Montag, 10. März 2008

Ja, was macht sie denn bloß?

Das werden sich in der letzten Woche sicher einige gefragt haben. Die Antwort: Erst in aller- (aber wirklich ALLER!) letzter Sekunde die Bewerbung für die Sophia-Uni irgendwie fertig bekommen und wegschicken und dann auf Reisen gehen. Und zumindest der Teil mit der Bewerbung war...na ja, wenn ich jetzt "stressig" oder "frustrierend" sagen würde, wär das doch arg geschmeichelt. Aber zumindest ist sie jetzt weg. Pünktlich. Und die TOEFL-Ergebnisse sind, wie ich vorhin gesehen habe, jetzt auch da. Bin mal gespannt, ob es reicht (hab 104 Punkte von evtl. 120 möglichen).

Da ich nun schon seit einer Weile nicht mehr geschrieben habe, fange ich mal von vorn an.
Am 3.3. hat sich unser eifriger Freund und Helfer Shinobu mit uns in Ikebukuro getroffen. Wir waren in erster Linie eigentlich nur dort, um mal ein bisschen durch das Mangaviertel zu gucken, weil wir in der Richtung noch ein paar Gastgeschenke gesucht haben. Ein bisschen was haben wir auch bekommen. Anschließend waren wir in einem Park dort, der eigentlich gar kein Park war, weil es bloß eine betonierte Fläche mit einem Springbrunnen in der Mitte war. Und zwei oder drei Bänke am Rand. Von Gras oder ähnlichem Grünzeug weit und breit keine Spur.
Irgendwann abends auf dem Rückweg - wir waren dann noch in Iidabashi, auch einfach bloß, um es uns mal anzugucken - haben wir noch einen kleinen Schrein mitgenommen, der sich von den vielen anderen kleinen Schreinen nicht sehr unterscheidet und damit genauso niedlich ist wie alle anderen auch und sind dann halt irgendwann zurück ins Wohnheim gefahren.

Nächster Tag, 4.3. Wieder mit Shinobu unterwegs. Diesmal in einem RICHTIGEN Park mit Gras, Bäumen und Vögeln ^^. Namentlich handelte es sich um den Yoyogi-Park in Harajuku. Und weil das Wetter sowieso gerade (mal wieder) so schön war, waren wir natürlich nicht die einzigen, die unterwegs waren. In einer Ecke standen ein paar Japaner, einer hat auf einem lustigen Instrument getrommelt und der andere hat zwei seltsame Schwungtücher geschwungen (mit Gewichten am Ende). Ich sollte das dann auch mal ausprobieren und es war auch gar nicht so schwer. Aber es war natürlich unheimlich charmant von den anderen, dass sie mich da praktisch hin geschoben und sich dann fein im Hintergrund gehalten haben, um zu lachen und ihre Fotos zu schießen...
Eigentlich wollte ich an dieser Stelle ein paar Fotos zeigen, aber der Server hat grad keine Lust dazu. Tut mir Leid... Es gab nämlich auch noch ein paar tolle Bilder von der Pflaumenblüte. Hier in Japan blüht die Pflaume nämlich nicht nur weiß, sondern auch rot. Und die Bäume hier in dem Park hatten zum Teil ein so intensives Rot - das war wirklich umwerfend! Sowas hätte man in echt mal sehen müssen, aber ich hoffe, das letzte Foto kann es wenigstens einigermaßen deutlich machen...
Nach dem Spaziergang im Park waren wir noch Eis essen, da ganz in der Nähe. Doch so eine richtige Eisgenuss-Atmosphäre wollte sich einfach nicht einstellen und daran waren die Tauben Schuld. Erstens waren es sowieso zu viele und zweitens war keine von ihnen vollständig. Die meisten hatten irgendwas mit den Füßen. Kralle verkrüppelt, Zeh fehlt oder zumindest gehumpelt. Na ja...

Am 3.5. war noch mal Karaoke. Allerdings nicht für mich T_T. Ich hatte bis zu dem Tag ja noch mit den Sophia-Unterlagen zu kämpfen, alles eingescannt, fertig gemacht und so. Und am Ende war ich fünf Minuten nach zwölf in Shibuya am Bahnhof, um zwölf wär Treffpunkt gewesen. Ich habs vorher nicht mehr geschafft, bescheid zu geben, dass ich wohl doch kann und nur ein bisschen länger brauche, also war natürlich keiner mehr da. Okay, ich bin nicht ganz für umsonst nach Shibuya gefahren, denn ich musste noch zur Post und ein Päckchen fertig machen (und das hat sogar ohne Verständnisprobleme Probleme und mit vielen, langen Erklärungen geklappt :D).
Anschließend gleich noch Mittag gegessen und zurück am Hiyoshi-Bahnhof eine Schale Erdbeeren gekauft (die weiter im Süden Japans jetzt schon wachsen und seeeeeehr lecker sind), um irgendwie den Kummer übers verpasste Karaoke lindern zu können. Schließlich hab ich nicht nur das verpasst, sondern auch die Möglichkeit, hier mal etwas zusammen mit Mari (Japanerin, die bei uns in Halle auch Gesellschaft Japans studiert ^^) zu unternehmen. Und Purikura-Bilder haben sie dann auch noch gemacht. Aber auch wenn ich nicht mit drauf bin, ich hab zumindest von jedem Motiv was abbekommen :).

