Montag, 8. Juni 2009

Sie lebt noch!

...aber berichtet wird trotzdem nicht. Ich komm einfach nicht dazu. Keine Ahnung, wie ich das fertig gebracht hab, aber im Moment kann ich wohl ohne Zögern sagen: Ich hab meine Zeit so geschickt verplant, da ist keine Stunde mehr zum Rumbummeln.
Zum einen weil der Arbeitsaufwand für die Uni ein ganzes Stück gestiegen ist.
Ich 'nen weiteren Zirkel besuche (weil ich mit der vielen neuen Arbeit nicht gerechnet hätte)
Zusätzlich ein paar Wochen erkältet war, nebenbei aber trotzdem nicht so viel verpassen wollte, also immer fleißig rumgetiegert bin
Jetzt am WE bei einem Symposium war.

Langsam stellt sich mein Körper sogar auf einen kürzeren Schlafrhythmus um. Bisher bin ich immer halb eingegangen, wenn ich durchgehend weniger als acht Stunden geschlafen hab. Derzeit liege ich bei etwas mehr als sieben im Schnitt und fange allmählich sogar an, damit zurecht zu kommen...

Also wenn sich was ergibt, kommt irgendwann auch mal wieder ein genauerer Eintrag, aber erwartet den bitte nicht allzu bald.
Jetzt sind Zwischenprüfungen.

Montag, 13. April 2009

Hanami - Rückblick

Den Anfang des Hanami habt ihr ja nun schon gesehen. Wer die Blogs der anderen in der letzten Woche gesehen hat, z.B. von Elisabeth, weiß auch schon, wie die Kirschblüte in ihrem vollen Umfang aussieht. Für die, die sich das noch nicht richtig vorstellen können, gibt es hier noch mal ein paar Bilder der Vollständigkeit halber.
Inzwischen sind die hübschen Blüten leider schon wieder alle weg (in Tokyo zumindest), aber von den Knospen bis hin zum Verblühen sind gut 2 Wochen vergangen, was lt. Japanern ziemlich lang war in diesem Jahr. Wir hatten viel Glück mit dem Wetter. Keine Regengüsse oder Stürme, die alles gleich wieder weggeweht haben.

(Dank für das Bild geht an meine Gastmutter. Ist extra mit mir nach dem Einkaufen noch bei der Allee vorbei gegangen. Auf diesen beiden Bildern übrigens in voller Blüte zu bewundern.)


(Kirschbäume in Okubo, einen Tag nachdem die ersten Blütenblätter zu fallen begonnen haben. Noch einen Tag später war echt nix mehr oben...)

(... Aber sämtliche Wege waren dann dafür voll von den Blütenblättern. Oder auch Teiche, so wie in diesem Bild: Auf dem Wasser schwimmende Blütenblätter bei Nacht.)

Demnächst wird es wieder einen langen Blog-Eintrag geben. Hab ja noch gar nicht erzählt, was ich die letzten zwei Wochen über so gemacht habe. Und da gabs einiges. Aber ich versuch, mich kurz zu fassen. An dieser Stelle mache ich aber erst einmal mit dem Hanami Schluss.

Sonntag, 29. März 2009

Kirschblüte

Zur Abwechslung mal etwas Kleines für zwischendurch, ohne große Worte, dafür aber mit Bildern.
In Tokyo beginnt jetzt nämlich so langsam die Zeit der Kirschblüte, wonach alle Japaner ja total verrückt sind. Aber wirklich verrückt. Man hört schon Wochen vorher in den Nachrichten - täglich natürlich - wie weit das Öffnen der Kirschblüte schon voran geschritten ist. Wo es wärmer ist (Kyushu), geht es schließlich auch eher los. Und nun blühen die Kirschen halt auch in Tokyo. So langsam zumindest. Das hat zur Folge, dass jetzt am Wochenende überall die Japaner schon in aller Herrgottsfrühe aufstehen, ihre Decke schnappen und damit auf 'ner Wiese zwischen den Kirschbäumen ein Fleckchen Platz für den Nachmittag reservieren, wenn dann der Rest der Gruppe kommt, und alle gemeinsam picknicken. Franzis Wohnheim z.B. will im Yoyogi-Park die Kirschen bestaunen und dafür muss der erste morgens die erste Bahn nehmen (so ca. 5:30 Uhr) und Plätze reservieren, wenn am Nachmittag der Rest kommt. Ich frag mich, ob der arme Kerl ausgelost wurde...

Jedenfalls - hier ein paar Bilder von den Kirschen bei mir in der Nähe :D!
(Ich hab auf dem Weg zum Training extra 'nen kleinen Umweg gemacht, um ein bisschen fotografieren zu können)

(Schildaufschrift: 38. Bunkyo (=Name des Bezirks) Kirschblüten-Fest)

(Das Klohäuschen ist natürlich besonders schick.)


Und das Ganze noch mal bei Nacht. Ja, nach dem Training bin ich noch mal dort vorbei gelaufen. Eigentlich in der Annahme, dass die Laternen, die da oben schon so schön geleuchtet haben, noch an sind und es bei richtiger Dunkelheit wohl noch besser wirken wird - aber denkste. Bei den Dingern geht wohl um zehn das Licht wieder aus T_T. Na wenigstens die Straßenbeleuchtung lassen sie nachts brennen. Da hatte ich wenigstens noch ein bisschen was Fotografierenswertes.

Donnerstag, 26. März 2009

Ferien & Volleyball-Gasshuku

Seit dem Eintrag vom Deutsch-Gasshuku ist schon wieder einiges an Zeit vergangen, aber vom Volleyball-Gasshuku, bei dem ich bis vor kurzem auch noch war, ist jetzt auch nicht so viel passiert jeden Tag.
Inzwischen habe ich mir aber auch angewöhnt, im Groben aufzuschreiben, was ich so gemacht habe, damit ich nicht immer die Hälfte vergesse. Daher hier jetzt mal eine ganz chronologische Schilderung der Ereignisse:

Am Freitag, 13.3., war ich zum ersten Mal bei einem Turnier meines Volleyball-Zirkels mit dabei. Ursprünglich hieß es, an dem Tag würde nur geübt, und dementsprechend aufgeregt war ich, als ich mehr oder minder vor Ort erfahren habe, dass das ein kleines Turnier wird. Ich bin ja nach wie vor noch ein ganzes Stück schlechter als der Rest des Teams, da die meisten schon wesentlich länger trainieren als ich, aber zum Glück war ich nur bei zwei Spielen im Einsatz (meine Position ist doppelt belegt, daher wechselt die Besetzung immer) und ich hab mich zumindest einigermaßen halten können. Puh.
Das Tolle an dem Tag: Ich hab extra für das Spiel auch ein Mannschafts-Trikot bekommen :D! Und die sehen sooooooo toll aus! Da habe ich mich echt gefreut, dass ich dann auch eins bekommen habe ^^.

(Trikot von hinten)

(Trikot von vorn)

Ich kann das Shirt auch erst mal behalten, war schließlich auch nicht das letzte Spiel, was bis zum Sommer noch ansteht. Aber ob ich es danach wieder abgeben muss, weiß ich noch nicht. Wahrscheinlich schon, immerhin habe ich es nicht gekauft.

Am Samstag, 14.3., war bis auf Ninjutsu-Training am Abend eigentlich nichts los, dafür war der Sonntag (15.3.) recht schön. Ich bin nach Yokohama gefahren und hab Franzi im Wohnheim besucht, weil ihr Laptop Probleme bereitet hat und wir gucken wollten, ob wir das irgendwie mit 'ner Formatierung in den Griff bekommen. An sich hätte Franzi das auch allein geschafft, allerdings ist ihre CD fürs Betriebssystem auf Russisch. Das kann ich zwar auch nicht wirklich, aber wenigstens kann ich die kyrillischen Buchstaben lesen. Zum Raussuchen der vielen unbekannten Wörter hab ich gleich noch meinen Laptop mitgebracht und bei ihr ans Internet angeschlossen und so haben wir es am Ende dann gemeinsam hinbekommen, das neue Betriebssystem draufzuspielen. Schade nur, dass die Probleme davon nicht weggegangen sind. Muss wirklich einen ziemlich gemeinen Hardware-Schaden haben, der Lappi. Er funktioniert zwar noch, aber irgendwie immer nur dann, wenn er grad Lust hat. Wobei Franzi inzwischen den ein oder anderen Trick gefunden hat, wie sich ein paar der Macken umgehen kann. Hoffentlich hält der Laptop noch bis zum Sommer. Hier einen neuen zu kaufen ist jedenfalls blöd, weil die ja mit japanischem Betriebssystem sind und da versteht man gleich mal gar nichts mehr.
Abends sind wir dann jedenfalls noch bei ihr in der Nähe im Kaiten-Sushi-Restaurant essen gewesen. Kaiten-Sushi ist das, wo man um eine Art Fließband drumrum sitzt und sich von diesem Band die Teller mit den gewünschten Sushi-Sorten runternimmt, die immer an den Gästen vorbeifahren. Je nach Tellerfarbe kostet das, was drauf ist, unterschiedlich viel, also gucken, was man sich da runter nimmt. Anhand der Teller, die man im Verlauf des Essens so sammelt, wird am Ende auch der Preis berechnet.

