Dienstag, 11. März 2008

Aller Abschied fällt schwer...

Heute war sozusagen unser letzter RICHTIGER Tag. Und beim Gasshuku haben wir uns dazu entschlossen, den noch mal in Form eines Karaoke-Treffens ausklingen zu lassen (diesmal MIT mir). Haben daher extra noch groß beim Gasshuku kurz vor der Rückfahrt rumgefragt, wer Lust und Zeit hat, und einige sind auch wieder gekommen. Unser Waku zum Beispiel *freufreu* und auch Yasu, Hiromi und Kaisei sind mitgekommen. Kaisei hat gleich noch Yusuke mitgebracht, einen Kumpel aus Studienzeiten, der uns am 21.2. auch Enoshima gezeigt hatte :). Und - das war echt eine tolle Überraschung - Tekkan kam ebenfalls noch! Ursprünglich hatte er ja abgelehnt, weil er morgen schon nach Spanien fliegt, aber er hat wohl alle Hebel in Bewegung gesetzt, um doch noch mal dabei sein zu können.
Also zu neunt Karaoke. Viereinhalb Stunden. Und es war wirklich lustig. Vor allem Anne und Waku, die sich immer mal so versteckt geneckt haben. Voll süß ^^. Oder als sie zusammen "A whole new World" aus Aladdin gesungen und sich zum Schluss so in die Augen geguckt haben. Absolut süß! Ja, wenns nicht der letzte Tag gewesen wäre und zwischen den beiden knapp 20000 km liegen würden... ;)

Anschließend ging es noch ein letztes Mal zum Purikura-Bildchen-machen und dann haben wir uns noch eine ganze Weile in ein Café gesetzt, bissl was getrunken und gegessen und es halt einfach noch ein bisschen genossen, dass wir alle beisammen sein konnten, bevor es dann wirklich an den Abschied ging. Kurz vorm Ende haben wir noch unsere letzten paar Süßigkeiten verteilt und Waku hat auch noch ein paar Geschenke für uns aus der Tasche gezaubert: Vier Fotoalben (und er hat bei JEDEM von uns genau die Lieblingsfarbe getroffen! Anne: rot, Franzi: grün, ich: blau), die zur Hälfte mit Bildern von uns gefüllt waren. Zu Hause werde ich dann mal sehen, dass ich die restlichen Seiten auch noch voll bekomme.

Morgen wirds nicht viel zu berichten geben. Wäsche waschen, Sachen packen, Zimmer saubermachen und möglichst nicht so spät ins Bett, denn übermorgen, ab 7:00 Uhr, ist Zimmerabnahme und spätestens um acht machen wir uns auf den Weg zum Flughafen. Vielleicht schreibe ich danach noch mal kurz in den Blog, um die verschiedenen Purikura-Bilder hochzuladen (werd sie zu Hause dann einscannen), aber ansonsten ist mein Reise-Tagebuch damit abgeschlossen.
Hab jetzt schon Fernweh...

Versprochen ist versprochen!

Hier also die versprochenen Bilder.

Erst zur Pflaumenblüte im Yoyogi-Park:

Und weil es mir gerade wieder einfällt, gleich noch ein paar Bilder von der KIRSCH- (und diesmal wars wirklich Kirsche!) Blüte auf Izu. Dort war es so warm (und das sicher schon länger), dass die Kirschen dort verdammt fix waren mit dem Blühen.

Und nun ein paar Fotos von den Japanern :D.
Unser Toshi...

...als Freiheitsstatue

...und als Schildkröte. Aber meist hat er ja doch irgendwo geschlafen. Ja, ja, das Toshishi :)

Waku-waku, stolzer Besitzer des Preises für den besten Schauspieler:

Sexy Tekkan-nii-chan (wir hatten nun doch Erbarmen und haben "großes Brüderchen" draus gemacht):
Und hier mit fescher Brille und Perrücke:

Ein Ausschnitt aus einer der vielen Uno-Runden:
Die Leute, die man erkennen kann (v.l.n.r.): Saya, Yuri, Waku und Tekkan
Am letzten Abend haben wir die meiste Zeit über zu elft gespielt.

