Donnerstag, 21. Februar 2008

Geburtstag in Japan

Ja, heute ist der 21. Februar. Heute ist mein Geburtstag. Mein 21. Und ich hatte es mir schlimmer, bzw. trister, vorgestellt; so ganz weit weg von (fast) allen Freunden und Familie. Aber eigentlich war heute doch ein sehr schöner Tag. Ich habe - nach japanischer Zeitrechnung - praktisch reingefeiert und mit Vati im MSN gechattet, der mir natürlich auch gleich als erster gratuliert hat. Gleich danach kam Mutti, die von Arbeit aus angerufen hat und per Handy, was Vati ans Mikro vom Headset gehalten hat, konnte sie mir auch gleich gratulieren *lach*. Und meine Großeltern haben mir auch kurz nach Mitternacht gleich geschrieben ^^. Von Deutschland aus machte sich das ja gut, weil es da gerade mal 16:00 Uhr war.

Das Beste kam aber heute Morgen nach dem Aufstehen, als wir uns alle unten treffen wollten, um uns zur Gasshuku-Besprechung mit Kaisei zu treffen: Kaum aus dem Aufzug ausgestiegen, kommt unsere Leiterin Hongo-san auf mich zu und meint, es wurde ein Paket für mich abgegeben. Natürlich hab ich es gleich auf gemacht und - tadaaa! ein Strauß Blumen :D! Aufgrund noch immer mangelnder Kanji-Kenntnisse war Hongo-san so lieb, mir den Absender vorzulesen und mir sind fast die Augen ausgefallen, als sie das gesagt hat: Yuo Shino. Ich dachte, ich hör nicht recht! Aber nachdem ich mich etwas gefangen habe, ist mir wieder eingefallen, dass Vati mich ja heimlichtuerisch nach Yuo-sensei gefragt hatte und später im Chat hat er mir dann auch bestätigt, was ich schon vermutet hatte: Er (und Mutti) hat sie gefragt, ob sie nicht mit helfen könnte, in Japan einen Strauß Blumen zu organisieren, der mir am 21.2. geliefert wurde. Das fand ich ja sooooooowas von lieb!
Bei dem Paket gab es neben dem Namen auch eine Telefonnummer. Dachte ich mir, ruf ich Yuo-sensei doch mal an und bedank mich wenigstens persönlich. Als ich dann aber in der Telefonzelle stand und jemanden am Apparat hatte, war das nicht Yuo-sensei, sondern ihre Mutter *lach*. Weil unsere gute Dozentin gerade selbst noch in Deutschland ist, hat sie die Bitte freundlicherweise noch weitervermittelt ^^.
Ja, und das ist besagter Blumenstrauß:

Natürlich sind wir dadurch etwas in Zeitprobleme gekommen (und Franzi und Anne waren auch etwas später dran, weil sie mir ebenfalls ein Geschenk geholt hatten, das aber kurzzeitig in den Untiefen von Annes Zimmer verschwunden war *lach*. Dazu aber später noch :) ). Eher rennend als laufend sind wir dann ziemlich erschöpft, aber fast noch pünktlich, am verabredeten Treffpunkt angekommen, wo Kaisei und die zwei Japanerinnen, die uns am 6.3. zum Gasshuku abholen werden, schon auf uns gewartet haben. Wir sind dann erst mal gemütlich in ein Café gegangen, haben Kuchen und heiße Schokolade bestellt und überlegt, was wir beim Gasshuku so machen können. Das ist schließlich ein Sprachlerncamp, vor allem für die Deutsch lernenden Keio-Studenten, und wir helfen dabei, den Unterricht an einem dieser Tage mit zu gestalten.
Einige fruchtbare Dialoge später sind wir zum Bahnhof aufgebrochen und haben uns auf den Weg zur Insel Enoshima gemacht, ganz in der Nähe von Kamakura. Das war ein wundervoller Anblick! Überall Meer, Strand, Boote und die Insel mit ihren grünen Hügeln. Echt wahnsinn!


Ach, ich könnte sooooo viele wunderbare Ansichten vom Meer zeigen! Wir haben das wirklich fotografiert wie die Weltmeister. Das letzte Bild soll neben dem Sonnenuntergang eigentlich noch den Fuji-san zeigen, den man in der Fernen gräulich hat durchschimmern sehen, doch auf dem Foto ist das noch viel unscheinbarer als in Wirklichkeit (da hat man ihn eigentlich noch ganz gut erkannt). Na ihr könnt ja mal gucken, ob ihr ihn findet. Müsste ziemlich mittig sein auf dem Bild.

Ansonsten gab es auf Enoshima natürlich wieder jede Menge Schreine, von denen auch nicht ein Winkel vor unseren Apparaten verschont geblieben ist, und Anne hat sich eine supersüße Mütze gekauft ^^. Die muss sie in Halle unbedingt aufsetzen!

