Donnerstag, 29. Januar 2009

Von Party zu Prüfung und wieder zurück

Der Titel soll bereits andeuten, warum ich schon wieder so lange für den Eintrag gebraucht habe. Nachdem die Uni wieder losgegangen ist, war ich vor allem mit Freunden viel unterwegs, diesmal allerdings nicht hauptsächlich mit Tina, Franzi und Katrin, sondern eher mit Katrin und einigen japanischen Freunden an der Uni :D. Das war echt klasse, denn so oft kommt man ja leider doch nicht dazu, mit ihnen was zu unternehmen. Eines schönen Donnerstags waren wir so z.B. mit Yurie (Japan, Freundin von der Einführungsveranstaltung der Uni im Oktober), ihrem Freund Chu und noch einem weiteren Freund (Shu), der im selben Zirkel ist wie die beiden, Eislaufen. Na gut, Yurie konnte da noch nicht mitkommen, denn sie ist jetzt im 3. Studienjahr und sehr beschäftigt mit Arbeitssuche. Geht auf viele Seminare und ähnliches. Hier in Japan ist das Pflicht, wenn man sein drittes Studienjahr beginnt, mit dem Ziel, dass man bis zum Ende des vierten und letzten Jahres einen Job sicher hat, mit dem man dann gleich anfangen kann.
Also waren Katrin und ich letztlich nur mit den Jungs Eislaufen (auch nett ;) ) und haben Yurie dann im Anschluss getroffen, als wir gemeinsam in den Yakitori-Shop essen gegangen sind, in dem Shu nebenbei arbeitet. War total lecker und echt lustig und am Ende ist es so spät geworden, dass wir gerade mal die vorletzte Bahn an diesem Abend erwischt haben. Sprich es war schon nach elf, als wir uns auf den Heimweg gemacht haben.

Am Freitag gleich darauf wurde es sogar noch ein Stück später, denn Linda, eine der Japanerinnen, die wie Franzi und ich letztes Jahr im Februar am Deutschcamp (Gasshuku) teilgenommen haben, hat uns uns zu einem Treffen mit den anderen Japanern vom Gasshuku eingeladen. Und es war so toll, die Leute nach fast einem Jahr wieder sehen zu können! Bei den Japaner hat sich inzwischen ja auch einiges getan. Tekkan (da gabs einige Bilder letztes Jahr im März) arbeitet ja seit April und macht mit seinem Anzug (er kam direkt von der Arbeit) jetzt natürlich einen ganz anderen Eindruck als damals. Und auch Yasu (ebenfalls auf ein paar Bildern im März dabei) hat bereits seinen Abschluss und kürzlich erst einen Job gefunden, irgendwas Richtung Stadtplanung, weshalb die anderen sogar noch einen kleinen Glückwunsch-Kuchen organisiert haben.
Hier ein paar Fotos von Franzis Kamera:

(Glückwünsche für Yasu (links), u.a. von Tekkan (rechts) )

(Nachdem nicht nur der Kuchen, sondern auch der Großteil der Schokosoßenschrift "Herzlichen Glückwunsch zur erfolgreichen Arbeitssuche" weg war, stand da nur noch "mimi mede". "mede" hat nicht wirklich einen Sinn, aber "mimi" heißt Ohr, daher auch Yasus Handbewegung)