Kaisei, Waku, Shuhei (hinten), Yu (vorn), Yasu

Und ein Gruppen-Foto (auf dem der Toshi leider fehlt, weil er sich grad rumgetrieben hat :( ). Aber hier zähle ich jetzt nicht alle auf.

Noch etwas vielleicht. Also ich hab ja wirklich viel gegessen (selbst so einen seltsamen Tintenfish-Snack und Natto hab ich probiert!), aber das hier hat mich dann doch überfordert. Nix gegen Fisch, aber muss der einen noch angucken?!

Montag, 10. März 2008

Ja, was macht sie denn bloß?

Das werden sich in der letzten Woche sicher einige gefragt haben. Die Antwort: Erst in aller- (aber wirklich ALLER!) letzter Sekunde die Bewerbung für die Sophia-Uni irgendwie fertig bekommen und wegschicken und dann auf Reisen gehen. Und zumindest der Teil mit der Bewerbung war...na ja, wenn ich jetzt "stressig" oder "frustrierend" sagen würde, wär das doch arg geschmeichelt. Aber zumindest ist sie jetzt weg. Pünktlich. Und die TOEFL-Ergebnisse sind, wie ich vorhin gesehen habe, jetzt auch da. Bin mal gespannt, ob es reicht (hab 104 Punkte von evtl. 120 möglichen).

Da ich nun schon seit einer Weile nicht mehr geschrieben habe, fange ich mal von vorn an.
Am 3.3. hat sich unser eifriger Freund und Helfer Shinobu mit uns in Ikebukuro getroffen. Wir waren in erster Linie eigentlich nur dort, um mal ein bisschen durch das Mangaviertel zu gucken, weil wir in der Richtung noch ein paar Gastgeschenke gesucht haben. Ein bisschen was haben wir auch bekommen. Anschließend waren wir in einem Park dort, der eigentlich gar kein Park war, weil es bloß eine betonierte Fläche mit einem Springbrunnen in der Mitte war. Und zwei oder drei Bänke am Rand. Von Gras oder ähnlichem Grünzeug weit und breit keine Spur.
Irgendwann abends auf dem Rückweg - wir waren dann noch in Iidabashi, auch einfach bloß, um es uns mal anzugucken - haben wir noch einen kleinen Schrein mitgenommen, der sich von den vielen anderen kleinen Schreinen nicht sehr unterscheidet und damit genauso niedlich ist wie alle anderen auch und sind dann halt irgendwann zurück ins Wohnheim gefahren.

Nächster Tag, 4.3. Wieder mit Shinobu unterwegs. Diesmal in einem RICHTIGEN Park mit Gras, Bäumen und Vögeln ^^. Namentlich handelte es sich um den Yoyogi-Park in Harajuku. Und weil das Wetter sowieso gerade (mal wieder) so schön war, waren wir natürlich nicht die einzigen, die unterwegs waren. In einer Ecke standen ein paar Japaner, einer hat auf einem lustigen Instrument getrommelt und der andere hat zwei seltsame Schwungtücher geschwungen (mit Gewichten am Ende). Ich sollte das dann auch mal ausprobieren und es war auch gar nicht so schwer. Aber es war natürlich unheimlich charmant von den anderen, dass sie mich da praktisch hin geschoben und sich dann fein im Hintergrund gehalten haben, um zu lachen und ihre Fotos zu schießen...
Eigentlich wollte ich an dieser Stelle ein paar Fotos zeigen, aber der Server hat grad keine Lust dazu. Tut mir Leid... Es gab nämlich auch noch ein paar tolle Bilder von der Pflaumenblüte. Hier in Japan blüht die Pflaume nämlich nicht nur weiß, sondern auch rot. Und die Bäume hier in dem Park hatten zum Teil ein so intensives Rot - das war wirklich umwerfend! Sowas hätte man in echt mal sehen müssen, aber ich hoffe, das letzte Foto kann es wenigstens einigermaßen deutlich machen...
Nach dem Spaziergang im Park waren wir noch Eis essen, da ganz in der Nähe. Doch so eine richtige Eisgenuss-Atmosphäre wollte sich einfach nicht einstellen und daran waren die Tauben Schuld. Erstens waren es sowieso zu viele und zweitens war keine von ihnen vollständig. Die meisten hatten irgendwas mit den Füßen. Kralle verkrüppelt, Zeh fehlt oder zumindest gehumpelt. Na ja...

