Dienstag, 28. Oktober 2008

Ueno-Zoo

Am Sonntag war ich mit Tina und Katrin im Ueno-Zoo. Der ist echt groß, hat einen Haufen interessanter Tiere und kostet nur 600 Yen Eintritt! (Umgerechnet ca. 4 Euro. Und jetzt vergleicht das bitte mit dem Eintrittspreis bei unseren Zoos...)
Wir sind gegen 14:45 Uhr rein gegangen und wurden 17:00 Uhr dann leider nach draußen gebeten, weil der Zoo dann schon schließt T_T. Dadurch haben wir den letzten Rest (z.B. das Reptilienhaus) leider nicht mehr sehen können, aber ansonsten haben wir natürlich jede Menge Tiere mitgenommen und fleißig fotografiert =).
Da die Bilder der Zootiere ja für sich sprechen, will ich mich hier nicht länger mit Erklärungen aufhalten und zeige euch einfach, was wir so gesehen haben.

Eins allerdings noch vornweg: Ich weiß nicht, ob das in Ueno immer so ist, aber als wir vom Bahnhof zum Zoo gelaufen sind, sind wir einem Haufen Künstler begegnet, die, in bunte Kostüme gekleidet, getanzt, getrommelt oder sonstige Schauspiele vorgeführt haben.


Und nun die Tierchen:

Der Otter war leider zu schnell für ein anständiges Bild...

Dafür hat die Schneeeule hübsch posiert =).

Na, findet ihr den Vogel? Kleiner Tipp: Hängt verkehrt herum an der Decke. Das haben da fast alle gemacht...

Das Dunkle in der Mitte ist ein Kolibri.

Die letzten drei Fotos hab ich in einem der Dunkelräume gemacht. Bei dem letzten habe ich auf meinem Kamera-Display wirklich gar nichts mehr gesehen, das war ein reiner Schuss ins Blaue. Hätte ich nicht gedacht, dass die Cam das so hinbekommen hat!

Das hier ist was ganz besonderes gewesen: Ein Urzeit-Vogel, den es nur noch sehr selten gibt.

Freitag, 24. Oktober 2008

Gastfamilie

Super einfallsreicher Titel, ich weiß, aber berücksichtigt bitte, dass es kurz vor elf (nachts) ist und ich fünf Tage Uni hinter mir hab (incl. 2 Grammatik-Tests! Wir rasen wirklich durch das Buch durch...)

Aber zum Thema: Ich weiß nicht, ob ich schon einmal alle Familienmitglieder aufgezählt habe, aber der Vollständigkeit halber und zur Erinnerung werde ich euch kurz alle vorstellen.
Ältestes Familienmitglied ist mein Gastvater, 73 Jahre (seit gestern; näheres zum Geburtstag kommt später), in seiner Jugend Student an der Keio-Uni gewesen (da, wo Franzi derzeit ihr Auslandsstudium macht), liebt Bücher, liest täglich Zeitung, kennt sehr viele alte Filme (auch europäische), verfolgt Entwicklungen an der Börse... Kurzum: Er ist geistig noch verdammt fit und hat ein unglaubliches Wissen! Man kann ihn fragen, was man will, er weiß wirklich über alles was zu sagen. Und über das meiste kann er sogar ziemlich viel erzählen. Problematisch ist es nur, das, was er sagt, auch zu verstehen. Die Aussprache von meinem Gastvater ist nämlich wirklich verdammt unverständlich (für mich, für Japaner natürlich nicht). Ich glaube, ich hatte das kurz erwähnt, als ich gerade hier angekommen war und meine Gastmutter mich ihm vorgestellt hat. Obwohl ich genau wusste, dass er, nachdem wir unsere Namen genannt haben, "yoroshiku" (ungefähr: Freut mich, dich kennen zu lernen) sagen wird, hab ich es nicht verstanden. Nicht ein Stück. Zu dem Zeitpunkt war ich mir sicher, ich würde nach einem Jahr nach Hause zurückkehren und könnte alle anderen Japaner bis dahin eventuell weitestgehend verstehen, ihn aber immer noch kein Stück. In letzter Zeit werde ich aber langsam etwas optimistischer. Inzwischen gelingt es mir immer mal, ein Wort zu verstehen, von dem, was er sagt (auch wenn meine Gastmutter mir inhaltlich nach wie vor das meiste noch mal erklären muss). Es geht also aufwärts :D!

