Donnerstag, 25. Dezember 2008

Weihnachten in Japan

Weil die beiden Einträge thematisch so schlecht zu einander passen, mache ich am besten gleich zwei draus, auch wenn ich beides an einem Tag schreibe.
Weihnachten in Japan. Für die, die noch nicht hier waren bzw. noch nichts darüber gehört haben, ist das im Moment sicher das Interessanteste.

Aber so viel gibt es nicht darüber zu berichten. Grob gesagt wird Weihnachten hier so ähnlich gefeiert wie bei uns Silvester: Man trefft sich mit Freunden und/oder mit dem/der Freund(in) und feiert schön. Geschenke gibt es manchmal, aber wenn dann kleinere und eher für kleine Kinder. Wenn man älter wird, verläuft sich das schnell wieder. Außer man feiert eben mit seinem/seiner Freund(in). Dann sollte der Freund seiner Liebsten in der Regel was Teures schenken, ein Schmuckstück oder so. Die Männer werden in Japan ganz schön zur Kasse gebeten...
Natürlich ist Weihnachten in letzter Zeit ziemlich im Trend und ich kann nicht sagen, dass man hier gar nichts davon merkt. Hab neulich im Blog ja bereits von der Beleuchtung bei Korakuen berichtet. Solche Beleuchtungen findet man im Moment ziemlich häufig und hier und da wird Weihnachtsmusik gespielt. Auch als Weihnachtsmann, Rentier, Wichtel oder Engel verkleidete Japaner findet man immer mal. Aber das Familiäre fehlt halt größtenteils.

Mein Heiligabend sah beispielsweise so aus, dass ich lange geschlafen hab, dann um die zwei Stunden hoffentlich allen Verwandten, Freunden und Bekannten Glückwünsche übermittelt hab und dann erst mal zum Mita-Campus der Keio-Uni aufgebrochen bin, wo Prof. Oberländer uns hallesche Studenten zu einer kleinen Weihnachtsfeier eingeladen hat. Er hatte eine ganze Menge Lebkuchen, Plätzchen und ähnliches aus Deutschland dabie.
Abends (also direkt nach der Weihnachtsfeier) bin ich zum Essen zurück zur Gastfamilie gefahren und habe eine ganze Weile mit ihnen zusammen beim Abendessen verbracht. Da Heiligabend war, gab es etwas mehr als sonst und es war alles hübsch angerichtet und so. Die Vorspeise war eine italienische Suppe, dann Entenkeule und Broccoli, anschließend ein bisschen Salat und Ei. Beim Essen habe ich übrigens festgestellt, dass es in Japan das Wort "Broiler" auch gibt. So nennt man hier die Hühner, die speziell zum Essen gezüchtet werden. Ist ja witzig, dass die das Wort auch von uns übernommen haben ^^. Man staunt immer wieder, was man hier und da so aus der Heimat wiederentdeckt.
Nach dem Essen habe ich eine ganze Weile mit meinen Eltern gechattet und bin irgendwann ins Bett. Den Blog wollte ich eigentlich gestern schon schreiben, hatte dann aber keine Lust mehr *lach*. War zu müde...

Na ja, heute bin ich dann noch später aufgestanden, hab die meiste Zeit (mit ein bisschen Weihnachtsmusik im Hintergrund) in meinem Zimmer verbracht und werde jetzt langsam zum Essen gehen. Ich wurde schon vor fünf Minuten gerufen...

Frohe Weihnachten!

Geburtstag des Tennô

Am 23.12. hatte der japanische Kaiser Geburtstag und zu diesem Anlass dürfen Besucher - wirklich nur dieses eine Mal im Jahr - den kompletten Innenbereich der Gärten des Kaiserpalastes betreten. Außerdem hält der Kaiser eine Geburtstagsansprache und man hat somit die Möglichkeit, ihn einmal direkt sehen zu können. Genau wie den Rest der kaiserlichen Familie (insg. 6 Mitglieder, da hier nur die engste Verwandtschaft gezählt wird).
Wir wussten leider nicht, wann die Ansprache des Kaisers ist, hatten aber unheimliches Glück: Keine zwei Minuten nachdem wir den entsprechenden Platz erreicht hatten, kam die kaiserliche Familie auch schon auf den Balkon und der Kaiser hat seine Ansprache gehalten. Was wir ebenfalls nicht wussten: Es war wahrscheinlich das einzige Mal an diesem Tag, dass der Kaiser vor die Öffentlichkeit getreten ist, weil es ihm gesundheitlich in letzter Zeit wohl nicht so gut geht, laut meiner Gastmutter.


Vor und nach der Ansprache haben wir uns natürlich ausgiebig die Palastanlage angesehen. War wirklich sehenswert! Und natürlich gibt es davon auch haufenweise Fotos.

Der erste Ausblick, bevor man überhaupt drinnen ist. Hübsch, was?

Das hat mich ein wenig an den Buckingham Palace erinnert. Starr wie Statuen...

Altersmäßig war auch alles vertreten. Und jeder trug eine Japan-Fahne, die man vorher bekommen hatte. Insgesamt sah das Ganze dann so aus:


Und nun die Aussichten:


Nach der Palastbesichtigung wollten wir dann irgendwo in der Nähe Sushi essen gehen, sind Richtung Akihabara gelaufen, vorher allerdings direkt in Ochanomizu rausgekommen (was uns vor allem deshalb erstaunt hat, weil wir gar nicht mal lange unterwegs waren. Aber so ewig dauert es in Tokyo scheinbar gar nicht , von A nach B zu kommen...), und haben dann dort Soba gegessen, nachdem wir die Suche nach der Sushi-Bar irgendwann frustriert und hungrig aufgegeben haben. Gleich danach ging es ins Karaoke, wo sie sogar Weihnachtslieder hatten! Man findet da echt alles...
Am Abend sind wir dann doch noch weiter nach Akihabara gelaufen, um ein paar Purikura-Bildchen zu machen (Automaten-Bilder, besonders beliebt bei Treffen mit Freunden. Man wählt bunte Hintergründe aus, macht Gruppenfotos in einer superengen Kabine und verziert die Bilder anschließend noch mit Farben und Mustern. Aber Beeilung! Das ganze geht auf Zeit... Die Qualität ist übrigens sehr gut!). Jedenfalls haben wir nach solch einem Automaten auch erst einmal wieder ewig gesucht. Eigentlich gingen wir davon aus, dass in den Spielhallen überall einer sein sollte, aber denkste! Die ersten drei, vier Hallen, in denen wir geschaut hatten, hatten nicht einen Automaten! Aber irgendwann sind wir dann doch fündig geworden. Und dann ging es endlich wieder Richtung Heimat. Das viele Laufen war ganz schön anstrengend.

Montag, 22. Dezember 2008

Dies & Das

Ja, schon wieder ich. Wollte vor Weihnachten noch einmal mit einem kleinen Tages-Resümee nerven.

Zum einen war nämlich der Unterricht heute sehr interessant. Mein letzter Unterrichtstag vor den Ferien, wohlgemerkt. Ab morgen ist also bis zum 4.1. FREI!
Und da der letzte Unterrichtstag auf einen Montag fiel, kann man sich sicher denken, wie viele Leute aus dem Kurs sich heute noch in die Uni verirrt haben: Von insgesamt 25 (die aber auch nie alle vollzählig sind) haben sich noch ganze 11 Mann aus den Betten und durch die morgendliche Rush-Hour gekämpft! Und von denen wiederum hatte noch knapp die Hälfte den Aufsatz dabei, den wir als Hausaufgabe übers Wochenende schreiben sollten *lach*. Aber bis auf den Aufsatz und zwei kleine Tests war heute eh nix mehr los. Im Kanji-Unterricht haben alle nur noch darauf gewartet, dass Hino-sensei kurz vor Weihnachten evtl. ein bisschen eher Schluss macht, aber diese Hoffnung war letztlich doch vergebens. Dafür wurden wir aber auch nicht sonderlich beansprucht. Haben ein bisschen über Weihnachten und Silvester gesprochen und wie das in Japan bzw. in den verschiedenen Ländern von statten geht (wobei die Auswahl ja stark reduziert war und wir uns auf Geschichten aus Deutschland, Bulgarien, Amerika und Frankreich beschränken mussten).