Am 3.5. war noch mal Karaoke. Allerdings nicht für mich T_T. Ich hatte bis zu dem Tag ja noch mit den Sophia-Unterlagen zu kämpfen, alles eingescannt, fertig gemacht und so. Und am Ende war ich fünf Minuten nach zwölf in Shibuya am Bahnhof, um zwölf wär Treffpunkt gewesen. Ich habs vorher nicht mehr geschafft, bescheid zu geben, dass ich wohl doch kann und nur ein bisschen länger brauche, also war natürlich keiner mehr da. Okay, ich bin nicht ganz für umsonst nach Shibuya gefahren, denn ich musste noch zur Post und ein Päckchen fertig machen (und das hat sogar ohne Verständnisprobleme Probleme und mit vielen, langen Erklärungen geklappt :D).
Anschließend gleich noch Mittag gegessen und zurück am Hiyoshi-Bahnhof eine Schale Erdbeeren gekauft (die weiter im Süden Japans jetzt schon wachsen und seeeeeehr lecker sind), um irgendwie den Kummer übers verpasste Karaoke lindern zu können. Schließlich hab ich nicht nur das verpasst, sondern auch die Möglichkeit, hier mal etwas zusammen mit Mari (Japanerin, die bei uns in Halle auch Gesellschaft Japans studiert ^^) zu unternehmen. Und Purikura-Bilder haben sie dann auch noch gemacht. Aber auch wenn ich nicht mit drauf bin, ich hab zumindest von jedem Motiv was abbekommen :).

