Donnerstag, 14. Februar 2008

Mita-Campus, die Zweite

Heute waren wir zum zweiten Mal beim Mita-Campus. Und wir konnten von Glück reden, dass heute Nyuugakushiken, also die Aufnahmeprüfung der Neulinge, war. Denn dadurch standen an jeder Ecke ein, zwei Keio-Studenten mit Schildern, die den Weg zum Campus beschrieben haben. Ohne diese hätten wir uns, trotz kleiner Karte, sicher verlaufen.
Unser heutiges Ziel auf diesem Campus war, die ganzen Sachen bezüglich des Wohnheims zu klären. Also noch mal die Hausordnung, Zusammensetzung des Mietbetrags und schließlich auch Zahlung des selbigen. Anschließend haben wir uns mit Oota-san, Frau Waragai (beide Deutschlehrer) und Herrn Oberländer (unserem Prof) in einem indischen oder pakistanischen Lokal essen (so genau hat das scheinbar keiner rausbekommen, aber lecker - und scharf - wars trotzdem). Letzterer hatte uns übrigens eingeladen (danke noch mal).

Frisch gestärkt ging es zurück zum Mita-Campus, wo wir Frau Murata und Frau Tanaka getroffen haben, ebenfalls Deutschlehrer an der Keio und Koordinatoren (und wohl Franzis zukünftige Dozentinnen, wenn sie ihr Auslandsjahr an der Keio hat), die uns in Sachen Sprachkompetenz auf den Zahn gefühlt haben. Erst konnten wir uns die ganzen Lehrbücher angucken, die im Unterricht so benutzt werden, dann ging es ans freie Sprechen. Warum studieren wir Japanologie. Selbes Thema wie zur mündlichen Prüfung, nur diesmal ohne Vorbereitung. Aber es ging. Und auch Frau Muratas Fragen hat man gut verstanden. Klar, sie ist Deutschlehrerin und weiß, was Japanisch-Lernende auf Anfänger-Niveau so in etwa können und sie kann langsam und deutlich sprechen, sodass wir mit dem Verstehen auch einigermaßen hinterher kommen (das ist nämlich das größte Problem bei der Sache: Die Japaner dazu zu bringen, SO deutlich zu sprechen, dass auch wir als unerfahrene Ausländer hinterher kommen).
Es war wirklich beruhigend, die Stunde mit ihr zu sprechen, nachdem es mit der Sprache am Vortag so schwierig gewesen ist. Denn da hat man gemerkt, dass man ja doch irgendwas kann!
Fleißig warm gesprochen und motiviert, ging es anschließend auch viel besser mit dem Sprechen als am Tag davor. Herr Oberländer hatte sowieso ein Doitsugo-shikin (Deutsch-Verbot) verhängt, weil wir, wenn wir zu viert unterwegs sind, uns so schnell davon verleiten lassen, das Japanisch einfach mal sein zu lassen und in die Muttersprache zu wechseln *lach*. Aber diesmal hat es ganz gut geklappt. Wir haben das mit dem Japanisch eine ganze Weile durchgezogen.

Miyuki und ihre Freundin Mikiko haben uns dann vom Mita-Campus abgeholt und gemeinsam sind wir nochmal zurück zum Tokyo-Tower.
Auf dem Weg dorthin, ganz in der Nähe vom Campus, war noch ein kleiner Schrein, den wir natürlich nicht ausgelassen haben. Und hier hatten wir wirklich Glück: Die Schiebetüren waren offen und gaben den Blick auf den Innenraum frei! Bisher konnten wir die meisten Tempel und Schreine ja nur von Außen bewundern (nur beim Senjouji, dem Tempel, den wir zu allererst besichtigt hatten, konnten wir auch einen kurzen Blick nach innen werfen, weil da ja grad die Trauerzeremonie abgehalten wurde).

Wir haben hier auch ein paar Schicksalszettel gezogen. Das sind Lose, die man sich für je 100 Yen (ca. 65 Cent) nehmen kann und auf denen dann das allgemeine Glück sowie die Erfolgschancen in verschiedenen Lebensbereichen (Liebe, Arbeit, Studium, Spiel, Schwangerschaft, Heirat und noch einige mehr) steht.

Dann standen wir schon wieder vorm Tokyo-Tower. Diesmal aber nicht, um da hoch zu fahren und die Stadt von oben zu betrachten, sondern um unter den Tower zu gehen, wo es ein Aquarium zu besichtigen gab, von dem wir zuvor noch nichts gewusst hatten. Es war auch ziemlich interessant, was da unten so alles rumschwamm. Vor allem die Moränen, Rochen und andere Riesenfische, die ich nicht kannte. Einige Arten habe ich auch als ehemals in meinem Aquarium beheimatet wiedererkannt. Aber die Moränen waren am besten. Die hatten einen Blick drauf! Und ein paar Mäuler! Da war man schon froh, dass zwischen dem Fisch und einem selbst noch eine Glasscheibe war. Die haben geguckt, als wollten sie sagen: "Lass mich in Ruhe oder ich beiß dir 'nen Finger ab!" Und an einigen Becken waren auch so lustige Zeichnungen angebracht, von wegen: Bissiger Fisch. Natürlich haben wir auch Fotos gemacht, soweit es die Lichtverhältnisse erlaubt haben.

Und noch einen klasse Fisch gab es da übrigens: Einen Steinfisch. Sehen unheimlich hübsch aus, sind aber leider auch unheimlich giftig bei Berührung.

Und am Ende der Führung gab es noch ein besonders hübsch hergerichtetes Zimmer mit wirklich riesigen Kois. Die hatten bestimmt an die 30 cm Länge. Ein Foto habe ich davon leider nicht, genau wie vom Rest des Zimmers, denn es war einfach zu dunkel für meinen Apparat. Dabei war das so hübsch gemacht. Mit kleiner Steinlaterne und Bambus- und Schilfpflanzen am anderen "Ufer". Links fiel das Wasser in einem kleinen Wasserfall in den Teich hinein und auch uns gegenüber lief das Wasser über einen kleinen Steinvorsprung in den Teich zurück. Rechts ging es zu einer Papierschiebetür heraus, die sich automatisch öffnete und wieder schloss.
Eine Sache war aber doch ziemlich schade: Zu sehen, in was für Mengen die Fische in den Aquarien gehalten wurden. Wirklich, teilweise hatten sie kaum Platz, sich ordentlich zu drehen. Es ist mir ein Rätsel, wie die da anständig leben sollen. Besonders bei den Raubfischen. Kämpfen die da nicht ständig? Und was machen die dann, wenn mal so ein Fisch stirbt? Sushi...? Ach, ich glaube, so genau will ich es dann lieber doch nicht wissen.

Als wir wieder draußen waren, war es schon dunkel. Eigentlich hatten wir vor gehabt, uns diesmal zu beeilen, weil wir schon mal Wäsche waschen wollten, aber daraus war - mal wieder - nichts geworden. Dafür wurden wir aber noch mit einer sehr schönen Ansicht des Tokyo-Towers belohnt, der bei Nacht mit einem warmen, orangenen Licht beleuchtet wird.

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