Donnerstag, 25. Dezember 2008

Weihnachten in Japan

Weil die beiden Einträge thematisch so schlecht zu einander passen, mache ich am besten gleich zwei draus, auch wenn ich beides an einem Tag schreibe.
Weihnachten in Japan. Für die, die noch nicht hier waren bzw. noch nichts darüber gehört haben, ist das im Moment sicher das Interessanteste.

Aber so viel gibt es nicht darüber zu berichten. Grob gesagt wird Weihnachten hier so ähnlich gefeiert wie bei uns Silvester: Man trefft sich mit Freunden und/oder mit dem/der Freund(in) und feiert schön. Geschenke gibt es manchmal, aber wenn dann kleinere und eher für kleine Kinder. Wenn man älter wird, verläuft sich das schnell wieder. Außer man feiert eben mit seinem/seiner Freund(in). Dann sollte der Freund seiner Liebsten in der Regel was Teures schenken, ein Schmuckstück oder so. Die Männer werden in Japan ganz schön zur Kasse gebeten...
Natürlich ist Weihnachten in letzter Zeit ziemlich im Trend und ich kann nicht sagen, dass man hier gar nichts davon merkt. Hab neulich im Blog ja bereits von der Beleuchtung bei Korakuen berichtet. Solche Beleuchtungen findet man im Moment ziemlich häufig und hier und da wird Weihnachtsmusik gespielt. Auch als Weihnachtsmann, Rentier, Wichtel oder Engel verkleidete Japaner findet man immer mal. Aber das Familiäre fehlt halt größtenteils.

Mein Heiligabend sah beispielsweise so aus, dass ich lange geschlafen hab, dann um die zwei Stunden hoffentlich allen Verwandten, Freunden und Bekannten Glückwünsche übermittelt hab und dann erst mal zum Mita-Campus der Keio-Uni aufgebrochen bin, wo Prof. Oberländer uns hallesche Studenten zu einer kleinen Weihnachtsfeier eingeladen hat. Er hatte eine ganze Menge Lebkuchen, Plätzchen und ähnliches aus Deutschland dabie.
Abends (also direkt nach der Weihnachtsfeier) bin ich zum Essen zurück zur Gastfamilie gefahren und habe eine ganze Weile mit ihnen zusammen beim Abendessen verbracht. Da Heiligabend war, gab es etwas mehr als sonst und es war alles hübsch angerichtet und so. Die Vorspeise war eine italienische Suppe, dann Entenkeule und Broccoli, anschließend ein bisschen Salat und Ei. Beim Essen habe ich übrigens festgestellt, dass es in Japan das Wort "Broiler" auch gibt. So nennt man hier die Hühner, die speziell zum Essen gezüchtet werden. Ist ja witzig, dass die das Wort auch von uns übernommen haben ^^. Man staunt immer wieder, was man hier und da so aus der Heimat wiederentdeckt.
Nach dem Essen habe ich eine ganze Weile mit meinen Eltern gechattet und bin irgendwann ins Bett. Den Blog wollte ich eigentlich gestern schon schreiben, hatte dann aber keine Lust mehr *lach*. War zu müde...

Na ja, heute bin ich dann noch später aufgestanden, hab die meiste Zeit (mit ein bisschen Weihnachtsmusik im Hintergrund) in meinem Zimmer verbracht und werde jetzt langsam zum Essen gehen. Ich wurde schon vor fünf Minuten gerufen...

Frohe Weihnachten!

Geburtstag des Tennô

Am 23.12. hatte der japanische Kaiser Geburtstag und zu diesem Anlass dürfen Besucher - wirklich nur dieses eine Mal im Jahr - den kompletten Innenbereich der Gärten des Kaiserpalastes betreten. Außerdem hält der Kaiser eine Geburtstagsansprache und man hat somit die Möglichkeit, ihn einmal direkt sehen zu können. Genau wie den Rest der kaiserlichen Familie (insg. 6 Mitglieder, da hier nur die engste Verwandtschaft gezählt wird).
Wir wussten leider nicht, wann die Ansprache des Kaisers ist, hatten aber unheimliches Glück: Keine zwei Minuten nachdem wir den entsprechenden Platz erreicht hatten, kam die kaiserliche Familie auch schon auf den Balkon und der Kaiser hat seine Ansprache gehalten. Was wir ebenfalls nicht wussten: Es war wahrscheinlich das einzige Mal an diesem Tag, dass der Kaiser vor die Öffentlichkeit getreten ist, weil es ihm gesundheitlich in letzter Zeit wohl nicht so gut geht, laut meiner Gastmutter.