Okay, ab jetzt wirds wieder spannend. Donnerstag, 6.3. Beginn des Gasshuku (Sprachcamp für Deutsch lernende Japaner) auf der Halbinsel Izu. Während der vierstündigen Fahrt mit verschiedenen Bahnen und zum Schluss noch einem Zug sind bereits die meisten Japaner zu uns gestoßen. Erster Eindruck: Viel mehr als die Unterscheidung männlich/weiblich bekommt man kaum auf die Reihe und es werden insgesamt an die 20 Namen sein, die man lernen darf. Wie soll das gehen?
Natürlich fühlte man sich erst mal etwas fremd und die Gespräche fielen dementsprechend spärlich aus. Abgesehen davon, dass so eine volle Bahn oder ein schaukelnder, permanent Kurven fahrender Bus nicht der geeignetste Ort zum Aufbau von Gesprächen ist. Aber als wir dann endlich da waren, wurde es bald besser.
Izu war bereits vom ersten Moment an toll. Allein schon wegen der Landschaft: Ringsum Berge, relativ klein und daher bis zu den Gipfeln bewaldet, was allein schon unheimlich schön war, aber in der Ferne konnte man auch noch das Meer sehen, was insgesamt ein unglaublicher Kontrast war. Auch das Wetter zeigte sich von seiner besten Seite und es war hier sogar NOCH wärmer als in Tokyo, sodass erst mal alle Jacken ausgezogen werden konnten (Gott, ich werd wahrscheinlich sowas von frieren, wenn ich wieder zu Hause bin... Hier wird man echt verwöhnt).
Unser Gasthaus war ein richtiges Ryokan, also ein Hotel im alten japanischen Stil, dessen Räume mit Strohmatten ausgelegt sind, wo man auf Futons (Matratzen) auf dem Boden schläft, die man tagsüber zusammenräumt und wo es keine normalen Tische und überhaupt keine Stühle gibt. Im Ryokan sitzt (genauer: kniet) man auf Kissen vor ca. 50 cm hohen Tischen. Beim Essen, Arbeiten, UNO-spielen, Zeichnen und was sonst halt so gemacht wurde. Allerdings ist diese ungewohnte Haltung gar nicht mal so ohne. Am zweiten Tag hatte ich leichten Muskelkater in den Beinen und ab dem Abend dieses Tages taten einem eigentlich permanent die Knie weh und man konnte kaum noch fünf Minuten still sitzen, ohne irgendwie die Position mal wieder zu ändern. Auch der Schneidersitz wurde irgendwann problematisch. Aber alle haben es überlebt und ich fand es auch gar nicht schlecht, so was mal ausprobieren zu können.
Noch ein Highlight an diesem Ryokan: Es hatte ein Onsen, also so eine natürliche heiße Wasserquelle. Die allerdings nicht draußen, sondern auch drinnen im Badezimmer war. Das funktionierte ähnlich wie bei meinem Homestay bei Ayana: Im Vorraum ausziehen, drinnen am Duschbereich gründlich waschen und dann vorsichtig in die heiße Quelle rein. Die im Übrigen auch noch ein ganzes Stück heißer war als das Wasser bei Ayana. Ich kam mir jedes Mal vor wie ein Ei, das grad gekocht wird.
Irgendwo in drei, vier Meter Höhe hörte übrigens die Trennwand zwischen unserem und dem Männerbad kurz vor der Decke auf und so konnte man immer hören, wenn drüben auch grad was los war. So gab es zum Beispiel auch immer mal Ausrufe des Schmerzes, wenn da drüben wohl grad jemand ins Onsen gestiegen ist *hihi*.
Ebenfalls typisch Japanisch war das Essen. Morgens bestand es aus: Reis, einer kleinen Schüssel Suppe (meist Miso), etwas Gemüse, eingelegtem Rettich, etwas Kraut oder Salat, ein bisschen Wurst, Fisch oder Fischwurst. Mittags gab es: Reis, eine kleine Schüssel Suppe (meist Miso), etwas Gemüse, eingelegten Rettich, etwas Kraut oder Salat, ein bisschen Wurst, Fisch oder Fischwurst. Und das Abendbrot bestand aus: Reis, einer kleinen Schüssel Suppe (meist Miso), etwas Gemüse, eingelegtem Rettich, etwas Kraut oder Salat, ein bisschen Wurst, Fisch oder Fischwurst. Ja, sehr abwechslungsreich also :).
Okay, am Mittwoch hatten wir Reis mit Curry zum Mittag ^^. Aber ein bisschen froh bin ich schon, jetzt mal wieder Toastbrot frühstücken zu können. Und Süßkram zu essen. Denn selbst die Knabbereien waren da eher salzig als süß. Oder es gab Chips (wobei die Pringles natürlich von niemandem verachtet wurden). Und zu trinken gab es in der Regel grünen Tee, manchmal auch Wasser. Sowas wie Saft, Cola oder halt Alkohol gabs dafür Abends bei den Partys.
Besagte Partys waren wohl das, was uns die wertvollsten Erinnerungen beschert haben. Meist endeten sie nicht vor drei Uhr morgens, obwohl spätestens halb acht schon wieder der neue Tag beginnen sollte. Ich glaube, ich habe noch nie so viele Tage hintereinander so wenig geschlafen. Aber man ist auch einfach nicht müde geworden. Bei endlosen UNO-Runden haben alle geflucht wie die Rohrspatzen, es wurde gelacht, den Japanern dummes Zeug beigebracht (das, was sie jetzt wohl alle im Schlaf beherrschen, sind die hundert Anwendungsmöglichkeiten von "Scheiße" und "Scheiß..." ^^v). Vor allem Tekkan hat es darin wahrlich zu einer Meisterschaft gebracht, absolut natürlich und akzentfrei und so. Aber das lag vor allem an Annes langem Üben mit ihm für ihr kleines Theaterstück. Das war nämlich die Hauptaufgabe dieses Gasshuku: Fünf Gruppen sollten sich ein kurzes Stück zu dem Thema "Ich und der Fremde" ausdenken. Und weil es so ein weites Thema war, hatten wir auch fünf völlig unterschiedliche Ergebnisse. Wobei das von Annes Gruppe bei Weitem das genialste war. Wirklich, Japaner wie Deutsche, Studenten wie Dozenten haben sich vor Lachen kaum noch eingekriegt, als sie das aufgeführt haben. Zumindest als wir uns das Video noch mal angeguckt haben, das zu allen Stücken gedreht worden ist, denn während des Drehs permanent laut zu lachen ist recht ungünstig (aber ganz verkneifen konnte man es sich da natürlich auch nicht). Beschreiben lohnt sich an dieser Stelle nicht, weil da der Witz einfach nicht rüber kommt. Man muss die Leute einfach sehen, wie sie da rumhampeln, sich bewegen, wie sie reden...
Und natürlich haben wir jede Menge Bilder von den ganzen Leuten gemacht. Mein Favorit ist nach wie vor Toshi, mit Deutschland-Afro-Perrücke, Saftflasche in der erhobenen rechten Hand und einem improvisierten "Faust", den er sich in den linken Arm geklemmt hat, insgesamt in der Pose der Freiheitsstatue. Herrlich! Und am Ende hatte auch jeder so seinen Spitznamen weg, wobei Tekkan über seinen (Tekkan-nee-chan, was so viel bedeutet wie "großes Schwesterchen Tekkan") nicht ganz so glücklich schien ^^. Das hatte den Hintergrund, dass wir uns nach unserem Videodreh am Abend auch die Stücke der letzten zwei Jahre angeguckt haben und Tekkan, zum alten Eisen gehörend, hat da vor zwei Jahren die kleine Schwester von jemandem gespielt. Mit Haarspange, Halskette, Rock - allem, was halt dazu gehört. Und dann mit so herrlich verstellter Stimme! Zum Wegschmeißen! Nur war er halt älter als wir und da hat "kleine Schwester" nicht so gepasst, also haben wir "große Schwester" drauß gemacht. Falls das mit den Bildern morgen wieder geht, lade ich noch ein paar hoch.
Vier Tage. Das waren gerade mal vier Tage (und ein kleiner Rest), aber man hat so viel mit einander gemacht - gelernt, gearbeitet, gegessen, gelacht - dass es jetzt doch ganz schön weh tut, wieder lebwohl sagen zu müssen. Morgen sehen wir einige Japaner noch mal, denn wir wollten noch ein letztes Mal Karaoke (und danach vielleicht noch mal Purikura) machen, bevor auch wir zurück nach Deutschland müssen. "Wir" sind dann aber nur noch Franzi, Anne und ich, weil Mechthild morgen schon zurück fliegt... Und wir folgen dann zwei Tage später.
...
Ach menno, ich will noch nicht nach Hause ~_~

