Sonntag, 30. November 2008

Feste und Feiern

In den letzten beiden Wochen war wieder viel los, also bringe ich euch mal auf den aktuellen Stand.

Letzte Woche Samstag waren Franzi, Tina und ich beim Mita-Fest, dem großen Kulturfest der Keio-Uni. Und es war wirklich groß, um nicht zu sagen riesig. Ich glaube, wir haben bei weitem nicht alles gesehen, was es an dem Tag gegeben hat. Unter anderem waren natürlich wie immer viele Stände aufgebaut, auch eine Bühne für Gesang, später Tanz, sowie jede Menge weiterer Vorführungen und Ausstellungen in den einzelnen Räumen. Wir haben z.B. eine Rakugo-Vorführung besucht, dabei erzählt ein traditionell in einen Kimono gekleideter Mensch irgendeine lustige Geschichte. Ist eine ziemlich beliebte Form der Unterhaltung in Japan und dem Lachen der Zuschauer nach zu urteilen war diese Studentin wohl auch ziemlich gut. Schade, dass es so schwer zu verstehen war. Es ging wohl um einen Vater, der nicht wusste, welchen Namen er seinem Sohn geben soll, also hat er von den Vorschlägen, die gemacht wurden, einfach alle genommen. Dementsprechend lang war der Name des Kindes dann auch...
Danach waren wir noch bei einer weiteren Unterhaltungs-Comedy, deren Namen ich mir aber nicht gemerkt habe... War etwas einfacher zu verstehen, fand ich. Hierbei haben jeweils zwei Studenten gemeinsam einen Dialog miteinander geführt.

Eine Cosplay-Vorführung gab es auch in einem der Räume. U.a. dieser Vertreter (und das Pikachu im Hintergrund) haben draußen fleißig Werbung dafür gemacht.

Eines der Fotos einer Foto-Ausstellung, die wir ebenfalls besichtigt haben. Waren sehr schöne Bilder dabei.

Und so in etwa sah es insgesamt aus auf dem Campus. Na ja, abends wars noch voller.

Gegen Abend haben wir uns dann noch etwas durch den überfüllten Campus geschoben (dabei war eigentlich Sonntag der Höhepunkt des Festes! Ich will nicht wissen, wie voll es da erst war) und einen Crêpestand gesucht, den allerdings nicht gefunden und stattdessen Eis in knuspriger Waffel mit Schokosoße gegessen. Während wir dort auf der Treppe vorm Haupteingang zum Campus gesessen haben, hat Franzi uns erklärt, was es mit der Bank vor uns auf sich hatte, auf der zwei Mädels saßen, die von Jungs nur so umzingelt waren und scheinbar fleißig Handynummern ausgetauscht haben. Ein absolut ungewöhnlicher Anblick in Japan! Grund dafür war, dass diese Bank am Mita-Campus wohl ein bekannter Ort für Single-Japanerinnen ist, die sich dort hinsetzen, wenn sie jemanden kennenlernen wollen. Ja, und dann kommen die Jungs natürlich auch. Nebenbei meinte Franzi, dass man auch manchmal einfach so von einem Japaner angesprochen wird, wenn man allein irgendwo auf irgendeiner Bank/Treppe herumsitzt. Und prompt stand auch schon einer vor uns! Hat uns auf Englisch angesprochen, bissl in ein Gespräch verwickelt und uns gefragt, ob wir nicht ein bisschen Englisch/Japanisch-Tandem mit ihm machen wollen und dass er uns bei Gelegenheit ja noch ein paar schöne Orte in und um Tokyo zeigen kann. Nach 'ner halben Stunde hatten dann auch alle ihre Handynummern ausgetauscht. Schon witzig, wie schnell das ging *lach*.