Meine Gastmutter ist 65 Jahre alt (oder 66? Bin mir nicht ganz sicher. Wird jedenfalls am 11.11. ein Jahr älter. Vom Geburtstag mal abgesehen, ist auch ihr Geburtsjahr sehr interessant, denn das war Heisei 11 (bitte nicht fragen, was das in europäischer Rechnung heißt. Ich mag jetzt nicht nach 'ner Zeittafel suchen...). Als sie mich am Tag meiner Ankunft vom Bahnhof abgeholt hat und ich sie dort das erste Mal gesehen habe, war ich ziemlich erstaunt, dass sie sowohl geistig als auch äußerlich wesentlich jünger wirkt. Sie ist z.B. sehr tolerant, was meine Interessen und damit auch Schlafenszeiten, Aufstehzeiten, Heimkehr etc. angeht. Wenn ich Samstags erst zwischen 22:00 und 23:00 Uhr vom Sport zurück komme, ist das okay. Wenn ich am WE ausschlafe und erst nach zehn zum Frühstück erscheine, ist das auch okay. Und solange ich nach Möglichkeit bescheid sage, wenn ich spontan mal länger unterwegs bin nach der Uni (also so lange, dass sie mit dem Essen auf mich warten müsste), gibt es da auch keine Probleme. So viele Freiheiten sind bei weitem nicht in jeder Gastfamilie (vor allem in Japan) Standard, soweit ich gehört habe, also kann ich mich echt glücklich schätzen, dass ich es so gut erwischt habe. Aber gut, ich bin auch der achte oder neunte Austauschstudent, der hier wohnt, da ist meine Gastfamilie sicher schon einiges gewöhnt.
Das Essen, das meine Gastmutter so kocht, ist im Übrigen auch sehr interessant. Obwohl meine Gasteltern ja einer Generation angehören, die im Allgemeinen außer dem traditionell japanischen Essen (Reis+Fisch+kleine Beilage+Misosuppe) so ziemlich alles Neue verschmäht, mögen die beiden internationale Gerichte sehr gern. Dementsprechend oft wird auch mit Messer und Gabel gegessen, wenn es z.B. grad Pasta oder so 'ne Art Krautrouladen oder was auch immer gibt, wo sich Stäbchen halt nicht anbieten.
Die Stäbchen sind im Übrigen auch so eine Sache. Wer meint, er könne sie benutzen, nur weil er Sushi-Rollen halten und evtl. noch Reis oder Nudeln damit aufheben kann, der irrt. Die hohe Kunst des Mit-Stäbchen-Essens beginnt beim Halten von so weichen, rutschigen und zerbrechlichen Sachen wie Tofu oder gekochtem Ei und beim Zerteilen eben genannter und ähnlicher Dinge (versuch mal, mit Stäbchen ein Stück Fisch aus dem langen Streifen herauszutrennen, der noch an seiner Fischhaut hängt). Kurzum: Ich hab noch einen weiten Weg vor mir...

Aber weiter zur Familie: Rieko (gesprochen: RI-eko) ist 35, eine der beiden Töchter meiner Gasteltern, und wohnt mit ihrem Ehemann (Yoichiro, 36) und ihrem ca. 9 Monate alten Sohn Shotaro ebenfalls hier im Haus. Das hat übrigens zwei Etagen, wobei Bad, Küche, Wohnzimmer, Gästezimmer und eine Toilette im Erdgeschoss, zwei Schlafzimmer, noch zwei Toiletten, das Arbeitszimmer von Yoichiro und noch zwei Zimmer in der ersten Etage sind. Im Kellergeschoss ist übrigens noch ein Schlafzimmer, wo mein Gastvater schläft und auch seine DVD/Video-Sammlung hat. Es gibt praktisch zwei getrennte Wohnbereiche, obere und untere Etage, und Rieko plus Familie sieht man unten relativ selten, weil sie sich die meiste Zeit oben in ihren Räumen aufhalten. Yoichiro ist tagsüber außerdem arbeiten. Mit den beiden habe ich bisher dadurch auch nur wenig reden können, aber die beiden sind auch sehr lieb. Manchmal, so wie gestern beim Geburtstag meines Gastvaters, kann ich dann auch sehen, wie Yoichiro mit dem Kleinen spielt, was wirklich unheimlich niedlich ist.
Shotaro, also der Kleine, weiß wohl noch nicht so ganz, was er von mir halten soll. Manchmal guckt er mich ganz groß und neugierig an, aber dann, von einer Sekunde auf die nächste, dreht er sich wieder weg und versteckt sich bei seinen Eltern oder Großeltern (je nachdem, wer ihn grad auf dem Arm hat) und scheint jeden Moment anzufangen zu weinen. Mal sehen, wann er sich an mich gewöhnt hat ^^.