Und ab der Woche danach ging es mehr oder minder direkt in die Prüfungen. Gut, die noch nicht direkt, aber es standen diesmal wieder einige größere Tests an, z.B. der Kanji-Test über die letzten 3 Lektionen (=55 Zeichen plus pi mal Daumen 4 Kombinationsmöglichkeiten pro Kanji, also massig Arbeit), eine kurze Rede zu einem von 13 im Unterricht vorgegebenen Themen sowie ein Aufsatz in Form von Rakugo (traditionell japanische Comedy). Nebst den ganzen kleinen Tests, die ja sowieso immer stattfinden.
Diese Woche war dann Prüfungswoche. Dienstag ging es gleich in die Vollen mit Kanji (alle 6 Lektionen seit der Zwischenprüfung, also 121 Kanji plus ca. 4 Kombinationen pro Zeichen) und japanischer Geschichte. Und vor allem Geschichte hat diesmal doch sehr viel Arbeit gemacht. Ich hab das Lesen unserer Basislektüre diesmal ziemlich vernachlässigt und hab daher schon eine Woche vorher angefangen, die fehlenden 120 Seiten nachzuarbeiten. Insgesamt war es auch nicht so gut wie die Zwischenprüfung, denke ich, aber reichen wird es auf alle Fälle. Kanji hingegen lief gut.
Mittwoch war dann Grammatik. Hab mir vorher die Hälfte der neuen Grammatik im Buch noch mal angesehen und das ging dann auch ganz gut. Problematisch waren in der Prüfung dann die Partikel, weil die Lehrer sich da zum Teil echt blöde Beispielsätze ausgedacht haben, und einige Kanji. Wörterbuch durften wir ja nicht benutzen und Fragen bezüglich der Schriftzeichen wurden auch vom Lehrer nicht beantwortet. Schön. Na ja, wenigstens war der Lesetext (wir sind erst halb umgefallen, als wir gesehen haben, dass er eine ganze Seite lang ist) nicht so schwer wie der von der Zwischenprüfung.
Heute standen Hörverstehen, Aufsatz und mündliche Prüfung auf dem Programm. Ging eigentlich alles relativ gut. Wörterbücher waren beim Aufsatz mal wieder tabu, aber dafür waren die Lehrer so gnädig und haben drei Themen zur Auswahl gestellt, von denen wohl jeder das letzte bearbeitet hat, weil einem da spontan einfach das Meiste eingefallen ist.
Katrin und ich sind nach dem Mittagessen dann erst mal los Richtung Harajuku und haben ein bisschen eingekauft. Ich habe jetzt auch endlich die ersten Mitbringsel für zu Hause zusammen sowie eine neue Tasche für mich gefunden, sodass ich nicht überall meinen riesigen Rucksack mitnehmen muss, wenn ich mal mehr als mein Portemonnaie und das Wörterbuch dabei hab =).
Heute Nacht wird das Überstehen des Semesters erst mal gefeiert mit einer Runde All-Night-Karaoke :D. Das geht von Mitternacht bis 5:00 Uhr morgens. Die meisten haben das inzwischen ein oder mehrmals gemacht, für mich ist es das erste Mal. Bin gespannt, ob ich durchhalte. Wenn ich müde bin, schlafe ich ja bekanntlich überall, und sei es im Karaoke-kan...
Aber ich denke, die Stimmung wird ziemlich gut werden. So wie ich das mitbekommen habe, müssten wir um die zehn Leute sein nachher. Neuerdings wird unser Freundeskreis innerhalb der Austauschstudenten immer größer. Auch beim Mittagessen merkt man das jetzt öfters. Wir brauchen inzwischen eine ganze Tischreihe für uns (=ca. 10 Plätze) für uns, wenn alle hinpassen wollen. Nur findet man selten so viel Platz auf einem Haufen, weil nach dem Unterricht natürlich fast alle Studenten essen gehen. Gestern haben wir dann einfach mal von woanders Stühle geklaut und sind noch ein Stück näher zusammen gerückt, da haben dann noch zwei weitere hingepasst. Auch wenn es am Ende sehr chaotisch war *lach*.

Freitag, 2. Januar 2009

Neujahrsfest

Wie bereits erwähnt dauert das japanische Neujahr ja drei Tage. Für mich war heute der schönste Tag von diesen dreien, doch fangen wir besser am Anfang an.

