Sonntag, 30. November 2008

Feste und Feiern

In den letzten beiden Wochen war wieder viel los, also bringe ich euch mal auf den aktuellen Stand.

Letzte Woche Samstag waren Franzi, Tina und ich beim Mita-Fest, dem großen Kulturfest der Keio-Uni. Und es war wirklich groß, um nicht zu sagen riesig. Ich glaube, wir haben bei weitem nicht alles gesehen, was es an dem Tag gegeben hat. Unter anderem waren natürlich wie immer viele Stände aufgebaut, auch eine Bühne für Gesang, später Tanz, sowie jede Menge weiterer Vorführungen und Ausstellungen in den einzelnen Räumen. Wir haben z.B. eine Rakugo-Vorführung besucht, dabei erzählt ein traditionell in einen Kimono gekleideter Mensch irgendeine lustige Geschichte. Ist eine ziemlich beliebte Form der Unterhaltung in Japan und dem Lachen der Zuschauer nach zu urteilen war diese Studentin wohl auch ziemlich gut. Schade, dass es so schwer zu verstehen war. Es ging wohl um einen Vater, der nicht wusste, welchen Namen er seinem Sohn geben soll, also hat er von den Vorschlägen, die gemacht wurden, einfach alle genommen. Dementsprechend lang war der Name des Kindes dann auch...
Danach waren wir noch bei einer weiteren Unterhaltungs-Comedy, deren Namen ich mir aber nicht gemerkt habe... War etwas einfacher zu verstehen, fand ich. Hierbei haben jeweils zwei Studenten gemeinsam einen Dialog miteinander geführt.

Eine Cosplay-Vorführung gab es auch in einem der Räume. U.a. dieser Vertreter (und das Pikachu im Hintergrund) haben draußen fleißig Werbung dafür gemacht.

Eines der Fotos einer Foto-Ausstellung, die wir ebenfalls besichtigt haben. Waren sehr schöne Bilder dabei.

Und so in etwa sah es insgesamt aus auf dem Campus. Na ja, abends wars noch voller.

Gegen Abend haben wir uns dann noch etwas durch den überfüllten Campus geschoben (dabei war eigentlich Sonntag der Höhepunkt des Festes! Ich will nicht wissen, wie voll es da erst war) und einen Crêpestand gesucht, den allerdings nicht gefunden und stattdessen Eis in knuspriger Waffel mit Schokosoße gegessen. Während wir dort auf der Treppe vorm Haupteingang zum Campus gesessen haben, hat Franzi uns erklärt, was es mit der Bank vor uns auf sich hatte, auf der zwei Mädels saßen, die von Jungs nur so umzingelt waren und scheinbar fleißig Handynummern ausgetauscht haben. Ein absolut ungewöhnlicher Anblick in Japan! Grund dafür war, dass diese Bank am Mita-Campus wohl ein bekannter Ort für Single-Japanerinnen ist, die sich dort hinsetzen, wenn sie jemanden kennenlernen wollen. Ja, und dann kommen die Jungs natürlich auch. Nebenbei meinte Franzi, dass man auch manchmal einfach so von einem Japaner angesprochen wird, wenn man allein irgendwo auf irgendeiner Bank/Treppe herumsitzt. Und prompt stand auch schon einer vor uns! Hat uns auf Englisch angesprochen, bissl in ein Gespräch verwickelt und uns gefragt, ob wir nicht ein bisschen Englisch/Japanisch-Tandem mit ihm machen wollen und dass er uns bei Gelegenheit ja noch ein paar schöne Orte in und um Tokyo zeigen kann. Nach 'ner halben Stunde hatten dann auch alle ihre Handynummern ausgetauscht. Schon witzig, wie schnell das ging *lach*.