Schön finde ich auch immer wieder, dass ich mich so viel mit meiner Gastmutter unterhalten kann. Vor allem beim und nach dem Abendessen reden wir sehr viel. Manchmal auch nachmittags, wenn ich von der Uni nach Hause komme und mich noch mal ein bisschen unten mit hinsetze. Dann trinken wir zusammen Tee und reden ein bisschen. Die Themen sind dabei auch ziemlich vielseitig. Vom japanischen und deutschen Schulsystem über Sternzeichen, Familie, Freunde, Erlebnisse (sowohl meine als auch verschiedenes von der Gastmutter, z.B. über frühere Austauschstudenten), Arbeitsmarkt, Wetter, Wetter, Wetter (=japanisches Standartthema, was eigentlich immer angesprochen wird, wenn man sich grad sieht, oft auch, wenn man Mails schreibt oder ähnliches), Uni, Globalisierung, Technik, Essen, Religion... Ja, so irgendwie klappt inzwischen eigentlich alles =). Und wenn Zeit ist und ich grad in Redelaune bin, dann schaffen wir locker schon mal eine Stunde, ohne dass einem die Themen ausgehen oder man mit den Wörtern so sehr in Bedrängnis kommt, dass man nicht mehr weiter erzählen kann. Verglichen mit Februar, wo ich das erste Mal hier war, ist das echt eine enorme Steigerung, die mich ziemlich erstaunt. Das ist nur ein Semester her und trotzdem war ich damals nicht mal in der Lage, einigermaßen über meine Hobbies zu erzählen! Klar, es gibt immer noch genügend Dinge, die ich nicht ganz verstehe und bisweilen verstehe ich auch was falsch, aber mit ein bisschen Wörterbuch und Erklärungen geht es eigentlich ziemlich gut.

Noch mal kurz zum Geburtstag: Tagsüber war eigentlich gar nicht so viel los. Ich hatte mich nach der Uni ausnahmsweise wirklich beeilt, weil ich wenigstens an so einem Tag frühzeitig und lange zu Hause sein wollte, aber als ich dann da war, war es ganz still. Jeder hat irgendwo geschlafen *lach*. Na ja, hab dann halt schon mal die Hausaufgaben gemacht.
Dafür saßen wir abends sehr lange beisammen, was dann die eigentlich (kleine) Feier war. Vor dem Essen hat Yoichiro versucht, ein Bild von uns allen zu machen. Ging an sich auch, aber Shotaro ist natürlich noch zu klein, um zu wissen, dass er bei Fotos in die Kamera gucken soll, sodass letztlich alle Versuche gescheitert sind, wirklich alle mit Blick in die Kamera einzufangen. Eine Sekunde vorm Blitz hat Shotaro sich jedes Mal umgedreht und uns angeguckt. War wohl interessanter, uns alle zu beobachten *lach*.
Anschließend gab es ein 5-Gänge-Menü. Ich weiß nicht, ob das den klassischen Gängen entsprochen hat, aber viel und lecker war es auf alle Fälle. Zuerst gab es Melone mit Schinken, wovon ich bis dahin zwar schon mal gehört habe, probiert hatte ich es aber noch nicht. War wirklich lecker, man glaubt es kaum! Danach ging es weiter mit Knäckebrot und Käsehappen (Camembert und noch ein französischer Käse mit Blauschimmel drin), anschließend der Hauptgang, bestehend aus Pasta, danach ein Salat und zum Schluss wurde der Geburtstagskuchen angeschnitten. Vieeeeeel Sahne und Erdbeeren. Genial! Aber danach hätte ich echt platzen können. Nebenbei wurde etwas Wein (erst Weißwein, ab dem Hauptgang dann Rotwein) getrunken. Ist Jahre her, seit ich das letzte Mal welchen getrunken habe (bzw. generell mal Alkohol getrunken hab), und ich habe auch nach je einem halben Glas von beiden Weinen schon die Wirkung vom Alkohol gespürt. Ich vertrage wirklich nichts. Was ja auch einer der Gründe ist, warum ich jeglichen Alkohol normalerweise meide.
Vom Kuchen ist übrigens ein Stück übrig geblieben, das darf ich noch essen :D.