Worüber ich auch unbedingt mal berichten wollte, ist Shotaro (der kleine Junge bei mir in der Gastfamilie) und was er so treibt. Inzwischen ist er 11 Monate alt und einfach nur klasse. Ich hab das Gefühl, mit dem Laufen macht er jetzt täglich Fortschritte. Vor ca. einer Woche hab ich das erste Mal gesehen, wie er kurz allein freihändig stehen konnte. Inzwischen klappt das schon ein ganzes Stück länger und wenn er läuft, dann hält er sich dazu manchmal nur noch an seinem Spielzeug fest oder tastet sich an der Wand entlang und fällt trotzdem nicht mehr um dabei. Das hat natürlich den Nachteil, dass wir auf die unteren Wohnzimmerschränke jetzt besonders Acht geben müssen, denn die bekommt er jetzt schon ganz allein auf, wie er heute schön demonstriert hat. Und auch die Sachen am Tischrand werden jetzt immer schnell in Deckung gebracht, wenn Shotaro sich an der Kante festhält - auf Zehenspitzen stehend, wohl gemerkt! - und alles ausprobieren möchte, was so interessant aussieht. Und interessant ist in der Regel alles das, wofür er noch zu jung ist: Gabeln, Gläser und andere zerbrechliche Gegenstände, Alkohol, Stecker, Handy, Computer (vor allem die Tastatur)... Für Shotaros Mutter und meine Gastmutter (also seine Oma) ist das mit Sicherheit verdammt anstrengend, denn man muss echt unentwegt aufpassen, dass er nicht gleich irgendwas Gefährliches zu fassen bekommt (was er dann übrigens mit eiserner Kraft festhält, sodass man es kaum wieder los bekommt). Darin ist er wirklich flink. Und auch beim Krabbeln. Man muss richtig hinterherrennen, um ihn wieder einzufangen XD. Beim Essen bin ich auch richtig überrascht. Dass ein Löffel nicht irgendein Spielzeug, sondern zum Essen gedacht ist, hat er inzwischen weitestgehend verstanden und er scheint ihn auch sehr gern zu benutzen. In letzter Zeit will er sich teilweise gar nicht mehr richtig von seiner Mutter oder Oma füttern lassen, sondern sein Obst oder den Reis selbst mit dem Löffel aufnehmen und essen. Total niedlich! Seine Laute werden zudem auch immer vielseitiger und deutlicher. "mamama" hört man ihn in letzter Zeit ganz oft sagen. Inzwischen hat er sich auch an mich gewöhnt und freut sich immer, wenn ich in der Nähe bin ^^. Ich bin so gespannt, was er in nächster Zeit noch alles lernt!

Der dritte Höhepunkt heute: Das Baden. Inzwischen setz ich mich eigentlich täglich noch ein paar Minuten in die Wanne, nachdem ich geduscht hab, und entspanne ein bisschen im warmen Wasser. Tut wirklich gut, vor allem wenn es draußen so kalt ist. Das wärmt bis in die Knochen. In Japan ist es ja üblich, dass man sich erst richtig wäscht (i.d.R. auf einem kleinen Hocker sitzend, in dem Bereich vor der Wanne) und danach ins warme Wasser steigt. In das übrigens kein Badezusatz o.ä. reingemacht wird.
Jedenfalls... Ich klapp so die obere Plane zurück, um reinsteigen zu können, und frag mich: Was macht das Essen im Wasser?
Einen Augenblick später ist mir dann wieder eingefallen, dass mir meine Gastmutter das vorher beim Abendessen erklärt hatte: Das gelbe, orangenartige Früchtchen heißt Yuzu, wird im Winter reif, schmeckt sauer und wird manchmal anstelle von Zitrone mit ans Essen gemacht. Oder halt in die Wanne gelegt, wo es ein wenig Duft verströmt. Aber komisch ist das schon, mit Obst in der Wanne zu baden. Ist wie mit einem Quietscheentchen: Man will die ganze Zeit damit rumspielen ^^u. Und irgendwann kam dann noch eine zweite Yuzu angeschwommen, die sich vorher im hinteren Teil der Wanne versteckt hatte, der von der zweiten Plane überdeckt ist...
Also wem beim Baden langweilig ist: Packt Essen ins Wasser. Riecht ja nebenbei auch ganz angenehm.

Den nächsten Eintrag gibt es sicher zu oder kurz nach Weihnachten.

Freitag, 19. Dezember 2008

Erlebnis-Achterbahn

Ich habe schon ewig nicht mehr so viele unterschiedliche Gefühle verspürt wie in den letzten vier Stunden, in denen ich mit Katrin, Brandon (Malaysia), Sachiko (Jap/Deu), Robert (Deu), Rakel (Schweden)+deren Freund in Korakuen unterwegs war. Das ist übrigens ein Stadtteil ganz in meiner Nähe, wo sich auch der Tokyo-Dome befindet, den einige vielleicht kennen werden.

Die ersten (Katrin, Sachiko, Rakel, ich) haben uns dort kurz nach sieben getroffen, um gemeinsam essen zu gehen. Brandon hatte noch seinen Koto-Kurs und kam später, Robert und Rakels Freund hatten ebenfalls noch zu tun zu der Zeit. Der ursprüngliche Plan war Monja-essen (für Details bitte die Google-Bildersuche nutzen), allerdings haben wir in dem Laden dann spontan mit Okonomiyaki angefangen, dann ging es weiter mit Yaki-Soba (gebratene Nudeln) und anschließend war ich satt. Schade, dabei hab ich Monja schon so lang nicht mehr gegessen T_T.
Eine Stunde später, wir vier waren mit dem Essen schon mehr oder minder fertig, kamen Brandon und Robert dann auch kurz nacheinander, Rakel hingegen hat sich erst mal verabschiedet, um sich mit ihrem Freund zu treffen.

Richtig interessant wurde es eigentlich erst nach dem Essen: Wir wollten dann zu den Arcades gehen und DDR spielen (sehr beliebtes Tanz-Spiel hier, war ich bisher auch noch nicht), aber als wir den Ort endlich gefunden hatten, durften wir feststellen, dass bereits geschlossen war. Hat aber niemanden so wirklich gestört. Vor allem Katrin, Sachiko und ich haben sowieso viel mehr auf unsere Umgebung geachtet, die überall voll mit bunten Lichterketten dekoriert war und überall hat es geblinkt, geglänzt und geleuchtet. Das in Verbindung mit den vielen Weihnachtsmotiven und Wasserspiegelungen und allem drumherum... Es war wirklich ergreifend. Unglaublich schön.

Der Bogengang hat seine Farben dauernd geändert, zudem zeitversetzt (was man hier auf dem Foto leider nicht erkennen kann), sodass er wie ein leuchtender Regenbogen aussah.