Am Montag, 16.3., hatte ich wieder Volleyball-Training, diesmal aber wirklich nur Training und kein Turnier. Jetzt, wo das Semester bald wieder losgeht, wird in den Zirkeln wieder intensiv geübt, vor allem weil man während der Unterrichtszeit ja nie einen ganzen Tag frei hat, um auch mal länger üben zu können. Ich hatte am selben Tag allerdings auch noch wegen meinem Nebenjob zu tun und musste eher weg. Das hab ich unserer Teamleiterin allerdings erst gegen Anfang des Trainings gesagt, wofür ich später 'ne ziemlich böse E-Mail bekommen hab >.< . Dass ich, auch wenn ich mit dem Nebenjob und ähnlichem sehr beschäftigt bin, besser aufpassen soll, zum Training und ähnlichem kommen zu können, weil ich Teil des Teams bin und die anderen dadurch auch von meiner Mitarbeit abhängig sind und ähnliches. Ich war ziemlich erstaunt, dass die Gruppenleiterin da so hart durchgegriffen hat. Klar, bei den anderen macht sie das mit Sicherheit genauso, sind ja schließlich Japaner und da ist die Gruppenzugehörigkeit wirklich enorm wichtig. Aber mit mir als einziger Ausländerin im Team hatte ich nach wie vor so ein bisschen das Gefühl, dass ich 'ne Art Sonderstellung hab, nicht nur dahingehend, dass sie mit mir nicht so streng sind, sondern eher, dass ich mehr Ersatz als vollwertiges Mitglied bin. Daher hat mich die Mail vor allem deshalb überrascht, dass ich doch so voll mit einbezogen werde. Und letztlich bin ich echt froh, wenn die anderen so denken. Muss dann halt in Zukunft nur besser aufpassen. Für den Abend hab ich mir dann endlich mal vorgenommen, ein bisschen Japanisch zu wiederholen, schließlich geht das neue Semester bald los, aber irgendwie kamen permanent E-Mails aufs Handy und ich war stundenlang nur am Zurückschreiben. Als ich dann irgendwann unverrichteter Dinge ins Bett gefallen bin, hab ich mich auch gefragt, seit wann die japanische Handy-Krankheit wohl auf mich abgefärbt hat. Normalerweise bin ich ja die letzte, die ihr Handy griffbereit hat und auf irgendeine Nachricht rechtzeitig reagiert. Ist schon komisch hier in Japan.

Dienstag, 17.3., war der letzte freie Tag vorm Gasshuku und Franzi und ich wollten uns noch mal mit ein paar von unseren Japanern treffen und Eislaufen gehen. Letztlich sind nur Kiyohiko (den wir seit letztem Winter kennen) und Ryuichi (vom Gasshuku) gekommen, aber es war auch so sehr lustig. In der Nähe von Takadanobaba, wo Tina wohnt, gibt es einen Eisring, wo man den ganzen Tag für 1300 Yen (9,85€) fahren kann, d.h. es lohnt sich, ein bisschen länger da zu bleiben. Schuhe noch mal 500 Yen (4,80€), geht eigentlich auch noch - für japanische Verhältnisse. Auch wenn ich diesmal ein bisschen Pech mit den Schuhen hatte und meine rechte Kufe schon total blank gelaufen war, dadurch bin ich dauernd weggerutscht. Wirklich viel mit schnell fahren war daher nicht.
Franzi, Ryu und Kiyo waren aber auch echt gut. Grad bei Kiyo war ich erstaunt. Er meinte, er war seit ca. 10 Jahren nicht mehr auf dem Eis. Dafür hat er sich verdammt schnell eingewöhnt!
Der Hunger hat uns im Anschluss nach Shinjuku in ein Okonomiyaki-Restaurant verschlagen. Nebst den üblichen Okonomiyaki gabs diesmal auch einmal Monja, das ist vom Inhalt her so ähnlich, aber mit viel Flüssigkeit, weshalb es auch etwas anders zubereitet wird. Aber lecker wars wieder =^-^= .
Eigentlich hätte ich an dem Tag mal eher ins Bett gehen sollen, weil ich wegen des Volleyball-Gasshukus am nächsten Tag eher raus musste, aber wie das immer so ist, wenn man mal mit Freunden weg ist, hat man natürlich keine Lust, nach Hause zu gehen. Hatten die anderen drei auch nicht. Also sind wir noch mal ein bisschen ins Karaoke gegangen *lach*. Ein wenig hatte ich dann schon ein schlechtes Gewissen, weil Kiyo eigentlich nicht gern ins Karaoke geht, aber ein bisschen was hat er für sich dann auch gefunden =).
Kiyo und Ryuichi kannten sich übrigens vorher noch gar nicht, Franzi und ich kennen sie ja von unterschiedlichen Gelegenheiten. Angesehen hat man das den beiden allerdings gar nicht, die haben sich schon nach den ersten fünf Minuten festgequatscht *lach*. Da waren Franzi und ich schon erleichtert. Wär nicht halb so lustig geworden, wenn die zwei nicht auf einen Nenner gekommen wären. Wobei keiner von beiden übermäßig schüchtern ist, daher war die Gefahr auch relativ gering.
Kiyo hat jetzt übrigens auch sein Studium beendet und wird Anfang April nach Hokkaido ziehen, wo er eine Art Betriebspraktikum für seine zukünftige Arbeit machen wird. Eine Gelegenheit für ein Treffen haben wir wahrscheinlich noch, aber dann sehen wir ihn so schnell erst mal nicht wieder T_____T.

Am Mittwoch, 18.3., blieb die erwartete Müdigkeit nach dem langen Vortag natürlich nicht aus, aber zumindest habe ich es ohne Umwege bis nach Mobara (Chiba-ken) geschafft, wo sich unser Volleyball-Zirkel getroffen hat. Dort hatten wir für die nächsten vier Nächte Reservierungen in einem Hotel, das sich scheinbar schon auf Gruppen wie die unseres Sport-Gasshukus spezialisiert hat. Gleich hinter dem Hotel gab es eine große Turnhalle, wo wir jeden Tag trainiert haben.

(2/3 der Turnhalle. Rechts daneben war noch ein Spielfeld)

(Pausen-Bereich der Mädels. Die Jungs waren auf der anderen Seite)


Und auch sonst gab es in einiger Entfernung weitere Sportplätze, z.B. für Tennis, wo andere Gruppen trainiert haben, die ebenfalls bei uns im Hotel waren. Die mit dem weitesten Anreiseweg kamen sogar aus Hokkaido!
Aber zurück zum Volleyball. Unser Alltag sah in etwa so aus:
Morgens halb acht zum Frühstück...okay, zehn vor halb für die Leute aus meinem Zimmer und mich. Die Zimmer wurden nach Studiendauer aufgeteilt, die älteren (2. Jahr) in ein Zimmer, die jüngeren (1. Jahr) in das andere. Da ich im Volleyball noch Anfänger bin, war ich mit bei den "Erstis" im Zimmer (obwohl ich eigentlich die älteste bin *lach*. Aber war lustig da drüben). Bei den Jungs war die Aufteilung genauso. Und Aufgabe der Erstis war es, vor dem Frühstück, Mittag- und Abendessen die Tische zu decken, also haben wir uns immer schon etwas eher los gemacht. Die älteren kamen dann mehr oder minder punkt halb acht und wenn der Zirkelleiter das Essen eingeleitet hat ("Itadakimasu!"), durften alle anfangen. Nach dem Essen hat er die Runde auch wieder beendet ("Gochisousama deshita") und die, die fertig waren, konnten gehen. Jedenfalls die im 2. Jahr. Die aus dem ersten haben wieder abgeräumt.
Das erste Training begann dann 9:00 Uhr und dauerte bis 11:30 Uhr, ab 12:00 Uhr gab es dann Mittagessen und Pause bis 14:00 Uhr. Anschließend kam die zweite Trainingseinheit bis ca. 17:30 Uhr (damit haben wir am Tag unserer Ankunft übrigens begonnen. Wir waren ja gegen 13:00 Uhr am Hotel, haben unsere Zimmer bezogen, Sportsachen angezogen und sind nach kurzer Pause schon rüber in die Turnhalle).
Abendessen gab es 18:00 Uhr und von 19:30 Uhr bis 21:30 Uhr war wieder Training. Zugegeben, am 3. und 4. Tag fiel das Training am Abend aus, da war dann einfach nur Freizeit bzw. Abschluss-Party angesagt, aber insgesamt hat es trotzdem ganz schön geschlaucht. Natürlich hat es auch Spaß gemacht, so viel Zeit mit den Leuten zu verbringen, und vor allem diesmal, als einzige Deutsche weit und breit, habe ich wirklich fünf Tage nur Japanisch gesprochen sodass ich nebst Volleyball auch ziemlich viel Japanisch geübt habe. Aber es war deutlich anstrengender als das Deutsch-Gasshuku. Und von der Atmosphäre wesentlich japanischer. Beim Deutsch-Gasshuku haben sich alle geduzt, sogar die Lehrer, da hat niemand aufs Alter geguckt, aber hier wurde, außer bei der Party und innerhalb der Mannschaften, wirklich streng unterschieden zwischen "Sempai" (den älteren) und "Kohai" (den jüngeren Studenten). Da merkt man dann die Überreste des traditionellen japanischen Denkens durch, die wichtigkeit hierarchischer Strukturen. Auch wenn das an der Uni bei weitem noch nicht so stark ausgeprägt ist wie z.B. später im Beruf.