Sonntag war nichts weiter los, dafür aber am Montag wieder. Wir hatten frei, also haben meine Gasteltern und ich den Tag genutzt, um etwas in die Tat umzusetzen, was wir uns schon seit über einem Monat vorgenommen haben: Ochanomizu (also das Teewasser) besichtigen. Es hat sich auch wirklich gelohnt. Nicht nur, dass da einige sehr schöne und u.a. auch einer der 10 wichtigsten Tempel Tokyos sind, wir haben auch gerade einen besonderen Tag erwischt, das "shichi-go-san" (7-5-3)-Fest, bei dem Eltern mit ihren 3- bzw. 7-jährigen Mädchen oder 5-jährigen Jungen zum Tempel gehen und für deren Gesundheit und glückliche Zukunft beten. Da waren ein paar unheimlich süße Kinder dabei mit total hübschen Kimonos! Mit einer zusammen konnte ich mich sogar fotografieren lassen (muss meine Gastmutter noch nach dem Foto fragen). Zudem fand auch gerade eine Hochzeit statt, schön mit traditionell japanischer Kleidung und allem. Wirklich ein toller Anblick!
Nach der Besichtigungstour waren wir in einem deutschen Lokal Mittag essen. Inzwischen hat es einen japanischen Namen (den ich mir nicht gemerkt habe), aber früher hieß es "Roter Ochsen". Ja, die armen Japaner verzweifeln regelmäßig an unserer Grammatik. Aber ansonsten war es ganz nett.
Zum Schluss ging es noch in einen Buchladen. Endlich mal einen GROßEN Buchladen. Dort konnte ich mir schließlich Eragon bestellen, was ich eigentlich schon seit zwei Monaten lesen wollte, und zusätzlich habe ich von meiner Gastmutter noch fünf Bücher mit japanischen Märchen geschenkt bekommen. Das war so lieb von ihr!

Die Woche können wir überspringen, war ja im Großen und Ganzen so wie immer. Die Zwischenprüfungen haben den Alltag auch nicht sonderlich verändert.
Donnerstagnachmittag war allerdings interessant. Meine Gastfamilie konnte Katrin jetzt mal persönlich kennenlernen, da ich sie einladen durfte und wir zwei dann zusammen für alle Kartoffelauflauf gemacht haben. In der Mikrowelle. Einen richtigen Ofen hat meine Gastfamilie nicht, aber die Mikrowelle hat zumindest eine Ofenfunktion, als hat es irgendwie schon funktioniert. Seltsam ist es trotzdem, wenn man 45 min einen Auflauf in eine Mikrowelle schiebt...

Gestern, Samstag. Franzis Geburtstag. Los ging es gegen 15:30, da haben wir uns zu fünft in Hiyoshi getroffen, der Gegend, wo Franzis Wohnheim liegt. Zu fünft waren wir deshalb, weil nebst uns vier Deutschen noch eine weitere deutsche Freundin von Franzi aus dem Wohnheim, Steffi, dabei war.


Vom Bahnhof aus sind wir erst zwei Stunden ins Karaoke gegangen und anschließend zu Franzis Wohnheim, wo dann mit der halben Anwohnerschaft gefeiert wurde. Leider waren wir zu diesem Zeitunkt nur noch zu viert, denn Tina sah beim Karaoke mittendrin plötzlich überhaupt nicht mehr gut aus und hat uns dann leider schon vorher verlassen T_T. Ist alles wieder in Ordnung, Tinchen?

Franzi hat für ihre Feier in der Nacht zuvor extra noch acht Kuchen gebacken. Im Toaster, wohlgemerkt! Man muss halt kreativ sein, wenn einem kein Ofen zur Verfügung steht =). Die Kuchen sind sogar was geworden, allerdings hatten die oben eine ziemlich schwarze Kruste. Die haben Katrin und ich dann vor Beginn der Party schnell abgekratzt, während Franzi mit ihrer Family ihren Geburtstagschat hatte. Dann noch ordentlich Puderzucker drüber und schon hat man nicht mehr gesehen, dass an den Kuchen mal was Verbranntes war. Und die waren auch wirklich lecker!

Während Franzi noch anschneidet, suchren sich die ersten schon ein paar Stücke raus.

Es kamen eine ganze Menge Leute zur Feier in die Küche, scheinbar haben die Leute im Wohnheim wirklich alle einen sehr guten Draht zueinander. Ist wirklich toll sowas!

Hier noch einmal Franzi und Steffi, wie sie den selbst gebackenen Kuchen genießen.

Der Leiter des Wohnheims kam irgendwann auch mit runter und hat sich mit allen unterhalten. Ist unglaublich locker drauf, hätte ich gar nicht gedacht! Franzi hat er zum Geburtstag sogar umarmt. Dabei sind Umarmungen selbst bei jungen Japanern selten. Einer der Jungs aus dem Wohnheim kam übrigens plötzlich mit Inlinern in die Küche. Da haben alle ziemlich komisch geguckt. Der Wohnheimleiter, weil er das mit Sicherheit nicht erwartet hat, und ich hauptsächlich, weil ich nicht erwartet habe, dass der Leiter nix sagt. Bei den anderen war es wohl auch sowas in der Richtung. Würde mich mal interessieren, ob er im Nachhinein noch etwas dazu hat verlauten lassen.