Vorgestern war im Übrigen ebenfalls ein langer Tag. Da sind Katrin und ich zum Ausländermeldeamt gefahren, weil wir von dort eine Erlaubnis brauchen, um einen Nebenjob annehmen zu dürfen. Hat sicher an die drei Stunden gedauert, bis wir dort waren, alles ausgefüllt und abgegeben hatten und ich dann endlich zu Hause war. Wenn ich daran denke, dass ich in ca. zwei Wochen wieder da hin muss, um die Genehmigung abholen zu können... ~_~
Na ja, wenigstens meine Genehmigung für erneute Einreise nach Japan hab ich jetzt. Die brauche ich nämlich unbedingt, wenn ich im Februar für ein paar Wochen nach Hause möchte, sonst verfällt der Rest meines Visums mit Verlassen des Landes und ich komme nicht wieder rein nach Japan.
Morgen kommt Katrin vorbei und wir machen uns einen schönen Tag mit Hausaufgaben, Jobsuche im Internet, faulenzen und abends gehen wir dann zum Ninjutsu. Also ich zum Trainieren und Katrin zum Zugucken.

Hm... Da habe ich meinen Blogeintrag diesmal extra eher geschrieben, aber weniger als beim letzten Mal ist es trotzdem nicht geworden. Aber dafür müsste ich das Wichtigste jetzt auch geschafft haben ^^.
Zum Schluss noch ein paar Bilder von meiner Wohngegend, dem Haus und meinem Zimmer (Rest der Wohnung habe ich noch nicht fotografiert).


Typische Straße in einer japanischen Wohnsiedlung: Wenn ein Auto vorbei kommt, heißt es: Bauch einziehen und möglichst nah an die nächste Häuserwand ran! Aber da kommt relativ selten irgendwas vorbei.


Dieser kleine Hügel ist der Endspurt zum Haus. Nachdem man den hochgekraxelt und links abgebogen ist, läuft man nur noch ein paar Meter geradeaus...


...und steht auch schon vor dem richtigen Haus. Das rosane weiter im Vordergrund ist das meiner Gastfamilie.


Kurzer Einblick ins Zimmer (inzwischen liegt schon wieder überall mein Zeug rum): Von der Tür aus leicht links sind ein Spiegel und Regal


Auf der gegenüberliegenden Seite ist mein Bett


an der Rechten Wand sind Schreibtisch (hier nur noch als Zipfel zu sehen) und der Kleiderschrank. Der übrigens ganz schön groß ist! Die oberen Fächer habe ich noch nicht mal benutzt.

Ach so, hier noch eine Großaufnahme von meinem Waschbärchi, das ich von der Sarah bei der Abschieds-Party mit den Freunden aus dem Japanisch-Kurs bekommen habe =).

Sonntag, 19. Oktober 2008

Alltag - und was es sonst so gibt

Ja, ich weiß, mein letzter Blogeintrag liegt MONDE zurück. Und dementsprechend lang wird es an dieser Stelle wohl auch werden. Ich erklär euch auch gleich, warum ich ewig nix geschrieben hab. Und nein, diesmal lag es definitiv nicht daran, dass ich es vor mir her geschoben hab, bis ich mal Lust hatte. Ich hab mir so ziemlich jeden Tag gedacht: "Heute schreibst du mal wieder", saß dann aber bis abends an den Hausaufgaben und Vorbereitungen, war dann hundemüde, hab zwischendurch geschlafen, Abendbrot gegessen, wieder rumgelegen und war dann irgendwann im Bett. Und zwischendurch hab ich mich noch der kursierenden Erkältungswelle angeschlossen, die sich im Anschluss gleich mit zwei Tagen Dauerkopfschmerzen die Klinke in die Hand gegeben hatte -_-.