Vor und nach der Ansprache haben wir uns natürlich ausgiebig die Palastanlage angesehen. War wirklich sehenswert! Und natürlich gibt es davon auch haufenweise Fotos.

Der erste Ausblick, bevor man überhaupt drinnen ist. Hübsch, was?

Das hat mich ein wenig an den Buckingham Palace erinnert. Starr wie Statuen...

Altersmäßig war auch alles vertreten. Und jeder trug eine Japan-Fahne, die man vorher bekommen hatte. Insgesamt sah das Ganze dann so aus:


Und nun die Aussichten:


Nach der Palastbesichtigung wollten wir dann irgendwo in der Nähe Sushi essen gehen, sind Richtung Akihabara gelaufen, vorher allerdings direkt in Ochanomizu rausgekommen (was uns vor allem deshalb erstaunt hat, weil wir gar nicht mal lange unterwegs waren. Aber so ewig dauert es in Tokyo scheinbar gar nicht , von A nach B zu kommen...), und haben dann dort Soba gegessen, nachdem wir die Suche nach der Sushi-Bar irgendwann frustriert und hungrig aufgegeben haben. Gleich danach ging es ins Karaoke, wo sie sogar Weihnachtslieder hatten! Man findet da echt alles...
Am Abend sind wir dann doch noch weiter nach Akihabara gelaufen, um ein paar Purikura-Bildchen zu machen (Automaten-Bilder, besonders beliebt bei Treffen mit Freunden. Man wählt bunte Hintergründe aus, macht Gruppenfotos in einer superengen Kabine und verziert die Bilder anschließend noch mit Farben und Mustern. Aber Beeilung! Das ganze geht auf Zeit... Die Qualität ist übrigens sehr gut!). Jedenfalls haben wir nach solch einem Automaten auch erst einmal wieder ewig gesucht. Eigentlich gingen wir davon aus, dass in den Spielhallen überall einer sein sollte, aber denkste! Die ersten drei, vier Hallen, in denen wir geschaut hatten, hatten nicht einen Automaten! Aber irgendwann sind wir dann doch fündig geworden. Und dann ging es endlich wieder Richtung Heimat. Das viele Laufen war ganz schön anstrengend.

Montag, 22. Dezember 2008

Dies & Das

Ja, schon wieder ich. Wollte vor Weihnachten noch einmal mit einem kleinen Tages-Resümee nerven.

Zum einen war nämlich der Unterricht heute sehr interessant. Mein letzter Unterrichtstag vor den Ferien, wohlgemerkt. Ab morgen ist also bis zum 4.1. FREI!
Und da der letzte Unterrichtstag auf einen Montag fiel, kann man sich sicher denken, wie viele Leute aus dem Kurs sich heute noch in die Uni verirrt haben: Von insgesamt 25 (die aber auch nie alle vollzählig sind) haben sich noch ganze 11 Mann aus den Betten und durch die morgendliche Rush-Hour gekämpft! Und von denen wiederum hatte noch knapp die Hälfte den Aufsatz dabei, den wir als Hausaufgabe übers Wochenende schreiben sollten *lach*. Aber bis auf den Aufsatz und zwei kleine Tests war heute eh nix mehr los. Im Kanji-Unterricht haben alle nur noch darauf gewartet, dass Hino-sensei kurz vor Weihnachten evtl. ein bisschen eher Schluss macht, aber diese Hoffnung war letztlich doch vergebens. Dafür wurden wir aber auch nicht sonderlich beansprucht. Haben ein bisschen über Weihnachten und Silvester gesprochen und wie das in Japan bzw. in den verschiedenen Ländern von statten geht (wobei die Auswahl ja stark reduziert war und wir uns auf Geschichten aus Deutschland, Bulgarien, Amerika und Frankreich beschränken mussten).