(Das war übrigens unser Zimmer, im traditionell japanischem Stil, wo wir eigentlich nur zum Schlafen waren.)

(Und dementsprechend sah es da auch aus ;) )

(Drei meiner Zimmergenossinnen, v.l.n.r.: Anna (ja, so heißt sie wirklich!), Nanako, Natsumi. Es fehlen noch: Oneli und Paku)

Am Sonntag, 22.3., ging es bereits gegen 10:00 Uhr wieder zurück nach Hause. Ich hätte also kurz nach Mittag wieder in Myogadani sein können. Wenn ich mich nicht verfahren hätte.
Normalerweise hält an einem Gleis in Tokyo genau eine bestimmte Zuglinie in eine bestimmte Richtung. Hin und wieder hat man für dieselbe Strecke auch Schnell- oder Bummelzüge, da muss man dann gucken, welchen man erwischt bzw. braucht (nicht, dass der Schnellzug an deiner Haltestelle gar nicht hält). Jedenfalls wollte ich ab Chiba die Sobu-Line, rapid (also den Schnellzug) bis zum Tokyo-Bahnhof nehmen. Kurz auf die Tafel geguckt, stimmte, rein in den Zug, fertig. Was mir dabei entgangen ist: An diesem Gleis hielt ausnahmsweise nicht nur die Sobu-Line, Rapid (zwar auch, das hab ich ja vorher überprüft...), sondern auch die Sobu-Line, Local (=Bummelzug). Obwohl die Sobu-Line, Local auch noch mal von einem ganz anderen Gleis separat abgefahren ist, das hab ich ebenfalls zwischenzeitlich auf den Schildern gesehen. Allerdings muss die auf dem anderen Gleis ausgeschilderte Sobu-Line, Local wohl die gewesen sein, die nach Tokyo fährt. Der Rapid an meinem Gleis fuhr da zwar auch hin, aber zwischendrin fährt halt immer mal noch der Local in die genau entgegengesetzte Richtung. Ja, und das war das kleine, nicht ganz unbedeutende Detail, das ich übersehen hatte. Bis ich nach knapp 50 Minuten plötzlich am Naruto-Bahnhof irgendwo in der Pampa war und nicht am Tokyo-Bahnhof o_O . Und das war wirklich tiefstes Hinterland. Da fuhren auch nur 3, 4 Bahnen die Stunde, sodass ich gleich noch 'ne viertel Stunde warten musste, bis der Zug zurück fuhr (innerhalb Tokyos undenkbar. Da fahren die Bahnen mindestens alle 5 Minuten), wieder 50 Minuten rumgegondelt, bis ich nach zwei vollen Stunden wieder am Ausgangspunkt meiner Irrfahrt, dem Chiba-Bahnhof stand. Noch mal 20 Minuten gewartet und ENDLICH den richtigen Rapid-Zug nach Tokyo erwischt. Fast 3 Stunden später als geplant war ich dann auch zu Hause...

Daheim wurde ich dann übrigens nur von Buchi, der Hauskatze, begrüßt, und bis heute Abend sind wir noch zu zweit hier, dann kommt die Gastfamilie wieder. Es gab einige Angelegenheiten mit dem Familiengrab auf Okinawa, wo mein Gastvater ja herkommt, weswegen alles mit Kind und Kegel am 22. dort hingereist ist. Zum Glück bin ich im Verlauf des Tages ja wieder zurück gekommen, sodass Buchi auch nicht so lange allein war.

Am Montag, 23.3., habe ich endlich meine in Japan noch ausstehende Geburtstagsfeier nachgeholt und mich mit ein paar Freunden in Akasaka getroffen. Mit von der Partie war auch - lang, lang ist's her - der Toshi :D! (Da ist nur leider das Foto nicht so toll geworden...)

Sowie Waku (mit Franzi. Und Toshis Hand incl. Lutscher. Hab Brandon nachträglich zum Gebu noch welche aus Deutschland mitgebracht und er hat sie gleich 'ne Runde spendiert)

(Brandon, Sachiko)

(und natürlich Franzi, Katrin und Tina)

(Ja...geschenkt haben mir die Verrückten auch was. Die Mandel-Pralinen sind von Toshi, das Album (Remioromen - Best of) und der Anhänger an dem Nintendo DS-Lite (dazu gleich mehr) von Franzi, Katrin und Tina. Außerdem: einen Blumenstrauß von Sachiko und Brandon hat mich später zum Kaiten-Sushi eingeladen)

(Der süße Katzen-Anhänger noch mal in Nahaufnahme)

Ich hatte ursprünglich vor, mit allen in ein Café zu gehen und da einen gemütlichen Nachmittag zu verbringen, aber am Ende wurde es schon beim Treffen spannend. Die harmlosesten Mails von den meisten so kurz vor drei waren: "Tut mir Leid, ich komm ein bisschen später!" Am besten war aber Brandon, der meinte: "Wie, du feierst doch heute?" *lach* Ich frag mich, wie er auf die Idee gekommen ist. Ich hätte doch Bescheid gesagt, wenn es nicht geklappt hätte... Aber er hat sich dann auch gleich auf den Weg gemacht ;).
Alle anderen waren natürlich inzwischen da, also sind wir voraus gegangen. Brandon kannte den Ort ja, er hatte ihn mir ja empfohlen (mit ca. 8 Leuten irgendwo gemeinsam sitzen zu wollen ist sonst beinah unmöglich, deshalb hab ich ihn um Rat gebeten). Das Café hat sich dann allerdings eher als Nachtbar entpuppt und erst 19:00 Uhr geöffnet. Auf der Suche nach einem richtigen Café, das auch geöffnet UND Platz für uns alle hatte, sind wir dann irgendwann Brandon über den Weg gelaufen und gemeinsam in ein Eiscafé gegangen, wo wir kostenlos einen schief singenden Entertainer hatten, der ein Ständchen nach dem anderen gesungen hat und dauernd an unseren Tischen herumgeschlichen ist, aber ansonsten war es sehr gemütlich dort =).
Tina und Katrin sind im Anschluss dann schon gefahren, wurde eh schon dämmrig, Toshi musste auch los, der hatte noch Schlagzeug-Unterricht, der Rest von uns ist weiter nach Shibuya gefahren, wo wir uns nach ewiger Unentschlossenheit für Kaiten-Sushi entschieden haben und danach noch mal kurz für zwei Stunden ins Karaoke gegangen sind.