Sonntag war nichts weiter los, dafür aber am Montag wieder. Wir hatten frei, also haben meine Gasteltern und ich den Tag genutzt, um etwas in die Tat umzusetzen, was wir uns schon seit über einem Monat vorgenommen haben: Ochanomizu (also das Teewasser) besichtigen. Es hat sich auch wirklich gelohnt. Nicht nur, dass da einige sehr schöne und u.a. auch einer der 10 wichtigsten Tempel Tokyos sind, wir haben auch gerade einen besonderen Tag erwischt, das "shichi-go-san" (7-5-3)-Fest, bei dem Eltern mit ihren 3- bzw. 7-jährigen Mädchen oder 5-jährigen Jungen zum Tempel gehen und für deren Gesundheit und glückliche Zukunft beten. Da waren ein paar unheimlich süße Kinder dabei mit total hübschen Kimonos! Mit einer zusammen konnte ich mich sogar fotografieren lassen (muss meine Gastmutter noch nach dem Foto fragen). Zudem fand auch gerade eine Hochzeit statt, schön mit traditionell japanischer Kleidung und allem. Wirklich ein toller Anblick!
Nach der Besichtigungstour waren wir in einem deutschen Lokal Mittag essen. Inzwischen hat es einen japanischen Namen (den ich mir nicht gemerkt habe), aber früher hieß es "Roter Ochsen". Ja, die armen Japaner verzweifeln regelmäßig an unserer Grammatik. Aber ansonsten war es ganz nett.
Zum Schluss ging es noch in einen Buchladen. Endlich mal einen GROßEN Buchladen. Dort konnte ich mir schließlich Eragon bestellen, was ich eigentlich schon seit zwei Monaten lesen wollte, und zusätzlich habe ich von meiner Gastmutter noch fünf Bücher mit japanischen Märchen geschenkt bekommen. Das war so lieb von ihr!

Die Woche können wir überspringen, war ja im Großen und Ganzen so wie immer. Die Zwischenprüfungen haben den Alltag auch nicht sonderlich verändert.
Donnerstagnachmittag war allerdings interessant. Meine Gastfamilie konnte Katrin jetzt mal persönlich kennenlernen, da ich sie einladen durfte und wir zwei dann zusammen für alle Kartoffelauflauf gemacht haben. In der Mikrowelle. Einen richtigen Ofen hat meine Gastfamilie nicht, aber die Mikrowelle hat zumindest eine Ofenfunktion, als hat es irgendwie schon funktioniert. Seltsam ist es trotzdem, wenn man 45 min einen Auflauf in eine Mikrowelle schiebt...

Gestern, Samstag. Franzis Geburtstag. Los ging es gegen 15:30, da haben wir uns zu fünft in Hiyoshi getroffen, der Gegend, wo Franzis Wohnheim liegt. Zu fünft waren wir deshalb, weil nebst uns vier Deutschen noch eine weitere deutsche Freundin von Franzi aus dem Wohnheim, Steffi, dabei war.


Vom Bahnhof aus sind wir erst zwei Stunden ins Karaoke gegangen und anschließend zu Franzis Wohnheim, wo dann mit der halben Anwohnerschaft gefeiert wurde. Leider waren wir zu diesem Zeitunkt nur noch zu viert, denn Tina sah beim Karaoke mittendrin plötzlich überhaupt nicht mehr gut aus und hat uns dann leider schon vorher verlassen T_T. Ist alles wieder in Ordnung, Tinchen?

Franzi hat für ihre Feier in der Nacht zuvor extra noch acht Kuchen gebacken. Im Toaster, wohlgemerkt! Man muss halt kreativ sein, wenn einem kein Ofen zur Verfügung steht =). Die Kuchen sind sogar was geworden, allerdings hatten die oben eine ziemlich schwarze Kruste. Die haben Katrin und ich dann vor Beginn der Party schnell abgekratzt, während Franzi mit ihrer Family ihren Geburtstagschat hatte. Dann noch ordentlich Puderzucker drüber und schon hat man nicht mehr gesehen, dass an den Kuchen mal was Verbranntes war. Und die waren auch wirklich lecker!

Während Franzi noch anschneidet, suchren sich die ersten schon ein paar Stücke raus.

Es kamen eine ganze Menge Leute zur Feier in die Küche, scheinbar haben die Leute im Wohnheim wirklich alle einen sehr guten Draht zueinander. Ist wirklich toll sowas!

Hier noch einmal Franzi und Steffi, wie sie den selbst gebackenen Kuchen genießen.

