Freitag, 2. Januar 2009

Neujahrsfest

Wie bereits erwähnt dauert das japanische Neujahr ja drei Tage. Für mich war heute der schönste Tag von diesen dreien, doch fangen wir besser am Anfang an.

Das neue Jahr ging bereits gut los: Das erste, was nach dem Aufstehen seinen Weg in meinen Magen gefunden hat, war ein Schluck Sake. Neujahrs-Sake, mit dem man auf das neue Jahr anstößt. Dazu gab es dann traditionell japanisches Neujahrs-Frühstück. Unter anderem die gelbe Süßkartoffel-Paste mit den Esskastanien, die ich vorher schon einmal kurz erwähnt hatte. Außerdem irgendwas gelbes Süßes, weißes Süßes, rosa Süßes und noch etwas gelbes Süßes, was wie gerolltes Ei aussah. War es wohl aber nicht so ganz, wie ich das verstanden hab... Und dazu leicht gesüßte Bohnen. Das war eigentlich ganz lecker. Schön leicht, gut bekömmlich am Morgen (bzw. am Mittag, aber es war trotzdem direkt nach dem Aufstehen). Das alles war in einer schwarz lackierten Schachtel sehr hübsch angerichtet und jeder hat sich ein bisschen was weggenommen. Daneben gab es noch eine zweite solche Schachtel, in der die säuerlichen Sachen bzw. das Gemüse lagen, z.B. Algen-Röllchen, Shiitake-Pilze, eingelegtes Kraut, Lotuswurzel, sowie die Fleisch-"Kuchen" und das Orangen-Gelee vom Vortag noch einmal. Außerdem hatte jeder am Rand der ebenso schwarzen Essplatte einige Stücken Fischrogen liegen, von einem speziellen Fisch, der inzwischen ziemlich selten und daher wohl auch ganz schön teuer geworden ist. Aber zu Neujahr isst man die Rogen von diesem Fisch, weil sie reichen Kindersegen bringen sollen. Das nicht-süße Essen war etwas schwieriger zu bewältigen als das süße, aber verglichen mit den Rogen war das trotzdem kein Problem. Das fing dann erst mit dem Rogen selbst an. Und ich bin noch so clever und steck mir gleich das erste Stück ganz in dem Mund (alá "Wird schon schmecken. Ich kenne Fischeier ja inzwischen, so schlimm sind die nicht"). Tja, weit gefehlt. Das Zeug war SO seltsam, evtl. auch wegen der braunen Soße, in die es wohl vorher etwas eingelegt worden war, dass ich wirklich damit zu kämpfen hatte, das drinnen zu behalten und runterzuschlucken. Und nix da zum Nachhelfen außer dem Schluck Sake. Und selbst diesem Schluck hab ich nicht ganz vertraut, dass mein Kopf da mitmachen würde, wenn ich den mit einem Mal hinterkippe (abgesehen davon, dass das unappetitlich aussieht). Hilfe... Also wenn ich euch eins mit auf den Weg geben kann: Bevor ihr den Neujahrs-Rogen esst, kostet erst mal eine klitzekleine Ecke, um zu sehen, ob ihr das überhaupt packt! Ich habe es zwar auch überlebt, aber die schönste Erfahrung war es nicht.
Im Anschluss (bzw. irgendwann mittendrin während des Essens wurde sie serviert) gab es noch eine kleine Schale Suppe mit Spinat (?), Rettich (?) und - Neujahrsmocchi. Ich war etwas erstaunt, dass man die Neujahrsmocchi in der Suppe ist, denn bisher kenne ich Mocchi bloß als Süßigkeit, rund, mit Bohnenpaste drin. Das in der Suppe war allerdings nur der zähe, klebrige Mocchi-Teig, ohne Bohnenpaste, in viereckiger Form. Danke an dieser Stelle an Anne für ihre Sorge um meinen Gastvater. Du kannst beruhigt sein, er hat sein Neujahrs-Mocchi problemlos überstanden =). Das ist leider nicht ganz selbstverständlich, denn durch diese zähe Konsistenz, die vor allem alte Leute irgendwann nicht mehr richtig abbeißen können, ersticken jedes Jahr ein paar Japaner an ihren Neujahrs-Mocchi.

Am Nachmittag sind Yoichiro, Rieko und Shotaro zurück gekommen, Rieko ging es inzwischen zum Glück schon ein ganzes Stück besser. Abends haben wir noch einmal Sukiyaki gegessen, teilweise etwas gegrillten Fisch und noch ein bisschen was von den Gerichten in den Lackkästen vom Frühstück. Wer wollte, konnte sich auch noch was von dem Rogen nehmen, aber diesmal war es zur Selbstbedienung freigegeben und ich habe lieber Abstand davon genommen...