Der hübsche weiße Drache ist der Schutzgott der Insel, Ryujin (was schlicht und ergreifend "Drachengott" heißt).
So schön, wie es auch war, aber so anstrengend war es auch. Die Insel war ja, wie man auf dem einen Bild bereits sehen konnte, wirklich seeeeehr gebirgig und wir sind dauernd Treppe rauf, Treppe runter gelaufen. Spätestens auf dem Rückweg haben wir das dann wirklich in den Oberschenkeln gemerkt. Und langsam waren wir auch recht müde. Also sind wir schließlich zum Bahnhof zurückgebummelt (mit Zwischenstop an der Telefonzelle, von wo aus ich eigentlich Yuo-sensei anrufen wollte, dann aber ihre Mutter am Apparat hatte) und in Fujisawa, einem Zwischenhalt, wo wir eh umsteigen mussten, sind wir dann noch mal raus aus dem Bahnhof und haben ein Restaurant fürs Abendbrot gesucht. Diesmal gab es Okonomiyaki, eine Art japanische Pizza, die man sich auf so einer schwarzen Kochplatte, die in den Tisch eingelassen ist, selbst braten kann. Außerdem gab es Karage (gebratenes Hähnchenfleisch, Bild 4) und Takoyaki (Tintenfischbällchen, Bild 3). Und zum Schluss noch eine gebackene Kartoffel. Alles seeeeehr lecker! Vor allem das Japanische Essen natürlich, denn die Kartoffeln kennt man ja in mehr oder weniger dieser Form auch aus Deutschland.
Ich durfte eins der Okonomiyaki übrigens selbst zusammenrühren (man hat das erst mit seinen Einzelzutaten in einer Schüssel bekommen und musste alles kräftig durchmixen), auf der Platte verteilen, später wenden und in Stücke teilen. Und sogar das Wenden hat geklappt, ohne das ganze Ding vom Tisch zu werfen *freu*.

Kaiseis Freund Yusuke, auch ein Deutschlehrer, mit dem wir uns in Enoshima getroffen hatten, hat uns alle zum Essen eingeladen. Das machen die Japaner oft, wenn sie älter sind als du. War jetzt schon das dritte Mal (ist dort eine allgemeine Form der Höflichkeit). Ein Glück, dass wir wieder unser Notgeschenk dabei hatten, was wir ihm als Dank dafür geben konnten! Da kommt man sich sonst wirklich blöd vor, wenn man so lieb eingeladen wird und dann nicht mal ein kleines Dankeschön dabei hat. Aber so kann ich auch einigermaßen sicher sein, dass meine mitgebrachten Gastgeschenke noch alle verteilt werden :).

Kurz bevor wir uns am Zug von Kaisei verabschiedet haben, hat er mir auch noch ein Geburtstags-Geschenk gegeben: Ein Buch mit ganz vielen Bildern über Japan. Aber nicht so das Typische, was man immer sieht, also Fuji, Sehenswürdigkeiten, Tempel, Schreine, Kirschblüten etc., sondern ganz alltägliche Bilder. Kinder auf der Straße, schlafende Menschen in der U-Bahn, Tiere, Familien, die kleinen Nebenstraßen, die hinter den großen, bekannten Einkaufsmeilen liegen und und und. Wirklich sehr schön :).
Und zurück im Wohnheim - ich bin erst mal von einem Haufen E-Mails überschwemmt worden, worüber ich mich uuuuuunheimlich gefreut habe (deshalb schreibe ich heute auch erst so spät meinen Eintrag), hat Anne dann auch das Geschenk von ihr und Franzi wiedergefunden: Eine schöne silberne Haarspange mit einer kleinen Blüte am Ende. Unheimlich hübsch! Jetzt weiß ich, warum sie mich neulich im Hiyoshi-Bahnhof so verzweifelt davon abbringen wollten, mir Haarschmuck für meinen Yukata zu kaufen, als wir noch mal dran vorbei sind *lach*! Nur das Einstecken in die Haare muss ich noch üben. Das ist eher eine Art Haarnadel und man dreht die Haare erst ein, dreht sie dann irgendwie nach innen *das noch nicht ganz verstanden hat* und steckt sie dann mit der Nadel fest, sodass man den eingedrehten Pferdeschwanz gar nicht mehr sieht. Na ich hab ja noch Zeit, es zu lernen.

Ansonsten sind meine größten Geburtstags-Errungenschaften natürlich das elektronische Wörterbuch und der Yukata (gesponsort von dem Geburtstagsgeld meiner Eltern und Großeltern. Vielen lieben Dank!).

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