Der Leiter des Wohnheims kam irgendwann auch mit runter und hat sich mit allen unterhalten. Ist unglaublich locker drauf, hätte ich gar nicht gedacht! Franzi hat er zum Geburtstag sogar umarmt. Dabei sind Umarmungen selbst bei jungen Japanern selten. Einer der Jungs aus dem Wohnheim kam übrigens plötzlich mit Inlinern in die Küche. Da haben alle ziemlich komisch geguckt. Der Wohnheimleiter, weil er das mit Sicherheit nicht erwartet hat, und ich hauptsächlich, weil ich nicht erwartet habe, dass der Leiter nix sagt. Bei den anderen war es wohl auch sowas in der Richtung. Würde mich mal interessieren, ob er im Nachhinein noch etwas dazu hat verlauten lassen.

Gegen dreiviertel zwölf war ich dann zu Hause, bis ich im Bett war, war es halb eins und fünf Stunden später war die Nacht auch schon wieder zu Ende -_-. Heute war der erste von drei Seminartagen zu Sokes (der Großmeister vom Ninjutsu) Geburtstag. Dienstag gibts dann noch die große Feier. Weils 1. ziemlich teuer ist und ich 2. ab morgen ja wieder zur Uni muss, konnte ich nur heute hin, aber es hat sich echt gelohnt. Nachdem ich während der 1 1/2-stündigen Zugfahrt immer noch gegen das Einschlafen gekämpft habe, hat mich die Umgebung in Noda (der Ort, wo das Seminar stattfindet) dann endlich wach gemacht. Hier habe ich zum ersten Mal den berühmten japanischen Ahorn sehen können, der im Herbst so schön rot wird, dass die Japaner alle Jahre wieder hellauf begeistert davon sind. Seit heute kann ich auch verstehen, wieso. Wirklich, das war SO traumhaft! Ich bin an jedem zweiten Baum stehen geblieben und habe Fotos gemacht, aber letztlich sieht es nicht annähernd so toll aus als wenn man selbst davor steht.





Schließlich habe ich es zum ersten Mal seit Beginn meines Ninjutsu-Trainings auch zu einem Seminar geschafft. Und dann auch noch unter Leitung vom Großmeister persönlich! Das war wirklich ein tolles Ereignis. Vor allem weil das Wetter so prima mitgespielt hat (zwar, kalt, aber strahlender Sonnenschein), sodass wir draußen trainieren konnten. Der Boden war auch ideal dafür. Erde, überall mit frischem Laub überdeckt und alle paar Meter Bäume - wunderbar, um es in die Übungen zu integrieren (na ja, oder es zumindest immer mal zu versuchen). Als Weißgurt hab ich mich da ein wenig einsam gefühlt, denn das einzige weiß, was außer meinem Gürtel noch zu sehen war, war das der Schwarzgurte, die ihren Gürtel schon so lange hatten, dass die Farbe fast gänzlich schon wieder verschwunden war. Ansonsten gab es hier und da auch manchmal einen Grüngurt. Das hatte allerdings den Vorteil, dass ich die ganze Zeit über auch mit einigen Schwarzgurten üben konnte und da habe ich viele nützliche Tipps bekommen, worauf ich noch achten muss bei meinen Bewegungen. Ich denke, es hat mir sehr geholfen. Und es hat großen Spaß gemacht. Die Leute waren echt nett.
Ich schätze, von dem Seminar wird es am Ende wieder eine DVD geben, denn es wurde mit mehreren großen Kameras gefilmt, sogar nebenher der Ton geangelt. Und Fotos wurden auch massenhaft geschossen. Wenn ich die habe, frag ich mal, ob ich ein paar hier veröffentlichen darf. Ich glaub, ganz so ohne weiteres sollte man sowas nämlich nicht hochladen. Fotos von Soke z.B. durfte man auch nur mit dessen Erlaubnis schießen.

Eigentlich wollte ich längst im Bett sein und mal wieder anständig schlafen. Die ganze letzte Woche sind es nicht mehr als 5-7 Stunden gewesen, was für meine Verhältnisse verdammt wenig ist. Dementsprechend fühle ich mich auch grad und bevor ich hier am Laptop einschlafe, sag ich einfach mal Gute Nacht!

Oh, und falls mein Deutsch langsam komisch wird: Man möge es mir bitte verzeihen. In letzter Zeit habe ich immer häufiger das Gefühl, dass mir meine Muttersprache langsam abhanden kommt...