Worüber ich auch unbedingt mal berichten wollte, ist Shotaro (der kleine Junge bei mir in der Gastfamilie) und was er so treibt. Inzwischen ist er 11 Monate alt und einfach nur klasse. Ich hab das Gefühl, mit dem Laufen macht er jetzt täglich Fortschritte. Vor ca. einer Woche hab ich das erste Mal gesehen, wie er kurz allein freihändig stehen konnte. Inzwischen klappt das schon ein ganzes Stück länger und wenn er läuft, dann hält er sich dazu manchmal nur noch an seinem Spielzeug fest oder tastet sich an der Wand entlang und fällt trotzdem nicht mehr um dabei. Das hat natürlich den Nachteil, dass wir auf die unteren Wohnzimmerschränke jetzt besonders Acht geben müssen, denn die bekommt er jetzt schon ganz allein auf, wie er heute schön demonstriert hat. Und auch die Sachen am Tischrand werden jetzt immer schnell in Deckung gebracht, wenn Shotaro sich an der Kante festhält - auf Zehenspitzen stehend, wohl gemerkt! - und alles ausprobieren möchte, was so interessant aussieht. Und interessant ist in der Regel alles das, wofür er noch zu jung ist: Gabeln, Gläser und andere zerbrechliche Gegenstände, Alkohol, Stecker, Handy, Computer (vor allem die Tastatur)... Für Shotaros Mutter und meine Gastmutter (also seine Oma) ist das mit Sicherheit verdammt anstrengend, denn man muss echt unentwegt aufpassen, dass er nicht gleich irgendwas Gefährliches zu fassen bekommt (was er dann übrigens mit eiserner Kraft festhält, sodass man es kaum wieder los bekommt). Darin ist er wirklich flink. Und auch beim Krabbeln. Man muss richtig hinterherrennen, um ihn wieder einzufangen XD. Beim Essen bin ich auch richtig überrascht. Dass ein Löffel nicht irgendein Spielzeug, sondern zum Essen gedacht ist, hat er inzwischen weitestgehend verstanden und er scheint ihn auch sehr gern zu benutzen. In letzter Zeit will er sich teilweise gar nicht mehr richtig von seiner Mutter oder Oma füttern lassen, sondern sein Obst oder den Reis selbst mit dem Löffel aufnehmen und essen. Total niedlich! Seine Laute werden zudem auch immer vielseitiger und deutlicher. "mamama" hört man ihn in letzter Zeit ganz oft sagen. Inzwischen hat er sich auch an mich gewöhnt und freut sich immer, wenn ich in der Nähe bin ^^. Ich bin so gespannt, was er in nächster Zeit noch alles lernt!

Der dritte Höhepunkt heute: Das Baden. Inzwischen setz ich mich eigentlich täglich noch ein paar Minuten in die Wanne, nachdem ich geduscht hab, und entspanne ein bisschen im warmen Wasser. Tut wirklich gut, vor allem wenn es draußen so kalt ist. Das wärmt bis in die Knochen. In Japan ist es ja üblich, dass man sich erst richtig wäscht (i.d.R. auf einem kleinen Hocker sitzend, in dem Bereich vor der Wanne) und danach ins warme Wasser steigt. In das übrigens kein Badezusatz o.ä. reingemacht wird.
Jedenfalls... Ich klapp so die obere Plane zurück, um reinsteigen zu können, und frag mich: Was macht das Essen im Wasser?
Einen Augenblick später ist mir dann wieder eingefallen, dass mir meine Gastmutter das vorher beim Abendessen erklärt hatte: Das gelbe, orangenartige Früchtchen heißt Yuzu, wird im Winter reif, schmeckt sauer und wird manchmal anstelle von Zitrone mit ans Essen gemacht. Oder halt in die Wanne gelegt, wo es ein wenig Duft verströmt. Aber komisch ist das schon, mit Obst in der Wanne zu baden. Ist wie mit einem Quietscheentchen: Man will die ganze Zeit damit rumspielen ^^u. Und irgendwann kam dann noch eine zweite Yuzu angeschwommen, die sich vorher im hinteren Teil der Wanne versteckt hatte, der von der zweiten Plane überdeckt ist...
Also wem beim Baden langweilig ist: Packt Essen ins Wasser. Riecht ja nebenbei auch ganz angenehm.

