letzt sind wir den Pärchen am Lovers Point auf die Nerven gegangen. Man kann sich sicher gut vorstellen, dass mit dieser Truppe nicht mehr viel "liebliche Atmosphäre" übrig geblieben ist. Na ja, ist ja bloß einmal im Jahr.)


Als wir wieder im Ryokan waren, war es auch schon relativ spät, wir haben schnell noch für den Abend eingekauft, Abendbrot gegessen, die Texte fürs Rollenspiel noch mal abgeschrieben bzw. abgetippt und den Abend gemütlich ausklingen lassen.

Montag, 9. März. Der Aufenthalt neigte sich so langsam dem Ende zu. Bereits vormittags, direkt nach dem Frühstück, hat sich die ganze Gruppe versammelt, um gemeinsam mit dem Einstudieren anzufangen. Da meine Gruppe "Gruppe A" war, waren wir auch mit der Generalprobe unten vor der Kamera und dann später mit der Aufführung als erste dran, demnach mussten wir uns echt ranhalten.
Ja, worum ging es nun bei unserem Rollenspiel? Zwei ausländische Studenten werden am Flughafen von zwei Japanern abgeholt und von einer zum Mittagessen eingeladen. Anhand verschiedener kleiner Gesten und Redewendungen sieht man schon, wie unterschiedlich die Kulturen sind, z.B. beim Gastgeschenke-Verteilen: Deutsche: "Hier ist ein Geschenk für euch. Wir haben lange überlegt, was wir euch mitbringen könnten." Japaner: "Hier ist ein Geschenk für euch. Es ist aber nichts Besonderes." Ebenfalls beim Essen: Die Japaner finden die Lakritze der Deutschen total eklig, sagen das aber nicht. Der Deutsche findet das Natto total eklig und spuckt es unter Husten und würgen aus (sollte ja auch lustig werden ;) ). So häufen sich die Missverständnisse, die Deutschen denken am Ende, es war total lustig und hat allen Spaß gemacht und die Japaner sind insgeheim froh, dass die "dämlichen Deutschen bloß wieder weg sind". Dadurch kommt es später zum Streit und man wird sich einig, dass man einander nur verstehen kann (damit sind wir wieder bei "tsûjiru"), wenn man auch miteinander spricht. So in etwa der Inhalt, damit ihr eine Vorstellung habt, wie ungefähr das mit den Rollenspielen aussehen kann.
Franzi hatte zur Aufführung ihres Rollenspiels immer noch das Problem mit der Stimme, also haben wir kurzerhand notdürftig entschieden, dass sie einen Sprecher braucht. Ich hab daher kurz vorher ihren Text zum Lesen bekommen, zwei, dreimal geübt und dann versucht, das zeitgleich zu Franzis Rollenspiel dann einzusprechen. Es war echt verrückt. Passte aber stellenweise wirklich ziemlich gut.