Freitag, 21. November 2008

Shopping ^-^

Kurz vornweg: Heute war meine erste Zwischenprüfung, namentlich die von Geschichte. Ich hab mir den Rat der anderen zu Herzen genommen und versucht, mich nicht zu lang beim Lernen aufzuhalten (effektiv waren es vielleicht drei Stunden *absolut keine Lust hatte*). Aber es hat gereicht :D! Scheinbar ist die Landeskunde-Vorlesung aus meinem ersten Semester doch halbwegs ertragreich gewesen, denn da hatten wir bereits einen ganz guten Überblick über die Geschichte Japans, sodass ich jetzt mit relativ wenig Aufarbeitung (es lebe Wikipedia!) prüfungsfit war. Allerdings hatte ich auch großes Glück mit den Fragen. Egal, Prüfung vorbei, ich hab geschrieben, was das Zeug hielt, jetzt kommen nur noch Japanisch-Prüfungen. Und die werden schon gehen ^^.

Brandon (Malaysia), Katrin, Petja (Bulgarien), Maiko (Japan/?) und ich waren nach den Prüfungen dann noch in Shinjuku shoppen. Ich brauchte ja sowieso dringend neue Schuhe, also war das die ideale Gelegenheit. Hab auch zum Glück welche bekommen! Sie passen und sie gefallen mir, was hier in Japan eine verdammt seltene Kombination darstellt. Den gesamten letzten Monat ist die Schuhsuche jedenfalls am "passen" gescheitert.
Der Haken an der Sache: Die haben mich knapp 23.000 Yen gekostet *steeeeeerb*. Und nein, ihr wollt nicht wissen, wie viel das in Euro ist... (Wenn man den derzeit so schlechten Kurs berücksichtigt, hat selbst mein elektronisches Wörterbuch, das ich mir im Februar gekauft habe, weniger gekostet)
Warum ist Weihnachten noch so lange hin T____T ?

Ansonsten war es echt lustig. Mein persönliches Highlight: Brandon hat eine schicke neue Hose gesucht, weil er morgen bei einem Rednerwettbewerb mitmacht (O.O). Gut, dass er die Kommentare von uns vier Mädels nicht gehört hat. Europäische Männer hätten sich vielleicht drüber gefreut, aber als Asiate wär er wohl im Boden versunken *lach*.

Morgen gehe ich mit Franzi um Kulturfest der Keio-Uni (Mita-Sai). Mal sehen, ob wir vielleicht ein paar unserer alten Freunde wiedersehen. Und das Fest an sich wird sicher auch große Klasse, denn das Fest am SFC-Campus, wo wir vor ein paar Wochen waren, war ja nur ein Nebenevent und selbst das war schon so toll! Da dürfen wir auf den Hauptakt wirklich gespannt sein.

Mittwoch, 19. November 2008

Was Kleines für zwischendurch

Viel war nicht los in letzter Zeit, daher kam jetzt auch längere Zeit kein neuer Eintrag mehr. Die wichtigsten Ereignisse sind daher schnell zusammengefasst:

ICH BIN MEINE HAUSARBEIT LOS!!! Endlich kann ich meine Wochenenden wieder etwas flexibler gestalten... Auch wenn ich das Endergebnis leider nicht so berauschend finde -_-°.

Außerdem hatte die Tina am Freitag Geburtstag. Die Vorbereitungen dazu waren zwar katastrophal (eine Woche vorher - Verabredungen zwischen Katrin, Franzi und mir: "Wir müssten langsam mal nach einem Geschenk suchen. Ideen hat keiner, Zeit irgendwie auch nicht; zumindest nicht gemeinsam..." So nach dem Motto lief das ganze ab. Aber am Ende haben wir es doch irgendwie geschafft und Tina schien sich über ihre Tasche und den Haarschmuck sehr gefreut zu haben =). Harajuku ist echt eine Goldgrube.)
Der Gebu war dann relativ ruhig. Wir sind zur Abwechslung mal NICHT ins Karaoke, sondern in ein Restaurant gegangen, nebst uns vier halleschen Studenten waren auch Kiyohiko und Ayako, Tinas Tandem-Parterin an der Waseda-Uni, mit dabei. Es war echt schön, aber für Tina wohl ziemlich anstrengend. Sie sah so kaputt aus...

Ninjutsu ist in letzter Zeit auch sehr interessant, da wir in den letzten Wochen statt den Übungen mit dem Bo (=1,90m langer Stab) die verschiedensten anderen Sachen geübt haben. Letzte Woche haben wir uns z.B. gegenseitig gewürgt, mit den Fingern in empfindliche Punkte gestochen und gekniffen. Die Aussage "alles kann verwendet werden" wird hier wirklich seeeeeeehr weit gefasst.