Das neue Jahr ging bereits gut los: Das erste, was nach dem Aufstehen seinen Weg in meinen Magen gefunden hat, war ein Schluck Sake. Neujahrs-Sake, mit dem man auf das neue Jahr anstößt. Dazu gab es dann traditionell japanisches Neujahrs-Frühstück. Unter anderem die gelbe Süßkartoffel-Paste mit den Esskastanien, die ich vorher schon einmal kurz erwähnt hatte. Außerdem irgendwas gelbes Süßes, weißes Süßes, rosa Süßes und noch etwas gelbes Süßes, was wie gerolltes Ei aussah. War es wohl aber nicht so ganz, wie ich das verstanden hab... Und dazu leicht gesüßte Bohnen. Das war eigentlich ganz lecker. Schön leicht, gut bekömmlich am Morgen (bzw. am Mittag, aber es war trotzdem direkt nach dem Aufstehen). Das alles war in einer schwarz lackierten Schachtel sehr hübsch angerichtet und jeder hat sich ein bisschen was weggenommen. Daneben gab es noch eine zweite solche Schachtel, in der die säuerlichen Sachen bzw. das Gemüse lagen, z.B. Algen-Röllchen, Shiitake-Pilze, eingelegtes Kraut, Lotuswurzel, sowie die Fleisch-"Kuchen" und das Orangen-Gelee vom Vortag noch einmal. Außerdem hatte jeder am Rand der ebenso schwarzen Essplatte einige Stücken Fischrogen liegen, von einem speziellen Fisch, der inzwischen ziemlich selten und daher wohl auch ganz schön teuer geworden ist. Aber zu Neujahr isst man die Rogen von diesem Fisch, weil sie reichen Kindersegen bringen sollen. Das nicht-süße Essen war etwas schwieriger zu bewältigen als das süße, aber verglichen mit den Rogen war das trotzdem kein Problem. Das fing dann erst mit dem Rogen selbst an. Und ich bin noch so clever und steck mir gleich das erste Stück ganz in dem Mund (alá "Wird schon schmecken. Ich kenne Fischeier ja inzwischen, so schlimm sind die nicht"). Tja, weit gefehlt. Das Zeug war SO seltsam, evtl. auch wegen der braunen Soße, in die es wohl vorher etwas eingelegt worden war, dass ich wirklich damit zu kämpfen hatte, das drinnen zu behalten und runterzuschlucken. Und nix da zum Nachhelfen außer dem Schluck Sake. Und selbst diesem Schluck hab ich nicht ganz vertraut, dass mein Kopf da mitmachen würde, wenn ich den mit einem Mal hinterkippe (abgesehen davon, dass das unappetitlich aussieht). Hilfe... Also wenn ich euch eins mit auf den Weg geben kann: Bevor ihr den Neujahrs-Rogen esst, kostet erst mal eine klitzekleine Ecke, um zu sehen, ob ihr das überhaupt packt! Ich habe es zwar auch überlebt, aber die schönste Erfahrung war es nicht.
Im Anschluss (bzw. irgendwann mittendrin während des Essens wurde sie serviert) gab es noch eine kleine Schale Suppe mit Spinat (?), Rettich (?) und - Neujahrsmocchi. Ich war etwas erstaunt, dass man die Neujahrsmocchi in der Suppe ist, denn bisher kenne ich Mocchi bloß als Süßigkeit, rund, mit Bohnenpaste drin. Das in der Suppe war allerdings nur der zähe, klebrige Mocchi-Teig, ohne Bohnenpaste, in viereckiger Form. Danke an dieser Stelle an Anne für ihre Sorge um meinen Gastvater. Du kannst beruhigt sein, er hat sein Neujahrs-Mocchi problemlos überstanden =). Das ist leider nicht ganz selbstverständlich, denn durch diese zähe Konsistenz, die vor allem alte Leute irgendwann nicht mehr richtig abbeißen können, ersticken jedes Jahr ein paar Japaner an ihren Neujahrs-Mocchi.

Am Nachmittag sind Yoichiro, Rieko und Shotaro zurück gekommen, Rieko ging es inzwischen zum Glück schon ein ganzes Stück besser. Abends haben wir noch einmal Sukiyaki gegessen, teilweise etwas gegrillten Fisch und noch ein bisschen was von den Gerichten in den Lackkästen vom Frühstück. Wer wollte, konnte sich auch noch was von dem Rogen nehmen, aber diesmal war es zur Selbstbedienung freigegeben und ich habe lieber Abstand davon genommen...