Den nächsten Eintrag gibt es sicher zu oder kurz nach Weihnachten.

Freitag, 19. Dezember 2008

Erlebnis-Achterbahn

Ich habe schon ewig nicht mehr so viele unterschiedliche Gefühle verspürt wie in den letzten vier Stunden, in denen ich mit Katrin, Brandon (Malaysia), Sachiko (Jap/Deu), Robert (Deu), Rakel (Schweden)+deren Freund in Korakuen unterwegs war. Das ist übrigens ein Stadtteil ganz in meiner Nähe, wo sich auch der Tokyo-Dome befindet, den einige vielleicht kennen werden.

Die ersten (Katrin, Sachiko, Rakel, ich) haben uns dort kurz nach sieben getroffen, um gemeinsam essen zu gehen. Brandon hatte noch seinen Koto-Kurs und kam später, Robert und Rakels Freund hatten ebenfalls noch zu tun zu der Zeit. Der ursprüngliche Plan war Monja-essen (für Details bitte die Google-Bildersuche nutzen), allerdings haben wir in dem Laden dann spontan mit Okonomiyaki angefangen, dann ging es weiter mit Yaki-Soba (gebratene Nudeln) und anschließend war ich satt. Schade, dabei hab ich Monja schon so lang nicht mehr gegessen T_T.
Eine Stunde später, wir vier waren mit dem Essen schon mehr oder minder fertig, kamen Brandon und Robert dann auch kurz nacheinander, Rakel hingegen hat sich erst mal verabschiedet, um sich mit ihrem Freund zu treffen.

Richtig interessant wurde es eigentlich erst nach dem Essen: Wir wollten dann zu den Arcades gehen und DDR spielen (sehr beliebtes Tanz-Spiel hier, war ich bisher auch noch nicht), aber als wir den Ort endlich gefunden hatten, durften wir feststellen, dass bereits geschlossen war. Hat aber niemanden so wirklich gestört. Vor allem Katrin, Sachiko und ich haben sowieso viel mehr auf unsere Umgebung geachtet, die überall voll mit bunten Lichterketten dekoriert war und überall hat es geblinkt, geglänzt und geleuchtet. Das in Verbindung mit den vielen Weihnachtsmotiven und Wasserspiegelungen und allem drumherum... Es war wirklich ergreifend. Unglaublich schön.

Der Bogengang hat seine Farben dauernd geändert, zudem zeitversetzt (was man hier auf dem Foto leider nicht erkennen kann), sodass er wie ein leuchtender Regenbogen aussah.

Vor allem Katrin und ich sind dann irgendwann nur noch Weihnachtslieder singend durch die Gegend geschlendert und Sachiko hat immer mit eingestimmt, wenn sie was kannte. Seit ich hier angekommen bin, habe ich noch nicht einmal eine so bezaubernde Weihnachtsstimmung hier erlebt. Das Plätzchenbacken war toll und hat echt gut getan, aber so etwas auch von außerhalb mal richtig erleben zu können, ist schon etwas anderes.
Als dann auch noch die Lichtershow lief, unten die Fontänen angingen (wir sind zu dem Zeiptunkt gerade im oberen Bereich der Passage langgeschlendert) und dazu "Happy Christmas" von John Lennon gespielt wurde, war es ganz aus. Katrin hat sogar ein paar Tränen vergossen und ich hab wohl zum ersten Mal seit ich hier bin sowas wie Heimweh verspürt und mir gewünscht, dass meine Familie jetzt bei mir sein könnte.