Am Dienstag, 24.3., hab ich Lars, einen Kommilitonen vom Japanisch-Kurs daheim, der von jetzt an ein Jahr in Japan studieren wird, ziemlich abenteuerlich vom Flughafen abgeholt. Abenteuerlich wurde es bereits beim Aufstehen, denn als ich das erste Mal die Augen aufgemacht hab, war es 9:20. Und gegen 9:30 hätte ich so langsam losfahren müssen, um pünktlich zu sein. Verdammt. Und am Wecker hat es nicht gelegen, der hat pünktlich geklingelt, als ich hätte aufstehen sollen. Allerdings hab ich vergessen, den Ruhe-Modus rauszunehmen, sodass der Hinweis zum Aufstehen stumm an mir vorbei gezogen ist. Aber ich habe es zum Glück in Rekordzeit, ohne Frühstück allerdings, mit nur leichter Verspätung zum Bahnhof geschafft und demnach auch in Ueno die Keisei-Line noch erwischt, die mich bis zum Flughafen gebracht hat. Dort an den Kontrollen gabs gleich den nächsten Schreck: Passkontrolle. Und deiner liegt zu Hause im Schrank (ich schlepp so ein wichtiges Dokument schließlich nicht den lieben langen Tag mit mir herum). Aber auch mit meiner Ausländerregistrierung bin ich problemlos durch gekommen. Drei Kreuze. Und als ich dann die Anzeigetafeln gesehen hab, hab ich gemerkt, dass das Verschlafen absolut kein Problem gewesen wäre. Lars Flug wurde um fast 1 1/2 Stunden verschoben. Genauso wie ein Großteil aller anderen Flüge. Einige sind sogar gecancelt worden. Da war was los! Also noch eine Stunde Zeit totgeschlagen und gewartet, aber wenigstens gab es mal Sitzplätze. An Bahnhöfen z.B. sucht man die manchmal vergeblich.
Lars habe ich dann auch gleich gefunden und er meinte, da ist gestern Nacht eine Frachtmaschine leicht verunglückt und hat damit für Chaos gesorgt.
Wir haben gleich eine PASMO-Karte für ihn besorgt, damit er bequem Bahn fahren kann, und sind wieder zurück nach Tokyo, bis zum Asakusabashi-Bahnhof, wo irgendwo sein Hostel sein sollte. Das war allerdings so gut versteckt, das wir es allein letztlich doch nicht gefunden hatten. Und die Japaner in der Nähe kannten das alle nicht. Wir hatten aber Glück im Unglück und sind irgendwann auf Matt (Kanada) gestoßen, der am Vormittag desselben Tages angereist ist und ebenfalls in das Hostel wollte. Und er hatte es bereits gefunden und konnte uns dann den Weg zeigen. Das eigentliche Einchecken ging aber erst 16:00 Uhr los, also in einer halben Stunde, deshalb sind wir noch mal ein bisschen in der Gegend rumgelaufen und haben was gegessen. Endlich Frühstück! Ich war am Verhungern...
Beim Check-in gab es noch mal ein Problem, irgendwie muss mit der Reservierung etwas durcheinander gekommen sein, sodass für Lars am Wochenende wohl kein Zimmer mehr frei ist. Aber falls er dann echt raus muss, finden wir schon was für die letzten zwei Tage. Danach ist er ebenfalls in einer Gastfamilie und kann sich erst mal einleben.
Nun zum DS Lite, der auf dem Bild weiter oben schon mit drauf war. Den habe ich mir im Anschluss an Lars' Einchecken dann endlich geholt :D. Bin mit ihm zusammen noch mal nach Akihabara rüber, das liegt auf dem Weg, er hat gleich ein bisschen was von einer von Tokyos wichtigsten Vierteln gesehen und ich habe im Book-Off eben den DS für 12.000 Yen (ca. 90 €) bekommen ^^. Incl. Zelda - Phantom Hourglass. Obwohl es viel Text hat (klar, Zelda-Reihe eben. Sind halt Rollenspiele), lässt es sich gut lesen und hilft gleich noch etwas beim Lernen, denn die Kanji, die in den Dialogen vorkommen, kann man mit einem Stift berühren, um die Lesung zu sehen. Und das lässt sich im Online-Wörterbuch dann sehr schnell nachschlagen, sodass man nebenbei wirklich noch was lernen kann. Davon mal abgesehen ist es von der Story her bisher auch sehr interessant. Aber besonders weit bin ich noch nicht.

Gestern (Mittwoch, 25.3.), hatte Linda, eine Freundin, die Franzi und ich schon vom Deutsch-Gasshuku letzten Jahres kennen, ihre Uni-Abschlussfeier. Generell ist jetzt gegen Ende März die Zeit, wo die ganzen Absolventen ihren Abschluss erhalten und ab April dann mit arbeiten beginnen. Oder in Lindas Fall mit einem Auslands-Studium in Frankreich für voraussichtlich vier Jahre. Hiromi, eine andere Freundin vom Gasshuku, hatte jetzt im März auch ihre Abschlussfeier und sie ist kurz darauf nach Deutschland aufgebrochen, zwei Jahre Master-Studium in Jena. Leider konnten wir ihr an dem Tag nicht persönlich gratulieren, aber wenigstens zu Lindas Abschluss haben Franzi und ich es geschafft, uns noch mal kurz mit ihr zu treffen.
Zu Lindas Namen vielleicht: Sie heißt eigentlich Makiko Hayashida, aber ihr Nachname (Hayashida) kann auch "rinda" gelesen werden, deshalb hat sie so einen deutsch klingenden Spitznamen.

(Diese traditionelle Kleidung ist ein Hakama und wird heutzutage oft bei den Uni-Abschlussfeiern von Frauen getragen, weil er an die frühere Uniform der Studentinnen angelehnt ist)

(Franzi, Linda, ich)

(Und noch mal eine ganze Reihe Absolventinnen aus Lindas Jahrgang. War wirklich ein toller Anblick!)

Im Anschluss haben Franzi und ich spontan beschlossen, dass sie den Rest des Tages bei mir verbringt und wir ein bissschen zusammen lernen (und vorher noch einkaufen, damit wir abends was zu essen hatten). Und wir haben sogar einiges geschafft. Franzi hat gut die Hälfte meines Grammatik-Buchs, mit dem ich für die japanische Sprachprüfung lerne, halb überflogen, halb durchgearbeitet und ich hab ca. 70 alte Kanji im Buch wiederholt, wo ich zum Teil immer noch die ein oder andere Lesung nicht kannte. Gegen 20:30 Uhr gab es Yaki-Soba (gebratene Soba-Nudeln) zum Abendessen und anschließend sind wir noch mal los, Brot kaufen, was ich vorher vergessen hatte. Es war nämlich nichts mehr zum Toasten für den nächsten Morgen im Haus.
Nachts haben wir uns noch einen Ghibli-Film, Kurenai no Buta (dt. Titel: "Porco Rosso") angesehen. Gegen 11 sind wir dann heute endlich aufgestanden, haben gefrühstückt und gegen 12:30 Uhr hab ich Franzi dann zum Bahnhof gebracht.

Hm...ich nehme es mir zwar jedes Mal vor und schaffe es am Ende doch bloß wieder nicht, aber ich versuch, beim nächsten Mal eher zu schreiben, damit der Eintrag nicht wieder so lang wird ^^.

Donnerstag, 12. März 2009

Deutsch Gasshuku in Toi

Lang, lang ist's her, aber jetzt gibt es endlich einen neuen Eintrag bei mir. Gibt ja auch genug zu erzählen.
Das, was ich im Februar noch so gemacht habe, will ich jetzt nur noch kurz anschneiden, denn sonst werd ich nie fertig mit schreiben. Das im Titel erwähnte Event war ereignisreich genug.
Samstag, 7. Februar bis Sonntag, 8. Februar waren Katrin und ich zu einem internationalen Seminar in Saitama. Der "SIS - Students International Seminar"-Zirkel bei uns an der Uni hat das organisiert und uns beide eingeladen, doch auch mitzukommen (eigentlich sind wir keine Zirkelmitglieder). Dass es dort echt lustig war, brauch ich sicher nicht extra zu erwähnen. Wenn Japaner irgendwas auf die Beine stellen, dann wird es IMMER genial. Bei sowas sind sie verdammt fleißig. Falls der ein oder andere jetzt doch noch Genaueres über das Seminar wissen möchte und zufällig Facebook benutzt, dann sucht dort einfach mal nach meinen Profil und guckt euch die zugehörige Bildergalerie an. Generell habe ich bei Facebook viel mehr Fotos über Japan hochgeladen als hier oder sonstwo, das lohnt sich also.