Heute, 2.1. Der Plan des Tages lautete "Hatsumoude", das ist der erste Schrein- oder Tempelbesuch im neuen Jahr, bei dem man die Kami (japanische Naturgottheiten) um ein erfolgreiches neues Jahr bittet. Hatsumoude muss nicht unbedingt am 1.1. stattfinden, man hat damit Zeit bis zum 3.1., aber in der Nacht direkt nach Silvester ist es an den Tempeln und Schreinen natürlich am vollsten. Meine Gastmutter und ich haben beim Neujahrssoba-Essen Bilder Nachrichten geguckt und dort wurden Ausschnitte vom Beginn des neuen Jahres bei verschiedenen wichtigen Tempeln und Schreinen im ganzen Land gezeigt. Und es war sowas von voll überall... Franzi hat sich mit ihren Freunden aus dem Wohnheim ja auch kurz nach Mitternacht raus gewagt und meinte, sie war erst gegen 4:00 Uhr wieder zurück, so voll war es dort (bei welchem Tempel/Schrein warst du eigentlich?). Und obwohl jetzt schon ein wenig Zeit vergangen ist, war es heute am Kandamyoujin, dem Schrein, zu dem meine Gastfamilie und ich gegangen sind, immer noch brechend voll.


Jetzt stellt sich wahrscheinlich die Frage, was ich so toll an dem Schreinbesuch fand, wenn es sich bei den vielen Menschen doch eigentlich eher stressig anhört. Nun, ich durfte dafür einen Kimono tragen ^^. Einen RICHTIGEN Kimono, nicht Yukata (=das, was ich mir im Februar hier gekauft habe, leichter Baumwollstoff, zum Tragen in der warmen Jahreszeig). Also einen aus Seide, mit sehr breitem Obi (Gürtel), Unterkimono, noch mehr Unterkleidung, endlos vielen Schnüren zum Zubinden etc. Das alles anzuziehen war wirklich schwer, wie ich feststellen musste. Da der Kimono der Schwägerin meiner Gastmutter gehörte, die diesen vor ihrer Hochzeit gern getragen hat, sind wir zu ihr rüber gefahren und dort wurde ich von den beiden Damen eingekleidet. Und habe nebenbei hier und da noch was festgehalten, damit es besser ging. Ich glaube, so etwas allein anzuziehen, ist beinah unmöglich. Aber als wir fertig waren, sah es absolut genial aus. Hat mich auf dem Bild oben eigentlich schon jemand gefunden =)? Kleiner Tipp: Ich bin ganz weit vorn.
Der Kimono und der Obi waren wirklich sowas von schön! Auf den Bildern, die ich bis jetzt habe (größtenteils die von Yoichiro) kommt es längst nicht so toll rüber, wie es eigentlich war. Der Stoff hat so wunderbar geglänzt, das sah einfach nur toll aus. Ich hab mich wahnsinnig darüber gefreut und ihn den ganzen Tag über mit ziemlichem Stolz getragen *lach*. Sogar die Japaner haben einen öfters mal ganz direkt angeschaut und gemustert, was ja ein sehr seltenes Phänomen ist. Muss wohl wirklich sehr eindrucksvoll gewesen sein. Leider Gottes hat meine Kamera nach den ersten zwei Bildern den Geist aufgegeben T_T. Und die beiden sind nicht so wirklich was geworden. Deshalb muss ich jetzt ersatzweise fremde Bilder sammeln ^^u. Ich denke, die von der Schwägerin meiner Gastmutter sind wohl am besten geworden, aber da kann ich frühestens morgen fragen, ob ich sie bekomme. Aber bei Yoichiro waren auch ein paar schöne dabei. Hier also noch eine kleine Auswahl, wo man den Kimono mal richtig sieht:

Leider noch nicht ganz drauf, aber hier sieht man die Schleife ein wenig. Ich glaube, die zu binden, hat am längsten gedauert. Hinter mir sind Rieko, meine Gastmutter und Shotaro.

Yoichiro erklärt mir gerade, was auf meinem "Omikuji", meinem Glückslos, drauf steht. Ich hab das "Ende der Glücksphase" gezogen, also immer noch relativ gut. Vor allem in Studium und Beruf sowie bei der Erfüllung meiner Wünsche (sofern sie möglich sind) hat mir das Los gute Chancen versprochen. Und in der Liebe. Da hieß es, sie zeigt sich zwar spät, aber sie kommt. Na mal sehen =). Reisen und Umzüge sind derzeit für mich wohl nicht so empfehlenswert. Heißt das, ich muss jetzt in Japan bleiben?