Trotzdem bringe ich da weniger Verletzungen mit nach Hause als beim Volleyball. Keine Ahnung, wie genau ich das diesmal geschafft habe, aber seit wir gestern die Annahmen geübt haben, habe ich am Handgelenk einen großen, geschwollenen blauen Fleck. Gut, dass er sich nicht so schlimm anfühlt, wie er aussieht.
Gestern war unser Training in einer anderen Halle als sonst, demnach haben wir auch mal andere Teams getroffen, unter anderem Spieler von der Waseda. In einer der Gruppen gab es ebenfalls eine Ausländerin und, dreimal dürft ihr raten, ja, sie war auch Deutsche XD. Kommt aus Leipzig. Den nächsten (Halb-)Deutschen habe ich heute getroffen. Manchmal frage ich mich, ob ich hier echt in Japan bin...
Japanische Mädchen sind übrigens, wenn es darum geht, Jungs beim Sport zuzusehen, genau wie deutsche. Zum Ende hatten unsere Jungs ein Match gegen das Waseda-Team und was machen die Japanerinnen? Versammeln sich alle am Spielfeldrand, gucken und kommentieren fleißig. Wobei die meiste Zeit nur kommentiert wird, wer beim Spiel am tollsten aussieht und wer generell wie beliebt bei allen ist *lach*.

Heute war Tabehodai angesagt (= all you can eat), denn Brandon (Malaysia), ein Freund aus meinem Japanisch-Kurs, hat neulich von einem preiswerten Lokal in der Nähe gehört und ein paar Leute eingeladen, also sind wir nach dem Unterricht zu acht losgegangen. Dabei habe ich heute auch den oben kurz erwähnten Halb-Deutschen kennen gelernt, der wohl auch an der Sophia studiert. Zusammen mit Robert (Deutsch, ebenfalls mein Kurs) und Sachiko (Deutschland/Japan, Parallelkurs) waren wir den anderen Nationen gegenüber wie immer in der Überzahl.
Nachdem wir uns bei der Tabehodai für 1000 Yen (knapp 7 Euro) kräftig die Bäuche vollgeschlagen haben, wollten wir eigentlich (zumindest Sachiko und ich) noch ein bisschen lernen, weil wir am Freitag Zwischenprüfung in japanischer Geschichte haben. Eigentlich. Aber als wir das Lokal verlassen haben, haben wir keine zehn Meter weiter eine Karaoke-Bar entdeckt. Und die hat auch nur 50 Yen/30 min gekostet. Und eigentlich wollten wir auch nur 'ne Stunde bleiben. Am Ende sind es zwei geworden und als wir wieder draußen waren, war es halb sechs und stockdunkel ^^u.
Soviel zum Lernen. Aber dafür hat es echt Spaß gemacht. Sachiko und ich haben es uns nicht nehmen lassen, am Ende noch das Opening von Digimon zu singen *lach*. Ich die erste Strophe auf Deutsch, sie die zweite auf Japanisch. Mit ihr macht das echt Spaß.

Sorry, dass es schon wieder keine Bilder gibt. Die Kamera ist einfach so groß, dass ich sie selten mitnehme. Aber demnächst werde ich sie mal wieder mit einstecken und auch hier wieder ein bisschen was hochladen.

Freitag, 7. November 2008

Nachtrag - Sophia-Universität

Ich habe meine älteren Posts gerade noch einmal überflogen und dabei ist mir aufgefallen, dass ich das Bild mit der wohl bekanntesten Ansicht meiner Uni noch gar nicht hochgeladen habe.

Man sieht hier zwar nicht sonderlich viel vom Campus, dafür aber den Schriftzug, der einem schon von weitem zuwinkt und dir sagt: Hier ist die Sophia-Universität (oder eben "Jouchi daigaku", wie sie im Japanischen auch heißt, was auch in Kanji oben rechts am Gebäude geschrieben steht).

Heute Abend war ich mit meiner Gastfamilie übrigens auswärts essen. Es gab Okonomiyaki - leeeeeeeeecker!!!
(Bitte googlen, wer genaueres wissen möchte. Oder in meinen alten Einträgen vom Februar/März kramen, da gibts Bilder und Erklärungen *jetzt keine Lust darauf hat*).
Gestern hatten wir Nigiri-Sushi zum Abendessen. Lauter tolle Sachen in letzter Zeit!