Aber jetzt erst mal zur Uni =). Mein Unterricht besteht zu 10x90 min Japanisch pro Woche plus 2x90 min "Entwicklung der Japanischen Zivilisation" (Dienstag und Freitag).
Japanisch besteht wiederum aus drei Bereichen: Lesen+Grammatik (täglich je 90 min), Mündlich+Schreiben (Mo, Mi, Do) und Kanji (Di, Fr). Vor allem die ersten beiden Bereiche sind wirklich interessant, was sicher zum Großteil an den Lehrern liegt. Kanji ist leider recht anstrengend, weil wir jedes Mal eeeeeewig auf einem Schriftzeichen rumkauen, um es mit seiner ganzen Lebensgeschichte kennen zu lernen -_-. Na ja, wenigstens ist es alles ziemlich verständlich.
Davon abgesehen hatten Katrin und ich bisher den Vorteil, dass wir von der aktuellen Grammatik schon viel kannten. Das hat uns beim Nacharbeiten einiges an Arbeit erspart. Aber in letzter Zeit kommen immer mehr Ausdrücke dazu, die uns doch noch neu sind. Meist sind es kleine Redewendungen oder bestimmte Nuancen, wenn man zu einer Sache was sagen möchte. Praktische Dinge für den Sprachgebrauch, die man sich teilweise aber nur schwer merken kann, weil man sie eben nicht dauernd anwenden kann.
Mit am schwierigsten, aber trotzdem sehr interessant, ist der mündliche Teil des Unterrichts. Da sprechen wir entweder zu neu gelernten Ausdrucksweisen kurze Dialoge durch oder machen in Partnerarbeit eine Art Interview. Z.B. hatten wir einmal die Aufgabe, dem Gesprächspartner so lange Fragen zu stellen, bis entweder dieser nicht mehr antworten konnte, weils zu schwierig wurde, oder man selbst keine Fragen mehr hatte. So was ist wirklich praktisch um auszutesten, wie weit man es mit den akutellen Sprachfähigkeiten schon bringt. Oder wir bekommen eine Situation vorgegeben und müssen die dann mit verteilten Rollen nachempfinden (so laufen übrigens auch unsere Tests im Mündlichen ab). Letztens bedeutete dies: Einer war Student und brauchte ein Empfehlungsschreiben, um sich für den Masterstudiengang an der Uni bewerben zu können. Allerdings hat dieser Student ein paar Mal im Semester gefehlt. Der Dozent, den er fragt, ist eigentlich gerade sehr beschäftigt und hat nicht wirklich Zeit für so ein Empfehlungsschreiben. Und so sollte halt jeder versuchen, in seiner Rolle eine für sich günstige Lösung zu finden und den Gesprächspartner zu überzeugen.
So viel zum Lernen im Unterricht. Aber was wäre schon Unterricht ohne Hausaufgaben? Und die gibt es hier praktisch im Überfluss, bestehend aus: Vokabel-Übungen (ein bis zwei Seiten, fast täglich) zum neuen Lesetext oder Konversationstexten, Grammatik-Übungen im Arbeitsheft (zwei bis vier Seiten täglich), Kanji-Übungen (zwei Seiten, je zweimal pro Woche). Plus Vorbereitungen auf die Tests, von denen wir im Schnitt zwei pro Tag haben (manchmal auch drei, selten einen, niemals gar keinen), also: Konversations- oder Lesetextvokabeln lernen, Redewendungen für bestimmte Situationen auswändig lernen (die werden dann in Form kleiner Partnerdialoge abgefragt), ca. einmal wöchentlich flüssiges Lesen üben, zweimal pro Woche für die Kanji-Tests lernen.
Ah, und dann gibt es ja noch das Geschichts-Seminar. Dafür lese ich pro Sitzung (außer ich schaffe es nicht) noch ca. 20 Seiten in dem Buch, das ich für den Kurs kaufen sollte, plus ein paar Seiten im Reader, der Auszüge aus Originalquellen enthält.
Apropos Bücher. Das war auch eine ziemliche Belastung gleich zu Beginn des Semesters. Summa summarum hat das Zeug 14000 Yen (=rund 100 Euro) gekostet! Warum muss Lehrmaterial so teuer sein? Und warum bin ich in dem Kurs gelandet, wo wir die meisten Bücher brauchen T_T?

Ich brauche jetzt sicher niemandem erzählen, wie sehr man sich nach so einer Woche auf sein Wochenende freut, oder? Nur dummerweise ist das die einzige Zeit, die man auch mal mit seinen Freunden verbringen kann, also denkt jetzt nicht, ich würde mich da erholen.
Das erste WE nach Unibeginn (2., 3.+4.10.) hat Franzi ja schon schön geschildert, daher hier nur in Kurzfassung: Freitag ging es gleich nach der Uni nach Shibuya, wo Franzi, Tina, Katrin und ich uns am Hachiko (berühmte Hundestatue) getroffen haben, um gemeinsam ins Karaoke zu gehen. Sozusagen als Einweihungstreffen für unseren Auslandsaufenthalt.