Kurz nach dem Seminar bin ich ja erst einmal für gut zwei Wochen nach Deutschland zurück geflogen, hab Familie und Freunde besucht, meinen Geburtstag zur Abwechslung mal wieder in Deutschland gefeiert (die zweite Feier hier in Japan steht noch aus) und bin wiederum öfters mit einigen Japanern unterwegs gewesen, Keio-Studenten, die über unseren Uni-Austausch wohl gerade wieder für ca. einen Monat nach Halle fahren durften.
Am 4.3., so gegen 10:20 Uhr, habe ich dann wieder japanischen Boden betreten. Der Jetlag hat sich von den letzten beiden Malen, an denen ich hierher gekommen bin, wieder ziemlich unterschieden. Nach meinem allerersten Flug habe ich bis auf die normale Erschöpfung am ersten Tag gar nichts gemerkt. Beim zweiten Mal bin ich so ziemlich eine Woche lang nachts immer putzmunter, tagsüber dafür dann hundemüde gewesen. Diesmal haben sich diese Phasen so ca. alle zwei, drei Stunden abgewechselt. Im Zug vom Bahnhof nach Ueno bin ich richtig fest eingeschlafen und erst wieder wach geworden, als mich ein Japaner netterweise an der Endhaltestelle geweckt hat. Gut, dass ich nicht eher raus musste o_o.
Drei Meter gelaufen und schon war ich wieder putzmunter. Bis meine Gastmutter und ich uns am Bahnhof gefunden haben, verging zwar noch mal eine Stunde, aber letztlich kam ich von dort dann auch ganz bequem nach Hause. Anschließend angefangen mit auspacken, gleich weiter zur Uni und meine Unterschrift fürs monatliche Stipendium abgegeben. Wieder zu Hause hat mich die Müdigkeit dann erneut gepackt und trotz krampfhafter wachbleib-Versuche bin ich irgendwann dann doch mit dem Kopf auf der Tischplatte aufgewacht. Schnell ein Stück weiter nach links, direkt ins Bett gefallen, bis zum Abendbrot wieder geschlafen. Dann plötzlich wieder putzmunter und ab ca. halb zehn dann doch wieder müde. Und früh um sieben konnte ich dann gar nicht mehr schlafen.
Der nächste Tag war dann schon konstanter, zum Glück. Ich hatte mir auch da wieder einiges vorgenommen. Zuallererst ging es wieder nach Ueno, wo ich Katrin, Franzi und deren Freundin Yael (aus ihrem Wohnheim) getroffen hab und gemeinsam mit ihnen in die Fukuzawa Yukichi-Ausstellung gegangen bin. Er war der Begründer der Keio-Universität, an der Franzi studiert, ist auf dem 10.000 Yen-Schein abgebildet und auch sonst ein sehr wichtiger Mensch der Meiji-Zeit (ab 1868).
Nach der Ausstellung ging es noch kurz essen und es ist mir zum ersten Mal, seit ich Franzi und Katrin kenne, passiert, dass nicht ich ihre Reste, sondern sie meine Reste aufessen durften. Obwohl ich vorher eigentlich auch Hunger hatte. Das war wirklich mal was Neues...
Anschließend ging jeder wieder seines Weges, meiner führte mich noch nach Yokohama, wo ich meinen Kimono abholen konnte, den ich dort im Februar gekauft hatte :D. Der Obi ist ja schon zu Hause, aber den Kimono selbst konnte ich noch nicht mitnehmen, weil der Unterkimono, den ich gleich dazu gekauft habe, etwas zu lange Ärmel hatte und die Verkäuferin des Ladens ihn erst noch umnähen lassen hat. Ja, und jetzt ist er halt fertig ^^.

Und dann war es auch schon soweit, Freitag, 6. März, das Deutsch-Gasshuku in Toi, eine Stadt auf der Halbinsel Izu, fing an :D! Letztes Jahr waren Anne, Mechthild, Franzi und ich ja schon einmal dort und wir fanden damals schon, dass es das beste Eregnis des damaligen Kurzaufenthaltes war. Deshalb hab ich diesmal auch alle Hebel in Bewegung gesetzt, wieder mitfahren zu können. Und Franzi dazu breitgeschlagen, dass sie auch wieder mitkommt (zum Glück hat sie kurzfristig noch 'nen Nebenjob gefunden, sonst wäre es nicht gegangen...).
Hiromi und ich haben uns in Shinagawa getroffen, zusammen mit einer weiteren Japanerin und eigentlich - rein theoretisch - auch mit Waku. Aber der hat Hiromi zehn Minuten vor Abfahrt unseres Zuges geschrieben, dass er verschlafen hat und grad erst aufgestanden ist... Na ja, immerhin war er letztes Jahr schon dabei und fand sich zur Not auch allein wieder nach Toi und wir sind zu dritt los. In Yokohama stiegen dann die diesjährigen Kurzstipendiaten, Shu (Kristin, aber so nennt sie praktisch keiner), Nami (eigentlich Sandra), Annika und Erik sowie Franzi und ein Teil der Japaner zu uns, allerdings in einem ganz anderen Abteil, sodass die Gruppe erst durch den halben Zug gelaufen ist und gut eine Haltestelle später bei uns war. Bis Mishima, unserem letzten Halt mit dem Zug, ging es problemlos weiter. Anschließend wurde in den Bus umgestiegen. Und irgendwann fiel dann auf, dass es der falsche Bus war. Und wir nach ca. der Hälfte der Busfahrt eigentlich woanders hätten umsteigen müssen. Oh. Und es goss in Strömen. Und war kalt. Und mein Schirm kaputt. Und der nächste Bus fuhr erst in einer halben Stunde. Unser aller Rettung war ein kleiner Souvenirshop direkt an der Bushaltestelle, dessen Besitzer uns für die Dauer unserer Wartezeit Unterkunft gewährte. Hiromi, die ja hauptsächlich für die Planung verantwortlich war, hatte ein total schlechtes Gewissen und allen eine Runde Manjuu (kleine kuchenartige Bällchen mit Füllung, diesmal Pudding) ausgegeben. Superlecker! Und was soll's, sowas passiert halt =).

(Shu, die sich in die zwei Kätzchen aus dem Souvenirshop verliebt hat)

(Ein Teil der Souvenire aus dem Shop. War alles superniedlich!)

Nachdem wir mit dem richtigen Bus und einiger Verspätung dann am Zielort, dem Ryokan (ein traditionell japanisches Gasthaus) in Toi, angekommen sind, hatte es zumindest erst mal aufgehört mit regnen. Und wir waren so ziemlich die letzten, die angekommen sind. Sogar Waku war vor uns da! Und noch ein ganzer Haufen Japaner. Die meisten kannten wir mal wieder nicht, aber über ein paar bekannte Gesichter haben wir uns wieder freuen können. Nebst Waku und Hiromi waren das noch Linda, Aki, Yasu und Kaisei. Und Ryuichi, den wir aber nicht vom letzten Gasshuku, sondern von dem Treffen der Gasshuku-Leute im Januar kannten.

(Eingangsbereich des Ryokans)

(Sitzecke, auf der anderen Seite des Eingangsbereichs (man stelle sich das Bild da oben gleich links hier daneben vor))

(obere Etage: Flur mit den Tatami-Zimmern zum Schlafen)

(Aufenthaltsraum unten: Hier wurde gegessen, am zweiten Tag "Unterricht" abgehalten, an den Gruppenarbeiten getüftelt, die später auch hier aufgenommen wurden und natürlich die allabendlichen Partys abgehalten ;) )
(Mal gucken, ob jemand Bilder von den Onsen-Bädern dort im Ryokan gemacht hat. Ich wollte meine Kamera nicht in die feuchten Bäder nehmen...)

