Donnerstag, 1. Januar 2009

Silvester (und Purikura)

Genauso wie Weihnachten unterscheidet sich auch das japanische Silvester/Neujahrsfest sehr von unserem. Ganz grob kann man sagen: So, wie bei uns Weihnachten gefeiert wird, feiert man in Japan Neujahr und umgekehrt.
Bei meiner Gastfamilie ging es heute daher auch sehr familiär und relativ traditionell zu. Genau genommen fingen die ganzen Vorbereitungen schon vor Wochen an. Es ist z.B. üblich, Neujahrskarten zu verschicken an alle Freunde, Verwandte, Kollegen (auch ehemalige), die man so kennt. Bei meiner Gastmutter sind das jährlich um die 200, meint sie, und ungefähr dieselbe Menge bekommt die Familie auch jedes Jahr. Schreiben und abschicken kann man die schon ein Weilchen vorher. Man wirft die Karten in ein spezielles Fach im Briefkasten und dann werden sie pünktlich im neuen Jahr von den Postbeamten verteilt. Weil das immer so viele sind, werden dafür von der Post auch viele Nebenjobs angeboten.
Ein bis zwei Wochen vor Neujahr geht es dann los mit dem Großputz. Das ganze Haus wird auf Vordermann gebracht, der letzte Krümel Dreck auch aus der hintersten Ecke entfernt und hier und da neue Glückssymbole angebracht. Im japanischen Zimmer wurde z.B. ein neues Strohseil über dem Schrank aufgehangen und im Eingangsbereich neue Blumen aufgestellt, u.a. rote Tulpen, denn Rot ist eine glückbringende Farbe und muss zum neuen Jahr auf jeden Fall erscheinen. Andernorts habe ich auch rote Nelken gesehen.
Spezielles Neujahrsessen gibt es ebenfalls, dessen Vorbereitung teilweise schon eine knappe Woche vor Silvester anfängt. Dazu gehört z.B. ein süßer Nachtisch aus gestampften Süßkartoffeln (Esskastanien sind auch drin). Das gab es heute aber noch nicht, also vermute ich mal, dass es, genau wie Neujahrs-Mocchi, morgen erst serviert wird.
Nun aber zum eigentlichen Silvestertag: Selbst ich habe mich, ganz nach japanischer Manier, dazu hinreißen lassen, mal mein Zimmer in Ordnung zu bringen. Also mal RICHTIG sauber machen, nicht nur das Zeug von A nach B schieben und in irgendeiner Ecke stapeln, wie es sonst der Fall ist. Nach knapp zwei Stunden war ich damit dann auch durch ^^u. Meine Gastmutter hat in der Zwischenzeit das Abendessen vorbereitet - es gab Sukiyaki, Orangengelee in halben Orangenschalen, lustiges Fleisch, das wie Kuchen aussah, im Anschluss noch Erdbeeren und richtigen Kuchen, wahlweise Mandarine und Senbe (japanisches Reisgebäck, meist salzig) - und den Tisch gedeckt. Gegen 18:00 Uhr kam die Schwester meines Gastvaters sowie deren Sohn, Ehefrau und ihre zwei Töchter vorbei, mit denen wir gemeinsam gegessen haben. Yoichiro, Rieko und Shotaro waren leider nicht da, denn Rieko ist mit Shotaro vor ein paar Tagen zu ihren Eltern gefahren (ich glaube, das hatte ich anfangs falsch beschrieben: Yoichiro ist der Sohn meiner Gasteltern und Rieko seine Frau. Ich hatte das anfangs anders herum verstanden, als ich ihnen vorgestellt worden war...) und dort plötzlich krank geworden. Der Beschreibung nach erinnert es mich an Magen-Darm-Grippe. Yoichiro ist heute Vormittag daher mit zu ihr gefahren und so haben sie Silvester bei Riekos Eltern verbracht. Ansonsten wären sie heute auch dabei gewesen, denn an sich ist es üblich, dass die Schwiegertochter mit bei den Eltern des Sohnes feiert. Aber genügend Leute waren wir allemal.
Das Essen selbst hat natürlich lange gedauert, es wurde nebenbei viel erzählt und gelacht, meist ziemlich bunt durcheinander und oft über Freunde und Verwandte, die ich nicht kenne, sodass ich nur die Hälfte richtig verstanden hab, aber alles in allem war es ein schöner Abend. Ich war nur etwas erstaunt, dass die Gäste sich gegen 22:00 Uhr bereits auf den Heimweg gemacht haben. Auf bleiben bis Mitternacht und dann gemeinsam anstoßen ist hier nicht üblich. Man wünscht sich einen guten Rutsch ("yoi o-toshi wo mukae kudasai"; "Bitte begrüße das neue Jahr"), wenn die Gäste kommen, und ein gesundes neues Jahr ("akemashite omedetou gozaimasu"; ungefähr: "Herzlichen Glückwunsch zum neuen Jahr"), wenn man sich am 1., 2. oder 3.1. das nächste Mal sieht. Das japanische Neujahr dauert genau genommen die ersten drei Tage, wobei der 1.1. der wichtigste Tag ist, der 2. ist auch noch recht besonders, aber am 3. hat sich eigentlich soweit schon wieder alles normalisiert. Innerhalb dieser drei Tage findet auch "Hatsumoude" statt, der erste Tempel- oder Schreinbesuch des Jahres. Meine Gastfamilie hat das für den 2.1. geplant.
Der Großteil der Silvesterfeier war jedenfalls gegen 22:00 Uhr bereits vorbei, danach war praktisch "frei" bis Mitternacht, als noch ein paar Neujahrs-Soba gegessen wurden. Soba sind lange Buchweizennudeln und symbolisieren zu Neujahr ein langes Leben und Gesundheit. Neujahrs-Soba werden kalt und ohne Suppe serviert, sondern liegen auf einer Art Bambus-Korb, wo man sich mit den Stäbchen immer ein paar wegnimmt und sie in eine Soße mit Wasabi und Lauch tunkt und dann isst. Als ich wegen der Soba noch mal nach unten gegangen bin, waren wir allerdings bereits nur noch zu zweit, denn mein Gastvater ist inzwischen auch schlafen gegangen. So genau scheint man es mit diesem Brauch also nicht mehr zu nehmen. Ich hoffe nur, meine Gastmutter ist nicht extra wegen mir noch länger auf geblieben und hat die Nudeln gekocht und mit mir zusammen gegessen...
So viel zu meinem Silvester. War auf jeden Fall vielversprechender als Weihnachten und hat sich wirklich gelohnt! Tut mir Leid, dass ich von den Gerichten mal wieder keine Fotos habe. Es erschien mir unangebracht, zu Silvester am vollen Tisch zu fragen, ob ich noch schnell das Essen fotografieren kann. Aber wer sich genauer dafür interessiert, der wird bei Google sicher fündig.