Vor allem Katrin und ich sind dann irgendwann nur noch Weihnachtslieder singend durch die Gegend geschlendert und Sachiko hat immer mit eingestimmt, wenn sie was kannte. Seit ich hier angekommen bin, habe ich noch nicht einmal eine so bezaubernde Weihnachtsstimmung hier erlebt. Das Plätzchenbacken war toll und hat echt gut getan, aber so etwas auch von außerhalb mal richtig erleben zu können, ist schon etwas anderes.
Als dann auch noch die Lichtershow lief, unten die Fontänen angingen (wir sind zu dem Zeiptunkt gerade im oberen Bereich der Passage langgeschlendert) und dazu "Happy Christmas" von John Lennon gespielt wurde, war es ganz aus. Katrin hat sogar ein paar Tränen vergossen und ich hab wohl zum ersten Mal seit ich hier bin sowas wie Heimweh verspürt und mir gewünscht, dass meine Familie jetzt bei mir sein könnte.

Jedenfalls waren die Arcades geschlossen. Irgendwann kam dann die Idee auf, ersatzweise Eisessen zu gehen und Brandon kannte sogar ein Eiscafé in der Nähe, das italienisches Eis verkauft hat! Das ist hier eine absolute Seltenheit und ich habe es bisher schmerzlich vermisst. Winter hin oder her. Und während wir unser Eis geholt haben, kam auch Rakel mit ihrem Freund zurück. Irgendwie ist die Stimmung bis dahin enorm umgeschlagen und wir haben nur noch gelacht - größtenteils über Sachen, die man unter normalen Umständen wohl überhaupt nicht lustig finden würde. So ist Brandon jetzt also ein Heiliger, zudem ein Buch mit sieben Zwiebeln (ja, das passiert, wenn man "Siegeln" nicht richtig versteht über die Entfernung des Tisches) und lauter solches Zeug. Das meiste ging wohl auf seine Kosten ^^u.
Es war wirklich herrlich. Und beim nächsten Mal muss ich meine Kamera mitnehmen und anständige Fotos machen, wenn sich so tolle Ansichten bieten wie hier an diesem Abend. Ich hab selbst jetzt noch das Gefühl, irgendwie durch den Wind zu sein, obwohl ich nun seit fast einer Stunde schon wieder zu Hause bin. Vor allem die Beleuchtung geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Das war wirklich ein unglaublicher Eindruck.

Und noch ein kleiner Nachtrag zum Mittwoch: An den Schließfächern der Umkleidekabine in dem Sportzentrum, wo wir diese Woche Volleyballtraining hatten, gab es ein wirklich witziges Hinweisschild zur Nutzung der Fächer:

Ich denke, man versteht auch ohne Übersetzung, was uns dieses nette Männchen sagen will, oder? Ich bin mir nur noch nicht sicher, ob ich jetzt den Kopf schütteln soll, weil mehr oder minder erwachsene Sportler auf solche Ideen kommen oder laut lachen, weil die Hallenbetreiber an echt alles gedacht haben.

Dienstag, 9. Dezember 2008

Maid-Café und Plätzchen

Wie der ein oder andere wohl bereits ahnt, geht es mal wieder ums Wochenende. Und am Samstag haben wir (=Brandon, Rakel (Schweden)+deren Freund, Katrin und ich) uns endlich einmal in ein Maid-Café gewagt. Für die, die mit dem Wort gar nichts anfangen können: Das ist ein Café, in dem alles super niedlich gestaltet ist. Die Kellnerinnen tragen hübsche Kleider, an den Wänden findet man öfters Tier- oder Disney-Bilder, generell ist alles recht farbenfroh gehalten und sogar das Essen wird mit Gesichtern verziert. Zudem sprechen und bewegen sich die Kellnerinnen auch in einer Form, die nach japanischen Maßstäben wohl als "niedlich" bezeichnet wird. Für Europäer kann das recht erschreckend sein (weshalb bisher auch keiner allein in solch einem Café war ^^) und der Großteil der normalsterblichen Japaner meint ebenfalls, dass das echt schräg ist, aber hey, wenigstens EINMAL sollte man so etwas doch erlebt haben während eines Auslandsaufenthaltes! Und so schlimm wie befürchtet war es am Ende gar nicht. Eigentlich richtig witzig. Die Kellnerin ist nicht so übertrieben um uns herumscharwenzelt und hat auch nicht in trommelfellberstend hohen Tönen gesprochen.
Jeder hat sich dort also eine Kleinigkeit bestellt, wobei die Eisbecher am beliebtesten waren. Die gab es nämlich als Hasen-, Bären- oder Löwengesicht zurecht gemacht. Sah echt niedlich aus.

Noch ereignisreicher war allerdings der Sonntag, an dem Franzi, Tina und Katrin bei meiner Gastfamilie zum Plätzchenbacken verabredet waren. Vier Personen, fünf Rezepte, gute sechs Stunden Dauerbacken mit gerade mal einem Blech und - mal wieder - der allseits beliebten Mikrowelle (dank Ofenfunktion). Die hat ihre Sache auch ganz gut gemeistert.


Leider Gottes hatten wir keine Weihnachtslieder parat, die die Stimmung vollendet hätten, also haben wir kurzerhand selbst ein paar Lieder angestimmt. Da uns in Sachen Weihnachtsmusik aber schnell die Ideen ausgingen und sowieso jeder irgendwelche Ohrwürmer von japanischen Lieder hatte, hab ich dann meinen Laptop ins Wohnzimmer geholt, der uns die nächsten Stunden mit japanischer Musik, später dann ein wenig die ärzte und Die toten Hosen unterhalten hat. Sehr weihnachtlich halt ;). Aber bei der Stimmung im Wohnzimmer hat das schon gepasst. Ich hoffe nur, wir waren nicht so laut, dass unser Gesinge meine Gastfamillie (der sich größtenteils schaurig ins obere Stockwerk zurückgezogen hat) allzu sehr gestört hat.

Aber man sieht, wir waren auch sehr fleißig. Na ja, mit fast 1,5 kg Mehl ist man auch sehr beschäftigt.


Und kreativ waren wir auch! Die interessante Teigfarbe kam dadurch zustande, dass wir einen Teil von Franzis zwei Teigsorten (der eine halt mit Schoko) noch einmal miteinander verknetet haben.

Das Resultat waren dann diese fünf stattlichen Kästen.

Und wir waren am Ende echt fertig, aber glücklich. Einmal im Jahr muss Plätzchenbacken schon sein!
Die ersten Portionen konnten Katrin und ich auch schon bei unseren Freunden aus dem Japanisch-Kurs verteilen. Bis jetzt hat es jedem geschmeckt.

Meine Gastmutter hat Franzi und Katrin nach dem Backen dann gleich noch zum Abendessen eingeladen. Tina musste sich leider etwas beeilen, weil sie sich an dem Abend noch mit anderen Freunden getroffen hatte, sonst hätte sie auch zum Essen bleiben können. Es gab Borschtsch (hat mich an Soljanka erinnert), sehr lecker!

Heute war bei mir an der Uni eine Weihnachtsfeier, zu der ich ursprünglich auch gehen wollte, allerdings hatte keiner meiner Freunde hier seine Einladungskarte dabei und da ich nicht allein gehen wollte, wurde spontan entschieden, dass wir uns in ein Café setzen und zusammen lernen und Hausaufgaben machen. Hat sich sogar ganz gut gemacht (obwohl wir anfangs echt viel gequatscht haben), ich hab sowohl meinen Aufsatz für morgen als auch zwei Arbeitsblätter für den Kanji-Unterricht am Freitag fertig bekommen. Und die zwei kleinen Gespräche der aktuellen Lektion mit Katrin etwas durchsprechen können, denn morgen wird das wieder bewertet.