Dieser Abend war ja der letzte, den wir gemeinsam in Toi verbracht haben, dementsprechend lang ist es auch geworden. Zuerst konnte man sich die Aufnahmen aller Rollenspiele noch mal ansehen und dann beste/n Schauspieler/in, bestes Deutsch (von den Deutschen abgesehen) und beste Gruppenidee nominieren. Im Anschluss wurden die Kassetten vom Vorjahr und von vor drei Jahren noch mal rausgeholt, weil ein Teil von uns die gern noch mal sehen wollten. Beim Vorjahr war ja Anne mit dabei und das Rollenspiel ihrer Gruppe damals war so lustig, das war mit Abstand der Brüller des Abends. Der musste unbedingt noch einmal rausgekramt werden. Und vor drei Jahren war Tekkan ja "Tetsuko", sprich ihm war eine Frauenrolle verpasst worden. Und die hat er so genial gemacht, das musste einfach noch mal sein! Schade, dass er und Shuhei schon nicht mehr da waren, denn am Abend zuvor sind sie wieder zurück nach Tokyo gefahren, hatten nicht noch einen Tag länger frei nehmen können. Na ja, dann saßen wir da so, unser kleines Grüppchen bestehend aus Franzi, Ryuichi, Aki, Waku, Yasu, Kosuke und mir, zwischenzeitlich auch Linda, alle um den Fernseher herum gruppiert, der mit voller Lautstärke die vergangenen Gruppenspiele noch mal präsentiert hat, und haben lautstark dazu gefeiert und Beifall geklatscht. Vor allem bei Tetsuko, äh, Tekkan, und Anne. Ich glaub, wir waren zu dem Zeitpunkt die schlimmste Deppengruppe des Abends...
Und ich glaube, der Alkoholkonsum ging bei vielen auch noch ein Stück nach oben. Sonst wären wohl auch nicht ganze zwölfmal irgendwelche Getränke umgekippt. Aber man hat richtig gemerkt, dass alle den letzten Abend noch mal so intensiv wie möglich nutzen wollten. Es wurden Unmengen Fotos geschossen und die Spielrunden (heute UNO oder Schwarzer Peter) waren noch größer als sonst schon.
Und anhänglich waren einige diesmal. Da kommt Aki plötzlich kuscheln oder Linda und auch Hiromi umarmt einen spontan mal. Mit sowas rechnet man bei Japanern eigentlich gar nicht, weil sie in Sachen Körperkontakt doch sehr zurückhaltend sind. Ja, da merkt man den deutschen Einfluss *lach*. Niedlich war auch Keishiro: Als er gesehen hat, dass Shu von Nami massiert wurde, hat er sich spontan hintenran gesetzt und gleich noch Nami massiert. Und auf der anderen Seite des Tisches noch ein Zweiergrüppchen. Ein Bild für die Götter!

Als es Dienstagnacht (10. März) dann langsam auf um vier zu ging, bin ich doch langsam ins Bett. Ich hatte am Montag schon die ganze Zeit über so unterschwellige Kopfschmerzen vom Schlafmangel gehabt. Gut, die sind zum Abend hin zum Glück weg gegangen, aber viel mit Schlaf war trotzdem nicht, dementsprechend ging es mir dann am nächsten Morgen auch. Das erste, wovon ich wach geworden bin, war der Stich quer durch meine Stirn, als mein Kopf wohl so langsam aus nächtlichen Tiefen emporgeschwebt ist und die ersten Umgebungsreize wahrgenommen hat. Die nächsten fünf Minuten hab ich gebraucht, bis ich mich überhaupt aufrichten konnte und dann noch mal ein Weilchen, um bis zu meinem Rucksack zu krauchen, wo - drei Kreuze - noch ein paar Paracetamol drin waren. Ab dem Frühstück hat die dann zum Glück auch so langsam gewirkt. Dafür ist mir danach meine Aufmerksamkeit gänzlich abhanden gekommen, und hat stattdessen ein ziemlich ekliges Übelkeitsgefühl dagelassen, sodass ich das Mittagessen wenig später dann besser hab ausfallen lassen. Vorher gabs wieder viele Fotos, einiges auch mit mir, und ich kann bloß hoffen, dass nicht zu viele davon im Netz landen. Ich sah wirklich ziemlich zum K***** aus.
Tatsuya hat Franzi und mir dann kurzerhand angeboten, uns im Auto mitzunehmen, weil wir bei meinem Zustand dann doch nicht sicher waren, ob ich die Busfahrt überstehe (Reiseübelkeit bei sowieso schon herrschender Übelkeit ist nicht angenehm), sodass der Heimweg später dann auch sehr angenehm war.
Zuvor gab es aber noch die bereits erwartete Schwermutsstimmung, als der erste große Schwung zur Bushaltestelle aufgebrochen ist. Wirklich gehen wollte wieder keiner. Kein Wunder, da hat man fünf Tage lang von morgens bis nachts zusammengehangen, gemeinsam gearbeitet, gegessen, nackig im Onsen gesessen (und immer mal die Ohren gespitzt, wenn die Vertreter des anderen Geschlechts nebenan mal wieder lauter wurden, ob man was verstehen konnte. War ja bloß eine Wand zwischen den Bädern und die war sogar ganz oben ein Stück offen), gefeiert - meist im Schlafzeug - und geschlafen. Es ist jedes Mal wieder erstaunlich, wie nah man sich dadurch in so kurzer Zeit kommt.
Am schlimmsten war es aber, nachdem der große Schwung dann weg war. Tatsuya und Akira haben das Auto fertig gepackt und wir (das waren Aki, Linda, Hiromi, Yasu und Ryuichi) standen irgendwie ziemlich verloren am Eingang rum und wussten nicht mehr so recht, was wir machen sollten. Abschiede sind doof. Schließlich hieß es "Einsteigen" und Franzi und ich haben noch ein letztes Mal von allen Abschied genommen. Als das Auto dann anfuhr, sprang Ryuichi plötzlich in seine Schuhe, alle taten es ihm gleich und dann sind sie uns hinterher gerannt, neben und hinter dem Auto, später mit immer mehr Abstand, bis wir dann um die Ecke waren und sie nicht mehr sehen konnten. Und dann hab ich geheult. Aber wirklich. Obwohl ich mich zusammenreißen wollte und dagegen angekämpft hab, konnte ich Minutenlang die Tränen nicht mehr stoppen. Obwohl ich wusste, dass ich den ein oder anderen durchaus wiedersehen konnte, wenn man sich nur mal bemühte, den Kontakt zu halten. Und dass die Chancen dafür ganz gut stehen, wenn man ja noch ein halbes Jahr im Lande ist. Aber trotzdem, der Abschied war so verdammt schwer diesmal, sogar noch schwerer als letztes Jahr.

