Dienstag, 12. Februar 2008

Yokohama

Die letzten beiden Tage habe ich mit meinen Freundinnen damit verbracht, unser "kleines" Städtchen Yokohama ein bisschen genauer unter die Lupe zu nehmen.

Gestern ging es dann endlich zum Hiyoshi-Schrein (der bei uns ganz in der Nähe, den ich anfangs schon einmal erwähnt hatte). Das Wetter hat gepasst, die Zeit auch.




... Und natürlich haben wir uns auch gleich mal an einem Gebet versucht *lach* (mit dem Ergebnis, dass es heute den ganzen Tag geregnet hat...).
Die Atmosphäre an so einem Schrein ist wirklich unbeschreiblich. Unheimlich ruhig, friedlich und irgendwie auch gemütlich. Obwohl es ein religiöser Ort ist, kommt man sich nicht so deplatziert oder unerwünscht vor, wie es mir in einer Kirche oftmals geht, wenn ich mich dort als Ungläubiger mal ein bisschen umsehen möchte. Zum einen sind dort kaum Leute, sodass man sich wenig stört und zum anderen kommt man sich plötzlich vor, als wäre man mitten im entlegensten Winkel Japans, wenn man von der Stadt nur wenige Schritte später in so einer ruhigen, abgeschiedenen Stätte steht. Gut, unser Wohnviertel gleicht eh mehr einem großen Dorf als einer Stadt, aber nichtsdestotrotz ist es doch belebt und es gibt Häuser, dicht an dicht, und Straßen, eng wie Deutschlands Einbahnstraßen, und Fußwege, die eigentlich gar keine sind, weil es bloß 50 cm breite Markierungen am Straßenrand sind und es gibt Hochspannungsmasten, so weit das Auge reicht. Und alte Waschmaschinen und komische Geräte, die überall an den Wegrändern stehen.
Aber zurück zum Schrein, denn da war nämlich noch was Tolles: Ein Pflaumenbaum. In Blüte. Mitte Februar. War wohl einer von der ganz schnellen Sorte. Der Hibiskus blüht dort übrigens auch schon überall.


Anschließend sind wir noch ein bisschen um die Häuser gezogen, einfach um uns die Gegend ein bisschen anzuschauen. Und in jeder dritten Ecke haben wir solche niedlichen, kleinen Holzhäuser gefunden, die auch irgendwas mit den Schreinen zu tun haben. Jedenfalls stand da immer eine kleine Figur, Steintafel oder ähnliches drin und das war dann hübsch geschmückt, mit Blumenvasen und so.

Und obwohl es, bis auf den heutigen Tag, so schön warm und sonnig war, dass ich stellenweise sogar die Jacke ausgezogen habe, weil mir sonst einfach zu heiß war, hat sich in einigen Ecken sogar noch der Schnee vom Samstagmorgen halten können. Wir haben auch ein paar Beweisfotos davon gemacht und die Erinnerung an das kalte Weiß festgehalten, denn zu Hause in Deutschland (zumindest in der Gegend um Halle) sieht es damit ja mal wieder echt rar aus.

Danach war Yokohamas Einkaufsviertel hinter dem Hiyoshi-Bahnhof dran. Dafür, dass das nur ein Stadtrandgebiet ist, gibt es dort wirklich viel und es war auch richtig was los (für diese Gegend zumindest)! Im Großen und Ganzen gibt es da drei Haupteinkaufsstraßen; eine geht (vom Bahnhof aus) schräg nach links, die andere geradeaus, die dritte schräg nach rechts und von dort aus verlaufen sie strahlenförmig eine ganze Weile weiter. Neben einem Haufen Imbissläden, Geschäften für Kleidung und einer Vielzahl von 100-Yen-Shops gab es auch einige Bankfilialen und Buchläden. In einem der größeren waren wir mal drin und es erschlägt einen wirklich, was für eine irre riesige Auswahl an Mangas es da gibt, wenn man bloß die kleinen Regale in den deutschen Buchläden kennt, selbst wenn man dort mal in 'nem größeren Buchladen ist. Mit Japan ist das bei weitem nicht zu vergleichen. Da war ich schon froh, wenn ich beim Stöbern immer mal was Bekanntes gesehen habe! Und bei den Mangas, die ich kannte, muss ich sagen: Die sind viel schöner. Das Material der Umschläge ist ein bisschen anders und sieht hübscher aus als unsere Softcover und die Bilder sind oftmals auch schöner als bei uns, selbst wenn es (wie bei Tsubasa Reservoir Chronicle) z.B. dieselben Coverbilder gibt. Aber es ist trotzdem anders layoutet und sieht einfach besser aus. Ich hab mal ein bisschen reingestöbert und geguckt, ob ich schon was verstehe. Teilweise geht es (zumal über jedem Kanji auch die Furigana (also die Lesung der Schriftzeichen) dazu steht), teilweise (und das ist der größere Teil) aber natürlich noch nicht. Da merkt man wieder, wie viele Wörter selbst nach drei Semestern intensiven Lernens noch fehlen. Oder wieder fehlen ^^v.
Anne hat wieder eine Gruppe Japaner gefunden, die sich bereitwillig hat fotografieren lassen. Es ist echt lustig, wie die sich da freuen, wenn man sie auf ein Foto anspricht. Hier in Deutschland würden alle weglaufen, wenn jemand mit 'ner Kamera in ihre Richtung zeigt.