Morgen ist wieder Tabehodai in dem preiswerten Restaurant vom letzten Mal angesagt! Und zum Abend gehen die anderen wieder Monja essen - in einem Restaurant in der Nähe meiner Gastfamilie, nur dummerweise machen sie das schon wieder an einem Mittwoch, wo ich, wie fast jede Woche, Volleyball hab. Können die das nicht mal auf einen anderen Tag verlegen T_T?

Ausnahmsweise ist der Abend bei mir noch relativ jung (erst halb elf), sodass ich jetzt noch Zeit habe, ein bisschen Brisingr (aus der Reihe von Eragon) zu lesen. Letzte Woche habe ich mir den dritten Band endlich gekauft!

Donnerstag, 4. Dezember 2008

Wenn man mal frei hat...

Gestern (Mittwoch) war bei uns an der Sophia so etwas wie ein beweglicher Ferientag, jedenfalls fiel der Unterricht aus. Das haben sowohl mein Volleyball-Zirkel als auch der Freundeskreis rundum Brandon fleißig ausgenutzt. So begann der Tag für mich gleich mal NICHT mit Ausschlafen, sondern 9:00 Uhr mit Volleyballtraining. Diesmal hat Maiko (Jap./Amerika), eine Freundin aus dem Parallelkurs, mich begleitet, denn sie würde auch gern bei uns mitmachen. Zudem gab es an dem Tag auch die erste richtige Verletzung. Eine der Spielerinnen muss sich nach dem Angriff am Netz beim Sprung wirklich ungünstig den Fuß verknackst haben, denn der tat ihr danach so sehr weh, dass sie nicht einmal mehr aufstehen konnte. Als wir es endlich geschafft hatten, ihr Schuh und Socke auszuziehen, hat man auch schon gesehen, wie extrem der Knöchel angeschwollen war. Ein paar haben dann erst mal Eis und einen Rollstuhl organisiert (sie konnte ja kein bisschen auftreten mit der Verletzung), es wurde viel rumtelefoniert und schlussendlich hatte man ein Taxi organisiert, mit dem Yuuko und noch zwei weitere bis Shibuya und von da aus zum Krankenhaus fahren konnten, um den Fuß zu checken. Hoffentlich ist das kein Bänderriss oder so...
Ca. eine dreiviertel Stunde später haben wir dann noch ein bisschen gespielt, halb eins wurde dann aufgeräumt.

Danach bin ich mit Maiko noch Richtung Shinjuku gefahren, wo wir auch Brandon und die anderen (Katrin, Sachiko (Jap/Deu) und Robert) treffen wollten. Maiko ist so nach und nach allerdings die Müdigkeit in die Knochen gekrochen, also ist sie dann doch nach Hause gefahren und ich hab die anderen am Bahnhof getroffen. Von da aus sind wir natürlich ins Karaoke gegangen (wie immer), diesmal ganze vier Stunden und das meiste davon auf Japanisch! Ging zwar, zumindest bei mir, meist in die Hose, aber hey, es ist schließlich auch zum Rumprobieren gedacht! Ich habe mich bisher nie großartig mit japanischer Musik beschäftigt, aber langsam fängt sie an, mich wirklich zu begeistern. Und nach den vier Stunden war ich tatsächlich heiser.
Vom Karaoke aus ging es dann weiter zu den Arcaden, das ist ein Game-Center (bzw. eine Kette von Game-Centern), nicht ganz so laut wie das Pachinko, aber immer noch laut genug. Für mich war es das erste Mal, dass ich in so einem Laden drin war, aber an sich ist es ziemlich interessant. Auch wenn ich lieber Brandon und Robert zugeguckt als mich selbst irgendwo betätigt hab. Vor allem Brandon ist SO gut bei den ganzen Spielen, das war echt unglaublich! Das erste, was ausprobiert wurde, war ein Spiel mit einer Trommel, die man an bestimmten Stelle anschlagen musste, wenn das entsprechende Symbol am Bildschirm erschien. Begleitet wurde das mit einem selbst ausgewählten Lied. Wenn man zeitlich gut getimed die richtige Stelle trifft, gibts Punkte. Das zweite Spiel war ein Schlagzeug, das ähnlich funktionierte. Man hatte ein Lied und musste dazu an bestimmten Stellen auf dem Schlagzeug mitspielen. Solche Rhythmus-Spiele gabs auch für Gitarre und Klavier, ansonsten gab es natürlich auch verschiedene Autorenn-Spiele, Kampfspiele, Kartenspiele und was weiß ich noch.
Anschließend haben Brandon, Katrin und ich noch einen Laden zum Abendessen gesucht (Robert und Sachiko hatten zu Hause genug und haben sich verabschiedet) und kurz nach zehn war ich dann wieder zu Hause. War also ganz schön was los.

Eigentlich dachte ich, meine Krächzstimme vom Karaoke wäre bis heute wieder in Ordnung, aber als ich morgens aufgestanden bin, war sie dann ganz weg. Und der Schnupfen wieder da. Durch die saukalte Halle, in der wir Volleyball gespielt haben, ist der Schnupfen wohl wieder ein Stück schlimmer geworden (ist hartnäckig diesmal). Und dann durfte ich im Konversations-Unterricht mit Katrin auch noch einen der Dialoge vortragen. Brandon und Robert konnten sich natürlich auf meine Kosten amüsieren...
Na ja, so langsam bekomme ich wieder den ein oder anderen Ton raus.

Nach dem Unterricht bin ich schnell nach Ebisu gefahren, um dort jemanden zu treffen, der sich wegen Deutschunterricht bei mir gemeldet hat. Seinem Auftreten nach scheint ihm das ziemlich wichtig zu sein, denn er arbeitet bei einer Solarzellen-Firma, die Kontakte mit deutschen Firmen knüpfen will, weil wir darin in Europa wohl marktführend sind. Also brauchen sie jemanden, der halbwegs Deutsch versteht, um wenigstens erst einmal relevante Informationen im Internet verstehen zu können, denn da soll es wohl, laut Aussage von Sawa-san, keine anständigen englischsprachigen Quellen geben. Das Ganze läuft also auf einen ziemlichen Crashkurs für einen gezielten Fachwortschatz hinaus. Ich bin gespannt, ob das was wird. Klingt nach einer ganz schönen Herausforderung.

Sonntag, 30. November 2008

Feste und Feiern

In den letzten beiden Wochen war wieder viel los, also bringe ich euch mal auf den aktuellen Stand.

Letzte Woche Samstag waren Franzi, Tina und ich beim Mita-Fest, dem großen Kulturfest der Keio-Uni. Und es war wirklich groß, um nicht zu sagen riesig. Ich glaube, wir haben bei weitem nicht alles gesehen, was es an dem Tag gegeben hat. Unter anderem waren natürlich wie immer viele Stände aufgebaut, auch eine Bühne für Gesang, später Tanz, sowie jede Menge weiterer Vorführungen und Ausstellungen in den einzelnen Räumen. Wir haben z.B. eine Rakugo-Vorführung besucht, dabei erzählt ein traditionell in einen Kimono gekleideter Mensch irgendeine lustige Geschichte. Ist eine ziemlich beliebte Form der Unterhaltung in Japan und dem Lachen der Zuschauer nach zu urteilen war diese Studentin wohl auch ziemlich gut. Schade, dass es so schwer zu verstehen war. Es ging wohl um einen Vater, der nicht wusste, welchen Namen er seinem Sohn geben soll, also hat er von den Vorschlägen, die gemacht wurden, einfach alle genommen. Dementsprechend lang war der Name des Kindes dann auch...
Danach waren wir noch bei einer weiteren Unterhaltungs-Comedy, deren Namen ich mir aber nicht gemerkt habe... War etwas einfacher zu verstehen, fand ich. Hierbei haben jeweils zwei Studenten gemeinsam einen Dialog miteinander geführt.