Sonntag, 2. März 2008

Zwei Tage in einer japanischen Familie

Ihr ahnt sicher schon, was jetzt kommt: Ein Roman. Ein laaaaaaaaaaaanger Roman. Und die Geschichte beginnt damit, dass Ayana, ebenfalls Studentin an der Keio-Uni, mich am Freitagnachmittag in Shibuya am Bahnhof abgeholt hat und wir von dort aus gemeinsam zu ihrer Wohnung gefahren sind. Die Fahrt allein hat schon gut eine Stunde gedauert, weil sie ein Stück außerhalb von Tokyo wohnt und das ist immer ziemlich weit. Und voll. Denn leider war Rush Hour. Aber wir haben es überlebt.
Die Gegend, in der Ayana mit ihrer Familie wohnt, ist schön ruhig. Nicht weit weg vom Bahnhof (was hier ja keine Selbstverständlichkeit ist *ans eigene Wohnheim denkt*), aber dennoch nicht so laut und hektisch, wie es Tokyo selbst nunmal ist. Mit viel Grünzeug und kleinen Gärtchen vor den Häusern.
Ayanas Vater war noch nicht zu Hause, als wir angekommen sind und es sollte auch noch ein paar Stunden dauern, bis ich ihn zu Gesicht bekommen würde, denn Freitags sind oft ziemlich lange Überstunden angesagt. Aber dafür war ja ihre Mutter da und sie ist auch eine sehr, sehr liebe Frau. Klar, zuerst wurde sich vorgestellt und dann die Gastgeschenke rausgeholt und ich war total erstaunt, als die Mutter sogar für mich etwas bereit gehalten hatte: Zwei niedliche, kleinen Puppenfiguren. Nur das Bild davon ist leider nicht so toll geworden...