Nach unserer Ankunft kam wieder die obligatorische Begrüßung, diesmal von Tatsuya und Akira (letztere eine Lehrerin von der Reitaku-Uni), denn Susanne war diesmal nicht mit dabei. Anschließend ein paar Kennenlern-Spiele, u.a. wieder die Namenskette: Der Erste fing an mit: Ich bin [Name] und ich mag [Hobby]. Der nächste macht weiter, stellt sich genauso vor und wiederholt dann, was sein Vordermann gesagt hat, der übernächste wiederholt dann alle beide Vordermänner usw. Der letzte tat mir Leid, der dann Name und Hobby von knapp 30 Leuten aufzählen durfte... ^^
Nach dem Essen wurden dann Gruppen bekannt gegeben, d.h die Japaner wurden zuerst je nach Sprachniveau in "Anfänger", "Grundstufe", "Mittelstufe" und "Oberstufe" eingeteilt, damit sie wussten, wer wann wo morgen Unterricht mit uns Deutschen hat. Zum anderen wurden die Gruppen für die Rollenspiele bekannt gegeben. Wie letztes Jahr kam in jede Gruppe ein Muttersprachler und ansonsten war das Sprachniveau der Japaner sehr gemischt, sodass für jeden was dabei war. Bis ca. 21:00 Uhr haben sich dann alle jeweils zusammengesetzt und überlegt, wie sie ihr Rollenspiel gestalten wollten. Großes Thema war diesjahr "tsûjiru", was ungefähr sowas heißt wie "verstanden werden/verstehen lassen". Zwei Gruppen waren bis dahin noch unvollständig, unter anderem meine. Die fehlenden Mitglieder kamen gegen 22:00 Uhr erst, weil sie bereits arbeiten gehen und sich daher nicht einfach so fünf Tage frei nehmen können. Besagte Teilnehmer waren Tekkan und Shuhei, auch vom letzten Jahr. Für Franzi und mich war es die Nachricht des Tages, dass die zwei es ebenfalls geschafft haben, wieder mitzukommen. Tekkan dann also mit in meine Gruppe, Shuhei bei Franzi.
Ab halb zehn waren die meisten mit ihrer These für das Rollenspiel und den ersten groben Ideen soweit durch, man ging nach und nach ins Onsen, kam im Schlafzeug wieder und gesellte sich zur Party, die inzwischen angefangen hatte. Getränke und Knabberzeug hatten einige Leute kurz vor dem Abendessen noch eingekauft. Shu hatte an diesem Abend wohl eine Premiere: Sie meinte, ihr ist es vorher noch nie passiert, dass sie ein Glas/Flasche/Dose Alkohol verschüttet hat. Nun, bis zum Ende des Gasshukus sollte ihr das dann noch zweimal passieren. Die letzte Nacht war aber generell lang. Die Leute haben es bis zu zwölf umgekippten Getränken gebracht! Und zwischendurch gingen bei uns in der Ecke die Tücher zum Auftitschen aus, da sind sie aber geflogen, um irgendwo noch was zu finden, um das Zeug wieder aus den Tatami-Matten rauszukriegen.

(Sämtliche Arbeitsmaterialien wurden so langsam beseitigt und dafür Flaschen, Dosen und Tüten herausgeholt)

(... Dann konnte die eigentliche Feier beginnen)

(Drei bekannte Gesichter: Ryuichi, Yasu, Aki (v.l.n.r.))

(Mitbringsel von Tekkan und Shuhei: Geburtstagskuchen :D! Und da ich zu denjenigen gehörte, deren Geburtstag im Februar/März ist, durfte ich mit Kerzen auspusten und fleißig naschen. ... Na ja, gegessen hat letztlich jeder, der wollte. Sowas isst man schließlich nicht allein!)

(Ryu hat, genau wie Aki, seine Gitarre mitgebracht, was sich als ziemlicher Erfolg erwiesen hat. Die Gitarren sind jeden Abend stundenlang durch alle möglichen Hände gewandert)

Geschlafen wurde wie immer wenig, erst am Samstag, 7. März, ging es gegen 3 Uhr früh ins Bett. Und gegen halb sieben klingelten die ersten Wecker (obwohl niemand vor halb acht aufgestanden ist. Ich frag mich, wofür das gut war o_o). 8 Uhr dann Frühstück, das im Großen und Ganzen so aussah wie das Abendbrot vom Vortag, also Reis, Fisch, Sashimi (rohe Tunfisch-Streifen), Miso-Suppe,... Ach, halt das alles, was man auf dem Bild so sieht. Und Reis. Der steht hier noch nicht mit dabei.


Nach dem Frühstück war dann der "Deutsch-Unterricht" dran. Franzi und ich waren eine Lehrer-Gruppe, dann Shu und Nami sowie Annika und Erik. Wir waren zuerst mit der Grundstufe dran und haben mit denen ein paar Fragespiele nach Name, Alter, Uni, Familie, Hobbies und sowas gemacht. Alle Fragen schön auf Kärtchen aufgeschrieben, das ging ganz gut. Dann ein paar Runden "Ich packe meinen Koffer" mit z.B. Lieblingsfarben oder Hobbies und zum Schluss eine Hörübung, wo Franzi und ich abwechselnd Wörter vorgelesen haben und die Japaner Unterschiede wie "r" oder "l" oder "u/ü/i" hören mussten. So genaue Lautunterschiede gibt es im Japanischen nicht, daher fällt das Deutschlernenden sehr schwer.
In der Mittelstufe haben wir allerdings festgestellt, dass wir die mit solchen Aufgaben unterfordert haben. Na ja, eigentlich hat die Hälfte der Mittelstufe auch in die Oberstufe gehört. Tekkan spricht sehr gut Deutsch, Linda ebenfalls (war auch schon ein Jahr in Deutschland) und auch Yasu ist nicht übel. Da mussten Franzi und ich spontan etwas improvisieren, sonst hätte das gar keinen Lerneffekt gehabt. So sind wir zufällig auf einige alte Plakate vom letzten Jahr gestoßen, wo Bilder gezeichnet, dann weitergegeben und von der nächsten Gruppe mit Worten beschrieben wurden. Dann klappte man das Bild um und anhand der Beschreibung hat die nächste Gruppe ein neues Bild gemalt usw. War sehr lustig, wie sehr sich die Bilder dann am Ende unterschieden haben. Jedenfalls... Das haben wir letztes Jahr ebenfalls gemacht und zwei der Bilder waren dort auch von Anne. In Momenten wie solchen ist es dann wieder unheimlich schade, dass sie diesmal nicht dabei sein konnte...
Arbeiten mit der Oberstufe war dann wieder sehr lustig. Zuerst einmal haben wir Linda und Tekkan mit nach oben geschleift, weil es da sonst einfach zu langweilig geworden wäre. Da waren ja sonst nur Hiromi, Ryu und Waku.
Geplant war z.B. für den Anfang ein bisschen "Wer bin ich?" sowie danach noch eine ganze Reihe weiterer Sachen, da Franzi befürchtet hat, dass das alles zu schnell rum geht. Letztlich hat eine einzige "Wer bin ich?"-Runde aber schon drei viertel der gesamten Unterrichtszeit gebraucht. Hier die Auflösung, wer wen erraten durfte:

(Ryuichi: der Tenno)

(Linda: Brat Pitt)

(Franzi: Kobukuro)

(Tekkan: Pikachu)

(Hiromi: Angela Merkel)

(ich: Der Anpan-man. Dumm nur, dass ich das Ding überhaupt nicht kenne o_O)

(zum Schluss hat Tekkan alle Kärtchen bekommen ;) )

Nach dem Unterricht gabs Mittagessen, dann weiterarbeiten am Rollenspiel, Abendbrot und ein wenig Pause. Anschließend hatten die Lehrer (Tatsuya und Akira) einige Spiele für uns vorbereitet. Bis das anfing, waren die meisten bereits vom Onsen zurück und saßen wieder im Schlafzeug da bzw. standen alle im Kreis und sangen deutsche Volkslieder. "Heut kommt der Hans zu mir, freut sich die Lies'", "Wenn du glücklich bist, dann klatsche in die Hand", "Die Instrumente des Orchesters" (oder so ähnlich). Danach haben wir uns in Dreiergruppen aufgeteilt und uns in Reihen aufgesetzt, jeweils mit einem Deutschen am Anfang und am Ende, und stille Post gespielt. Aber was Tatsuya sich da auch ausgedacht hat! Ein Satz war "Rudi und Robert hören Rock im Radio". Ja, und jetzt lass das mal sieben Japaner nachsagen, die zwischen den beiden Deutschen sitzen *lach*. Es war echt zum Brüllen, was da jedes Mal am Ende rausgekommen ist.
Für den Rest des Abends war dann wieder "freie Beschäftigung" mit Getränken, Knabberei und Spielen angesagt. Und Gitarre natürlich.
Ich glaube, das war auch der Abend, ab dem Franzi sich so langsam der allgemeinen Hustenwelle angeschlossen hat und ihre Stimme sich für den Rest des Gasshukus frei genommen hat. Sie ist auch jetzt, zwei Tage nach Ende des Gasshuku, immer noch auf Urlaub und Franzi wartet verzweifelt darauf, dass sie sich mal zurück bemüht. Allerdings hat sie Krächzen und Flüstern auch nie vom fleißigen Reden abgehalten. Gut, was will man auch machen, wenn man in geselliger Runde unterwegs ist bzw. vormittags miteinander arbeiten muss...?