Zum Glück hielt die Trennung mit einigen nicht so lange. Zum einen fahren ja unsere Kurzstipendiaten morgen schon wieder gen Heimat und zum anderen waren wir auch letztes Jahr am Tag nach dem Gasshuku mit einigen von ihnen noch mal unterwegs, um das ein bisschen ausklingen zu lassen. Auch diesmal haben sich wieder ein paar gefunden, die mitgekommen sind, wobei das alles sehr verteilt war. Shu, Nami und ich haben uns ca. 11:00 Uhr schon in Shinjuku am Bahnhof getroffen, sind dann erst mal Mittagessen gewesen, dann zurück zum Bahnhof getrödelt und kurz nach 13:00 Uhr kam dann Waku an. Mit ihm sind wir dann zusammen ins Karaoke-kan gegangen, denn in einem der Kara-kans in Shinjuku gibts bis morgen noch ein Sonderangebot, singen für 15 Yen/30 min/Person. Irre billig also!
Kurz nach 15:00 Uhr ist Aki zu uns gestoßen, vor 16:00 Uhr war auch Yasu da. Er hatte vorher ein Gespräch bei seiner Firma in Yokohama und kam daher gleich im Anzug und mit Aktenkoffer *g*. Zwischendurch kam noch eine Mail von Ryuichi über Lindas Handy (bei seinem war die Batterie leer), bis wann wir noch bleiben, und so war er irgendwann auch bei uns. Aki musste leider schon etwas eher gehen als der Rest, sie hatte noch was vor an dem Abend, aber die verbliebenen sechs sind kurz nach 18:00 Uhr dann wieder gegangen und von den Japanern erst mal in ein nettes Restaurant im japanischen Stil geführt worden. Dort wurde zwischendrin wieder viel übers Gasshuku gesprochen oder die Frauenrunde nebenan belauscht (ja, ja, dünne Wände...), deren Themen zum Teil echt interessant waren, mit den Essstäbchen rumgespielt und sonstiger Blödsinn, der halt nur in abgetrennten Räumen geht, wo Fremde nicht reingucken können.
Es war auch schon wieder 22:00 Uhr vorbei, als wir das Restaurant wieder verlassen haben. Die Jungs waren so lieb und einen Großteil der Rechnung übernommen, da war ich ganz froh, dass ich zufällig ein Gastgeschenk dabei hatte, also haben sie von uns dafür 'ne Packung Toffifee bekommen. Fand auch reißenden Absatz =).
Langsam zurück zum Bahnhof gebummelt, aber zumindest wir Deutschen wollten eigentlich noch Purikura (die Automatenbildchen) machen, bevor es zurück ging. Dumm nur, dass keiner wusste, wo in Shinjuku die Spielhallen mit eben jenen Automaten waren. Nach ein bisschen Herumgucken sind wir aber schnell fündig geworden. Also "schnell mal noch" Purikura und zurück zum Bahnhof. An den Bahnschranken haben wir (Shu, Nami, Ryu und ich) uns eigentlich überlegt, mit der Marunouchi-Linie zu fahren. Für Ryu wars der schnellste Heimweg, mit Shu wollten wir eigentlich noch zum Tokyo Bahnhof, wo man eine Tasche abgegeben hat, die sie gestern im Zug vergessen hatte. Die Idee haben wir aber ganz schnell wieder verworfen, als uns ein Blick auf die Uhr verraten hat, dass es bereits 23:20 ist. Sprich: Wir hätten höchstwahrscheinlich die letzte Bahn nicht mehr bekommen, wenn wir den Umweg nach Tokyo noch gemacht hätten, und hätten bis um fünf am Bahnhof schlafen können. Demnach wurde kurzerhand wieder umdisponiert, alles fuhr mit der Yamanote-Linie (ging wesentlich schneller) und dann direkt nach Hause. Ryu ist dann auch noch mit uns mitgekommen und bis Ikebukuro konnte ich dann noch mit ihm und Waku ein Stück zusammen fahren. Gegen 23:45 Uhr war ich dann zu Hause und kurz bevor ich bei mir an der Haustür war, hat mir Waku noch mal geschrieben, dass es lustig war heute (es ist in Japan recht verbreitet, sich anschließend oder beim erneuten Treffen noch mal für die schöne gemeinsame Zeit beim letzten Mal zu bedanken) und dass ich auf mich aufpassen soll auf dem Heimweg. Echt niedlich *g*.