Zum Abendessen gab es Omuraisu, also Omelette mit Reis. Die Japaner haben eine wirklich tolle Art, ihr Ei zuzubereiten. Da esse selbst ich, die eigentlich recht selten Eier isst, gern mit! Also wirklich yummi! Und wo wir schon mal beim Essen waren, haben wir uns natürlich auch ein bisschen darüber unterhalten und festgestellt, dass ich bisher noch kein richtig japanisches Frühstück gegessen habe und auch noch kein Sukiyaki kannte. Dann noch ein bisschen Fern geguckt und später baden gewesen. Auf richtig japanische Art! Das war toll! Ayanas Mutter hat es mir zur Sicherheit lieber noch mal erklärt, denn so ganz genau wusste ich dann doch nicht, wie das läuft. Aber so schwer ist es ja nun auch nicht ^^. So ein japanisches Bad besteht ja aus Wanne und separatem Waschbereich. Toilette ist da gar nicht mit drin, die hat ein Zimmer für sich. Jedenfalls wäscht man sich erst mit einer Schüssel Wasser in dem Waschbereich und wenn man dann schon sauber ist, steigt man in die heiße Wanne (was im ersten Moment ganz schön schmerzhaft ist, aber dann sehr angenehm wird) und entspannt dort ein Weilchen. Bis man eben wieder raus geht und sich abtrocknet.
Nach dem Duschen war es so ca. 23:00 Uhr und nun kam auch Ayakos Vater nach Hause. Es ist echt enorm, was die Japaner unter "Überstunden" verstehen... Er ist übrigens auch sehr nett. Und Ayanas Mutter hat die ganze Zeit vorgeschwärmt, wie gut mein Japanisch doch sei. Dabei fehlen mir noch so viele Vokabeln, was das Verstehen immer noch so schwer macht. Und Höflichkeitssprache und Höflichkeitsneutral hab ich auch dauernd durcheinander geworfen. Das ist echt schwer, wenn man es neu lernt, und dann immer abwechselnd mit Ayana und dann wieder mit ihrer Mutter spricht. So schnell kann man als armer Ausländer doch gar nicht umdenken!

Am nächsten Morgen (um acht war Zeit zum Aufstehen) erwarteten mich zwei frisch zubereitete Nigiri-Sushi (gepresste Reisbällchen) zum Frühstück. Das war auch was Tolles! Vor allem dieses eine, in dem so krautartiges Zeug mit viel süßer Soyasoße drin war. Das war echt lecker ^^. Generell finde ich die Mischung Zucker+Soyasoße wirklich klasse.
Das frühe Aufstehen hatte im Übrigen auch seinen Grund. Zumindest bei Ayana und mir. Ayanas Mutter war schon seit ca. um sechs wach *Schock*. Und hat sauber gemacht *noch mal Schock*. Während der ganze Rest noch zu schlafen schien. Ganz genau kann ich das natürlich nicht sagen, denn da lag ich ja selbst noch in den Federn und hab es bloß durch die Geräusche vom Flur mitbekommen.
Für uns alle Stand am Samstag jedenfalls eine längere Tour auf dem Programm, denn es ging nach Nikko (Fahrdauer mit dem Auto: ca. 2 Stunden), eine kleine Stadt, die näher am Gebirge liegt, und für ihre Tempel und die große Schreinanlage berühmt ist. Die zählt im Übrigen zum Weltkulturerbe. Und nebst diesen vielen, wunderschönen Bauten gab es auch eins, was sicherlich jeder kennt: Den Schrein mit den drei Affen, von denen sich einer die Ohren, der nächste den Mund und der letzte die Augen zuhält ("Ich höre nichts Böses, ich sage nichts Böses, ich sehe nichts Böses."). Und das Grab des Reichseinigers Tokugawa Ieyasu befindet sich ebenfalls dort.

Anschließend sind wir in ein Restaurant gefahren (auch in Nikko) und haben Mittag gegessen. So eine typische Soba-Spezialität der Region. Nur leider habe ich den Namen vergessen...
Das Restaurant hatte außerdem zwei Etagen und in der zweiten befand sich noch ein kleiner Ausstellungsraum, in dem unter anderem Puppen zu sehen waren, die nun schon 100 Jahre alt sind! Wahrscheinlich waren sie gerade ausgestellt, weil am 3.3. in Japan das "Hina-Matsuri", das Puppenfest, gefeiert wird. Dieses Fest ist hauptsächlich für Mädchen bis unverheiratete Frauen.
Zurück bei Ayana zu Hause (noch mal zwei Stunden später) gab es dann ein bisschen Kaffee und Kuchen und anschließend sind Ayana, ihr Vater und ich noch mal mit dem Auto los, um das Rathaus in der Nähe anzugucken. Auch das wurde nämlich gerade wegen dem Puppenfest hübsch hergerichtet. Und WAS es da alles zu sehen gab...! Absolut enorm.

