Samstag, 16. Februar 2008

Nancy allein in Yokohama

Ja, heute war ich mal allein unterwegs (Note an Herrn Oberländer: Wir hingen NICHT alle zusammen!). Eben aus dem Grund, dass ich heute zum TOEFL-Test musste. Und wozu sollten die anderen auch schon 6:00 Uhr aufstehen, wenn sowieso noch alle müde und erschöpft von den letzten Tagen waren? Und dann in dem verlassenen Eckchen von Yokohama stundenlang Däumchen drehen? Also hat zur Abwechslung mal jeder sein eigenes Ding gemacht.

Die, die meinen Orientierungssinn kennen, darf ich beruhigen: Ich hab mich nicht verlaufen - zumindest soweit wie ich einen Plan hatte - und bin pünktlich beim Ort des Tests angekommen. Bis zur Yokohama National University war es sogar ganz einfach: Fahrplan von Google Maps abgeschrieben und ab dem Yokohama-Bahnhof angefangen, Leute nach dem Weg zu fragen. Bevor ich zu spät komme, weil ich in der falschen Bahn gelandet bin, frag ich lieber dreimal. Und ich habe die Leute glücklicherweise auch so weit verstanden, dass ich wusste, wo ich hin gehen soll, um vom JR-Bereich in den städtischen U-Bahn-Bereich zu kommen. Die lagen ein ganzes Stück von einander entfernt.
Bis zu dieser Uni dann noch mal zwei Leute gefragt und auch dort ohne weitere Probleme angekommen, aber dann war es leider vorbei mit dem einfachen Teil des Weges. Die Internetbeschreibung ab dieser Stelle lautete nur noch: "Processing Room C". Ja, und nun find den mal. Wenn nicht mal einer von den paar Studenten, die an einem Samstagvormittag noch über den Campus geistern, eine Ahnung hat, was damit gemeint sein könnte. Eine halbe Stunde und etliche verlorene Nerven später hab ich dann zwei Leute gefunden, die auch auf der Suche nach dem TOEFL-Ort waren. So war ich wenigstens nicht mehr allein. Und wir waren inzwischen nah dran und haben es dann auch bald gefunden.

Der TOEFL selbst...ging. Ich könnte mich über den Anfang etwas ärgern. Zuerst war Reading Comprehension, also Textverständnis, dran. Klar, ein paar Vokabeln kannte ich nicht, aber damit muss man als Ausländer wohl immer leben. Das größte Problem war aber, dass ich davon ausging, dass ich meinen Text, zu dem ich anschließend Fragen beantworten sollte, ziemlich langsam und ausführlich gelesen hatte, weil ich nicht wusste, dass ich den während der Fragen auch noch sehen kann. Klasse. Zu viel Zeit verschenkt, letzte Aufgabe nicht geschafft. Und zwischendrin dauernd unsicher gewesen. Es kam mir oft so vor, als wären mehrere Antworten möglich gewesen, obwohl man nur eine ankreuzen konnte. Das Problem hatte ich auch beim Hörverstehen, obwohl ich da erstaunlicherweise alles, aber wirklich ALLES (was ich an Wörtern kannte) auch problemlos verstanden habe. Die haben so schön deutlich gesprochen, wie ich es bisher selten gehört habe. Nur wenn die Fragen dann wieder nicht eindeutig sind... Aber es ging auf jeden Fall besser als der erste Teil. Und die letzten beiden, Sprechen und freies Schreiben, waren auch okay. Mal gucken, was es wird. Hoffentlich reicht es für die Sophia. Ich denke, ich habe mich unter meinem Wert verkauft, vor allen durch den halb verkorksten Anfang, aber ich hoffe, dass es trotzdem reicht. Noch eine Chance für den TOEFL werd ich so schnell nicht haben (außerdem ist es teuer!).

Nach dreieinhalb Stunden (es war inzwischen halb zwei) war ich die erste, die den Raum wieder verlassen konnte. Mein Magen hing mir sonstwo und so beschloss ich, erst mal was essen zu gehen. Weil ich ja das japanische Mittag am Vortag verpasst hatte, weil ich noch zu satt war, wollte ich diesmal auf jeden Fall schön Japanisch essen. Waren zwar diesmal keine Keio-Studenten dabei, die einem zur Not aus der Patsche helfen konnten, aber dann musste es halt so gehen. Und das tat es auch. In einem heimeligen, kleinen Gasthaus hab ich mich dann eingefunden, kurz die Karte zur Hand genommen, aufgeschlagen, wieder zugeschlagen, zurückgestellt. War alles in Kanji und ohne Bildchen. Ich wollte mein Essen schließlich heute noch auswählen können. Also hab ich mal meine Augen ein bisschen angestrengt und auf die Karte geschielt, die schräg vor mir an der Wand hing. Meine Wahl fiel dann auf eine Suppe mit Soba-Nudeln und das war auch goldrichtig. Sehr viel, sehr lecker, sehr japanisch. Und für nur 680 Yen (4,30 Euro). Geht also.



Auf diese niedlichen Dinger, die da an der Wand hingen, hab ich übrigens die ganze Zeit draufgeguckt. Süß, was?
Ach ja, in japanischen Restaurants/Gasthäusern gibt es übrigens immer kostenloses Wasser. Wenn man sich an einen Tisch setzt, wird gleich was gebracht, und man kann sich auch was nachholen. Bzw. heute war es so, dass ich Tee bekommen habe, an den ich mich zwar auch erst gewöhnen musste, weil er ungewohnt herb war, der dann aber eigentlich auch ganz lecker war. Und als ich mein erstes Glas leer hatte, kam die Wirtin und hat mir noch mal nachgeschenkt. Das war auch eine ganz liebe Frau. Und ihre Kinder waren echt knuffig. In Japan nennen Kinder ihre Eltern übrigens auch "Mami" und "Papa", wie ich mitbekommen habe.

Auf dem Rückweg zum Bahnhof habe ich noch ein hübsches Eckchen, gut versteckt an einer Hausecke, entdeckt. Ein kleiner, grüner Ruhepunkt mitten im von Beton, Stahl und Hochspannungsleitungen dominierten Yokohama. Einige Japaner haben das natürlich auch genutzt, um sich kurz auszuruhen.


Viel mehr war heute nicht los. Anschließend bin ich geradewegs ins Wohnheim zurückgefahren und hab mir meine lang ersehnte Ruhe gegönnt. Jetzt geht es mir besser :).

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