Danach haben wir uns auf den Rückweg gemacht, um mal ein bisschen zu pausieren, sind aber noch einen kleinen Umweg durch eine Allee gegangen, die ganz in Bahnhofsnähe verläuft, und sind spontan auf dem Yagami-Campus gelandet. Da saßen ein paar Studenten, die gemeinsam Musik geübt haben, andere haben sich gerade aufgewärmt und wollten anscheinend irgendwo Sport treiben. Während wir so überall lang geschlendert sind, mussten wir auch feststellen, dass der Campus nur einen einzigen Ein- und Ausgang hat. Wir hatten gehofft, dass man irgendwo durchgehen konnte, aber nix da. Dauernd sind wir in irgendwelchen entlegenen Winkeln oder Sackgassen rausgekommen. Also den Weg über die Allee bis zum Bahnhof zurück und dann aber wirklich ab ins Wohnheim...

Abends war dann noch mal Geld holen angesagt. Im Internet haben wir herausgefunden, wo in Yokohama die Citibank-Geldautomaten stehen, weil ich meine Kreditkarte bei denen beantragt hatte auf Anraten einiger Reisender, deren Berichte ich immer mal wieder im Internet gelesen hatte.
So haben wir uns also extra noch mal auf den Weg zum Hauptbahnhof von Yokohama gemacht, wo die Automaten ja sein sollen, und haben zum ersten Mal die gefürchteten überfüllten Bahnen und Bahnhöfe Japans miterlebt. Dummerweise war es inzwischen auch schon halb fünf und es wurde immer später, d.h. man konnte davon ausgehen, dass die Rush Hour so langsam begann. Und das merkte man auch. Also in den Zug gedrängt, durch den Bahnhof gequetscht und draußen erst mal wieder durchgeatmet. Das Gebäude, in dem die Citibank-Filiale war, haben wir ziemlich schnell gefunden. Problematisch wurde es erst, als wir dort in die achte Etage wollten (dort genau war sie nämlich) und der Fahrstuhl uns partout nicht da raus lassen wollte. Als wir dann ab der neunten Etage eine Treppe runterwärts genommen haben, wussten wir auch, warum: Die Filiale hatte schon geschlossen. Toll. Also zurück zum Bahnhof, wieder durchgequetscht, nach dem anderen Automaten gesucht, diesen nach 'ner viertel Stunde Gedränge auch endlich gefunden, Geld abgehoben und wieder raus aus dem Bahnhof. Noch ein bissl was von der Innenstadt Yokohamas sehen. Da sind wir z.B. an so einer Spielhalle vorbeigekommen, vor deren Lautstärke wir in Deutschland ja auch schon gewarnt worden waren. Und es war nicht übertrieben. Da fallen einem ja schon die Ohren ab, wenn bloß mal einer zum Rein- oder Rausgehen die Tür öffnet! Unsere Diskos sind dagegen der reinste Schongang (und ich hatte da schon Angst, dass meine Ohren bleibende Schäden davontragen).
In einem 100-Yen-Shop haben wir einen Computer mit Kopierer gefunden, den ich mal ausprobieren wollte. Vorgestern habe ich mich beim TOEFL-Test angemeldet (wegen der Sophia-Bewerbung und ich muss das demnächst hier machen, sonst bekomme ich das Ergebnis zu spät) und dafür muss ich mir noch so eine Bestätigung ausdrucken, um am Testtag zugelassen zu werden. Allein hätte ich diesen rein japanischen Automaten (ohne Furigana) gar nicht bedienen können, also hab ich einen der Angestellten von diesem Laden um Hilfe gebeten. Etwas stockend und mit Umwegen konnte ich ihm zwar erklären, was genau ich wollte, aber so was schien der Kasten dann doch nicht zu können, denn der Mann hat sich nach einigem Rumprobieren dann nur hundertmal verbeugt und entschuldigt und gesagt, dass er auch nicht weiß, wie das gehen soll. Na ja. Hoffentlich finde ich bis Samstag noch irgendwo anders eine Möglichkeit zum Drucken. Ist schon dämlich, sowas im Ausland machen zu müssen, wo man sich weder auskennt noch seinen nötigen Kram dabei hat. Zu Hause wärs ja kein Problem gewesen.
Aber eine interessante Sache gab es an dem Tag noch: Wir sind noch mal an einem dieser Orangenbäume vorbei gekommen und diesmal hab ich auch gleich ein Foto gemacht. Die Dinger sind ja wirklich riesig...

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