Es war mal wieder mehr als lustig und leider waren die zweieinhalb Stunden viel zu schnell um -_-...
Was an dem Samstag war (vom Ninjutsu mal abgesehen), weiß ich jetzt leider nicht mehr, aber irgendwas war sicher. Einen ganzen Nachmittag habe ich bisher nämlich noch nicht zu Hause verbracht.
Egal, Sonntag. Da hatten Franzi, Tina, Katrin und ich uns in der Nähe der Waseda-Uni mit Kiyohiko (Tinas ehemaliger Tandem-Partner, den Franzi und ich im Februar bereits kennenlernen durften) und dessen ehemaligem Schulfreund Yamaguchi getroffen, haben uns erst in Ruhe in ein Café gesetzt, sind später dann zu Tinas Waseda-Campus gegangen und haben uns dort auch ein Museum angesehen und zum Abschluss waren wir in einem Ramen-Shop lecker essen.
Im Anschluss sind wir gleich weiter nach Ôsaki, wo wir uns ja schon einmal mit Saya zum Hallenfußball getroffen haben. Diesmal war Basketball angesagt. Zuerst wollte Saya uns nicht glauben, als wir ihr gesagt haben, dass von uns vieren eine schlechter ist als die nächste, aber nach zwei Minuten Spielzeit (Saya hatte die tolle Idee, eine rein deutsche Mannschaft aufzustellen ^^), in denen wir drei Körbe kassiert hatten (...), hat sie sich unserer erbarmt und uns mit den anderen besser durchmischt ^^. Danach wars auch nicht mehr ganz so peinlich, weil man den Ball einfach schön an die Teammitglieder abgeben konnte und die haben das dann schon hinbekommen. Und einmal hab ich sogar selbst einen Korb geschafft :D. Aber davon abgesehen... Ich weiß schon, warum ich Basketball nicht mag.

Am Samstag eine Woche später (10.10.) war ich mit Tina und Katrin in Akihabara, damit die beiden auch endlich ein Handy bekamen. Es ist letztlich ja doch sehr unpraktisch, wenn man unterwegs ist und keine Möglichkeit hat, irgendwen zu erreichen. Dumm nur, dass die Verkäuferin im Yodobashi (das Kaufhaus, wo Franzi und ich auch meinen Vertrag bekommen hatten) meinte, dass es dieses spezielle Angebot nicht mehr gab. Und Handys gab es derzeit nur ab 30.000 Yen (zum Vergleich: Meins hat 9.800 Yen gekostet und das waren umgerechnet schon über 60 Euro!). Also sind wir erst mal weiter. Ziemlich deprimiert und gefrustet. Irgendwo in einer Seitenstraße haben wir dann allerdings noch einen anderen, kleinen Softbank-Shop gesehen und sind dann da rein, um uns noch mal umzuhören. Dort gab es dann zumindest auch Handys für 14800 Yen, was immerhin schon die Hälfte des vorherigen Preises und ein derzeitiges Sonderangebot war, das nur dieses Wochenende gültig gewesen ist. Tina und Katrin haben dann also doch in den sauren Apfel gebissen und das etwas teurere Handy genommen und gemeinsam haben wir uns dann durch die Vertragsbedingungen geschlagen. Ich bin froh, dass ich am Abend zuvor mit meiner Gastmutter noch mal meinen kompletten Vertrag auseinander genommen hatte, denn so hab ich es langsam endlich verstanden, was das überhaupt alles beinhaltet hat.
Nachdem alles fertig ausgefüllt war, durften wir allerdings noch mal 40 Minuten durch Akiba laufen, weil es noch eine Weile gedauert hat, bis die ganzen neuen Daten im Rechner eingegeben waren und wir die Handys abholen konnten. Da wir immer noch nix im Magen hatten, sind wir also erst mal was Essen gegangen. Und zufällig genau an derselben Ecke raus gekommen, wo ich im Februar schon einmal zusammen mit Anne, Franzi und Beson Mittag gegessen hatte, als wir wegen unserer elektronischen Wörterbücher das erste Mal in Akihabara waren *lach*! Bei sowas werde ich immer nostalgisch...
Jedenfalls waren Katrin und Tina dann doch froh, endlich ihre Handys zu haben, auch wenn sie etwas teurer waren als die von Franzi und mir.