Ich wünsche allen Freunden und Verwandten in der Heimat ein gesundes neues Jahr 2009!


Ein paar Bilder habe ich dann allerdings doch noch. Nicht von Silvester, aber von Purikura, den Automaten-Bildchen, von denen ich immer mal erzähle. Neulich hat mir eine Freundin die praktische Funktion gezeigt, mit der man sich ein Bild aussuchen und aufs Handy schicken lassen kann, sodass ich einige der winzigen Bildchen jetzt auch in relativ guter Qualität auf dem PC speichern kann.

Fumi (links), Yurie (rechts) und ich. Yurie ist übrigens besagte Freundin, die mir das mit dem Handy gezeigt hat.

Noch mal wir drei. Die Bilder können immer zwei Leute bearbeiten und so können am Ende auch zwei sich jeweils eins aussuchen. Natürlich wird anschließend untereinander getauscht.

Brandon (Malaysia, Freund aus dem Japanisch-Kurs), Katrin und ich. Brandons erste Reaktion zu den Fotos: "Ich seh ja aus wie ein Mädchen!" Und irgendwie hat er sogar recht *lach*.

Selbe Personen wie drüber. Über die Schleife hat Brandon sich natürlich sehr gefreut ;).

Kommentare:

Ahiku hat gesagt…

Frohes Neues, Nancy ^^ Wie ich gedacht hab XD Silvester is vom Status her wie weihnachten... ^^ Aber war sicher sehr interessant und so.
Die Purikura sind schön geworden ^^*knuddl* Aber ich dachte erst, Brandon ist ein Mädchen XD

Franziska hat gesagt…

*lach* Also vor allem im letzten Bild sieht er ja so was von wien Mädchen aus! XD

Zephyr hat gesagt…

Über die Schleife hat er sich auch unheimlich gefreut ^^.
Nyo, wir ziehen ihn auch alle gern mit Sprüchen solcher Art auf XD.