Jedenfalls waren die Arcades geschlossen. Irgendwann kam dann die Idee auf, ersatzweise Eisessen zu gehen und Brandon kannte sogar ein Eiscafé in der Nähe, das italienisches Eis verkauft hat! Das ist hier eine absolute Seltenheit und ich habe es bisher schmerzlich vermisst. Winter hin oder her. Und während wir unser Eis geholt haben, kam auch Rakel mit ihrem Freund zurück. Irgendwie ist die Stimmung bis dahin enorm umgeschlagen und wir haben nur noch gelacht - größtenteils über Sachen, die man unter normalen Umständen wohl überhaupt nicht lustig finden würde. So ist Brandon jetzt also ein Heiliger, zudem ein Buch mit sieben Zwiebeln (ja, das passiert, wenn man "Siegeln" nicht richtig versteht über die Entfernung des Tisches) und lauter solches Zeug. Das meiste ging wohl auf seine Kosten ^^u.
Es war wirklich herrlich. Und beim nächsten Mal muss ich meine Kamera mitnehmen und anständige Fotos machen, wenn sich so tolle Ansichten bieten wie hier an diesem Abend. Ich hab selbst jetzt noch das Gefühl, irgendwie durch den Wind zu sein, obwohl ich nun seit fast einer Stunde schon wieder zu Hause bin. Vor allem die Beleuchtung geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Das war wirklich ein unglaublicher Eindruck.

Und noch ein kleiner Nachtrag zum Mittwoch: An den Schließfächern der Umkleidekabine in dem Sportzentrum, wo wir diese Woche Volleyballtraining hatten, gab es ein wirklich witziges Hinweisschild zur Nutzung der Fächer:

Ich denke, man versteht auch ohne Übersetzung, was uns dieses nette Männchen sagen will, oder? Ich bin mir nur noch nicht sicher, ob ich jetzt den Kopf schütteln soll, weil mehr oder minder erwachsene Sportler auf solche Ideen kommen oder laut lachen, weil die Hallenbetreiber an echt alles gedacht haben.

Dienstag, 9. Dezember 2008

Maid-Café und Plätzchen

Wie der ein oder andere wohl bereits ahnt, geht es mal wieder ums Wochenende. Und am Samstag haben wir (=Brandon, Rakel (Schweden)+deren Freund, Katrin und ich) uns endlich einmal in ein Maid-Café gewagt. Für die, die mit dem Wort gar nichts anfangen können: Das ist ein Café, in dem alles super niedlich gestaltet ist. Die Kellnerinnen tragen hübsche Kleider, an den Wänden findet man öfters Tier- oder Disney-Bilder, generell ist alles recht farbenfroh gehalten und sogar das Essen wird mit Gesichtern verziert. Zudem sprechen und bewegen sich die Kellnerinnen auch in einer Form, die nach japanischen Maßstäben wohl als "niedlich" bezeichnet wird. Für Europäer kann das recht erschreckend sein (weshalb bisher auch keiner allein in solch einem Café war ^^) und der Großteil der normalsterblichen Japaner meint ebenfalls, dass das echt schräg ist, aber hey, wenigstens EINMAL sollte man so etwas doch erlebt haben während eines Auslandsaufenthaltes! Und so schlimm wie befürchtet war es am Ende gar nicht. Eigentlich richtig witzig. Die Kellnerin ist nicht so übertrieben um uns herumscharwenzelt und hat auch nicht in trommelfellberstend hohen Tönen gesprochen.
Jeder hat sich dort also eine Kleinigkeit bestellt, wobei die Eisbecher am beliebtesten waren. Die gab es nämlich als Hasen-, Bären- oder Löwengesicht zurecht gemacht. Sah echt niedlich aus.

Noch ereignisreicher war allerdings der Sonntag, an dem Franzi, Tina und Katrin bei meiner Gastfamilie zum Plätzchenbacken verabredet waren. Vier Personen, fünf Rezepte, gute sechs Stunden Dauerbacken mit gerade mal einem Blech und - mal wieder - der allseits beliebten Mikrowelle (dank Ofenfunktion). Die hat ihre Sache auch ganz gut gemeistert.


Leider Gottes hatten wir keine Weihnachtslieder parat, die die Stimmung vollendet hätten, also haben wir kurzerhand selbst ein paar Lieder angestimmt. Da uns in Sachen Weihnachtsmusik aber schnell die Ideen ausgingen und sowieso jeder irgendwelche Ohrwürmer von japanischen Lieder hatte, hab ich dann meinen Laptop ins Wohnzimmer geholt, der uns die nächsten Stunden mit japanischer Musik, später dann ein wenig die ärzte und Die toten Hosen unterhalten hat. Sehr weihnachtlich halt ;). Aber bei der Stimmung im Wohnzimmer hat das schon gepasst. Ich hoffe nur, wir waren nicht so laut, dass unser Gesinge meine Gastfamillie (der sich größtenteils schaurig ins obere Stockwerk zurückgezogen hat) allzu sehr gestört hat.