Inzwischen war es auch schon recht spät und ich musste mich sputen, um noch pünktlich zum Sport zu kommen.
Letztlich hätte ich mich allerdings gar nicht so beeilen brauchen, denn wir sind eh noch ein bisschen länger draußen geblieben. Die Schule, in der wir trainieren, hatte scheinbar gerade ein Fest und der Umzug, mit einem hübsch dekorierten Holzschiff, war gerade dabei, sich auf den Weg zu machen. Das haben wir uns natürlich nicht entgehen lassen =).


Und noch eine der Girlanden in Detailaufnahme:


Sonntag, 11.10., waren wir vier dann am Shonen-Fujisawa-Campus der Keio-Uni, denn der hatte an diesem Wochenende Herbstfest und wenigstens einen Tag wollten wir uns das noch ansehen. Hat sich auch echt gelohnt. Nicht nur, dass es total viele Stände mit Getränken und Essen, Schmuck, Anhängern, Kleidung und was weiß ich noch gab. Auf insg. drei Bühnen gaben Bands von Studenten ihre Musik zum besten und ab 15:40 Uhr zeigten die beiden Tanzclubs ein gut anderthalbstündiges Programm, das es echt in sich hatte. Im fliegenden Wechsel zeigten sie eine Vielzahl von Tänzen (ziemlich modern, Richtung Hip Hop, Breakdance und so) und Kostümen und legten dabei eine Begeisterung an den Tag, die einen einfach mitreißen musste. Wie die sich bewegt haben, wie ihre Gesichter gestrahlt haben... Das war, als bräuchten sie das, wie die Luft zum Atmen. Ich kann es leider nicht richtig beschreiben, denn simple Worte sind einfach nicht in der Lage, das Gefühl darzustellen, welches die Tänzer vermittelt haben. Es war wirklich ganz große klasse.

Inzwischen hatte ich mich übrigens auch dazu entschieden, in den Volleyball-Zirkel zu gehen, welcher einmal wöchentlich und i.d.R. Mittwoch, ab 18:00 Uhr stattfindet. Letzten Mittwoch habe ich mich daher mit einigen anderen Zirkelmitgliedern getroffen und wir sind zusammen nach Chiba gefahren, wo immer trainiert wird.
Ich hatte vorher ziemlichen Bammel, weil ich seit über drei Jahren nicht mehr gespielt habe und auch davor nicht unbedingt zu den besten in meiner Klasse gehört hatte, aber ganz so katastrophal, wie ich befürchtet hatte, ist es dann doch nicht geworden. Leider Gottes hatte ich an dem Tag schon seit dem Aufstehen leichte Kopfschmerzen und während des Abends ist es teilweise richtig unerträglich geworden. Am schlimmsten war wohl der Rückweg durch die Bahnhöfe. Zwischendurch 600m laufen und zusehen, dass sich mir nicht der Magen umdreht. Mir war so schlecht... Von den zwei Hausaufgaben, die ich danach eigentlich noch hätte erledigen sollen hab ich dann noch 'ne halbe gemacht und bin so früh wie möglich ins Bett. Das hat anscheinend nur nicht ausgereicht, denn am nächsten Morgen ging es genauso weiter wie tags zuvor, sodass ich abends, als es wieder so schlimm geworden ist, dann doch mal eine Tablette genommen hab (meine Gastmutter ist extra schnell noch mal in die Apotheke gefahren, weil nichts mehr im Haus war...). Zum Glück hat die schnell geholfen und ich konnte mich wenigstens noch auf den Unterricht für Freitag vorbereiten. Und die Kopfschmerzen sind zum Glück auch weiterhin weg geblieben.
Freitag habe ich zum ersten Mal einen Vortrag auf Japanisch gehalten. Ich sollte in ein paar Minuten im Kanji-Unterricht eines der neuen Zeichen vorstellen, die wir an dem Tag dran genommen haben. Irgendwie habe ich es dabei sogar geschafft, meine Aufregung soweit niederzukämpfen, dass das ganze nicht in einem gestotterten Desaster geendet hat. Drei Kreuze.
Gestern (18.10.) war ich mit Tina und Katrin zusammen im Tokyo National Museum, weil ausländische Studenten an dem Tag kostenlos in die meisten Ausstellungen rein gekommen sind. Und da war alles Mögliche dabei. Von alten Töpfereifunden, Masken und Ackerbauwerkzeugen aus dem 7. und 8. Jahrhundert über Schriftrollen, Wandvorhänge, buddhistische Statuen und Zeremoniengegenstände, Kleidung, Schmuck und Waffen/Samuraiausrüstung war da echt alles dabei. Und dabei haben wir nicht mal alles geschafft! Ich wollte noch zum Sport gehen, deshalb haben wir uns wieder auf den Rückweg gemacht, nachdem wir das Hauptgebäude und eines (der zwei) Nebengebäude geschafft hatten.
Beim Training waren wir diesmal erstaunlicherweise "ziemlich viele" Leute. Ganze fünf Mann waren da XD! Na ja, bisher waren wir maximal zu dritt, da ist das schon eine ziemliche Steigerung =). Unter anderem hat sich Tetsuya, der beim letzten Mal schon zugeschaut hat, dazu entschieden, jetzt auch mitzumachen, und er war gestern auch mein Übungspartner beim Hebeln. Das war echt eine lohnende Erfahrung, denn er hat schon eine ganze Menge an Kampfsport-Erfahrung mitgebracht ("Shorinji Kempai" oder so ähnlich nannte sich das, was er bis jetzt gemacht hat). Seine Hebel haben daher echt gut funktioniert und ich war auch beim Abrollen wirklich gezwungen, darauf aufzupassen, wie ich falle. Auf dem Parkett tut es nämlich wirklich weh, wenn man dreimal hintereinander auf dieselbe Stelle an der Kniescheibe fällt (das Resultat ist natürlich ein wunderschöner blauer Fleck - wie immer). Beim vierten Mal gibt man sich dann ganz automatisch mehr Mühe. Ich hoffe, ich kann in Zukunft öfters mal mit ihm zusammen trainieren =).
Die Grundbewegung mit dem Bo (ca. 1,90m langer Stab) klappt inzwischen auch etwas besser. Ich bin auch am Überlegen, ob ich mir nicht einen eigenen kaufen sollte, aber vorher muss ich erst in Erfahrung bringen, ob ich den dann auch irgendwie nach Deutschland bringen kann. Wenn, dann will ich ihn ja auch mitnehmen.