Okay, ab jetzt wirds wieder spannend. Donnerstag, 6.3. Beginn des Gasshuku (Sprachcamp für Deutsch lernende Japaner) auf der Halbinsel Izu. Während der vierstündigen Fahrt mit verschiedenen Bahnen und zum Schluss noch einem Zug sind bereits die meisten Japaner zu uns gestoßen. Erster Eindruck: Viel mehr als die Unterscheidung männlich/weiblich bekommt man kaum auf die Reihe und es werden insgesamt an die 20 Namen sein, die man lernen darf. Wie soll das gehen?
Natürlich fühlte man sich erst mal etwas fremd und die Gespräche fielen dementsprechend spärlich aus. Abgesehen davon, dass so eine volle Bahn oder ein schaukelnder, permanent Kurven fahrender Bus nicht der geeignetste Ort zum Aufbau von Gesprächen ist. Aber als wir dann endlich da waren, wurde es bald besser.
Izu war bereits vom ersten Moment an toll. Allein schon wegen der Landschaft: Ringsum Berge, relativ klein und daher bis zu den Gipfeln bewaldet, was allein schon unheimlich schön war, aber in der Ferne konnte man auch noch das Meer sehen, was insgesamt ein unglaublicher Kontrast war. Auch das Wetter zeigte sich von seiner besten Seite und es war hier sogar NOCH wärmer als in Tokyo, sodass erst mal alle Jacken ausgezogen werden konnten (Gott, ich werd wahrscheinlich sowas von frieren, wenn ich wieder zu Hause bin... Hier wird man echt verwöhnt).
Unser Gasthaus war ein richtiges Ryokan, also ein Hotel im alten japanischen Stil, dessen Räume mit Strohmatten ausgelegt sind, wo man auf Futons (Matratzen) auf dem Boden schläft, die man tagsüber zusammenräumt und wo es keine normalen Tische und überhaupt keine Stühle gibt. Im Ryokan sitzt (genauer: kniet) man auf Kissen vor ca. 50 cm hohen Tischen. Beim Essen, Arbeiten, UNO-spielen, Zeichnen und was sonst halt so gemacht wurde. Allerdings ist diese ungewohnte Haltung gar nicht mal so ohne. Am zweiten Tag hatte ich leichten Muskelkater in den Beinen und ab dem Abend dieses Tages taten einem eigentlich permanent die Knie weh und man konnte kaum noch fünf Minuten still sitzen, ohne irgendwie die Position mal wieder zu ändern. Auch der Schneidersitz wurde irgendwann problematisch. Aber alle haben es überlebt und ich fand es auch gar nicht schlecht, so was mal ausprobieren zu können.
Noch ein Highlight an diesem Ryokan: Es hatte ein Onsen, also so eine natürliche heiße Wasserquelle. Die allerdings nicht draußen, sondern auch drinnen im Badezimmer war. Das funktionierte ähnlich wie bei meinem Homestay bei Ayana: Im Vorraum ausziehen, drinnen am Duschbereich gründlich waschen und dann vorsichtig in die heiße Quelle rein. Die im Übrigen auch noch ein ganzes Stück heißer war als das Wasser bei Ayana. Ich kam mir jedes Mal vor wie ein Ei, das grad gekocht wird.
Irgendwo in drei, vier Meter Höhe hörte übrigens die Trennwand zwischen unserem und dem Männerbad kurz vor der Decke auf und so konnte man immer hören, wenn drüben auch grad was los war. So gab es zum Beispiel auch immer mal Ausrufe des Schmerzes, wenn da drüben wohl grad jemand ins Onsen gestiegen ist *hihi*.
Ebenfalls typisch Japanisch war das Essen. Morgens bestand es aus: Reis, einer kleinen Schüssel Suppe (meist Miso), etwas Gemüse, eingelegtem Rettich, etwas Kraut oder Salat, ein bisschen Wurst, Fisch oder Fischwurst. Mittags gab es: Reis, eine kleine Schüssel Suppe (meist Miso), etwas Gemüse, eingelegten Rettich, etwas Kraut oder Salat, ein bisschen Wurst, Fisch oder Fischwurst. Und das Abendbrot bestand aus: Reis, einer kleinen Schüssel Suppe (meist Miso), etwas Gemüse, eingelegtem Rettich, etwas Kraut oder Salat, ein bisschen Wurst, Fisch oder Fischwurst. Ja, sehr abwechslungsreich also :).
