Sonntag, 17. Februar 2008

Das Wiki-Treffen

Heute fand ein kleines Wikipedia-Treffen hier in Yokohama statt. Franzi, als fleißiges Mitglied bei Wikipedia, hatte davon gewusst und wollte natürlich hin gehen und da es ganz interessant klang, was so auf dem Programm stand, sind Anne, Mechthild und ich auch mitgekommen.
Treffpunkt war das Freilicht-Museum Minka-en, ein kleines Dorf mit Farmhäusern aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Ganz dort in der Nähe haben wir, als wir vom Bahnhof gekommen sind, einen Kimono-Laden entdeckt, in den vor allem Anne und ich unbedingt mal rein wollten. Ich hatte sowieso vor, einen Yukata zu kaufen, wenn es nur irgendwie möglich ist. Und als wir dann da drinnen waren, war es um mich geschehen. Yukatas hingen dort zwar nicht aus, sondern Kimonos (schließlich ist es Winter und Yukatas sind nur leichte Sommergewänder), aber...wahnsinn! Einfach nur wahnsinn! Die waren teilweise so wunderschön, das war echt unglaublich! Wenn das mein Stipendiums-Budget nicht um Längen gesprengt hätte, hätte ich mir wahrscheinlich gleich so einen gekauft (aber bei der Auswahl war es schwer, sich zu entscheiden), aber spätestens da wusste ich, dass ich von diesem Ort nicht mehr ohne Yukata weg kommen würde. Die nette Besitzerin des Ladens hat dann auch noch ein paar rausgeholt, die sie noch da hatte, und der eine (war noch eingepackt in Folie), hat mir gleich ziemlich gut gefallen. Blau mit zarten Lilienmotiven. Allerdings war die Zeit inzwischen ziemlich knapp und wir mussten erst mal weiter, zum Museum.

Vor besagtem Museum haben wir uns dann auch pünktlich versammelt (12 Leute waren es insgesamt, drei davon Japaner) und dann ging es los. Die ganzen schönen, alten Häuser angeguckt. Und das waren einige. Ich lass hier am besten mal die Bilder sprechen, denn die sind aussagekräftiger, als es meine Beschreibungen sein könnten.





Auf dem letzten Bild hat der Mann, der uns herumgeführt hat, uns gezeigt, wie man das Kochgeschirr von damals bedient hat. Da wurde ja noch über offenen Feuerstellen gekocht und mit diesem Gerätchen, das man an der Decke befestigt hatte, konnte man die Höhe einstellen, in der man einen Topf oder Ähnliches über dem Feuer aufhängen wollte. Wir konnten das auch selbst mal probieren. Genauso wie einen Reismahlstein, mit dem wir - welch Wunder - Reismehl gemacht haben.
In einigen Häusern konnte man auch die Schuhe ausziehen und sich auf den Tatami-Boden setzen und seine Hände kurz an einer Feuerstelle wärmen oder Ähnliches. Leider war es ausgerechnet heute bitterkalt, die Sonne wollte nicht richtig rauskommen, und teilweise war es auch windig. Und grade diesmal hatte ich meinen Schal und meine schwarze Strickjacke nicht dabei. Ich hab so gefroren. Aber Anne ging es genauso. Sie hatte sich auch zu sehr von dem warmen Wetter der letzten Tage verleiten lassen.