Eine Cosplay-Vorführung gab es auch in einem der Räume. U.a. dieser Vertreter (und das Pikachu im Hintergrund) haben draußen fleißig Werbung dafür gemacht.

Eines der Fotos einer Foto-Ausstellung, die wir ebenfalls besichtigt haben. Waren sehr schöne Bilder dabei.

Und so in etwa sah es insgesamt aus auf dem Campus. Na ja, abends wars noch voller.

Gegen Abend haben wir uns dann noch etwas durch den überfüllten Campus geschoben (dabei war eigentlich Sonntag der Höhepunkt des Festes! Ich will nicht wissen, wie voll es da erst war) und einen Crêpestand gesucht, den allerdings nicht gefunden und stattdessen Eis in knuspriger Waffel mit Schokosoße gegessen. Während wir dort auf der Treppe vorm Haupteingang zum Campus gesessen haben, hat Franzi uns erklärt, was es mit der Bank vor uns auf sich hatte, auf der zwei Mädels saßen, die von Jungs nur so umzingelt waren und scheinbar fleißig Handynummern ausgetauscht haben. Ein absolut ungewöhnlicher Anblick in Japan! Grund dafür war, dass diese Bank am Mita-Campus wohl ein bekannter Ort für Single-Japanerinnen ist, die sich dort hinsetzen, wenn sie jemanden kennenlernen wollen. Ja, und dann kommen die Jungs natürlich auch. Nebenbei meinte Franzi, dass man auch manchmal einfach so von einem Japaner angesprochen wird, wenn man allein irgendwo auf irgendeiner Bank/Treppe herumsitzt. Und prompt stand auch schon einer vor uns! Hat uns auf Englisch angesprochen, bissl in ein Gespräch verwickelt und uns gefragt, ob wir nicht ein bisschen Englisch/Japanisch-Tandem mit ihm machen wollen und dass er uns bei Gelegenheit ja noch ein paar schöne Orte in und um Tokyo zeigen kann. Nach 'ner halben Stunde hatten dann auch alle ihre Handynummern ausgetauscht. Schon witzig, wie schnell das ging *lach*.

Sonntag war nichts weiter los, dafür aber am Montag wieder. Wir hatten frei, also haben meine Gasteltern und ich den Tag genutzt, um etwas in die Tat umzusetzen, was wir uns schon seit über einem Monat vorgenommen haben: Ochanomizu (also das Teewasser) besichtigen. Es hat sich auch wirklich gelohnt. Nicht nur, dass da einige sehr schöne und u.a. auch einer der 10 wichtigsten Tempel Tokyos sind, wir haben auch gerade einen besonderen Tag erwischt, das "shichi-go-san" (7-5-3)-Fest, bei dem Eltern mit ihren 3- bzw. 7-jährigen Mädchen oder 5-jährigen Jungen zum Tempel gehen und für deren Gesundheit und glückliche Zukunft beten. Da waren ein paar unheimlich süße Kinder dabei mit total hübschen Kimonos! Mit einer zusammen konnte ich mich sogar fotografieren lassen (muss meine Gastmutter noch nach dem Foto fragen). Zudem fand auch gerade eine Hochzeit statt, schön mit traditionell japanischer Kleidung und allem. Wirklich ein toller Anblick!
Nach der Besichtigungstour waren wir in einem deutschen Lokal Mittag essen. Inzwischen hat es einen japanischen Namen (den ich mir nicht gemerkt habe), aber früher hieß es "Roter Ochsen". Ja, die armen Japaner verzweifeln regelmäßig an unserer Grammatik. Aber ansonsten war es ganz nett.
Zum Schluss ging es noch in einen Buchladen. Endlich mal einen GROßEN Buchladen. Dort konnte ich mir schließlich Eragon bestellen, was ich eigentlich schon seit zwei Monaten lesen wollte, und zusätzlich habe ich von meiner Gastmutter noch fünf Bücher mit japanischen Märchen geschenkt bekommen. Das war so lieb von ihr!

Die Woche können wir überspringen, war ja im Großen und Ganzen so wie immer. Die Zwischenprüfungen haben den Alltag auch nicht sonderlich verändert.
Donnerstagnachmittag war allerdings interessant. Meine Gastfamilie konnte Katrin jetzt mal persönlich kennenlernen, da ich sie einladen durfte und wir zwei dann zusammen für alle Kartoffelauflauf gemacht haben. In der Mikrowelle. Einen richtigen Ofen hat meine Gastfamilie nicht, aber die Mikrowelle hat zumindest eine Ofenfunktion, als hat es irgendwie schon funktioniert. Seltsam ist es trotzdem, wenn man 45 min einen Auflauf in eine Mikrowelle schiebt...

Gestern, Samstag. Franzis Geburtstag. Los ging es gegen 15:30, da haben wir uns zu fünft in Hiyoshi getroffen, der Gegend, wo Franzis Wohnheim liegt. Zu fünft waren wir deshalb, weil nebst uns vier Deutschen noch eine weitere deutsche Freundin von Franzi aus dem Wohnheim, Steffi, dabei war.


Vom Bahnhof aus sind wir erst zwei Stunden ins Karaoke gegangen und anschließend zu Franzis Wohnheim, wo dann mit der halben Anwohnerschaft gefeiert wurde. Leider waren wir zu diesem Zeitunkt nur noch zu viert, denn Tina sah beim Karaoke mittendrin plötzlich überhaupt nicht mehr gut aus und hat uns dann leider schon vorher verlassen T_T. Ist alles wieder in Ordnung, Tinchen?

Franzi hat für ihre Feier in der Nacht zuvor extra noch acht Kuchen gebacken. Im Toaster, wohlgemerkt! Man muss halt kreativ sein, wenn einem kein Ofen zur Verfügung steht =). Die Kuchen sind sogar was geworden, allerdings hatten die oben eine ziemlich schwarze Kruste. Die haben Katrin und ich dann vor Beginn der Party schnell abgekratzt, während Franzi mit ihrer Family ihren Geburtstagschat hatte. Dann noch ordentlich Puderzucker drüber und schon hat man nicht mehr gesehen, dass an den Kuchen mal was Verbranntes war. Und die waren auch wirklich lecker!

Während Franzi noch anschneidet, suchren sich die ersten schon ein paar Stücke raus.

Es kamen eine ganze Menge Leute zur Feier in die Küche, scheinbar haben die Leute im Wohnheim wirklich alle einen sehr guten Draht zueinander. Ist wirklich toll sowas!

Hier noch einmal Franzi und Steffi, wie sie den selbst gebackenen Kuchen genießen.

Der Leiter des Wohnheims kam irgendwann auch mit runter und hat sich mit allen unterhalten. Ist unglaublich locker drauf, hätte ich gar nicht gedacht! Franzi hat er zum Geburtstag sogar umarmt. Dabei sind Umarmungen selbst bei jungen Japanern selten. Einer der Jungs aus dem Wohnheim kam übrigens plötzlich mit Inlinern in die Küche. Da haben alle ziemlich komisch geguckt. Der Wohnheimleiter, weil er das mit Sicherheit nicht erwartet hat, und ich hauptsächlich, weil ich nicht erwartet habe, dass der Leiter nix sagt. Bei den anderen war es wohl auch sowas in der Richtung. Würde mich mal interessieren, ob er im Nachhinein noch etwas dazu hat verlauten lassen.