Aber man sieht, wir waren auch sehr fleißig. Na ja, mit fast 1,5 kg Mehl ist man auch sehr beschäftigt.


Und kreativ waren wir auch! Die interessante Teigfarbe kam dadurch zustande, dass wir einen Teil von Franzis zwei Teigsorten (der eine halt mit Schoko) noch einmal miteinander verknetet haben.

Das Resultat waren dann diese fünf stattlichen Kästen.

Und wir waren am Ende echt fertig, aber glücklich. Einmal im Jahr muss Plätzchenbacken schon sein!
Die ersten Portionen konnten Katrin und ich auch schon bei unseren Freunden aus dem Japanisch-Kurs verteilen. Bis jetzt hat es jedem geschmeckt.

Meine Gastmutter hat Franzi und Katrin nach dem Backen dann gleich noch zum Abendessen eingeladen. Tina musste sich leider etwas beeilen, weil sie sich an dem Abend noch mit anderen Freunden getroffen hatte, sonst hätte sie auch zum Essen bleiben können. Es gab Borschtsch (hat mich an Soljanka erinnert), sehr lecker!

Heute war bei mir an der Uni eine Weihnachtsfeier, zu der ich ursprünglich auch gehen wollte, allerdings hatte keiner meiner Freunde hier seine Einladungskarte dabei und da ich nicht allein gehen wollte, wurde spontan entschieden, dass wir uns in ein Café setzen und zusammen lernen und Hausaufgaben machen. Hat sich sogar ganz gut gemacht (obwohl wir anfangs echt viel gequatscht haben), ich hab sowohl meinen Aufsatz für morgen als auch zwei Arbeitsblätter für den Kanji-Unterricht am Freitag fertig bekommen. Und die zwei kleinen Gespräche der aktuellen Lektion mit Katrin etwas durchsprechen können, denn morgen wird das wieder bewertet.

Morgen ist wieder Tabehodai in dem preiswerten Restaurant vom letzten Mal angesagt! Und zum Abend gehen die anderen wieder Monja essen - in einem Restaurant in der Nähe meiner Gastfamilie, nur dummerweise machen sie das schon wieder an einem Mittwoch, wo ich, wie fast jede Woche, Volleyball hab. Können die das nicht mal auf einen anderen Tag verlegen T_T?

Ausnahmsweise ist der Abend bei mir noch relativ jung (erst halb elf), sodass ich jetzt noch Zeit habe, ein bisschen Brisingr (aus der Reihe von Eragon) zu lesen. Letzte Woche habe ich mir den dritten Band endlich gekauft!

Donnerstag, 4. Dezember 2008

Wenn man mal frei hat...

Gestern (Mittwoch) war bei uns an der Sophia so etwas wie ein beweglicher Ferientag, jedenfalls fiel der Unterricht aus. Das haben sowohl mein Volleyball-Zirkel als auch der Freundeskreis rundum Brandon fleißig ausgenutzt. So begann der Tag für mich gleich mal NICHT mit Ausschlafen, sondern 9:00 Uhr mit Volleyballtraining. Diesmal hat Maiko (Jap./Amerika), eine Freundin aus dem Parallelkurs, mich begleitet, denn sie würde auch gern bei uns mitmachen. Zudem gab es an dem Tag auch die erste richtige Verletzung. Eine der Spielerinnen muss sich nach dem Angriff am Netz beim Sprung wirklich ungünstig den Fuß verknackst haben, denn der tat ihr danach so sehr weh, dass sie nicht einmal mehr aufstehen konnte. Als wir es endlich geschafft hatten, ihr Schuh und Socke auszuziehen, hat man auch schon gesehen, wie extrem der Knöchel angeschwollen war. Ein paar haben dann erst mal Eis und einen Rollstuhl organisiert (sie konnte ja kein bisschen auftreten mit der Verletzung), es wurde viel rumtelefoniert und schlussendlich hatte man ein Taxi organisiert, mit dem Yuuko und noch zwei weitere bis Shibuya und von da aus zum Krankenhaus fahren konnten, um den Fuß zu checken. Hoffentlich ist das kein Bänderriss oder so...
Ca. eine dreiviertel Stunde später haben wir dann noch ein bisschen gespielt, halb eins wurde dann aufgeräumt.