Anschließend sind wir (nach langen, langen, langen Wartezeiten im Auto, weil es auf dem Parkplatz dort einfach SO voll war, dass man überhaupt nicht vom Fleck gekommen ist) zurückgefahren und die Zeit fürs Abendessen rückte auch langsam näher. Diesmal gab es ja das berühmt-berüchtigte Sukiyaki. Das sah dann so aus, dass man alles (= Lauch, verschiedenes Gemüse, Pilze, Fleisch, Tofu) in einen großen, flachen Topf pack, darin mit Wasser und Soyasoße kochen lässt und sich dann ein paar Stücke von jedem rausholt. Das packt man dann in seine Schüsseln, in der man zuvor ein rohes Ei verquirlt hat, tunkt das Essen ins Ei ein und isst es. Klang im ersten Moment etwas sonderbar, rohes Ei zu essen, aber es ist doch sehr lecker. Nebenbei isst man immer noch den leckeren japanischen Reis aus einer weiteren, kleineren Schüssel.

Abends haben wir einen japanischen Film gesehen über einen Mann, der angeblich in einer überfüllten U-Bahn einer Mittelschülerin unter den Rock gefasst hat und sie da befummeln wollte. Allerdings hat die Schülerin ihn in dem Gedränge verwechselt und er wurde fälschlicherweise verdächtigt, festgenommen, ins Gefängnis gesperrt und am Ende sogar verurteilt. Obwohl sich dann sogar Leute gefunden haben (nebst der Mutter und dem besten Freund des Angeklagten natürlich), die ihm geglaubt und fieberhaft recherchiert haben, um seine Unschuld zu beweisen. Und obwohl die Beweise ziemlich gut waren, hat es letztlich eben nicht gereicht. Mir kam es sowieso so vor, als würde es dem Richter gar nicht so sehr darum gehen, Schuld oder Unschuld herauszustellen, sondern bloß einen weiteren Erfolg der Japanischen Polizei verbuchen zu wollen. Japan ist ja bekannt dafür, dass sie eine enorm hohe Rate an erfolgreich aufgeklärten Straftaten hat. Nur leider geht der Erfolgsdrang da wirklich oft genug über Recht und Unrecht. Das war halt das Problem, was in dem Film thematisiert wurde. Und es bezog sich auf einen reellen Fall, der sich vor gar nicht allzu langer Zeit ereignet hatte. Ist schon irgendwie beklemmend, so etwas zu sehen...
Sprachlich wars natürlich ein einziger Reinfall. Aber ich hab auch nichts anderes erwartet, bei einem Film, in dem die Menschen normales Sprechtempo, teilweise Umgangssprache und vor allem eine Menge Fachvokabular benutzen (bin schon froh, dass die Alltagsgespräche mit Ayana und ihrer Familie so gut gelaufen sind). Durch die Bilder und Reaktionen der Menschen hat man sich ja zum Glück einiges erschließen können.

Zum nächsten und damit heutigen Tag:
Morgens gab es wieder japanisches Frühstück, allerdings diesmal nicht in Form von Nigiri, sondern Shirashi Sushi. Das ist sowas wie Sushi-Salat, also den Reis wieder, wie bei Sushi üblich, mit Reisessig gewürzt, alles in eine große Schüssel und dann Fischflocken und Gemüseschnipsel dazu. Ohne Einrollen und Ähnlichem. Suuuuuuuperlecker!

Nach dem Frühstück sind Ayana und ich dann auch bald losgefahren, weil wir uns 12:00 Uhr mit Anne und Franzi in Harajuku treffen wollten. Dort, an einer Brücke kurz vorm Meiji-Schrein, versammeln sich jeden Sonntag einige lustige Gestalten zum Cosplay und die wollten wir uns mal angucken. Aber so viel war gar nicht los. Und einige schienen wirklich ziemlich schräg zu sein. Da hat man sich dann doch nicht näher ran getraut *lach*. Aber ein paar sahen schon nicht schlecht aus.

Anschließend noch Fastfood-Essen (ja, ja, wir schämen uns...), weils in Harajuku einfach keine preiswerten Restaurants zu geben scheint, und dann sind wir langsam wieder Richtung Heimat getrottet.
Tja, und das war das Wochenende :).