Gegen dreiviertel zwölf war ich dann zu Hause, bis ich im Bett war, war es halb eins und fünf Stunden später war die Nacht auch schon wieder zu Ende -_-. Heute war der erste von drei Seminartagen zu Sokes (der Großmeister vom Ninjutsu) Geburtstag. Dienstag gibts dann noch die große Feier. Weils 1. ziemlich teuer ist und ich 2. ab morgen ja wieder zur Uni muss, konnte ich nur heute hin, aber es hat sich echt gelohnt. Nachdem ich während der 1 1/2-stündigen Zugfahrt immer noch gegen das Einschlafen gekämpft habe, hat mich die Umgebung in Noda (der Ort, wo das Seminar stattfindet) dann endlich wach gemacht. Hier habe ich zum ersten Mal den berühmten japanischen Ahorn sehen können, der im Herbst so schön rot wird, dass die Japaner alle Jahre wieder hellauf begeistert davon sind. Seit heute kann ich auch verstehen, wieso. Wirklich, das war SO traumhaft! Ich bin an jedem zweiten Baum stehen geblieben und habe Fotos gemacht, aber letztlich sieht es nicht annähernd so toll aus als wenn man selbst davor steht.





Schließlich habe ich es zum ersten Mal seit Beginn meines Ninjutsu-Trainings auch zu einem Seminar geschafft. Und dann auch noch unter Leitung vom Großmeister persönlich! Das war wirklich ein tolles Ereignis. Vor allem weil das Wetter so prima mitgespielt hat (zwar, kalt, aber strahlender Sonnenschein), sodass wir draußen trainieren konnten. Der Boden war auch ideal dafür. Erde, überall mit frischem Laub überdeckt und alle paar Meter Bäume - wunderbar, um es in die Übungen zu integrieren (na ja, oder es zumindest immer mal zu versuchen). Als Weißgurt hab ich mich da ein wenig einsam gefühlt, denn das einzige weiß, was außer meinem Gürtel noch zu sehen war, war das der Schwarzgurte, die ihren Gürtel schon so lange hatten, dass die Farbe fast gänzlich schon wieder verschwunden war. Ansonsten gab es hier und da auch manchmal einen Grüngurt. Das hatte allerdings den Vorteil, dass ich die ganze Zeit über auch mit einigen Schwarzgurten üben konnte und da habe ich viele nützliche Tipps bekommen, worauf ich noch achten muss bei meinen Bewegungen. Ich denke, es hat mir sehr geholfen. Und es hat großen Spaß gemacht. Die Leute waren echt nett.
Ich schätze, von dem Seminar wird es am Ende wieder eine DVD geben, denn es wurde mit mehreren großen Kameras gefilmt, sogar nebenher der Ton geangelt. Und Fotos wurden auch massenhaft geschossen. Wenn ich die habe, frag ich mal, ob ich ein paar hier veröffentlichen darf. Ich glaub, ganz so ohne weiteres sollte man sowas nämlich nicht hochladen. Fotos von Soke z.B. durfte man auch nur mit dessen Erlaubnis schießen.

Eigentlich wollte ich längst im Bett sein und mal wieder anständig schlafen. Die ganze letzte Woche sind es nicht mehr als 5-7 Stunden gewesen, was für meine Verhältnisse verdammt wenig ist. Dementsprechend fühle ich mich auch grad und bevor ich hier am Laptop einschlafe, sag ich einfach mal Gute Nacht!

Oh, und falls mein Deutsch langsam komisch wird: Man möge es mir bitte verzeihen. In letzter Zeit habe ich immer häufiger das Gefühl, dass mir meine Muttersprache langsam abhanden kommt...

Freitag, 21. November 2008

Shopping ^-^

Kurz vornweg: Heute war meine erste Zwischenprüfung, namentlich die von Geschichte. Ich hab mir den Rat der anderen zu Herzen genommen und versucht, mich nicht zu lang beim Lernen aufzuhalten (effektiv waren es vielleicht drei Stunden *absolut keine Lust hatte*). Aber es hat gereicht :D! Scheinbar ist die Landeskunde-Vorlesung aus meinem ersten Semester doch halbwegs ertragreich gewesen, denn da hatten wir bereits einen ganz guten Überblick über die Geschichte Japans, sodass ich jetzt mit relativ wenig Aufarbeitung (es lebe Wikipedia!) prüfungsfit war. Allerdings hatte ich auch großes Glück mit den Fragen. Egal, Prüfung vorbei, ich hab geschrieben, was das Zeug hielt, jetzt kommen nur noch Japanisch-Prüfungen. Und die werden schon gehen ^^.

Brandon (Malaysia), Katrin, Petja (Bulgarien), Maiko (Japan/?) und ich waren nach den Prüfungen dann noch in Shinjuku shoppen. Ich brauchte ja sowieso dringend neue Schuhe, also war das die ideale Gelegenheit. Hab auch zum Glück welche bekommen! Sie passen und sie gefallen mir, was hier in Japan eine verdammt seltene Kombination darstellt. Den gesamten letzten Monat ist die Schuhsuche jedenfalls am "passen" gescheitert.
Der Haken an der Sache: Die haben mich knapp 23.000 Yen gekostet *steeeeeerb*. Und nein, ihr wollt nicht wissen, wie viel das in Euro ist... (Wenn man den derzeit so schlechten Kurs berücksichtigt, hat selbst mein elektronisches Wörterbuch, das ich mir im Februar gekauft habe, weniger gekostet)
Warum ist Weihnachten noch so lange hin T____T ?

Ansonsten war es echt lustig. Mein persönliches Highlight: Brandon hat eine schicke neue Hose gesucht, weil er morgen bei einem Rednerwettbewerb mitmacht (O.O). Gut, dass er die Kommentare von uns vier Mädels nicht gehört hat. Europäische Männer hätten sich vielleicht drüber gefreut, aber als Asiate wär er wohl im Boden versunken *lach*.

Morgen gehe ich mit Franzi um Kulturfest der Keio-Uni (Mita-Sai). Mal sehen, ob wir vielleicht ein paar unserer alten Freunde wiedersehen. Und das Fest an sich wird sicher auch große Klasse, denn das Fest am SFC-Campus, wo wir vor ein paar Wochen waren, war ja nur ein Nebenevent und selbst das war schon so toll! Da dürfen wir auf den Hauptakt wirklich gespannt sein.

Mittwoch, 19. November 2008

Was Kleines für zwischendurch

Viel war nicht los in letzter Zeit, daher kam jetzt auch längere Zeit kein neuer Eintrag mehr. Die wichtigsten Ereignisse sind daher schnell zusammengefasst:

ICH BIN MEINE HAUSARBEIT LOS!!! Endlich kann ich meine Wochenenden wieder etwas flexibler gestalten... Auch wenn ich das Endergebnis leider nicht so berauschend finde -_-°.

Außerdem hatte die Tina am Freitag Geburtstag. Die Vorbereitungen dazu waren zwar katastrophal (eine Woche vorher - Verabredungen zwischen Katrin, Franzi und mir: "Wir müssten langsam mal nach einem Geschenk suchen. Ideen hat keiner, Zeit irgendwie auch nicht; zumindest nicht gemeinsam..." So nach dem Motto lief das ganze ab. Aber am Ende haben wir es doch irgendwie geschafft und Tina schien sich über ihre Tasche und den Haarschmuck sehr gefreut zu haben =). Harajuku ist echt eine Goldgrube.)
Der Gebu war dann relativ ruhig. Wir sind zur Abwechslung mal NICHT ins Karaoke, sondern in ein Restaurant gegangen, nebst uns vier halleschen Studenten waren auch Kiyohiko und Ayako, Tinas Tandem-Parterin an der Waseda-Uni, mit dabei. Es war echt schön, aber für Tina wohl ziemlich anstrengend. Sie sah so kaputt aus...