Sonntag, 8. März. Man war mal wieder erst nach um drei im Bett und ungefähr halb acht wieder draußen. Aber zwei Tage hält man sowas ja noch problemlos durch. Bis auf Ryuichi, ich glaub, der ist an diesem Tag bereits zu spät zum Frühstück erschienen und durfte dann allein essen, nachdem alle anderen schon wieder weg waren. Das hat er übrigens auch für den Rest des Gasshuku so beibehalten.
Diesmal wurde gleich am Vormittag an dem Rollenspiel gearbeitet. Diesmal ging es schon ans Dialoge-Schreiben. Nachmittags gab es einen Ausflug nach... Dogashima. Das ist ein Inselchen ein Stück weit abseits von Toi, wo man mit der Fähre ein Stück herumschippern kann, lustige Felsen in Tiergestalt aus dem Wasser ragen und in eine Felsenhöhle hineinfahren kann, bei der sich das Licht unglaublich schön im Wasser spiegelt, wenn das Wetter mitmacht und die Uhrzeit stimmt. Mit dem Wetter hatten wir an dem Tag Glück. Nicht nur der Regen blieb fern, wir haben sogar die Sonne mal zu Gesicht bekommen! Das kam diesjahr ja leider nicht allzu oft vor. Und die Kirschblüte war auch schon vorbei, die wir im Vorjahr so schön bestaunen können, nur so nebenbei.
Auf jeden Fall tolles Wetter und die Fahrt mit der Fähre hat wirklich Spaß gemacht. Im Anschluss haben wir an dem Eisstand dort auf der Insel noch Avokado-Eis gegessen, das ist wohl Tradition beim Gasshuku und wird jedes Jahr nach der Fähre-Fahrt gemacht, dann eine Runde Felsen-Klettern an dem Sandsteinfelsen, der einen Teil der Insel eingenommen hat und zum Schluss ein Stück weiter gefahren, zum Lovers Point. Dort gehen die ganzen Verliebten hin, um sich vor dem Meer ihre Liebe und Treue zu schwören oder das passende Gegenstück zu finden. Mit dem Meer und allem ist es sehr schön dort. Vor allem auch, wenn gerade die Kamelien blühen. Der gesamte Weg bis zu diesem Aussichtspunkt ist mit Kameliensträucher gesäumt! Leider waren auch diese in diesem Jahr zu schnell für uns und wir haben nur noch hier und da verblühte Reste bestaunen können.

(das türkisblaue Meer und die dazugehörigen Tierfelsen. Oben in Nashorn gestalt, hier unten - zusammen mit Aki - ein Elefant. Der Elefant ist so ziemlich der bekannteste dieser Felsen)

(Dann die tolle Höhle. Ohne Worte.)

(Das obligatorische Eisessen danach. Die Avokadostange, die in dem Eis noch mit drin steckte, war bei der Allgemeinheit recht unbeliebt, weil sie so bitter war, aber mit ein bissl Eis dazu fand ich sie eigentlich ganz lecker.)
(anschließendes Bergsteigen)

(... Und die Ankunft am Gipfel.)

(Und zu guter Letzt sind wir den Pärchen am Lovers Point auf die Nerven gegangen. Man kann sich sicher gut vorstellen, dass mit dieser Truppe nicht mehr viel "liebliche Atmosphäre" übrig geblieben ist. Na ja, ist ja bloß einmal im Jahr.)


Als wir wieder im Ryokan waren, war es auch schon relativ spät, wir haben schnell noch für den Abend eingekauft, Abendbrot gegessen, die Texte fürs Rollenspiel noch mal abgeschrieben bzw. abgetippt und den Abend gemütlich ausklingen lassen.

Montag, 9. März. Der Aufenthalt neigte sich so langsam dem Ende zu. Bereits vormittags, direkt nach dem Frühstück, hat sich die ganze Gruppe versammelt, um gemeinsam mit dem Einstudieren anzufangen. Da meine Gruppe "Gruppe A" war, waren wir auch mit der Generalprobe unten vor der Kamera und dann später mit der Aufführung als erste dran, demnach mussten wir uns echt ranhalten.
Ja, worum ging es nun bei unserem Rollenspiel? Zwei ausländische Studenten werden am Flughafen von zwei Japanern abgeholt und von einer zum Mittagessen eingeladen. Anhand verschiedener kleiner Gesten und Redewendungen sieht man schon, wie unterschiedlich die Kulturen sind, z.B. beim Gastgeschenke-Verteilen: Deutsche: "Hier ist ein Geschenk für euch. Wir haben lange überlegt, was wir euch mitbringen könnten." Japaner: "Hier ist ein Geschenk für euch. Es ist aber nichts Besonderes." Ebenfalls beim Essen: Die Japaner finden die Lakritze der Deutschen total eklig, sagen das aber nicht. Der Deutsche findet das Natto total eklig und spuckt es unter Husten und würgen aus (sollte ja auch lustig werden ;) ). So häufen sich die Missverständnisse, die Deutschen denken am Ende, es war total lustig und hat allen Spaß gemacht und die Japaner sind insgeheim froh, dass die "dämlichen Deutschen bloß wieder weg sind". Dadurch kommt es später zum Streit und man wird sich einig, dass man einander nur verstehen kann (damit sind wir wieder bei "tsûjiru"), wenn man auch miteinander spricht. So in etwa der Inhalt, damit ihr eine Vorstellung habt, wie ungefähr das mit den Rollenspielen aussehen kann.
Franzi hatte zur Aufführung ihres Rollenspiels immer noch das Problem mit der Stimme, also haben wir kurzerhand notdürftig entschieden, dass sie einen Sprecher braucht. Ich hab daher kurz vorher ihren Text zum Lesen bekommen, zwei, dreimal geübt und dann versucht, das zeitgleich zu Franzis Rollenspiel dann einzusprechen. Es war echt verrückt. Passte aber stellenweise wirklich ziemlich gut.

Dieser Abend war ja der letzte, den wir gemeinsam in Toi verbracht haben, dementsprechend lang ist es auch geworden. Zuerst konnte man sich die Aufnahmen aller Rollenspiele noch mal ansehen und dann beste/n Schauspieler/in, bestes Deutsch (von den Deutschen abgesehen) und beste Gruppenidee nominieren. Im Anschluss wurden die Kassetten vom Vorjahr und von vor drei Jahren noch mal rausgeholt, weil ein Teil von uns die gern noch mal sehen wollten. Beim Vorjahr war ja Anne mit dabei und das Rollenspiel ihrer Gruppe damals war so lustig, das war mit Abstand der Brüller des Abends. Der musste unbedingt noch einmal rausgekramt werden. Und vor drei Jahren war Tekkan ja "Tetsuko", sprich ihm war eine Frauenrolle verpasst worden. Und die hat er so genial gemacht, das musste einfach noch mal sein! Schade, dass er und Shuhei schon nicht mehr da waren, denn am Abend zuvor sind sie wieder zurück nach Tokyo gefahren, hatten nicht noch einen Tag länger frei nehmen können. Na ja, dann saßen wir da so, unser kleines Grüppchen bestehend aus Franzi, Ryuichi, Aki, Waku, Yasu, Kosuke und mir, zwischenzeitlich auch Linda, alle um den Fernseher herum gruppiert, der mit voller Lautstärke die vergangenen Gruppenspiele noch mal präsentiert hat, und haben lautstark dazu gefeiert und Beifall geklatscht. Vor allem bei Tetsuko, äh, Tekkan, und Anne. Ich glaub, wir waren zu dem Zeitpunkt die schlimmste Deppengruppe des Abends...
Und ich glaube, der Alkoholkonsum ging bei vielen auch noch ein Stück nach oben. Sonst wären wohl auch nicht ganze zwölfmal irgendwelche Getränke umgekippt. Aber man hat richtig gemerkt, dass alle den letzten Abend noch mal so intensiv wie möglich nutzen wollten. Es wurden Unmengen Fotos geschossen und die Spielrunden (heute UNO oder Schwarzer Peter) waren noch größer als sonst schon.
Und anhänglich waren einige diesmal. Da kommt Aki plötzlich kuscheln oder Linda und auch Hiromi umarmt einen spontan mal. Mit sowas rechnet man bei Japanern eigentlich gar nicht, weil sie in Sachen Körperkontakt doch sehr zurückhaltend sind. Ja, da merkt man den deutschen Einfluss *lach*. Niedlich war auch Keishiro: Als er gesehen hat, dass Shu von Nami massiert wurde, hat er sich spontan hintenran gesetzt und gleich noch Nami massiert. Und auf der anderen Seite des Tisches noch ein Zweiergrüppchen. Ein Bild für die Götter!