Für um fünf hatten wir Plätze in einem japanischen Gasthaus (einem RICHTIG japanischen Gasthaus, mit einzelnen Räumen, die durch Schiebetüren abgetrennt waren, und Sitzkissen rings um den Tischen und einem kleinen Bereich, wo man vor dem Betreten des Raumes die Schuhe ausziehen musste und so) bestellt und bis es so weit war, hatten wir noch ca. 1 1/2 Stunden Zeit. Also sind wir, diesmal mit den Japanern und den Japanisch-sprechenden Deutschen (einer davon Student im Austauschjahr, drei Dozenten an Unis, eine von ihnen sogar auch an der Keio *g*) im Schlepptau zu dem Kimono-Laden zurückgegangen. Zwecks Beseitigung noch bestehender Sprachbarrieren. Und dann durfte ich den Yukata, den ich mir ausgeguckt hatte, mal anprobieren ^^. Die Verkäuferin war so lieb, sie hat mir gleich noch einen Obi dazu ausgesucht, die Haare ein bisschen mit ihren Haarnadeln hochgesteckt und dann wurden erst mal Fotos davon gemacht *lach*. Tja, und natürlich konnte und wollte ich mich von dem Yukata nicht mehr trennen. Theoretisch hätte alles zusammen 6250 Yen gekostet (3000 Yen Yukata, 2500 Yen Obi, 750 Yen breiteres Band, was man unter den Obi bindet). Dazu gab es gratis noch die zwei dünnen Bänder, die man braucht, um den Yukata festzubinden. Insgesamt also 6250 Yen. Ich hab alles für 5000 bekommen. Und dann hat sie mir noch die eine der zwei Haarnadeln geschenkt. Das war so lieb von ihr! Also: Wenn ihr irgendwann mal in Japan seid, guckt in Yokohama, Nähe Noborito-Bahnhof, nach diesem Kimono-Laden! Da gibt es die herrlichsten Sachen! Und die Frau ist irre lieb *lach*.
Nyo, so sieht das gute Stück nun aus (und das neben mir ist natürlich die nette Verkäuferin):


Der zweite Aufenthalt in diesem Laden hat bestimmt noch mal 'ne Stunde gedauert und so ging es inzwischen straff auf halb fünf zu. Sprich: Zeit, sich auf den Weg zum Gasthaus zu machen. Das war übrigens auch ganz in der Nähe vom Noboriko-Bahnhof, sehr zu unserem Glück, denn wir waren ja wetterunpassend gekleidet. Und es ging auf den Abend zu, wo die Temperaturen bekanntlich ja noch ein Stück weiter sanken.
Diese japanische Form des Essens war im Übrigen auch klasse. Wir haben uns darauf geeinigt, dass jeder was bestellt und jeder alles, was dann auf den Tisch kam, essen konnte. Also überall mal kosten. Und die Rechnung wurde dann mehr oder weniger gleichmäßig durch alle geteilt. Mehr oder weniger deshalb, weil wir Studenten Rabatt bekommen haben und nur die Hälfte zahlen mussten. Das machte dann 1400 Yen für uns, 2900 Yen für die Erwachsenen.
Und das Essen war sooooo genial! Hab wirklich alles Mögliche durchprobiert. Ein bisschen grünen Salat, Soyabohne, eine Schüssel Soba-Nudelsuppe mit Tempura (frittiertes Gemüse oder Fisch), etwas Omusoba (Omelette mit Sobanudelfüllung), Yakitori (Hähnchenspieße) und eine Suppe. Und zum Schluss hab ich mir mit Anne noch eine Kugel schwarzes Vanilleeis mit Erdbeerscheiben geteilt. Nebenbei wurde Mangosaft getrunken (der war gut! Hatte einen hohen Fruchtsaftgehalt) und zum Abschluss noch eine Tasse grünen Tee für jeden. Um acht haben wir uns auf den Heimweg gemacht, dreiviertel zehn (21:45 Uhr) waren wir zurück im Wohnheim. So spät war es bisher auch noch nie. Aber ein klasse Tag. Durch und durch.

... Foto vom Abendessen darf natürlich nicht fehlen:

1 Kommentar:

Christian hat gesagt…

Vielen Dank fuer das Uebersetzen der Uhrzeit ;-). War ja - von der Eiseskaelte abgesehen - eine gelungene Exkursion. Ich hoffe du kriegst deine Errungenschaft wieder mit nach Deutschland; wenn der Koffer bei der Anreise schon so schwer war *g*

Gruesse aus Saitama
Christian