Ninjutsu ist in letzter Zeit auch sehr interessant, da wir in den letzten Wochen statt den Übungen mit dem Bo (=1,90m langer Stab) die verschiedensten anderen Sachen geübt haben. Letzte Woche haben wir uns z.B. gegenseitig gewürgt, mit den Fingern in empfindliche Punkte gestochen und gekniffen. Die Aussage "alles kann verwendet werden" wird hier wirklich seeeeeeehr weit gefasst.

Trotzdem bringe ich da weniger Verletzungen mit nach Hause als beim Volleyball. Keine Ahnung, wie genau ich das diesmal geschafft habe, aber seit wir gestern die Annahmen geübt haben, habe ich am Handgelenk einen großen, geschwollenen blauen Fleck. Gut, dass er sich nicht so schlimm anfühlt, wie er aussieht.
Gestern war unser Training in einer anderen Halle als sonst, demnach haben wir auch mal andere Teams getroffen, unter anderem Spieler von der Waseda. In einer der Gruppen gab es ebenfalls eine Ausländerin und, dreimal dürft ihr raten, ja, sie war auch Deutsche XD. Kommt aus Leipzig. Den nächsten (Halb-)Deutschen habe ich heute getroffen. Manchmal frage ich mich, ob ich hier echt in Japan bin...
Japanische Mädchen sind übrigens, wenn es darum geht, Jungs beim Sport zuzusehen, genau wie deutsche. Zum Ende hatten unsere Jungs ein Match gegen das Waseda-Team und was machen die Japanerinnen? Versammeln sich alle am Spielfeldrand, gucken und kommentieren fleißig. Wobei die meiste Zeit nur kommentiert wird, wer beim Spiel am tollsten aussieht und wer generell wie beliebt bei allen ist *lach*.

Heute war Tabehodai angesagt (= all you can eat), denn Brandon (Malaysia), ein Freund aus meinem Japanisch-Kurs, hat neulich von einem preiswerten Lokal in der Nähe gehört und ein paar Leute eingeladen, also sind wir nach dem Unterricht zu acht losgegangen. Dabei habe ich heute auch den oben kurz erwähnten Halb-Deutschen kennen gelernt, der wohl auch an der Sophia studiert. Zusammen mit Robert (Deutsch, ebenfalls mein Kurs) und Sachiko (Deutschland/Japan, Parallelkurs) waren wir den anderen Nationen gegenüber wie immer in der Überzahl.
Nachdem wir uns bei der Tabehodai für 1000 Yen (knapp 7 Euro) kräftig die Bäuche vollgeschlagen haben, wollten wir eigentlich (zumindest Sachiko und ich) noch ein bisschen lernen, weil wir am Freitag Zwischenprüfung in japanischer Geschichte haben. Eigentlich. Aber als wir das Lokal verlassen haben, haben wir keine zehn Meter weiter eine Karaoke-Bar entdeckt. Und die hat auch nur 50 Yen/30 min gekostet. Und eigentlich wollten wir auch nur 'ne Stunde bleiben. Am Ende sind es zwei geworden und als wir wieder draußen waren, war es halb sechs und stockdunkel ^^u.
Soviel zum Lernen. Aber dafür hat es echt Spaß gemacht. Sachiko und ich haben es uns nicht nehmen lassen, am Ende noch das Opening von Digimon zu singen *lach*. Ich die erste Strophe auf Deutsch, sie die zweite auf Japanisch. Mit ihr macht das echt Spaß.

Sorry, dass es schon wieder keine Bilder gibt. Die Kamera ist einfach so groß, dass ich sie selten mitnehme. Aber demnächst werde ich sie mal wieder mit einstecken und auch hier wieder ein bisschen was hochladen.

Freitag, 7. November 2008

Nachtrag - Sophia-Universität

Ich habe meine älteren Posts gerade noch einmal überflogen und dabei ist mir aufgefallen, dass ich das Bild mit der wohl bekanntesten Ansicht meiner Uni noch gar nicht hochgeladen habe.

Man sieht hier zwar nicht sonderlich viel vom Campus, dafür aber den Schriftzug, der einem schon von weitem zuwinkt und dir sagt: Hier ist die Sophia-Universität (oder eben "Jouchi daigaku", wie sie im Japanischen auch heißt, was auch in Kanji oben rechts am Gebäude geschrieben steht).

Heute Abend war ich mit meiner Gastfamilie übrigens auswärts essen. Es gab Okonomiyaki - leeeeeeeeecker!!!
(Bitte googlen, wer genaueres wissen möchte. Oder in meinen alten Einträgen vom Februar/März kramen, da gibts Bilder und Erklärungen *jetzt keine Lust darauf hat*).
Gestern hatten wir Nigiri-Sushi zum Abendessen. Lauter tolle Sachen in letzter Zeit!

Donnerstag, 6. November 2008

Die abenteuerliche Nachtwanderung durch Kohinata

Kleine Erklärung: Kohinata ist der Name des Ortes, wo meine Gastfamilie wohnt.
Und warum ich gestern dort eine Nachtwanderung gemacht habe? Tja, dreimal dürft ihr raten... Hab mich verlaufen XD. Aber total. Und das nachts halb zwölf, wo in so 'ner typisch japanischen Wohnsiedlung keine Menschenseele mehr auf der Straße ist (außer ein paar Radfahrer, die zu schnell sind, um sie anzusprechen und nach dem Weg zu fragen). Also wurde aus einem vermeintlich 7-minütigen Heimweg ein 50-minütiger Heimweg.

Wie ich das nach über einem Monat erst geschafft habe? Ganz einfach: Ich hatte mein zweites Volleyballtraining in Shinkiba. Wenn ich dort in die Fukutoshin-Linie einsteige, kann ich rein theoretisch bis zu mir nach Hause fahren, ohne umsteigen zu müssen, komme allerdings nicht an meinem üblichen Bahnhof (Myogadani-Bahnhof), sondern einem anderen (Edogawabashi-Bahnhof) an, der in einer ganz anderen Richtung liegt. Das sowie die Route, die ich von da aus einschlagen muss, um nach Hause zu kommen, hat mir meine Gastmutter nach meinem ersten Training in Shinkiba erklärt, also wollte ich es jetzt mal ausprobieren.
Die ersten paar Meter gingen auch noch gut, aber danach muss ich den Hügel verpasst haben, an dem ich rechts hätte abbiegen sollen, hab dann irgendwann Leute angesprochen und nach dem Weg gefragt, sodass ich dann wenigstens die richtige Richtung einschlagen konnte. Danach hatte ich auch Glück und bin an einem Stadtplan vorbei gekommen, von denen es in Tokyo zum Glück echt viele gibt. Bis zum nächsten Stadtplan stimmte meine eingeschlagene Route auch, aber da fing dann das eigentliche Problem an. Laut Karte war ich nur noch zwei oder drei Blocks von meiner Gegend entfernt, aber die Straßen waren dort alle so klein und verwinkelt, dass man augenblicklich die Orientierung verlaufen hat, wenn man erst mal irgendwo eingebogen ist. (Für ortskundige Hallenser: Das Paulusviertel ist dagegen richtig übersichtlich!)
So stand ich nach zehn Minuten plötzlich wieder vor dem Schild, obwohl ich nicht das Gefühl hatte, im Kreis gelaufen zu sein... Na ja, Runde noch mal von vorn, diesmal einen anderen Weg eingeschlagen - und - nach zehn Minuten wieder vor dem dämlichen Schild gelandet! Inzwischen war es kurz vor zwölf, ich war immer noch mutterseelenallein und hatte langsam echt keine Lust mehr -_-. Zum Glück bin ich dann aber endlich einer Frau begegnet, die um diese Zeit noch unterwegs war, und hab sie nach dem Weg zu der Uni gefragt, die ganz bei mir in der Nähe ist. Wie sich herausgestellt hat, war die auch nur eine Straße weiter (...) und von da an bin ich auch endlich zurück gekommen.
Beim nächsten Mal werde ich entweder wieder den Umweg über Ikebukuro bis Myogadani in Kauf nehmen oder vorher die Strecke mit meiner Gastmutter zusammen ablaufen.