Und endlich mal die ganze Gastfamilie auf einen Blick (außer Yoichiro, der hat das Foto gemacht). V.l.n.r.: Rieko, meine Gastmutter, Shotaro, ich, mein Gastvater. Wer genau hinguckt, der sieht, dass ich einen weißen Pfeil in der Hand halte. Diesen Glückspfeil habe ich dort am Tempel gekauft. Jetzt liegt er über den Kleiderhaken. Mal gucken, ob ich noch eine bessere Alternative finde...

Donnerstag, 1. Januar 2009

Silvester (und Purikura)

Genauso wie Weihnachten unterscheidet sich auch das japanische Silvester/Neujahrsfest sehr von unserem. Ganz grob kann man sagen: So, wie bei uns Weihnachten gefeiert wird, feiert man in Japan Neujahr und umgekehrt.
Bei meiner Gastfamilie ging es heute daher auch sehr familiär und relativ traditionell zu. Genau genommen fingen die ganzen Vorbereitungen schon vor Wochen an. Es ist z.B. üblich, Neujahrskarten zu verschicken an alle Freunde, Verwandte, Kollegen (auch ehemalige), die man so kennt. Bei meiner Gastmutter sind das jährlich um die 200, meint sie, und ungefähr dieselbe Menge bekommt die Familie auch jedes Jahr. Schreiben und abschicken kann man die schon ein Weilchen vorher. Man wirft die Karten in ein spezielles Fach im Briefkasten und dann werden sie pünktlich im neuen Jahr von den Postbeamten verteilt. Weil das immer so viele sind, werden dafür von der Post auch viele Nebenjobs angeboten.
Ein bis zwei Wochen vor Neujahr geht es dann los mit dem Großputz. Das ganze Haus wird auf Vordermann gebracht, der letzte Krümel Dreck auch aus der hintersten Ecke entfernt und hier und da neue Glückssymbole angebracht. Im japanischen Zimmer wurde z.B. ein neues Strohseil über dem Schrank aufgehangen und im Eingangsbereich neue Blumen aufgestellt, u.a. rote Tulpen, denn Rot ist eine glückbringende Farbe und muss zum neuen Jahr auf jeden Fall erscheinen. Andernorts habe ich auch rote Nelken gesehen.
Spezielles Neujahrsessen gibt es ebenfalls, dessen Vorbereitung teilweise schon eine knappe Woche vor Silvester anfängt. Dazu gehört z.B. ein süßer Nachtisch aus gestampften Süßkartoffeln (Esskastanien sind auch drin). Das gab es heute aber noch nicht, also vermute ich mal, dass es, genau wie Neujahrs-Mocchi, morgen erst serviert wird.
Nun aber zum eigentlichen Silvestertag: Selbst ich habe mich, ganz nach japanischer Manier, dazu hinreißen lassen, mal mein Zimmer in Ordnung zu bringen. Also mal RICHTIG sauber machen, nicht nur das Zeug von A nach B schieben und in irgendeiner Ecke stapeln, wie es sonst der Fall ist. Nach knapp zwei Stunden war ich damit dann auch durch ^^u. Meine Gastmutter hat in der Zwischenzeit das Abendessen vorbereitet - es gab Sukiyaki, Orangengelee in halben Orangenschalen, lustiges Fleisch, das wie Kuchen aussah, im Anschluss noch Erdbeeren und richtigen Kuchen, wahlweise Mandarine und Senbe (japanisches Reisgebäck, meist salzig) - und den Tisch gedeckt. Gegen 18:00 Uhr kam die Schwester meines Gastvaters sowie deren Sohn, Ehefrau und ihre zwei Töchter vorbei, mit denen wir gemeinsam gegessen haben. Yoichiro, Rieko und Shotaro waren leider nicht da, denn Rieko ist mit Shotaro vor ein paar Tagen zu ihren Eltern gefahren (ich glaube, das hatte ich anfangs falsch beschrieben: Yoichiro ist der Sohn meiner Gasteltern und Rieko seine Frau. Ich hatte das anfangs anders herum verstanden, als ich ihnen vorgestellt worden war...) und dort plötzlich krank geworden. Der Beschreibung nach erinnert es mich an Magen-Darm-Grippe. Yoichiro ist heute Vormittag daher mit zu ihr gefahren und so haben sie Silvester bei Riekos Eltern verbracht. Ansonsten wären sie heute auch dabei gewesen, denn an sich ist es üblich, dass die Schwiegertochter mit bei den Eltern des Sohnes feiert. Aber genügend Leute waren wir allemal.