Danach bin ich mit Maiko noch Richtung Shinjuku gefahren, wo wir auch Brandon und die anderen (Katrin, Sachiko (Jap/Deu) und Robert) treffen wollten. Maiko ist so nach und nach allerdings die Müdigkeit in die Knochen gekrochen, also ist sie dann doch nach Hause gefahren und ich hab die anderen am Bahnhof getroffen. Von da aus sind wir natürlich ins Karaoke gegangen (wie immer), diesmal ganze vier Stunden und das meiste davon auf Japanisch! Ging zwar, zumindest bei mir, meist in die Hose, aber hey, es ist schließlich auch zum Rumprobieren gedacht! Ich habe mich bisher nie großartig mit japanischer Musik beschäftigt, aber langsam fängt sie an, mich wirklich zu begeistern. Und nach den vier Stunden war ich tatsächlich heiser.
Vom Karaoke aus ging es dann weiter zu den Arcaden, das ist ein Game-Center (bzw. eine Kette von Game-Centern), nicht ganz so laut wie das Pachinko, aber immer noch laut genug. Für mich war es das erste Mal, dass ich in so einem Laden drin war, aber an sich ist es ziemlich interessant. Auch wenn ich lieber Brandon und Robert zugeguckt als mich selbst irgendwo betätigt hab. Vor allem Brandon ist SO gut bei den ganzen Spielen, das war echt unglaublich! Das erste, was ausprobiert wurde, war ein Spiel mit einer Trommel, die man an bestimmten Stelle anschlagen musste, wenn das entsprechende Symbol am Bildschirm erschien. Begleitet wurde das mit einem selbst ausgewählten Lied. Wenn man zeitlich gut getimed die richtige Stelle trifft, gibts Punkte. Das zweite Spiel war ein Schlagzeug, das ähnlich funktionierte. Man hatte ein Lied und musste dazu an bestimmten Stellen auf dem Schlagzeug mitspielen. Solche Rhythmus-Spiele gabs auch für Gitarre und Klavier, ansonsten gab es natürlich auch verschiedene Autorenn-Spiele, Kampfspiele, Kartenspiele und was weiß ich noch.
Anschließend haben Brandon, Katrin und ich noch einen Laden zum Abendessen gesucht (Robert und Sachiko hatten zu Hause genug und haben sich verabschiedet) und kurz nach zehn war ich dann wieder zu Hause. War also ganz schön was los.

Eigentlich dachte ich, meine Krächzstimme vom Karaoke wäre bis heute wieder in Ordnung, aber als ich morgens aufgestanden bin, war sie dann ganz weg. Und der Schnupfen wieder da. Durch die saukalte Halle, in der wir Volleyball gespielt haben, ist der Schnupfen wohl wieder ein Stück schlimmer geworden (ist hartnäckig diesmal). Und dann durfte ich im Konversations-Unterricht mit Katrin auch noch einen der Dialoge vortragen. Brandon und Robert konnten sich natürlich auf meine Kosten amüsieren...
Na ja, so langsam bekomme ich wieder den ein oder anderen Ton raus.

Nach dem Unterricht bin ich schnell nach Ebisu gefahren, um dort jemanden zu treffen, der sich wegen Deutschunterricht bei mir gemeldet hat. Seinem Auftreten nach scheint ihm das ziemlich wichtig zu sein, denn er arbeitet bei einer Solarzellen-Firma, die Kontakte mit deutschen Firmen knüpfen will, weil wir darin in Europa wohl marktführend sind. Also brauchen sie jemanden, der halbwegs Deutsch versteht, um wenigstens erst einmal relevante Informationen im Internet verstehen zu können, denn da soll es wohl, laut Aussage von Sawa-san, keine anständigen englischsprachigen Quellen geben. Das Ganze läuft also auf einen ziemlichen Crashkurs für einen gezielten Fachwortschatz hinaus. Ich bin gespannt, ob das was wird. Klingt nach einer ganz schönen Herausforderung.