Donnerstag, 6. November 2008

Die abenteuerliche Nachtwanderung durch Kohinata

Kleine Erklärung: Kohinata ist der Name des Ortes, wo meine Gastfamilie wohnt.
Und warum ich gestern dort eine Nachtwanderung gemacht habe? Tja, dreimal dürft ihr raten... Hab mich verlaufen XD. Aber total. Und das nachts halb zwölf, wo in so 'ner typisch japanischen Wohnsiedlung keine Menschenseele mehr auf der Straße ist (außer ein paar Radfahrer, die zu schnell sind, um sie anzusprechen und nach dem Weg zu fragen). Also wurde aus einem vermeintlich 7-minütigen Heimweg ein 50-minütiger Heimweg.

Wie ich das nach über einem Monat erst geschafft habe? Ganz einfach: Ich hatte mein zweites Volleyballtraining in Shinkiba. Wenn ich dort in die Fukutoshin-Linie einsteige, kann ich rein theoretisch bis zu mir nach Hause fahren, ohne umsteigen zu müssen, komme allerdings nicht an meinem üblichen Bahnhof (Myogadani-Bahnhof), sondern einem anderen (Edogawabashi-Bahnhof) an, der in einer ganz anderen Richtung liegt. Das sowie die Route, die ich von da aus einschlagen muss, um nach Hause zu kommen, hat mir meine Gastmutter nach meinem ersten Training in Shinkiba erklärt, also wollte ich es jetzt mal ausprobieren.
Die ersten paar Meter gingen auch noch gut, aber danach muss ich den Hügel verpasst haben, an dem ich rechts hätte abbiegen sollen, hab dann irgendwann Leute angesprochen und nach dem Weg gefragt, sodass ich dann wenigstens die richtige Richtung einschlagen konnte. Danach hatte ich auch Glück und bin an einem Stadtplan vorbei gekommen, von denen es in Tokyo zum Glück echt viele gibt. Bis zum nächsten Stadtplan stimmte meine eingeschlagene Route auch, aber da fing dann das eigentliche Problem an. Laut Karte war ich nur noch zwei oder drei Blocks von meiner Gegend entfernt, aber die Straßen waren dort alle so klein und verwinkelt, dass man augenblicklich die Orientierung verlaufen hat, wenn man erst mal irgendwo eingebogen ist. (Für ortskundige Hallenser: Das Paulusviertel ist dagegen richtig übersichtlich!)
So stand ich nach zehn Minuten plötzlich wieder vor dem Schild, obwohl ich nicht das Gefühl hatte, im Kreis gelaufen zu sein... Na ja, Runde noch mal von vorn, diesmal einen anderen Weg eingeschlagen - und - nach zehn Minuten wieder vor dem dämlichen Schild gelandet! Inzwischen war es kurz vor zwölf, ich war immer noch mutterseelenallein und hatte langsam echt keine Lust mehr -_-. Zum Glück bin ich dann aber endlich einer Frau begegnet, die um diese Zeit noch unterwegs war, und hab sie nach dem Weg zu der Uni gefragt, die ganz bei mir in der Nähe ist. Wie sich herausgestellt hat, war die auch nur eine Straße weiter (...) und von da an bin ich auch endlich zurück gekommen.
Beim nächsten Mal werde ich entweder wieder den Umweg über Ikebukuro bis Myogadani in Kauf nehmen oder vorher die Strecke mit meiner Gastmutter zusammen ablaufen.