Gegen dreiviertel zwölf war ich dann zu Hause, bis ich im Bett war, war es halb eins und fünf Stunden später war die Nacht auch schon wieder zu Ende -_-. Heute war der erste von drei Seminartagen zu Sokes (der Großmeister vom Ninjutsu) Geburtstag. Dienstag gibts dann noch die große Feier. Weils 1. ziemlich teuer ist und ich 2. ab morgen ja wieder zur Uni muss, konnte ich nur heute hin, aber es hat sich echt gelohnt. Nachdem ich während der 1 1/2-stündigen Zugfahrt immer noch gegen das Einschlafen gekämpft habe, hat mich die Umgebung in Noda (der Ort, wo das Seminar stattfindet) dann endlich wach gemacht. Hier habe ich zum ersten Mal den berühmten japanischen Ahorn sehen können, der im Herbst so schön rot wird, dass die Japaner alle Jahre wieder hellauf begeistert davon sind. Seit heute kann ich auch verstehen, wieso. Wirklich, das war SO traumhaft! Ich bin an jedem zweiten Baum stehen geblieben und habe Fotos gemacht, aber letztlich sieht es nicht annähernd so toll aus als wenn man selbst davor steht.





Schließlich habe ich es zum ersten Mal seit Beginn meines Ninjutsu-Trainings auch zu einem Seminar geschafft. Und dann auch noch unter Leitung vom Großmeister persönlich! Das war wirklich ein tolles Ereignis. Vor allem weil das Wetter so prima mitgespielt hat (zwar, kalt, aber strahlender Sonnenschein), sodass wir draußen trainieren konnten. Der Boden war auch ideal dafür. Erde, überall mit frischem Laub überdeckt und alle paar Meter Bäume - wunderbar, um es in die Übungen zu integrieren (na ja, oder es zumindest immer mal zu versuchen). Als Weißgurt hab ich mich da ein wenig einsam gefühlt, denn das einzige weiß, was außer meinem Gürtel noch zu sehen war, war das der Schwarzgurte, die ihren Gürtel schon so lange hatten, dass die Farbe fast gänzlich schon wieder verschwunden war. Ansonsten gab es hier und da auch manchmal einen Grüngurt. Das hatte allerdings den Vorteil, dass ich die ganze Zeit über auch mit einigen Schwarzgurten üben konnte und da habe ich viele nützliche Tipps bekommen, worauf ich noch achten muss bei meinen Bewegungen. Ich denke, es hat mir sehr geholfen. Und es hat großen Spaß gemacht. Die Leute waren echt nett.
Ich schätze, von dem Seminar wird es am Ende wieder eine DVD geben, denn es wurde mit mehreren großen Kameras gefilmt, sogar nebenher der Ton geangelt. Und Fotos wurden auch massenhaft geschossen. Wenn ich die habe, frag ich mal, ob ich ein paar hier veröffentlichen darf. Ich glaub, ganz so ohne weiteres sollte man sowas nämlich nicht hochladen. Fotos von Soke z.B. durfte man auch nur mit dessen Erlaubnis schießen.

Eigentlich wollte ich längst im Bett sein und mal wieder anständig schlafen. Die ganze letzte Woche sind es nicht mehr als 5-7 Stunden gewesen, was für meine Verhältnisse verdammt wenig ist. Dementsprechend fühle ich mich auch grad und bevor ich hier am Laptop einschlafe, sag ich einfach mal Gute Nacht!

Oh, und falls mein Deutsch langsam komisch wird: Man möge es mir bitte verzeihen. In letzter Zeit habe ich immer häufiger das Gefühl, dass mir meine Muttersprache langsam abhanden kommt...

Kommentare:

Franziska hat gesagt…

Gerüchten zufolge schrubbt der gute Andrew des öfteren mit seinen Inlinern durch die Flure - er hat extra 2 Paar (!) aus Hong Kong mitgebracht. Neben dem Laminiergrät....ich frag mich, ob der auch Klamotten im Koffer hatte.

Aber unser Kanri-san ist ziemlich cool, hat nüscht gesagt. *_*

Zephyr hat gesagt…

2 Paar Inliner? Laminiergerät?! Na der hat Probleme XDDD!