Heute, 2.1. Der Plan des Tages lautete "Hatsumoude", das ist der erste Schrein- oder Tempelbesuch im neuen Jahr, bei dem man die Kami (japanische Naturgottheiten) um ein erfolgreiches neues Jahr bittet. Hatsumoude muss nicht unbedingt am 1.1. stattfinden, man hat damit Zeit bis zum 3.1., aber in der Nacht direkt nach Silvester ist es an den Tempeln und Schreinen natürlich am vollsten. Meine Gastmutter und ich haben beim Neujahrssoba-Essen Bilder Nachrichten geguckt und dort wurden Ausschnitte vom Beginn des neuen Jahres bei verschiedenen wichtigen Tempeln und Schreinen im ganzen Land gezeigt. Und es war sowas von voll überall... Franzi hat sich mit ihren Freunden aus dem Wohnheim ja auch kurz nach Mitternacht raus gewagt und meinte, sie war erst gegen 4:00 Uhr wieder zurück, so voll war es dort (bei welchem Tempel/Schrein warst du eigentlich?). Und obwohl jetzt schon ein wenig Zeit vergangen ist, war es heute am Kandamyoujin, dem Schrein, zu dem meine Gastfamilie und ich gegangen sind, immer noch brechend voll.


Jetzt stellt sich wahrscheinlich die Frage, was ich so toll an dem Schreinbesuch fand, wenn es sich bei den vielen Menschen doch eigentlich eher stressig anhört. Nun, ich durfte dafür einen Kimono tragen ^^. Einen RICHTIGEN Kimono, nicht Yukata (=das, was ich mir im Februar hier gekauft habe, leichter Baumwollstoff, zum Tragen in der warmen Jahreszeig). Also einen aus Seide, mit sehr breitem Obi (Gürtel), Unterkimono, noch mehr Unterkleidung, endlos vielen Schnüren zum Zubinden etc. Das alles anzuziehen war wirklich schwer, wie ich feststellen musste. Da der Kimono der Schwägerin meiner Gastmutter gehörte, die diesen vor ihrer Hochzeit gern getragen hat, sind wir zu ihr rüber gefahren und dort wurde ich von den beiden Damen eingekleidet. Und habe nebenbei hier und da noch was festgehalten, damit es besser ging. Ich glaube, so etwas allein anzuziehen, ist beinah unmöglich. Aber als wir fertig waren, sah es absolut genial aus. Hat mich auf dem Bild oben eigentlich schon jemand gefunden =)? Kleiner Tipp: Ich bin ganz weit vorn.
Der Kimono und der Obi waren wirklich sowas von schön! Auf den Bildern, die ich bis jetzt habe (größtenteils die von Yoichiro) kommt es längst nicht so toll rüber, wie es eigentlich war. Der Stoff hat so wunderbar geglänzt, das sah einfach nur toll aus. Ich hab mich wahnsinnig darüber gefreut und ihn den ganzen Tag über mit ziemlichem Stolz getragen *lach*. Sogar die Japaner haben einen öfters mal ganz direkt angeschaut und gemustert, was ja ein sehr seltenes Phänomen ist. Muss wohl wirklich sehr eindrucksvoll gewesen sein. Leider Gottes hat meine Kamera nach den ersten zwei Bildern den Geist aufgegeben T_T. Und die beiden sind nicht so wirklich was geworden. Deshalb muss ich jetzt ersatzweise fremde Bilder sammeln ^^u. Ich denke, die von der Schwägerin meiner Gastmutter sind wohl am besten geworden, aber da kann ich frühestens morgen fragen, ob ich sie bekomme. Aber bei Yoichiro waren auch ein paar schöne dabei. Hier also noch eine kleine Auswahl, wo man den Kimono mal richtig sieht:

Leider noch nicht ganz drauf, aber hier sieht man die Schleife ein wenig. Ich glaube, die zu binden, hat am längsten gedauert. Hinter mir sind Rieko, meine Gastmutter und Shotaro.

Yoichiro erklärt mir gerade, was auf meinem "Omikuji", meinem Glückslos, drauf steht. Ich hab das "Ende der Glücksphase" gezogen, also immer noch relativ gut. Vor allem in Studium und Beruf sowie bei der Erfüllung meiner Wünsche (sofern sie möglich sind) hat mir das Los gute Chancen versprochen. Und in der Liebe. Da hieß es, sie zeigt sich zwar spät, aber sie kommt. Na mal sehen =). Reisen und Umzüge sind derzeit für mich wohl nicht so empfehlenswert. Heißt das, ich muss jetzt in Japan bleiben?

Und endlich mal die ganze Gastfamilie auf einen Blick (außer Yoichiro, der hat das Foto gemacht). V.l.n.r.: Rieko, meine Gastmutter, Shotaro, ich, mein Gastvater. Wer genau hinguckt, der sieht, dass ich einen weißen Pfeil in der Hand halte. Diesen Glückspfeil habe ich dort am Tempel gekauft. Jetzt liegt er über den Kleiderhaken. Mal gucken, ob ich noch eine bessere Alternative finde...

Kommentare:

Ahiku hat gesagt…

Ih, so ein Mochi hatte ich in meinen Udonnudeln o.o damals, als wir in diesem Family Restaurant waren mit Toshi und Rio... XD Hat iwie komisch geschmeckt XD
Shôtaro ist ja süß *-*
Und du siehst schick im Kimono aus o,ov *knuddl*

Heiko hat gesagt…

Hi Nancy, du siehst wirklich fantastisch in deinem Kimono aus. Wie verkraften eigentlich die einfachen Leute in Japan die Finanzkrise? Wird dort auch alles so zerredet wie hier, so dass man es gar nicht mehr hören kann? Oder sind die Japaner vielleicht optimistischer? Bei deinem Glückslos war wohl eher der Wunsch der Vater des Gedanken, dass du in Japan bleiben musst;-)
Ich wünsche dir jedenfalls alles Gute für deinen weiteren Weg.

Gruß Heiko