Von der Nachtwanderung mal abgesehen gibt es aber auch interessantere Dinge zu berichten über die letzten Tage. Zum einen habe ich jetzt endlich meine Arbeitsgenehmigung und kann mir nun einen Nebenjob suchen. Das heißt dann zwar, dass der letzte Rest Freizeit auch noch flöten geht, aber ohne geht einfach nicht. Selbst wenn ich versuche zu sparen (und das hab ich letzten Monat), komme ich gefährlich nah an mein Geldlimit ran oder sogar darüber. Ich will ja nicht leben wie die Made im Speck, aber ein ganzes Jahr mit dem Geld knausern ist dann auch nicht so das, was ich mir unter einem Auslandsaufenthalt vorgestellt habe.
Samstag war ich mit Katrin und Tina auf dem Sophia-Festival, aber verglichen mit dem SFC-Fest vor ein paar Wochen war es relativ unspektakulär. Das Waseda-Festival soll dagegen ja (laut Aussage von Tina und Katrin) wirklich toll gewesen sein. Schade...zur falschen Zeit am falschen Ort :(. Dafür war Kiyohiko am Samstag mit dabei und mit ihm ist es immer lustig ^^. Franzi und ich haben ihn im Winter kennen gelernt, als wir das erste Mal in Japan waren. Er spricht sehr gut Deutsch und versteht vor allem auch sehr viel, sodass man mit ihm auch gut auf Deutsch über andere Japaner lästern kann *g*. Ich erinnere mich da nur an das Mädel mit den Stöckelbeinen. Die waren SO dünn... Das sah echt gefährlich aus. Da hätte ich mit einer Hand rumfassen können! Und das ist jetzt nicht übertrieben.

Samstagabend habe ich dann noch eine ziemlich interessante Sache erfahren (davon wollte ich längst erzählen, hab es aber einfach noch nicht geschafft). Ich weiß nicht mehr, wie wir darauf gekommen sind, aber die Jungs haben mir nach dem Ninjutsu-Training erklärt, warum Ochanomizu (Stadtteil in Tokyo, wörtlich: "Teewasser") Ochanomizu heißt. Das hat tatsächlich was mit Tee zu tun. Zur Tokugawa-Zeit (Anfang 17. bis Anfang 19. Jhd.) gab es an diesem Ort eine Quelle, aus der man sehr gutes Wasser gewinnen konnte, welches zur Zubereitung von sehr gutem Tee verwendet wurde (z.B. für den Shogun). Deshalb also "Teewasser".

Vor ein paar Tagen hat die Bedeutung des Begriffs "Rush Hour" bei mir auch eine ganz neue Bedeutung bekommen. Ich dachte eigentlich, dass ich längst weiß, was eine "überfüllte Bahn" ist. Wenn man links, rechts und meist auch vorn und hinten ständig gegen Leute aneckt und daher nicht mal Platz hat, ein Buch zu halten (was die Japaner aber trotzdem irgendwie immer schaffen). Die RICHTIGE Rush Hour sieht allerdings so aus, dass man sein Buch doch halten kann (man muss sich bloß überwinden, weniger Rücksicht auf andere zu nehmen und versuchen, denen das Buch irgendwie in den Rücken zu drücken, damit man zumindest nicht direkt mit der Nase darin klebt. Und wenn man - mal wieder - erst früh morgens anfängt für den Kanji-Test in einer halben Stunde zu lernen, dann tut man die Rücksicht halt ab und an beiseite). Und man muss sich nirgends mehr festhalten, denn hinter und neben einem stehen die Leute wirklich SO dicht, dass man sich ein wenig wie im Schraubstock fühlt und selbst beim Anfahren und Bremsen der Bahn nicht mehr umfallen kann, sondern nur noch ein klein wenig schwankt (OHNE festhalten, wie gesagt). Dabei stand ich noch nicht einmal gerade, meine Füße waren irgendwo weiter vorn und haben auf meinen Rucksack aufgepasst, wo mein Oberkörper schon keinen Platz mehr hatte...
Als einmalige Erfahrung ist sowas recht interessant, aber dauerhaft muss ich es dann auch nicht haben. Man schwitzt auch so schon jeden Morgen allein vom Rumstehen, selbst wenn es nicht ganz so extrem voll ist.
Aber ein wenig seltsam finde ich es schon. Normalerweise berühren Japaner sich kaum, selbst wenn sie sich kennen. Unter Freunden ist es z.B. eher üblich, zur Begrüßung und zum Abschied einander zuzuwinken, als z.B. eine Umarmung, wie bei uns. Und auch sonst weicht man sich natürlich aus, wenn es möglich ist. Aber in der U-Bahn (im Fahrstuhl übrigens auch) werden diese Grenzen gänzlich abgelegt, jeder bleibt für sich anonym und alles, aber man klebt förmlich aneinander. Gut, es lohnt sich meist nicht, auf die nächste Bahn zu warten, denn die ist genauso voll wie die letzte, aber trotzdem...