Ich hoffe, man sieht sich bald wieder. Gut, Hiromi steckt mitten in den Vorbereitungen für ihr Master-Studium in Deutschland, d.h. sie wird dann für zwei Jahre in Jena sein! Am 23.3. fliegt sie los. Und Waku fliegt im Sommer auch für ein Auslandsjahr nach Deutschland, allerdings Mannheim. Na ja, da lässt sich sicher auch mal ein Treffen einrichten. Und bis dahin sind wir ja auf alle Fälle noch hier =).

Wenn ich so zurückblicke, was ich seit September so alles gemacht habe, denke ich, dass das Deutsch-Gasshuku bisher das Schönste war, was ich während meines Auslandsjahres erlebt habe. Es ist jedes Mal aufs Neue ein Highlight.

Kommentare:

Ahiku hat gesagt…

Awww...das Gasshuku *-*
Klang sehr toll...da hätt ich mich echt gern dazugebeamt X'D
Das mit dem kuchen ist ja auch voll süß ^^ Und es waren ja doch ganz schön viele dabei, die schon vorher mit da waren, cool...
>,< *knuddl*

Shu hat gesagt…

Hey, die Premiere gilt noch, ich betone mal wieder deinen fehler: Ich hab noch nie eine Flüssigkeit AUF EINEN PC geschüttet.

Nun dürfte das mal endgültig klargestellt sein... Ansonsten verschütt ich nämlich ständig was

Anonym hat gesagt…

Hey, hast du die Höhlen nun auch mal gesehen, toll, nicht?
Die Bilder vom Hotel sind wirklich gut und wie ich she hattet ihr wieder viel Spaß, mau, ich wär gerne dabei gewesen...
Grüße
das Me-Chan