Okay, am Mittwoch hatten wir Reis mit Curry zum Mittag ^^. Aber ein bisschen froh bin ich schon, jetzt mal wieder Toastbrot frühstücken zu können. Und Süßkram zu essen. Denn selbst die Knabbereien waren da eher salzig als süß. Oder es gab Chips (wobei die Pringles natürlich von niemandem verachtet wurden). Und zu trinken gab es in der Regel grünen Tee, manchmal auch Wasser. Sowas wie Saft, Cola oder halt Alkohol gabs dafür Abends bei den Partys.
Besagte Partys waren wohl das, was uns die wertvollsten Erinnerungen beschert haben. Meist endeten sie nicht vor drei Uhr morgens, obwohl spätestens halb acht schon wieder der neue Tag beginnen sollte. Ich glaube, ich habe noch nie so viele Tage hintereinander so wenig geschlafen. Aber man ist auch einfach nicht müde geworden. Bei endlosen UNO-Runden haben alle geflucht wie die Rohrspatzen, es wurde gelacht, den Japanern dummes Zeug beigebracht (das, was sie jetzt wohl alle im Schlaf beherrschen, sind die hundert Anwendungsmöglichkeiten von "Scheiße" und "Scheiß..." ^^v). Vor allem Tekkan hat es darin wahrlich zu einer Meisterschaft gebracht, absolut natürlich und akzentfrei und so. Aber das lag vor allem an Annes langem Üben mit ihm für ihr kleines Theaterstück. Das war nämlich die Hauptaufgabe dieses Gasshuku: Fünf Gruppen sollten sich ein kurzes Stück zu dem Thema "Ich und der Fremde" ausdenken. Und weil es so ein weites Thema war, hatten wir auch fünf völlig unterschiedliche Ergebnisse. Wobei das von Annes Gruppe bei Weitem das genialste war. Wirklich, Japaner wie Deutsche, Studenten wie Dozenten haben sich vor Lachen kaum noch eingekriegt, als sie das aufgeführt haben. Zumindest als wir uns das Video noch mal angeguckt haben, das zu allen Stücken gedreht worden ist, denn während des Drehs permanent laut zu lachen ist recht ungünstig (aber ganz verkneifen konnte man es sich da natürlich auch nicht). Beschreiben lohnt sich an dieser Stelle nicht, weil da der Witz einfach nicht rüber kommt. Man muss die Leute einfach sehen, wie sie da rumhampeln, sich bewegen, wie sie reden...
Und natürlich haben wir jede Menge Bilder von den ganzen Leuten gemacht. Mein Favorit ist nach wie vor Toshi, mit Deutschland-Afro-Perrücke, Saftflasche in der erhobenen rechten Hand und einem improvisierten "Faust", den er sich in den linken Arm geklemmt hat, insgesamt in der Pose der Freiheitsstatue. Herrlich! Und am Ende hatte auch jeder so seinen Spitznamen weg, wobei Tekkan über seinen (Tekkan-nee-chan, was so viel bedeutet wie "großes Schwesterchen Tekkan") nicht ganz so glücklich schien ^^. Das hatte den Hintergrund, dass wir uns nach unserem Videodreh am Abend auch die Stücke der letzten zwei Jahre angeguckt haben und Tekkan, zum alten Eisen gehörend, hat da vor zwei Jahren die kleine Schwester von jemandem gespielt. Mit Haarspange, Halskette, Rock - allem, was halt dazu gehört. Und dann mit so herrlich verstellter Stimme! Zum Wegschmeißen! Nur war er halt älter als wir und da hat "kleine Schwester" nicht so gepasst, also haben wir "große Schwester" drauß gemacht. Falls das mit den Bildern morgen wieder geht, lade ich noch ein paar hoch.
Vier Tage. Das waren gerade mal vier Tage (und ein kleiner Rest), aber man hat so viel mit einander gemacht - gelernt, gearbeitet, gegessen, gelacht - dass es jetzt doch ganz schön weh tut, wieder lebwohl sagen zu müssen. Morgen sehen wir einige Japaner noch mal, denn wir wollten noch ein letztes Mal Karaoke (und danach vielleicht noch mal Purikura) machen, bevor auch wir zurück nach Deutschland müssen. "Wir" sind dann aber nur noch Franzi, Anne und ich, weil Mechthild morgen schon zurück fliegt... Und wir folgen dann zwei Tage später.
...
Ach menno, ich will noch nicht nach Hause ~_~

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