Als es Dienstagnacht (10. März) dann langsam auf um vier zu ging, bin ich doch langsam ins Bett. Ich hatte am Montag schon die ganze Zeit über so unterschwellige Kopfschmerzen vom Schlafmangel gehabt. Gut, die sind zum Abend hin zum Glück weg gegangen, aber viel mit Schlaf war trotzdem nicht, dementsprechend ging es mir dann am nächsten Morgen auch. Das erste, wovon ich wach geworden bin, war der Stich quer durch meine Stirn, als mein Kopf wohl so langsam aus nächtlichen Tiefen emporgeschwebt ist und die ersten Umgebungsreize wahrgenommen hat. Die nächsten fünf Minuten hab ich gebraucht, bis ich mich überhaupt aufrichten konnte und dann noch mal ein Weilchen, um bis zu meinem Rucksack zu krauchen, wo - drei Kreuze - noch ein paar Paracetamol drin waren. Ab dem Frühstück hat die dann zum Glück auch so langsam gewirkt. Dafür ist mir danach meine Aufmerksamkeit gänzlich abhanden gekommen, und hat stattdessen ein ziemlich ekliges Übelkeitsgefühl dagelassen, sodass ich das Mittagessen wenig später dann besser hab ausfallen lassen. Vorher gabs wieder viele Fotos, einiges auch mit mir, und ich kann bloß hoffen, dass nicht zu viele davon im Netz landen. Ich sah wirklich ziemlich zum K***** aus.
Tatsuya hat Franzi und mir dann kurzerhand angeboten, uns im Auto mitzunehmen, weil wir bei meinem Zustand dann doch nicht sicher waren, ob ich die Busfahrt überstehe (Reiseübelkeit bei sowieso schon herrschender Übelkeit ist nicht angenehm), sodass der Heimweg später dann auch sehr angenehm war.
Zuvor gab es aber noch die bereits erwartete Schwermutsstimmung, als der erste große Schwung zur Bushaltestelle aufgebrochen ist. Wirklich gehen wollte wieder keiner. Kein Wunder, da hat man fünf Tage lang von morgens bis nachts zusammengehangen, gemeinsam gearbeitet, gegessen, nackig im Onsen gesessen (und immer mal die Ohren gespitzt, wenn die Vertreter des anderen Geschlechts nebenan mal wieder lauter wurden, ob man was verstehen konnte. War ja bloß eine Wand zwischen den Bädern und die war sogar ganz oben ein Stück offen), gefeiert - meist im Schlafzeug - und geschlafen. Es ist jedes Mal wieder erstaunlich, wie nah man sich dadurch in so kurzer Zeit kommt.
Am schlimmsten war es aber, nachdem der große Schwung dann weg war. Tatsuya und Akira haben das Auto fertig gepackt und wir (das waren Aki, Linda, Hiromi, Yasu und Ryuichi) standen irgendwie ziemlich verloren am Eingang rum und wussten nicht mehr so recht, was wir machen sollten. Abschiede sind doof. Schließlich hieß es "Einsteigen" und Franzi und ich haben noch ein letztes Mal von allen Abschied genommen. Als das Auto dann anfuhr, sprang Ryuichi plötzlich in seine Schuhe, alle taten es ihm gleich und dann sind sie uns hinterher gerannt, neben und hinter dem Auto, später mit immer mehr Abstand, bis wir dann um die Ecke waren und sie nicht mehr sehen konnten. Und dann hab ich geheult. Aber wirklich. Obwohl ich mich zusammenreißen wollte und dagegen angekämpft hab, konnte ich Minutenlang die Tränen nicht mehr stoppen. Obwohl ich wusste, dass ich den ein oder anderen durchaus wiedersehen konnte, wenn man sich nur mal bemühte, den Kontakt zu halten. Und dass die Chancen dafür ganz gut stehen, wenn man ja noch ein halbes Jahr im Lande ist. Aber trotzdem, der Abschied war so verdammt schwer diesmal, sogar noch schwerer als letztes Jahr.

Zum Glück hielt die Trennung mit einigen nicht so lange. Zum einen fahren ja unsere Kurzstipendiaten morgen schon wieder gen Heimat und zum anderen waren wir auch letztes Jahr am Tag nach dem Gasshuku mit einigen von ihnen noch mal unterwegs, um das ein bisschen ausklingen zu lassen. Auch diesmal haben sich wieder ein paar gefunden, die mitgekommen sind, wobei das alles sehr verteilt war. Shu, Nami und ich haben uns ca. 11:00 Uhr schon in Shinjuku am Bahnhof getroffen, sind dann erst mal Mittagessen gewesen, dann zurück zum Bahnhof getrödelt und kurz nach 13:00 Uhr kam dann Waku an. Mit ihm sind wir dann zusammen ins Karaoke-kan gegangen, denn in einem der Kara-kans in Shinjuku gibts bis morgen noch ein Sonderangebot, singen für 15 Yen/30 min/Person. Irre billig also!
Kurz nach 15:00 Uhr ist Aki zu uns gestoßen, vor 16:00 Uhr war auch Yasu da. Er hatte vorher ein Gespräch bei seiner Firma in Yokohama und kam daher gleich im Anzug und mit Aktenkoffer *g*. Zwischendurch kam noch eine Mail von Ryuichi über Lindas Handy (bei seinem war die Batterie leer), bis wann wir noch bleiben, und so war er irgendwann auch bei uns. Aki musste leider schon etwas eher gehen als der Rest, sie hatte noch was vor an dem Abend, aber die verbliebenen sechs sind kurz nach 18:00 Uhr dann wieder gegangen und von den Japanern erst mal in ein nettes Restaurant im japanischen Stil geführt worden. Dort wurde zwischendrin wieder viel übers Gasshuku gesprochen oder die Frauenrunde nebenan belauscht (ja, ja, dünne Wände...), deren Themen zum Teil echt interessant waren, mit den Essstäbchen rumgespielt und sonstiger Blödsinn, der halt nur in abgetrennten Räumen geht, wo Fremde nicht reingucken können.
Es war auch schon wieder 22:00 Uhr vorbei, als wir das Restaurant wieder verlassen haben. Die Jungs waren so lieb und einen Großteil der Rechnung übernommen, da war ich ganz froh, dass ich zufällig ein Gastgeschenk dabei hatte, also haben sie von uns dafür 'ne Packung Toffifee bekommen. Fand auch reißenden Absatz =).
Langsam zurück zum Bahnhof gebummelt, aber zumindest wir Deutschen wollten eigentlich noch Purikura (die Automatenbildchen) machen, bevor es zurück ging. Dumm nur, dass keiner wusste, wo in Shinjuku die Spielhallen mit eben jenen Automaten waren. Nach ein bisschen Herumgucken sind wir aber schnell fündig geworden. Also "schnell mal noch" Purikura und zurück zum Bahnhof. An den Bahnschranken haben wir (Shu, Nami, Ryu und ich) uns eigentlich überlegt, mit der Marunouchi-Linie zu fahren. Für Ryu wars der schnellste Heimweg, mit Shu wollten wir eigentlich noch zum Tokyo Bahnhof, wo man eine Tasche abgegeben hat, die sie gestern im Zug vergessen hatte. Die Idee haben wir aber ganz schnell wieder verworfen, als uns ein Blick auf die Uhr verraten hat, dass es bereits 23:20 ist. Sprich: Wir hätten höchstwahrscheinlich die letzte Bahn nicht mehr bekommen, wenn wir den Umweg nach Tokyo noch gemacht hätten, und hätten bis um fünf am Bahnhof schlafen können. Demnach wurde kurzerhand wieder umdisponiert, alles fuhr mit der Yamanote-Linie (ging wesentlich schneller) und dann direkt nach Hause. Ryu ist dann auch noch mit uns mitgekommen und bis Ikebukuro konnte ich dann noch mit ihm und Waku ein Stück zusammen fahren. Gegen 23:45 Uhr war ich dann zu Hause und kurz bevor ich bei mir an der Haustür war, hat mir Waku noch mal geschrieben, dass es lustig war heute (es ist in Japan recht verbreitet, sich anschließend oder beim erneuten Treffen noch mal für die schöne gemeinsame Zeit beim letzten Mal zu bedanken) und dass ich auf mich aufpassen soll auf dem Heimweg. Echt niedlich *g*.

Ich hoffe, man sieht sich bald wieder. Gut, Hiromi steckt mitten in den Vorbereitungen für ihr Master-Studium in Deutschland, d.h. sie wird dann für zwei Jahre in Jena sein! Am 23.3. fliegt sie los. Und Waku fliegt im Sommer auch für ein Auslandsjahr nach Deutschland, allerdings Mannheim. Na ja, da lässt sich sicher auch mal ein Treffen einrichten. Und bis dahin sind wir ja auf alle Fälle noch hier =).

Wenn ich so zurückblicke, was ich seit September so alles gemacht habe, denke ich, dass das Deutsch-Gasshuku bisher das Schönste war, was ich während meines Auslandsjahres erlebt habe. Es ist jedes Mal aufs Neue ein Highlight.