An dieser Stelle mache ich einen grooooooßen Sprung zurück und gehe noch mal zum 30.9., dem Dienstag vor meinem ersten Unitag. Ich bin froh, dass ich den Tag genutzt habe, um ein bisschen was zu erleben, denn ich wollte mich noch einmal mit Mario treffen (der Leipziger, den ich hier beim Training getroffen habe) und mir das Budokan (Kampfsport-Halle) ansehen, welches hier in Tokyo praktisch ein zentraler Punkt ist, an dem die verschiedensten Sportarten trainiert werden. Wir haben z.B. ein Weilchen Judo-Übungen beobachtet, sind dann weiter und haben leider ganz knapp eine Kendo-Stunde verpasst (von draußen haben wir noch das schallende Klacken der Bambusschwerter gehört, doch leider war die Übung vorbei, kaum dass wir einen Blick auf das Training werfen konnten) und zum Schluss ein wenig bei einer gemischten Gruppe von Karate-Schülern zugesehen. Da war vom gelben bis zum braunen Gürtel alles dabei und man konnte sehr schön beobachten, wie unterschiedlich sicher und fließend die Bewegungen der einzelnen Schüler waren, je nach Erfahrungsgrad.
Am interessantesten war aber das Kyudo-Training (Bogenschießen), bei dem wir ein bisschen zusehen konnten. Es sieht unheimlich anmutig aus, wenn eine Reihe von Männern und Frauen, alle in traditionelle Hakama gekleidet, gleichzeitig ihren Bogen präparieren, erst in einer Art Zeremonie davor nieder knien, dann auf ganz bestimmte Art den Bogen halten, den Pfeil anlegen, zielen und schließlich loslassen. Und alles sehr bedächtig und konzentriert.
Ich durfte sogar kurz ein Foto davon machen. Leider hatte ich nur mein Handy dabei (obwohl meine riesige Olympus-Kamera da vielleicht auch zu auffällig gewesen wäre) und das Bild ist von der Qualität her nicht so prickelnd geworden, aber ich möchte es trotzdem mal zeigen.


Inzwischen schreibe ich seit fast 1 1/2 Stunden an dem Eintrag und langsam muss ich mich sputen, denn 14:30 treffe ich mich noch einmal mit Tina und Katrin in Harajuku. Wir wollten noch was wegen unseren Handyverträgen regeln und ein bisschen einkaufen gehen ^^.
Ich hoffe, beim nächsten Mal habe ich eher Zeit, den Blog zu aktualisieren, damit es nicht wieder so viel auf einmal wird.