Das Essen selbst hat natürlich lange gedauert, es wurde nebenbei viel erzählt und gelacht, meist ziemlich bunt durcheinander und oft über Freunde und Verwandte, die ich nicht kenne, sodass ich nur die Hälfte richtig verstanden hab, aber alles in allem war es ein schöner Abend. Ich war nur etwas erstaunt, dass die Gäste sich gegen 22:00 Uhr bereits auf den Heimweg gemacht haben. Auf bleiben bis Mitternacht und dann gemeinsam anstoßen ist hier nicht üblich. Man wünscht sich einen guten Rutsch ("yoi o-toshi wo mukae kudasai"; "Bitte begrüße das neue Jahr"), wenn die Gäste kommen, und ein gesundes neues Jahr ("akemashite omedetou gozaimasu"; ungefähr: "Herzlichen Glückwunsch zum neuen Jahr"), wenn man sich am 1., 2. oder 3.1. das nächste Mal sieht. Das japanische Neujahr dauert genau genommen die ersten drei Tage, wobei der 1.1. der wichtigste Tag ist, der 2. ist auch noch recht besonders, aber am 3. hat sich eigentlich soweit schon wieder alles normalisiert. Innerhalb dieser drei Tage findet auch "Hatsumoude" statt, der erste Tempel- oder Schreinbesuch des Jahres. Meine Gastfamilie hat das für den 2.1. geplant.
Der Großteil der Silvesterfeier war jedenfalls gegen 22:00 Uhr bereits vorbei, danach war praktisch "frei" bis Mitternacht, als noch ein paar Neujahrs-Soba gegessen wurden. Soba sind lange Buchweizennudeln und symbolisieren zu Neujahr ein langes Leben und Gesundheit. Neujahrs-Soba werden kalt und ohne Suppe serviert, sondern liegen auf einer Art Bambus-Korb, wo man sich mit den Stäbchen immer ein paar wegnimmt und sie in eine Soße mit Wasabi und Lauch tunkt und dann isst. Als ich wegen der Soba noch mal nach unten gegangen bin, waren wir allerdings bereits nur noch zu zweit, denn mein Gastvater ist inzwischen auch schlafen gegangen. So genau scheint man es mit diesem Brauch also nicht mehr zu nehmen. Ich hoffe nur, meine Gastmutter ist nicht extra wegen mir noch länger auf geblieben und hat die Nudeln gekocht und mit mir zusammen gegessen...
So viel zu meinem Silvester. War auf jeden Fall vielversprechender als Weihnachten und hat sich wirklich gelohnt! Tut mir Leid, dass ich von den Gerichten mal wieder keine Fotos habe. Es erschien mir unangebracht, zu Silvester am vollen Tisch zu fragen, ob ich noch schnell das Essen fotografieren kann. Aber wer sich genauer dafür interessiert, der wird bei Google sicher fündig.

Ich wünsche allen Freunden und Verwandten in der Heimat ein gesundes neues Jahr 2009!


Ein paar Bilder habe ich dann allerdings doch noch. Nicht von Silvester, aber von Purikura, den Automaten-Bildchen, von denen ich immer mal erzähle. Neulich hat mir eine Freundin die praktische Funktion gezeigt, mit der man sich ein Bild aussuchen und aufs Handy schicken lassen kann, sodass ich einige der winzigen Bildchen jetzt auch in relativ guter Qualität auf dem PC speichern kann.

Fumi (links), Yurie (rechts) und ich. Yurie ist übrigens besagte Freundin, die mir das mit dem Handy gezeigt hat.

Noch mal wir drei. Die Bilder können immer zwei Leute bearbeiten und so können am Ende auch zwei sich jeweils eins aussuchen. Natürlich wird anschließend untereinander getauscht.

Brandon (Malaysia, Freund aus dem Japanisch-Kurs), Katrin und ich. Brandons erste Reaktion zu den Fotos: "Ich seh ja aus wie ein Mädchen!" Und irgendwie hat er sogar recht *lach*.

Selbe Personen wie drüber. Über die Schleife hat Brandon sich natürlich sehr gefreut ;).