Von der Nachtwanderung mal abgesehen gibt es aber auch interessantere Dinge zu berichten über die letzten Tage. Zum einen habe ich jetzt endlich meine Arbeitsgenehmigung und kann mir nun einen Nebenjob suchen. Das heißt dann zwar, dass der letzte Rest Freizeit auch noch flöten geht, aber ohne geht einfach nicht. Selbst wenn ich versuche zu sparen (und das hab ich letzten Monat), komme ich gefährlich nah an mein Geldlimit ran oder sogar darüber. Ich will ja nicht leben wie die Made im Speck, aber ein ganzes Jahr mit dem Geld knausern ist dann auch nicht so das, was ich mir unter einem Auslandsaufenthalt vorgestellt habe.
Samstag war ich mit Katrin und Tina auf dem Sophia-Festival, aber verglichen mit dem SFC-Fest vor ein paar Wochen war es relativ unspektakulär. Das Waseda-Festival soll dagegen ja (laut Aussage von Tina und Katrin) wirklich toll gewesen sein. Schade...zur falschen Zeit am falschen Ort :(. Dafür war Kiyohiko am Samstag mit dabei und mit ihm ist es immer lustig ^^. Franzi und ich haben ihn im Winter kennen gelernt, als wir das erste Mal in Japan waren. Er spricht sehr gut Deutsch und versteht vor allem auch sehr viel, sodass man mit ihm auch gut auf Deutsch über andere Japaner lästern kann *g*. Ich erinnere mich da nur an das Mädel mit den Stöckelbeinen. Die waren SO dünn... Das sah echt gefährlich aus. Da hätte ich mit einer Hand rumfassen können! Und das ist jetzt nicht übertrieben.

Samstagabend habe ich dann noch eine ziemlich interessante Sache erfahren (davon wollte ich längst erzählen, hab es aber einfach noch nicht geschafft). Ich weiß nicht mehr, wie wir darauf gekommen sind, aber die Jungs haben mir nach dem Ninjutsu-Training erklärt, warum Ochanomizu (Stadtteil in Tokyo, wörtlich: "Teewasser") Ochanomizu heißt. Das hat tatsächlich was mit Tee zu tun. Zur Tokugawa-Zeit (Anfang 17. bis Anfang 19. Jhd.) gab es an diesem Ort eine Quelle, aus der man sehr gutes Wasser gewinnen konnte, welches zur Zubereitung von sehr gutem Tee verwendet wurde (z.B. für den Shogun). Deshalb also "Teewasser".

Vor ein paar Tagen hat die Bedeutung des Begriffs "Rush Hour" bei mir auch eine ganz neue Bedeutung bekommen. Ich dachte eigentlich, dass ich längst weiß, was eine "überfüllte Bahn" ist. Wenn man links, rechts und meist auch vorn und hinten ständig gegen Leute aneckt und daher nicht mal Platz hat, ein Buch zu halten (was die Japaner aber trotzdem irgendwie immer schaffen). Die RICHTIGE Rush Hour sieht allerdings so aus, dass man sein Buch doch halten kann (man muss sich bloß überwinden, weniger Rücksicht auf andere zu nehmen und versuchen, denen das Buch irgendwie in den Rücken zu drücken, damit man zumindest nicht direkt mit der Nase darin klebt. Und wenn man - mal wieder - erst früh morgens anfängt für den Kanji-Test in einer halben Stunde zu lernen, dann tut man die Rücksicht halt ab und an beiseite). Und man muss sich nirgends mehr festhalten, denn hinter und neben einem stehen die Leute wirklich SO dicht, dass man sich ein wenig wie im Schraubstock fühlt und selbst beim Anfahren und Bremsen der Bahn nicht mehr umfallen kann, sondern nur noch ein klein wenig schwankt (OHNE festhalten, wie gesagt). Dabei stand ich noch nicht einmal gerade, meine Füße waren irgendwo weiter vorn und haben auf meinen Rucksack aufgepasst, wo mein Oberkörper schon keinen Platz mehr hatte...
Als einmalige Erfahrung ist sowas recht interessant, aber dauerhaft muss ich es dann auch nicht haben. Man schwitzt auch so schon jeden Morgen allein vom Rumstehen, selbst wenn es nicht ganz so extrem voll ist.
Aber ein wenig seltsam finde ich es schon. Normalerweise berühren Japaner sich kaum, selbst wenn sie sich kennen. Unter Freunden ist es z.B. eher üblich, zur Begrüßung und zum Abschied einander zuzuwinken, als z.B. eine Umarmung, wie bei uns. Und auch sonst weicht man sich natürlich aus, wenn es möglich ist. Aber in der U-Bahn (im Fahrstuhl übrigens auch) werden diese Grenzen gänzlich abgelegt, jeder bleibt für sich anonym und alles, aber man klebt förmlich aneinander. Gut, es lohnt sich meist nicht, auf die nächste Bahn zu warten, denn die ist genauso voll wie die letzte, aber trotzdem...

Dienstag, 28. Oktober 2008

Ueno-Zoo

Am Sonntag war ich mit Tina und Katrin im Ueno-Zoo. Der ist echt groß, hat einen Haufen interessanter Tiere und kostet nur 600 Yen Eintritt! (Umgerechnet ca. 4 Euro. Und jetzt vergleicht das bitte mit dem Eintrittspreis bei unseren Zoos...)
Wir sind gegen 14:45 Uhr rein gegangen und wurden 17:00 Uhr dann leider nach draußen gebeten, weil der Zoo dann schon schließt T_T. Dadurch haben wir den letzten Rest (z.B. das Reptilienhaus) leider nicht mehr sehen können, aber ansonsten haben wir natürlich jede Menge Tiere mitgenommen und fleißig fotografiert =).
Da die Bilder der Zootiere ja für sich sprechen, will ich mich hier nicht länger mit Erklärungen aufhalten und zeige euch einfach, was wir so gesehen haben.

Eins allerdings noch vornweg: Ich weiß nicht, ob das in Ueno immer so ist, aber als wir vom Bahnhof zum Zoo gelaufen sind, sind wir einem Haufen Künstler begegnet, die, in bunte Kostüme gekleidet, getanzt, getrommelt oder sonstige Schauspiele vorgeführt haben.


Und nun die Tierchen:

Der Otter war leider zu schnell für ein anständiges Bild...

Dafür hat die Schneeeule hübsch posiert =).

Na, findet ihr den Vogel? Kleiner Tipp: Hängt verkehrt herum an der Decke. Das haben da fast alle gemacht...

Das Dunkle in der Mitte ist ein Kolibri.

Die letzten drei Fotos hab ich in einem der Dunkelräume gemacht. Bei dem letzten habe ich auf meinem Kamera-Display wirklich gar nichts mehr gesehen, das war ein reiner Schuss ins Blaue. Hätte ich nicht gedacht, dass die Cam das so hinbekommen hat!

Das hier ist was ganz besonderes gewesen: Ein Urzeit-Vogel, den es nur noch sehr selten gibt.